Posts Tagged ‘Russland’

The Dying Russians

Freitag, September 19th, 2014

The New York Review of Books über den Jelzinschen Demozid an der russischen Bevölkerung:

The deaths kept piling up. People—men and women—were falling, or perhaps jumping, off trains and out of windows; asphyxiating in country houses with faulty wood stoves or in apartments with jammed front-door locks; getting hit by cars that sped through quiet courtyards or plowed down groups of people on a sidewalk; drowning as a result of diving drunk into a lake or ignoring sea-storm warnings or for no apparent reason; poisoning themselves with too much alcohol, counterfeit alcohol, alcohol substitutes, or drugs; and, finally, dropping dead at absurdly early ages from heart attacks and strokes. […]

In the seventeen years between 1992 and 2009, the Russian population declined by almost seven million people, or nearly 5 percent—a rate of loss unheard of in Europe since World War II. Moreover, much of this appears to be caused by rising mortality. By the mid-1990s, the average St. Petersburg man lived for seven fewer years than he did at the end of the Communist period; in Moscow, the dip was even greater, with death coming nearly eight years sooner.

Dramatische Reportage über den Euromaidan im russischen Fernsehen

Sonntag, März 30th, 2014

Ziemlich interessant, wenn man die folgende russische Reportage über die Ereignisse in der Ukraine mit den hiesigen Nachrichtenbildern vergleicht, die den vom Westen unterstützten und durch die massive Gewalt von faschistischen Stoßtruppen bewerkstelligten Coup gegen eine gewählte Regierung als „friedliche Revolution“ gegen einen „Diktatoren“ verkaufen wollten. Am Ende wurde unter viel nationalistischem Tamtam lediglich ein von prorussischen Oligarchen gelenktes Regime durch ein von prowestlichen gelenktes ersetzt, das jetzt bereit ist, die Bevölkerung einem rigorosen neoliberalen Spardiktat zu unterwerfen. Massenhaften Hunger inklusive. Man zweifelt dann doch irgendwann am Verstand der Menschen, die sich dafür wochenlang den Arsch abgefroren haben. Such people give revolution a bad name!


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Der antizaristische Affekt

Freitag, März 21st, 2014

Traditionsbestände deutscher Außenpolitik:

In einem Erlass vom 11. August 1914 verkündete der Berliner Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, man strebe – als „Kampfmittel gegen Rußland“ – die „Insurgierung“ unter anderem der Ukraine an. Wenig später bestätigte der Außenminister des Habsburgerreichs, „daß sowohl unser wie Deutschlands Hauptziel die möglichste Schwächung Rußlands ist. Wir hoffen daher, die Befreiung der Ukraine und der anderen durch Rußland unterdrückten Völker an unseren Grenzen zu erwirken.“ Das Vorhaben, Russland zu zerteilen, bot nicht zuletzt erhebliche innenpolitische Chancen. Zum einen konnte man mit ihm traditionelle antirussische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung bündeln; zum anderen gelang es, die militärische Aggression als Kampf gegen den Despotismus des Zarenreichs zu etikettieren und damit auch zurückhaltendere Kreise für den Waffengang zu gewinnen. „Der antizaristische Effekt [Affekt? – rhizom] der Sozialdemokratie“ sei „ein wesentliches Moment gewesen, um ihr das Eintreten für den Krieg zu erleichtern“, hielt 1961 der Historiker Fritz Fischer in seiner bahnbrechenden Studie „Griff nach der Weltmacht“ fest.

Auszug aus: „Die Restauration der Oligarchen“ (german-foreign-policy.com, 07.03.2014, Volltextzugriff)

Zwischen Russophobie und Rechtfertigung: Zur Kritik des deutschen »Homonationalismus«

Mittwoch, März 19th, 2014

In dem Artikel „Der homophobe Russe steht vor der Tür“ bewegt sich Harm auf einem schmalen Grat. Ich will nur einen Satz kommentieren: „Warum sollte jedes Land dieselben Wege gehen müssen?“ Weil Russland mit dem „Anti-Homopropaganda-Gesetz“ gar keinen anderen Weg geht, sondern nur Margaret Thatchers „No Promotion of Homosexuality“ Law aus den 80er Jahren kopiert.

Die Antwort auf Homonationalismus ist doch nicht die Relativierung von Homophobie in anderen Staaten, sondern der Nachweis, dass der Westen ein irreales und doppelzüngiges Bild über sich selbst kultiviert. Man nehme nur den Einbürgerungstest, der in Baden-Württemberg aufgelegt wurde, um Muslime pauschal als homophob zu diskreditieren, während nur wenige Jahre später dieselben „autochthonen“ CDU-Kreise, die das Thema für ihre xenophobe Politik instrumentalisierten, nun selbst eine der schlimmsten heterosexistischen Kampagnen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte vom Zaun brechen.

Das Prinzip ist immer das gleiche: Der „Andere“ wird gerade dort, wo er es einem gleichtut, als kulturell different konstruiert. So auch in der aktuellen Krimkrise: Da regen sich Deutsche über Russlands Großmachtallüren und „Putins Griff nach Westen“ auf, während sie selber über EU und NATO an der Ausweitung ihrer Einflusszone im Osten arbeiten, völkerrechtswidrige Kriege führen und einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat anstreben. DIE Heuchelei muss bloßgestellt werden, aber nicht indem man irgendwas von der Kritik an der fraktionsübergreifenden und selbst noch die Kommunisten einschließenden neokonservativen Politik der „family values“ in Russland fortnimmt.

