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Offene Worte an die Veranstalter_innen des t*CSD

Donnerstag, Juni 21st, 2012

Der diesjährige transgeniale CSD: Erst ein Werbevideo machen, in dem jemand das Schild «Queer gehört niemandem!» hochhält. Und dann schwulen Antifas einen Antirepressions-Stand verweigern, weil sie angeblich «nicht queer» seien. Irgendwie sehr widersprüchlich, findet ihr nicht auch? Und überhaupt: Ist dieses Queer-Dingens jetzt so etwas wie die neue Orthodoxie? Darf man an eurem CSD nicht mehr teilnehmen, wenn man sich dieses Gummiwort nicht überstülpt und einen entsprechenden Habitus an den Tag legt? Wenn dem so ist, dann soll diese hippe Gender-Szene doch einfach unter sich feiern. Ich geh dann dort auch nicht mehr hin.

Wenigstens muss ich mich so nicht mehr über eure Plakate ärgern – etwa jenes, auf dem, neben einem Execution-Porn-Foto aus dem Iran, «Fighting against Killing Homosexuals in the Middle East» steht. Was soll das aussagen? Dass in eurem orientalistischen Weltbild das Mullah-Regime mit dem gesamten Nahen Osten identisch ist? Dass außerhalb des Nahen Ostens keine LGBTs umgebracht werden? Und als wäre es angesichts des seit Jahren von bürgerlichen Lobbygruppen geschürten Rassismus in der lesbisch-schwulen Szene, wo Leute öffentlich bespuckt werden, die sich aufgrund ihres Klassenbewusstseins gegen kulturelle Essentialismen stellen (so geschehen mit Genossen der DKP queer während des Motzstraßenfests), nicht schon übel genug, für euer Mobilisierungsvideo ein Plakat auszuwählen, das mit homogenisierenden Zuschreibungen an eine sehr heterogene Region arbeitet, untertitelt ihr das Ganze dann auch noch suggestiv mit dem Wort «antifaschistisch»!

Der Antifa-Charakter des transgenialen CSD macht sich für euch also daran fest, dass ihr – in der Terminologie der internationalen Kriegspropaganda – gegen «Islamfaschismus» demonstriert? Na, dann wundert es mich überhaupt nicht mehr, dass ihr schwule Antifas, die wirklich – und nicht nur qua Einfühlung in westliche Bomberpiloten – gegen faschistische Tendenzen vorgehen; die um praktische Solidarität für einen Genossen bitten, der wegen seiner politischen Aktivitäten zurzeit in Untersuchungshaft sitzt; die schon allein deshalb wesentlich plausibler an die Tradition des Aufstands in der Christopher Street anknüpfen, weil sich dieser nicht abstrakt gegen «Homo- und Transphobie», sondern gegen die konkrete Drangsalierung durch die «Bullenschweine» richtete; dass ihr solche Leute bei eurem «Queer»-Spektakel nicht dabei haben wollt.

Sagt’s doch bitte frei heraus, wenn es der Antiimperialismus ist, der euch an unseren Genossen stört. Aber schiebt nicht solche absurden Begründungen vor wie die, dass sie nicht «queer» wären, während ihr gleichzeitig damit hausieren geht, dass dieses Konzept «niemandem gehört». Aber meinetwegen dürft ihr es gerne behalten!

„Anti“deutsche brüllen palästinensische „Queers“ nieder

Montag, August 1st, 2011

Pixelutopia hat ja in einem sehr dankenswerten Beitrag bereits darauf hingewiesen, wie perfide es sich mit der „anti“deutschen Instrumentalisierung von muslimischen Frauen verhält: „Sie sind höchstens Objekte einer Befreiung von Außen, einer Befreiung, die nur über ihre vorherige Rassifizierung möglich ist und in der ihre eigene Perspektive keine Rolle spielt.“

Ein ähnliches Beispiel lieferte letzten Monat der Berliner transgeniale CSD, wo „palästinensische Queers“ niedergebrüllt und ausgebuht wurden, als sie sich erstmals mit Unterstützung queerer Aktivist_innen aus Israel auf einer deutschen Kundgebung zu Wort meldeten. Als stumme Opfer sind sie scheinbar willkommen, als politische Subjekte werden sie gnadenlos niedergemacht. (mehr …)