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Ibn Hazm (4) – Die Unterwürfigkeit

Montag, Juni 27th, 2011

Zu dem Wunderbaren, was sich in der Liebe zuträgt, gehört die Unterwürfigkeit des Liebenden seinem Geliebten gegenüber und die gewaltsame Anpassung seines eigenen Charakters an den des Geliebten. Bei Menschen mit zänkischem Wesen und schwierigem Charakter, Menschen, die sich der Leitung anderer widersetzen, ihre eigenen Entschlüsse durchführen, auf ihre Ehre bedacht und empfindlich für Demütigungen sind, kann man erleben, daß in dem Augenblick, in dem sie den Odem der Liebe verspüren, in ihren Wassern versinken und im Meer der Liebe schwimmen, sich ihre Unverträglichkeit in Sanftmut, ihre Schwierigkeit in Glätte, ihr Zielbewußtsein in Mattheit und ihre Empfindlichkeit in stille Ergebung verwandelt.

Der Geliebte hat oft eine Abneigung gegen die Äußerung von Klagen und einen Ekel davor, die Liebesseufzer seines Verehrers anzuhören. In solchen Fällen sieht man den Verliebten seine Traurigkeit verbergen, seinen Schmerz unterdrücken und seine Krankheit still für sich tragen. […]

Mukaddam ibn al-Asfar hielt sich in den Tagen seiner Jugend ständig in der Moschee östlich des Koreischitenfriedhofs in Cordova und gegenüber dem Hause des Wesirs Abū ʿUthmān Ahmad ibn Muhammad ibn Hudair auf, weil er in ʿAdschīb, den Diener des Wesirs Abū ʿUmar verliebt war. Er betete nicht mehr in der Masrūr-Moschee, in deren Nähe er wohnte, sondern suchte ʿAdschībs wegen Tag und Nacht diese Moschee auf, so daß ihn die Wache mehr als einmal bei Nacht aufgriff, wenn er nach dem letzten Abendgebet den Heimweg antrat. Er pflegte nämlich dort zu sitzen und von dort Ausschau zu halten, bis schließlich der Diener in Zorn und Unruhe geriet, auf ihn zutrat, ihn verprügelte und auf Wangen und Augen schlug. Mukaddam aber freute sich darüber und sprach: „Bei Gott! Das ist mein höchster Wunsch, und jetzt bin ich beruhigt.“ Und er schritt freudig eine Weile neben ihm her.

Ibn Hazm al-Andalusi; Max Weisweiler, Übers. Das Halsband der Taube : Von der Liebe und den Liebenden. Leipzig : Philipp Reclam jun., 1961.

Ibn Hazm (2) – Kennzeichen der Liebe

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Es gibt gewisse Kennzeichen für die Liebe, die scharfsinnige Leute entdecken und kluge Menschen finden können. Das erste davon ist das beständige Anschauen des geliebten Wesens. Das Auge ist die offene Pforte der Seele. Es erforscht ihre Geheimnisse, verleiht ihren Gedanken Ausdruck und kündet ihr Innenleben. Man sieht darum den Betrachter nicht mit der Wimper zucken, während er gleichzeitig mit dem Geliebten von der Stelle geht, mit ihm beiseite tritt und sich in der gleichen Richtung wendet wie er, so wie das Chamäleon immer mit der Sonne geht.

    Mein Auge ruht auf dir allein,
    Als wärest du ihm ein Magnet,
    Folgt deinen Schritten überall,
    Wie Beiwort stets mit Hauptwort geht.

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Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 – 1780 A.D.

