Archiv für das 'rassismus'-tag

“Eine verbotene Schlacht kämpfen: Wie ich aufhörte, ein verstecktes Unrecht zu vertuschen”

Mit seinem Essay “Fighting a Forbidden Battle” hat der 17-jährige Jesse Lieberfeld einen der ersten Plätze in den diesjährigen Martin Luther King, Jr. Writing Awards belegt. Die Flut der Empörung über diesen Text war so gewaltig, dass er, wie seine rassistischen Stalker stolz berichten, sogar seine sozialen Netzwerkkonten löschen oder auf privat stellen musste. Wie ich finde: ein Must-read!

Fighting a Forbidden Battle: How I Stopped Covering Up for a Hidden Wrong

by Jesse Lieberfeld

I once belonged to a wonderful religion. I belonged to a religion that allows those of us who believe in it to feel that we are the greatest people in the world—and feel sorry for ourselves at the same time. Once, I thought that I truly belonged in this world of security, self-pity, self-proclaimed intelligence, and perfect moral aesthetic. I thought myself to be somewhat privileged early on. It was soon revealed to me, however, that my fellow believers and I were not part of anything so flattering.

Although I was fortunate enough to have parents who did not try to force me into any one set of beliefs, being Jewish was in no way possible to escape growing up. It was constantly reinforced at every holiday, every service, and every encounter with the rest of my relatives. I was forever reminded how intelligent my family was, how important it was to remember where we had come from, and to be proud of all the suffering our people had overcome in order to finally achieve their dream in the perfect society of Israel.

This last mandatory belief was one which I never fully understood, but I always kept the doubts I had about Israel’s spotless reputation to the back of my mind. “Our people” were fighting a war, one I did not fully comprehend, but I naturally assumed that it must be justified. We would never be so amoral as to fight an unjust war. Yet as I came to learn more about our so-called “conflict” with the Palestinians, I grew more concerned. I routinely heard about unexplained mass killings, attacks on medical bases, and other alarmingly violent actions for which I could see no possible reason. “Genocide” almost seemed the more appropriate term, yet no one I knew would have ever dreamed of portraying the war in that manner; they always described the situation in shockingly neutral terms. Whenever I brought up the subject, I was always given the answer that there were faults on both sides, that no one was really to blame, or simply that it was a “difficult situation.” It was not until eighth grade that I fully understood what I was on the side of. One afternoon, after a fresh round of killings was announced on our bus ride home, I asked two of my friends who actively supported Israel what they thought. “We need to defend our race,” they told me. “It’s our right.”

“We need to defend our race.”

Where had I heard that before? Wasn’t it the same excuse our own country had used to justify its abuses of African-Americans sixty years ago? In that moment, I realized how similar the two struggles were—like the white radicals of that era, we controlled the lives of another people whom we abused daily, and no one could speak out against us. It was too politically incorrect to do so. We had suffered too much, endured too many hardships, and overcome too many losses to be criticized. I realized then that I was in no way part of a “conflict”—the term “Israeli/Palestinian Conflict” was no more accurate than calling the Civil Rights Movement the “Caucasian/ African-American Conflict.” In both cases, the expression was a blatant euphemism: it gave the impression that this was a dispute among equals and that both held an equal share of the blame. However, in both, there was clearly an oppressor and an oppressed, and I felt horrified at the realization that I was by nature on the side of the oppressors. I was grouped with the racial supremacists. I was part of a group that killed while praising its own intelligence and reason. I was part of a delusion. (Continue...)

Islamhass als neoliberale Ideologie

UT: „Islamfaschismus” und „muslimisch-bolschewistische Verschwörung”

Antimuslimischer (Kultur-)Rassismus wird von Neokonservativen, bürgerlichen Nazigegnern und „Ideologiekritikern” ebenso verbreitet wie von Neuen Rechten und Nazis. Erklären lässt sich dieser gesellschaftliche Hass-Konsens nur, wenn die aggressive Hetze gegen den Islam, Muslime und deren angeblichen „Umma-Sozialismus” nicht allein als eine Form von Fremdenfeindlichkeit, sondern auch als Legitimationsideologie für neoimperialistische Kriege analysiert und ihre Verknüpfung mit dem Anti­kommunismus in den Fokus genommen wird.

Diskussionsveranstaltung mit:

Prof. Dr. Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)

Susann Witt-Stahl, Journalistin und Autorin, Hamburg

Dr. Sabine Schiffer, Leiterin Institut für Medienverantwortung, Erlangen

Moderation: Markus Bernhardt (junge Welt)

Veranstalter: junge Welt & Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)

17.04.2012, Beginn 19:00 Uhr
jW-Ladengalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin

Von hier…

Antirassistische Arbeiterprotestlieder anno 1972: Albino & Arbeitersache — “Wir sind alle Fremdarbeiter”


via onlyaabutxxx

Das enorme Repertoire an Protestliedern, das die Migrant/innen aus ihren Herkunftsländern mitgebracht hatten, war zudem für die Gruppe Arbeitersache ein entscheidender Ansporn, um deutsche Protestlieder zu schreiben, die sich im Gegensatz zu den alten Arbeitermärschen an der aktuellen Popmusik orientierten. Auf der ersten Schallplatte des Münchner Trikont-Verlags befassten sich beispielsweise zwei Lieder ausschließlich mit der Situation der Migrant/innen und dem Streik bei BMW. „Ans Fließband, ans Fließband, die Bosse ans Fließband gestellt!“ — singt Albino, selbst Aktivist bei Lotta Continua und BMW-Bandarbeiter in dem Lied „Wir sind alle Fremdarbeiter“. Laut im Chor und voller Zukunfts­gewissheit tönt es dagegen im rhythmischen Blues „Bei BMW wird gestreikt“ — „Wir waren zwar wenige, doch den Geldsäcken haben wir, was sie so erwartet, mal gezeigt“. (Materialien 1972)

