Archiv für das 'religion'-tag

Fundamentalismus ist überall

Dass Fundamentalismus kein kulturelles Ding ist, sondern zum gegenwärtigen Gesicht eines Zeitalters rechnet, das sich einst stolz “wissenschaftlich-technologisch” nannte, die Probleme von Armut und sozialer Unsicherheit aber so wenig lösen konnte, dass es seit Ende der 70er Jahre zunehmend in neoreligiöser Spinnerei versumpft, das belegen im Kleinen diese verstörenden Bilder aus Bet Schemesch, einer 80.000 Einwohner zählenden Satellitenstadt 30 Kilometer westlich von Jerusalem. Dort haben Ultra-Orthodoxe sich und ihren säkularen Nachbarn in den letzten Jahren eine Hölle auf Erden bereitet: strikte Geschlechtertrennung und Verbannung von Frauen aus der Öffentlichkeit; achtjährige Mädchen, die aufgrund ihres “schamlosen Aufzugs” als Flittchen beschimpft und angespuckt werden, sowie die Auskunft, dass hier nur Gottes Gesetze Gültigkeit besäßen. Von “small Iran”, wie es im Film heißt, sollte man allerdings lieber nicht sprechen, wenn man nicht die grenzenlose Wut frommer antideutscher Seelen auf sich ziehen will!

Ralf König: Götterspeise

Bin ja eigentlich nicht so ein Ralf-König-Fan. Aber wo jetzt bald der Papst kommt… Und das ist wirklich gut gemacht! :)

Does Jesus Watch Me Go Poopy?

Pastor Deacon Fred von der Landover Baptist Church beantwortet eine wichtige theologische Frage: Guckt Jesus zu, wenn ich Aa mache?

Und für Leute, die’s gar nicht genau genug haben können: hier geht’s weiter zum Bible Poop Quiz!

Olivier Roy: “Die Salafisten wenden sich ja zuallerst gegen die muslimische Kultur”

Olivier Roy - Heilige Einfalt Der auf den Islam spezialisierte Religions­soziologe Olivier Roy brilliert im Interview mit den Thesen seines neuesten Buchs Heilige Einfalt: Über die politischen Gefahren entwurzelter Religionen (2010).

„Die Presse“: Die deutsche Femi­nistin Alice Schwarzer fordert ein totales Verbot der Burka – diese bedeute „den end­gültigen Sieg des politisierten Islam“. Stimmt das?

Olivier Roy: Es ist total absurd. Der politische Islam hat nie die Burka gefordert, im Iran gibt es den Schleier. Jene, die das fordern, etwa die Salafisten, sind gerade nicht in großen Organisationen. Die Burka, das ist der Rückzug auf die individuelle Gläubigkeit, die Sekte, also genau das Gegenteil eines politischen Islam.

Der Westen sieht gemeinhin religiöse Fundamentalisten als sehr traditionsgebunden – Sie sagen in Ihrem neuen Buch, „Heilige Einfalt“, das Gegenteil, es handle sich um „entwurzelte Religionen“. Entwurzelt wovon?

Roy: Von der Kultur. In einer Kultur sind Normen und Symbole nicht von der Religion abgetrennt. [...] Die Religion wird dadurch zu einer weichen Religion. [...] Nicht alle fasten im Ramadan, aber alle tun so als ob. Als die Päpste die Herren Roms waren, gab es Bordelle – stellen Sie sich vor, man fände heute ein Bordell im Vatikan! Heute trennen sich die zwei Sphären, und zwar in allen Religionen.

Religionen ohne Kultur werden fundamentalistisch, sagen Sie. Dann wäre der Fundamentalismus eine Folge der Säkularisie­rung.

Roy: Das ist er auch. Die Säkularisierung hat die Religion nicht zerstört, sondern isoliert. Die dominante Kultur verliert das religiöse Wissen – mit Atheismus hat das nichts zu tun, die Atheisten des 19. Jahrhunderts, Marx, Freud, kannten die Religion sehr gut. Umgekehrt denkt die Religion die Kultur als etwas Externes und versucht sich allein auf den Glauben zu stellen. [...]

Doch extremistische Gruppierungen wie al-Qaida stoßen doch auf gewisses Verständnis auch in traditionellen Gesellschaften.

