Archiv für das 'terror'-tag

Berlin: Einladung zur Buchvorstellung

Kar­riere eines kon­stru­ier­ten Gegen­sat­zes: zehn Jahre «Mus­lime ver­sus Schwule». Sexu­al­po­li­ti­ken seit dem 11. Sep­tem­ber 2001

Do., 08.09.2011 · 10:30 — 11:30 | Café Kotti, Adal­bert­str. 96 (Empore)

9-11Die Anschläge vom 11. Sep­tem­ber 2001 und der dann ein­set­zende «Krieg gegen den Ter­ror» haben die Welt­ord­nung nach­hal­tig ver­än­dert. Sowohl im inter­na­tio­na­len als auch im innen­po­li­ti­schen Dis­kurs sind «die Muslim_innen» zu einer homo­ge­nen Gruppe zusam­men­ge­fasst und «dem Wes­ten» gegen­über­ge­stellt wor­den. Ins­be­son­dere Men­schen aus der Tür­kei, ara­bi­schen Län­dern, dem Iran und ande­ren Län­dern des Mitt­le­ren Ostens sind zur ein­heit­li­chen Gemein­schaft ernannt worden.

Die Rechte von Frauen und Homo­se­xu­el­len haben im glei­chen Zeit­raum – und durch­aus im Zusam­men­hang damit – eine beacht­li­che Auf­wer­tung erhal­ten. Wäh­rend im «Wes­ten» zumin­dest ein­zelne Erfolge der Emanzipations­bewegungen sicht­bar wur­den, schien es um die sexu­elle Selbst­be­stim­mung in mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Län­dern und inner­halb als mus­li­misch defi­nier­ter Migrant_innen-Gruppen in West­eu­ropa schlecht bestellt zu sein. Sexis­mus und zum Teil auch Homo­pho­bie dien­ten so auch als Legi­ti­ma­tion für außen­po­li­ti­sche, zum Teil mili­tä­ri­sche Inter­ven­tio­nen und für ras­sis­ti­sche Kam­pa­gnen im Inland. Aus einer kri­ti­schen Per­spek­tive wurde anfangs von „Isla­mo­pho­bie“ gespro­chen, heute war­nen selbst amt­li­che Stel­len vor „anti­mus­li­mi­schem Rassismus“.

„Kar­riere eines kon­stru­ier­ten Gegen­sat­zes: zehn Jahre «Mus­lime ver­sus Schwule». Sexu­al­po­li­ti­ken seit dem 11. Sep­tem­ber 2001″ blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Über­lap­pun­gen von femi­nis­ti­schen und quee­ren Debat­ten mit den Ent­wick­lun­gen in der Mehr­heits­ge­sell­schaft. Sie geht der Frage nach, ob/wie die rela­ti­ven Erfolge von Frauen– und Homosexuellen-Emanzipationsbewegungen unter ande­rem durch ras­sis­ti­sche Rück­schritte erkauft wur­den. Nicht zuletzt weist sie den Weg für einen Akti­vis­mus, der gesell­schaft­li­che Eman­zi­pa­tion beför­dert, anstatt benach­tei­ligte Grup­pen gegen­ein­an­der in Stel­lung zu bringen.

Die von Koray Yılmaz-Günay her­aus­ge­ge­bene Bro­schüre (in Buch­form) ent­hält unter ande­rem Bei­träge von:

Mar­kus Bern­hardt – Zül­fu­kar Çetin – Jin Hari­ta­worn – Andreas Hie­rony­mus – Alex­an­der King – Georg Klauda – Jen­ni­fer Pet­zen – Dirk Ruder – Sai­deh Saadat-Lendle – Hilal Sez­gin – Yas­emin Shoo­man – Salih Alex­an­der Wolter.

» Infos und Bestellung

Christians project their terror affinity on Muslims

Accor­ding to the poll, 89% of Mus­lim Ame­ri­cans say there is never a justi­fi­ca­tion for attacks on civi­li­ans, com­pa­red to 79% of Mor­mon Ame­ri­cans, 75% of Jewish Ame­ri­cans, and 71% of Pro­tes­tant and Catho­lic Ame­ri­cans. […] Des­pite this sur­pri­sin­gly high Mus­lim oppo­si­tion to attacks against civi­li­ans, most Ame­ri­cans of other faiths, accor­ding to the poll, feel Mus­lim Ame­ri­cans do not speak out often enough against terrorism.

(Ha’aretz, 2 Aug 2011.)

„Der Westen suchte einen neuen Feind“

Oli­vier Roy gehört zu den pro­fi­lier­tes­ten Islam­wis­sen­schaft­lern der Gegen­wart. Im Gegen­satz zur alten Garde von Ori­en­ta­lis­ten wie Ber­nard Lewis bricht er aber radi­kal mit den alten kul­tu­ra­lis­ti­schen Inter­pre­ta­ti­ons­wei­sen und stellt isla­mi­sche Bewe­gun­gen statt­des­sen in den Kon­text moder­ner Gesell­schaf­ten, deren zeit­ge­nös­si­sche Ten­denz er durch sol­che Phä­no­mene wie Glo­ba­li­sie­rung, Ent­ter­ri­to­ria­li­sie­rung, Dekul­tur­ie­rung und Ent­wur­ze­lung (Indi­vi­dua­li­sie­rung) bestimmt sieht. Die Struk­tu­ren des sog. Neo­fun­da­men­ta­lis­mus, ob in christ­li­chen oder isla­mi­schen Gesell­schaf­ten — einer­lei! -, spie­geln diese Ten­denz in extre­mer Weise wider und negie­ren sie nicht.

Vor dem Hin­ter­grund die­ser These, die er 2002 (deutsch 2004) in Der isla­mi­sche Weg nach Wes­ten for­mu­lierte, ana­ly­siert Roy in sei­nem neu­es­ten Buch Der fal­sche Krieg die fatale Bom­ben­stra­te­gie des west­li­chen Impe­ria­lis­mus, der nach dem Ende des Marxismus-Leninismus im Islam[ismus] sei­nen neuen ideo­lo­gi­schen Haupt­feind suchte und hier­für gänz­lich unzu­sam­men­hän­gende, ter­ri­to­rial gebun­dene und größ­ten­teils natio­na­lis­tisch moti­vierte Kon­flikte unter dem Stich­wort „inter­na­tio­na­ler Ter­ror“ künst­lich homogenisierte.

Hierzu ein kur­zes Inter­view mit der „Kul­tur­zeit“ (3sat):

Olivier Roy bei "Kulturzeit" (Youtube)

Eine Zusam­men­fas­sung der Rezen­sio­nen im deut­schen Feuille­ton fin­det sich, wie immer, bei Per­len­tau­cher.


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Die Vertreibung aus dem Serail

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  • Mi, 3. Jul. : Die Seele als Gefängnis des Körpers. Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno. Jena.

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