Posts Tagged ‘Sexualität’

Ibn Hazm (7): Die Vortrefflichkeit der Keuschheit

Montag, August 15th, 2011

Bevor ich’s ganz vergesse: das letzte Stück aus der Abhandlung von Ibn Hazm über die Liebe. Worauf es mir ankommt – dass das Geschlecht des Begehrten im gesamten Werk von Ibn Hazm keinen wie auch immer gearteten Unterschied konstituiert, die Kategorien von „Homo-“ und „Heterosexualität“ also gänzlich fehlen -, sollte mittlerweile klar geworden sein.

Wie mag es nun aber einem ergehen, der im Herzen etwas geborgen hat, was heißer war als Tamariskenkohle, im Busen etwas gehütet, was schärfer war als ein Schwert, der Bissen geschluckt hat herber als Koloquinte und seine Seele gegen ihren Willen von dem abgekehrt hat, was sie verlangte, was sie überzeugt war zu erreichen, worauf sie eingestellt und was ihr durch nichts verwehrt war? Wahrlich, er verdient, morgen, am Tag der Auferstehung, Freude zu erleben, an der Stätte der Belohnung und in der Welt der Ewigkeit im Kreise der Gottesfreunde zu weilen, vor den Schrecken des Jüngsten Tages und dem Entsetzen der Auferstehung sicher zu sein, und daß Gott ihm am Tage des Weltgerichts für diese Wunde Geborgenheit schenkt.

Der Arzt Abu Mūsā Hārūn ibn Mūsā hat mir folgendes erzählt: (mehr …)

Der Westen und der Orientalismus der Sexualität (Interview)

Montag, August 8th, 2011

Zur Vertiefung siehe den Essay “Re-Orienting Desire: The Gay International and the Arab World”. Eine Kritik des auf diesem Essay basierenden Buchs, Desiring Arabs, findet sich auf den Seiten der Feminist Review. Nachfolgend ein Gespräch mit dem Autor Joseph Massad. Interview: Ernesto Pagano. Unautorisierte Übersetzung: /me.

Homosexuelle in der arabischen Welt? Sie wurden vom Westen „erfunden“. In seinem Buch Desiring Arabs versucht Joseph Massad, ein Jordanier palästinensischer Herkunft und Assoziierter Professor an der Columbia-Universität, dem Prozess nachzugehen, durch den die in den USA entstandene Schwulenbewegung in einer homosexuellen Identität resultierte und sich mühte, sie jenen Arabern aufzudrängen, die Beziehungen mit Personen ihres eigenen Geschlechts unterhalten. Ein Prozess, der laut Massad den Geleisen des westlichen Imperialismus folgt. […] (mehr …)

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Samstag, Juli 16th, 2011

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (mehr …)

Die neuen Männer. Oder: da wächst zusammen, was zusammengehört

Mittwoch, Februar 16th, 2011

So wird den Individuen im „Queerfeminismus“ noch einmal gerade das genommen, was einzig das Moment ihrer Rettung wäre, die Einheit ihrer Individualität, Geschlecht, Lust, Sexualität. Das Subjekt wird theoretisch um seine Substanz gebracht. Voraus­gedacht ist all das natürlich bei der Täterschützerin Judith Butler. —Martin Dornis, 2011

Im wirklichen Leben begegnen wir uns hingegen als die geschlechtslosen Softies, die unsere Politiker schon heute sind: Androgyne Zombies wie Frau Merkel, Frau Nahles oder Frau Künast, die man selbst in seinen wildesten Macho-Phantasien nicht missbrauchen möchte. —Jürgen Elsässer, 2010

Ihr ganzen verschwulten Pazifisten-Veganer, hängt euch auf an euren aus dem Arsch gezogenen Sexismusdebatten, fickt euch alle ins Knie gegenseitig, damit Ihr wieder wisst, ob Ihr Männlein oder Weiblein seid, und geht den Leuten nicht auf den Sack, die wirklich Revolution machen wollen. —MaKss Damage, 2010

Sex, Djihad und Plagiat

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Nun hab ich mir doch mal das Buch von Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie, besorgt, um die dafür verausgabten Spesen nach einer halben Stunde Lektüre auch schon wieder zu bereuen. Den mit Beleidigungen gegenüber dem Mainstream der Gender-Forschung nur so gespickten pornographischen Rassismus des Autors auch noch inhaltlich zu kommentieren, verbietet wohl der gute Geschmack. Zur Arbeitsweise kann ich mir ein paar persönliche Anmerkungen allerdings nicht verkneifen.

So hat sich Maul nirgends die Mühe gemacht, die von ihm verwendete Sekundärliteratur erst umständlich zu paraphrasieren. Er kopiert sie einfach durch stil- und wortgetreute Übernahme ganzer Absätze selbst dort, wo es sich um Autoren handelt, die er – so dreist war wirklich noch kein Plagiator vor ihm – öffentlich angreift, beleidigt und schließlich sogar als „Abschreiber“ (S. 130) denunziert. Wie bitte?! Schamlosigkeit, sagte einst Freud, ist das erste Anzeichen von Schwachsinn.

Um nicht mit endlosen Beispielen zu langweilen, greife ich hier nur ein einzelnes Belegstück heraus. (mehr …)

Der Orientalismus der (Homo)Sexualität

Montag, Juni 14th, 2010

Veranstaltungshinweis zum CSD – oder wie es jetzt heißt: „Gay Pride“ – in Köln:

Der von Edward Said 1978 geprägte Begriff „Orientalismus“ bezeichnet den eurozentrischen westlichen Blick auf den Orient bzw. die arabische Welt. Sein Werk ist ein wichtiger Beitrag für die aktuelle postkoloniale Wissenschaft und zeigt, wie sehr der Blick auf den Orient von kolonialistischen Annahmen geprägt ist. So werden heute sexuelle Pressionen in islamischen Staaten oft zur Unterstützung einer Argumentation benutzt, die Muslime als „rückständig“ darstellt. Diese Wahrnehmung ist auch charakteristisch für die hiesigen politischen Reaktionen auf die Verfolgung iranischer Männer, die Sex mit Männern haben. Statt daraus ein Argument für die Liberalisierung des Asylrechts zu machen, wird häufig eine Verschärfung des Zuwanderungsgesetzes gefordert, um „das Vormoderne aus dem Westen auszusperren“. Entsprechend müssen lesbische und schwule Flüchtlinge weiter mit ihrer Ausweisung rechnen, während gleichzeitig überlegt wird, die Toleranz gegenüber homosexuellen Lebensweisen zur Voraussetzung einer Einbürgerung nach Deutschland zu machen.

Vortrag und Diskussion mit Georg Klauda, Berliner Soziologe und Autor des Buchs Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und Heteronormalisierung der islamischen Welt (Hamburg: Männerschwarm, 2008).

Zeit: Do., 24. Juni 2010, 19:30 Uhr.
Ort: RUBICON Köln, Rubensstraße 8-10.