Donnerstag, August 26th, 2010

Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 - 1780 A.DÜber die Geschichte weib-weiblicher Liebe in der islamischen Welt gibt es bislang einen eklatanten Mangel an Forschung und ent­sprechender Sekundärliteratur. 2009 ist die Australierin Samar Habib angetreten, dieses Manko mit ihrer nun als Taschenbuch erschienenen Monographie sowie einer ein­schlägigen Quellensammlung endlich zu be­heben. Zu letzterer hier der Klappentext:

Increasingly in mainstream dis­course and rhetoric, there only seems to be one very serious and conservative face to Islam, Muslim communities, and their govern­ments. Mainstream modern Islamic hermeneutics condemn homosexual orientations, sometimes with punishments as severe as death. Nevertheless, there were also instances in Muslim history, culture, and society where religiosity was playful not punitive, where the sexual body was inscribed with markers of pleasure not those of perdition. Exploring instances within the Arabian Islamic Empire that negate impressions about Muslim cultures as eternally monolithic, conservative, and orthodox, we can come to a better and more nuanced understanding of the complexities of former and contemporary Muslim civilizations. The question of gay and lesbian human rights in the Muslim world is a topical and pressing one, and the need now for alternative ways of approaching Islam in the modern world is more important than ever. The answers to today’s modern crisis in human rights for LGBTIQ people lies in looking at the past and highlighting elements that can assist in the creation of a more equitable future. This publication discovers and brings to the English reader an array of surviving texts penned by Muslim scholars discussing female samesex desire. From the tolerant days of the Abbasid caliphate to the celebratory text of Yusuf Tifashi in the thirteenth century and onwards toward growing strictures and greater intolerance, Arabo-Islamic Texts reveals a dynamic and lively discourse on sexuality in the Arabo-Islamic empire. The English translation of a lecture delivered in Arabic in Haifa by Samar Habib is also included in this book.

Sex, Lügen und Huntington

Donnerstag, August 12th, 2010

Einen Hoax, d.h. Schwindel, aufzudecken, bedarf es manchmal nicht mehr als einer gründlichen Überprüfung der Fußnoten. Der Blogger Abdel Kader hat das kürzlich anhand eines 2002 in der Zeitschrift „Bahamas“ erstveröffentlichten und 2007 im Ça-ira-Verlag nachgedruckten Artikels von Natascha Wilting demonstriert: Für ihre frei erfundene Behauptung, muslimische Jungen würden bis zum achten Lebensjahr an der Brust ihrer Mutter gestillt (weshalb sie „das größte psychopathologische Kollektiv“ formten, „das die Welt bis jetzt gesehen hat“), suchte sich die Autorin, nachdem sie dafür mehrfach öffentlich verspottet worden war, einfach eine falsche Quelle.

Gerhard Scheit und Natascha Wilting

Eine rassistische Lüge macht unter "antideutschen" Autoren die Runde: Natascha Wilting in einer Fußnote von Gerhard Scheits "Suicide Attack".

Ein ähnlicher Hoax lässt sich, neben zahlreichen Plagiaten, aber auch in Thomas Mauls „Ahmadinedschad in New York“ finden – ein Aufsatz, der fast die gleiche Publikationskarriere hinter sich hat wie Wiltings „Psychopathologie des Islam“: erstmals 2008 in der BaHamas erschienen, um zwei Jahre später bei Ça ira als siebtes Kapitel seiner Monographie Sex, Djihad und Despotie ein kleines Comeback zu feiern. Und genau wie Wilting scheut auch Maul nicht davor zurück, seine Quellen zu fälschen, wenn es darum geht, rassistische Vorstellungen über den Anderen zu untermauern. So heißt es an entsprechender Stelle:

Zu dieser prekären Zwangshomosexualität [in islamischen Gesell­schaften] schreibt [der schwule Exiliraner Ali] Mahdjoubi: „Es war die Hölle.“1

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  1. Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie (Freiburg: ça ira, 2010), 165. []

Uganda: Evangelikale forcieren Todesstrafe für Schwule & Freunde

Freitag, Februar 19th, 2010

Unter dem offenen Einfluss der religiösen Rechten in den USA, die so etwas wie den ideologischen „Betriebssystemkern“ des internationalen christlichen Fundamentalismus repräsentiert, forcieren evangelikale Kräfte in Uganda seit Monaten ein Gesetz, das für eine Reihe homosexualitätsbezogener Delikte die Hinrichtung oder – in minder schweren Fällen – Gefängnisstrafen bis zu lebenslanger Haft vorsieht.