Roy: Keine einzige politische Gruppierung in den arabischen Ländern unterstützt bin Laden. Seine Basis sind die globalisierten Moslems. Bin Laden ist kein Traditionalist, die Scharia interessiert ihn gar nicht. Er kümmert sich auch einen Dreck um die arabischen Staaten. Soeben hat er eine englischsprachige Seite lanciert – warum? Weil die Leute, die sich für ihn begeistern, eben nicht Arabisch können! Weltweit gibt es immer mehr Konvertiten, gerade unter den Fundamentalisten, al-Qaida besteht zu circa 20 Prozent daraus. Sie sind der sichtbarste Ausdruck der „ent­wurzelten Religionen“.

Der Trend zur Ablösung von der Kultur trifft Ihnen zufolge alle Religionen – im Christentum etwa analysieren Sie die weltweite Ausbreitung der Evangelikalen. Abgesehen von der Politik – was haben diese christlichen Bewegungen mit den islamischen gemeinsam?

Roy: Sie verweigern den Kompromiss, man ist drin oder draußen. Die jeweils bei den Angehörigen der Religion dominante Kultur ist für sie heidnisch – die Salafisten wenden sich ja zuallererst gegen die muslimische Kultur. Es genügt nicht, nominell gläubig zu sein, man befindet sich also nicht mehr in einer Kirche, sondern einer Glaubensgemeinschaft, einer Sekte. Verloren hat man die Kontinuität von Kirche und Gesellschaft inklusive den Nicht­gläubigen. [...]

Der Multikulturalismus ist eine Illusion, schreiben Sie, es gehe nicht um Kultur, sondern um Religion. Aber auch Migranten­vertreter sprechen von Kultur und Identität…

Roy: Weil das akzeptiert wird. Aber der Glaube ist keine Identität, der Glaube ist ein Glaube. Das Problem ist, dass man die Spezifität des Religiösen heute nicht sehen will, die Sprache des Glaubens ist unverständlich geworden. Deswegen werden auch die Kirchen zu Sekten – weil die anderen das, was sie motiviert, nicht mehr verstehen.

Suspendierung

Kirche greift endlich konsequent durch – gegen einvernehmlichen Erwachsenen-Sex!

Racism exposed

Christopher Caldwell über das Christenproblem in seinem Land:

Viele Menschen sind zu optimistisch, wenn sie glauben, dass die Christen in den USA ihre Religion mit der Zeit gewissermaßen aufgeben werden. Ihre Religion wird vielleicht milder werden, sie wird sich verändern, aber wir wissen nicht genau wie. Mit Religion gehen gewisse Haltungen einher, und genau damit gibt es die meisten Probleme – mit der Einstellung von Christen zu Frauen, zu familiären Beziehungen, zu Sex oder zu Rechten von Schwulen.

[Redaktionelle Bearbeitung: rhizom]

A cultural topology of Jesus

Jesus Venn Diagram

(via reddit via sascha lobo via steile thesen)

The Religious Right – Then and Now (1992)

„Nicht alles Wahre muss allen Menschen gesagt werden“ (Clemens von Alexandrien)

Jesus und „der Jünger, den Jesus liebte“ (Joh 21,20)

Jesus und „der Jünger, den Jesus liebte“ (Joh 21,20)

Sehr lustig, was ursprünglich mal in der Bibel stand, bevor sie den Streichungsorgien der Kirchenväter anheimfiel:

Aber der Jüngling [Lazarus], als er ihn ansah, liebte ihn [Jesus] und fing an, ihn anzuflehen, daß er bei ihm sein möge. Und sie gingen aus dem Grab heraus und kamen in das Haus des Jünglings, denn er war reich. Und nach sechs Tagen sagte ihm Jesus, was er tun solle, und am Abend kommt der Jüngling zu ihm, ein leinenes Tuch über [seinem] nackten [Körper] tragend. Und er blieb diese Nacht bei ihm, denn Jesus lehrte ihn das Geheimnis des Reiches Gottes. (Mk 10,34a)

Prof. Morton Smith (Columbia University New York, gest. 1991), der durch die Entdeckung dieser zensurierten Stelle in einem geheimen, im Mar-Saba-Kloster nahe Betlehemen verwahrten Brief des Kirchenvaters Clemens von Alexandrien in den 70er Jahren internationale Berühmtheit erlangte, interpretiert sie wie folgt: (Continue...)


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