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Fact Check §175

Samstag, September 18th, 2010

Bei meinem letzten Vortrag in Bochum wurde mir in suggestivem Ton die Frage gestellt, wann es denn das letzte Mal in der BRD ein Verurteilung wegen §175 StGB (Homosexuelle Handlungen) gegeben habe. Die Antwort, dass der Paragraph bis zuletzt, d.h. bis 1994, von deutschen Gerichten auch tatsächlich angewandt wurde, löste mehrere ungläubige Nachfragen aus. Deswegen als Beleg hier noch mal der Link auf den (von mir mitverantworteten) Wikipedia-Artikel zum 175er mit den einschlägigen Jahres-Kriminalstatistiken.

Hierbei lassen sich zwei historische Einschnitte feststellen: eine Explosion (Verzehnfachung) der Fallzahlen im Jahr 1935, als der Paragraph vom Beischlafverbot auf ein Totalverbot „homosexueller“ Handlungen unter Männern, einschließlich leidenschaftlichen Küssens oder gegenseitigen Masturbierens, ausgedehnt wurde. Zur Erfüllung des Tatbestands war seitdem nicht einmal mehr eine physische Berührung erforderlich. Es genügte, wenn „objektiv das allgemeine Schamgefühl verletzt und subjektiv die wollüstige Absicht vorhanden war, die Sinneslust eines der beiden Männer oder eines Dritten [zu] erregen“. (mehr …)