Dass nicht schon jede Kritik aus dem Westen mit antirussischer Demagogie operiert, zeigt dabei ein Beispiel aus Schweden, wo 2.000 Menschen ihren Protest gegen das „Anti-Homopropaganda-Gesetz“ der Duma demonstrativ mit der russischen Nationalhymne unterlegten.

Im Übrigen ist es selbst ein antirussisches Klischee, dass man, wie Harm allen Ernstes behauptet, in Russland nicht demonstrieren dürfe.

Bellizistische dpa-Ente: Putin lädt doch keine „Rechspopulisten“ ein

Samstag, März 15th, 2014

Laut SPIEGEL/dpa vom 12.03.2014 hat „Russland“ europäische Rechtspopulisten als Wahlbeobachter für das Referendum auf der Krim angefragt. Die Meldung wird mittlerweile von Dutzenden Zeitungen ungeprüft weiterverbreitet. Schließlich möchte man den Makel loswerden, beim Umsturz auf dem Maidan die Augen vor den rechtsextremen Kräften verschlossen zu haben. Das erreicht man am besten, indem man den Ball an Russland weitergibt. Ist nicht Putin der wahre Faschist?

Allein, an der Meldung ist kaum etwas wahr. Die Einladung ging keineswegs von „Russland“ aus, falls damit der Kreml gemeint sein soll, sondern von der aus Brüssel, Paris, Moskau, Sotschi und Kischinau operierenden, aber rein französischsprachigen NGO „Eurasian Observatory for Democracy and Elections“ (EODE) des belgischen Rechtsextremisten Luc Michel. So übereinstimmend die internationale Presse etwa hier und hier.

Offensichtlich hat sich niemand die Mühe gemacht, die dpa-Meldung zu recherchieren, bevor er auf den Share-Button gedrückt hat. Dabei ist sie in der Form, wie sie DER SPIEGEL verbreitet, so unglaubwürdig, dass nicht mal der außenpolitische Sprecher der CDU, Philipp Mißfelder, darauf hereinfällt. Die Machtübernahme durch die Faschisten in Kiew, in deren Foren auch mal zur physischen Liquidierung aller russischsprachigen Intellektuellen des Landes aufgerufen wird, ist schließlich einer der wesentlichen Gründe für die Abspaltung der Krim. Warum also sollte sich die russische Regierung selber kompromittieren, indem sie mit den Gesinnungsgenossen der neuen ukrainischen Regierung zusammenarbeitet?

Allein, wir wissen: das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit.

Die Oligarchen: Aufstieg und Fall einer russischen Elite

Mittwoch, März 12th, 2014

Die ursprüngliche Akkumulation in Russland (1990-2000)

Frankreich/Deutschland, 2005, Regie: Alexander Gentelev.

Die Krise in der Ukraine: Washington und Berlin suchen Streit

Montag, März 10th, 2014

Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland die Krise in der Ukraine angefacht haben, um eine Konfrontation mit Russland zu provozieren. Sie haben ein rechtes nationalistisches Regime an die Macht gebracht, das sich völlig Washington und der Nato unterordnet. […]

Die Kriegshetze der USA ist derart unbesonnen, dass selbst der ehemalige Außenminister Henry Kissinger, ein skrupelloser imperialistischer Machtpolitiker, alarmiert ist. […]

Washingtons strategisches Drehbuch ist unmissverständlich: es nutzte faschistische „Demonstranten”, um den gewählten Präsidenten Wiktor Janukowitsch zu stürzen und die vollständige Kontrolle über die Ukraine zu erlangen. […]

Aber die USA suchen keinen Kompromiss mit Russland. Sie wollen, dass Russland einen erniedrigenden Rückzug antritt, und riskieren dabei den Ausbruch eines Atomkriegs. Die Vereinigten Staaten verlangen nichts weniger, als dass Moskau eine feindliche Ukraine akzeptiert, die als Vorposten für US- und Nato-Streitkräfte und als Operationsbasis für die Zersplitterung Russlands dient. (mehr …)

Mamma Mia! (Russian Comedy Skit)

Samstag, März 8th, 2014

Identitätspolitik als Theater

Mittwoch, Februar 19th, 2014

Elisabeth Kula erklärt mit Verweis auf ihre Homosexualität ihren Rücktritt aus dem Bundesvorstand des SDS, weil dieser seine Zusammenarbeit mit der jungen Welt nicht einstellen wolle. Dabei sei dort kürzlich ein ganz furchtbarer Artikel erschienen, in dem die staatliche Homophobie in Russland kleingeredet und verleugnet wurde.

Das nenn ich die unverschämte Instrumentalisierung der eigenen Identität zum Zwecke der politischen Erpressung aus anderen Gründen. Erstens wurde der Artikel in der Zeitung selbst prompt kritisiert, zweitens trifft die Forderung qua Sippenhaftung auch die homosexuellen Mitarbeiter*innen in der Redaktion, und drittens kaschiert sie die Tatsache, dass es ihr in Wirklichkeit um einen politischen Flügelkampf geht. Nie etwa wäre Kula auf die Idee gekommen, von ihrer Position zurückzutreten, um eine Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der ideologisch am anderen Ende der Linken positionierten Jungle World zu erzwingen, obwohl dort jahrelang unwidersprochen rassistische und bellizistische Ansichten unters Volk gebracht wurden. Nein, das ist dann wohl eine legitime Kontroverse!

Ach komm, Elli, lass deine Heuchelei mal stecken, vor allem weil deine Identität der Sache überhaupt nichts hinzufügt. Homophobie wird nicht erst dadurch kritikabel, dass man sich als Lesbe oder Schwuler zu erkennen gibt. Allein dass du letzteres für nötig hältst, spricht Bände über die heterosexistische Primitivität deiner Adressaten.

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Dienstag, November 10th, 2009