In diesem Youtube-Video werden verschiedene Details des Gesetzes etwas näher beleuchtet und gezeigt, dass laut Parlamentsentwurf für eine Verurteilung nicht einmal der Vollzug sexueller Handlungen erforderlich ist. Es genügt bereits, sich für die Freiheit gleichgeschlechtlicher Liebe einzusetzen, LGBT-Organisationen zu fördern oder als Autoritätsperson Gesetzesbrecher nicht binnen 24 Stunden an die Polizei zu melden.

Wer gegen die bereits in wenigen Tagen drohende Verabschiedung des Gesetzes online petitionieren will, hat dazu hier eine letzte Gelegenheit.

Sasuke x Naruto Dōjinshi (Fan Art)

Donnerstag, Dezember 10th, 2009

Wundersame Totenvermehrung

Mittwoch, November 11th, 2009

Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden seit der islamistischen Machtergreifung im Jahre 1979 im Iran etwa 6.000 männliche Homosexuelle hingerichtet.

… schreibt das als rechtskonservative Konkurrenz zu Hagalil von dem Naziaussteiger Jörg Fischer gegründete „Nachrichtenmagazin“ haOlam. Eine Quelle nennt es dafür freilich nicht. Das wäre auch schwer möglich, da haOlam die erste Internetseite ist, die diese Phantasiezahl in Umlauf setzt. Zwar ist in diversen Internet-Nachrichtendiensten schon seit mehr als zehn Jahren von „vermutlich“ 4.000 durch die Mullahs hingerichteten iranischen Schwulen die Rede. Allerdings hat auch hier bisher noch keine einzige dieser Seiten eine seriöse Menschenrechtsorganisation herbeizitieren können, die diese abwegige Schätzung tatsächlich unterschreibt.

Online-Redakteure – die meisten davon wie Fischer ohne jede journalistische Qualifikation – hindert das allerdings nicht daran, diese Zahl wenigstens gegenseitig so lange voneinander abzupinseln, bis sie zu einer Art „known truth“ geworden ist. Dass Fischer sie trotzdem noch einmal um 50% aufstockt, weil ihm 4.000 unbelegte Fälle noch nicht hoch genug erscheinen, ist jedoch der Gipfel eines nach Aufsehen gierenden Lumpenjournalismus, der statt kritischer Analyse nur noch publizistische Schockeffekte zu erzielen versucht.

Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass Menschenrechts­organisationen unter Mahmud Ahmadinedschad tatsächlich einen drastischen Anstieg der Hinrichtungen wegen lavāt (Analverkehr zwischen Männern) registrieren. So fiel beispielsweise der letzte Fall einer Exekution wegen lavāt vor der faktischen Machtübernahme der Revolutionsgarden im Jahr 2005 auf das Jahr 1995, als Mehdi Barazandeh, ein bekannter Derwisch und Mystiker, wegen Ehebruchs und mann-männlichen Beischlafs zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde. (mehr …)

Max & Enric en "El Cor de la Ciutat" (Televisió de Catalunya)

Dienstag, November 10th, 2009

Tarik el hob – Road to Love (2001)

Sonntag, November 8th, 2009

This romantic-kitsch story goes from Paris to Marseille, from Amsterdam to Morocco via Jean Genet’s grave in Larache, and on to Tangiers. The movie tells the story of an Algerian-French heterosexual young man beginning a sociology study of gay islamic homosexualities and discovering gay love with a young French steward.

Part 1Part 2 – Part 3 (missing)
Part 4Part 5Part 6Part 7