Der Mehrwert des Rassismus

Aus der Debatte um den republikanischen Antikriegskandidaten Ron Paul und die von ihm zwar nicht selbst verfassten, aber mit seinem Namen versehenen Newsletter aus der Zeit zwischen 1989 und 1994 hebt sich vor allem ein Text der liberalen Zeitschrift reason positiv hervor. Im Unterschied zu den interessierten Skandalartikeln von Neokonservativen und jenes kleinen Kreises linker Bellizisten, den es bedauerlicherweise auch in den USA gibt, spricht er nämlich ehrlich aus, wie nicht nur Dr. Pauls Ghostwriter vor 20 Jahren, sondern ein Großteil der gesamten Republikanischen Partei bis heute tickt. Um es gleich vorwegzunehmen: es geht darum, dass Rassismus in den letzten Jahrzehnten für einen systematischen Angriff auf den Sozialstaat instrumentalisiert wurde, indem man stets aufs Neue das Ressentiment der “Rednecks” – der sich über ihre Hautfarbe identifizierenden Mitglieder der weißen Arbeiterschaft des Südens – gegen die afroamerikanische Unterschicht mobilisierte. “Die Ordnung”, ließ sich etwa einer der Newsletter von Ron Paul & Associates im Jahr nach den Rodney King Riots von 1992 vernehmen, “wurde in L.A. erst wiederhergestellt, als es für die Schwarzen Zeit wurde, ihre Wohlfahrtsschecks abzuholen.” Die Autoren Julian Sanchez und David Weigel von reason situieren diesen Rassismus in einem größeren strategischen Kontext: (Continue...)

Die autoritäre Sehnsucht im deutschen Sprechgesang

Der deutsche Sängerbarde Koljah hat Ende vergangenen Jahres ein Lied mit einem Mordaufruf gegen den Kabarettisten und “Islamversteher” Hagen Rether veröffentlicht. Anders B. lässt grüßen:

Und da mal ein ganz praktischer Aufruf: Wenn ihr seht, dass Koljah in eurem Jugendclub spielen soll, seid doch bitte so freundlich und macht die Veranstalter darauf aufmerksam, dass ihr es – gerade nach Norwegen – nicht besonders cool findet, jemand einzuladen, der sich auf seinem Solo-Album einen Attentäter gegen linke Sozialdemokraten herbeiwünscht, nur weil sie es wagen, sich öffentlich gegen Krieg und Rassismus zu stellen.

via Schreiben für die Welt

Berlin: Einladung zur Buchvorstellung

Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001

Do., 08.09.2011 · 10:30 – 11:30 | Café Kotti, Adalbertstr. 96 (Empore)

9-11Die Anschläge vom 11. September 2001 und der dann einsetzende «Krieg gegen den Terror» haben die Weltordnung nachhaltig verändert. Sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Diskurs sind «die Muslim_innen» zu einer homogenen Gruppe zusammengefasst und «dem Westen» gegenübergestellt worden. Insbesondere Menschen aus der Türkei, arabischen Ländern, dem Iran und anderen Ländern des Mittleren Ostens sind zur einheitlichen Gemeinschaft ernannt worden.

Die Rechte von Frauen und Homosexuellen haben im gleichen Zeitraum – und durchaus im Zusammenhang damit – eine beachtliche Aufwertung erhalten. Während im «Westen» zumindest einzelne Erfolge der Emanzipations­bewegungen sichtbar wurden, schien es um die sexuelle Selbstbestimmung in mehrheitlich muslimischen Ländern und innerhalb als muslimisch definierter Migrant_innen-Gruppen in Westeuropa schlecht bestellt zu sein. Sexismus und zum Teil auch Homophobie dienten so auch als Legitimation für außenpolitische, zum Teil militärische Interventionen und für rassistische Kampagnen im Inland. Aus einer kritischen Perspektive wurde anfangs von “Islamophobie” gesprochen, heute warnen selbst amtliche Stellen vor “antimuslimischem Rassismus”.

“Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001″ blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Überlappungen von feministischen und queeren Debatten mit den Entwicklungen in der Mehrheitsgesellschaft. Sie geht der Frage nach, ob/wie die relativen Erfolge von Frauen- und Homosexuellen-Emanzipationsbewegungen unter anderem durch rassistische Rückschritte erkauft wurden. Nicht zuletzt weist sie den Weg für einen Aktivismus, der gesellschaftliche Emanzipation befördert, anstatt benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen.

Die von Koray Yılmaz-Günay herausgegebene Broschüre (in Buchform) enthält unter anderem Beiträge von:

Markus Bernhardt – Zülfukar Çetin – Jin Haritaworn – Andreas Hieronymus – Alexander King – Georg Klauda – Jennifer Petzen – Dirk Ruder – Saideh Saadat-Lendle – Hilal Sezgin – Yasemin Shooman – Salih Alexander Wolter.

» Infos und Bestellung

Biedermann und Brandstifter

Die Medien beeilen sich, den Massenmörder von Oslo und Utøya als irrsinnigen Einzelgänger darzustellen. Dabei ist sein 1.500-Seiten-Pamphlet, an dem seine Wahnhaftigkeit diagnostiziert werden soll, kaum mehr als eine Guttenberg-Collage: ein fast schon repräsentativer Querschnitt durch mehrere Jahre publizistischer Schreibtischtäterschaft der sog. islamkritischen Szene. Und obwohl letztere im deutschsprachigen Internet das größte politische Meinungsangebot mit ca. 38 Millionen Seitenzugriffen pro Monat unterhält, heißt es jetzt: “Er kam aus dem Nichts.” Aber sind 38 Millionen Seitenaufrufe allein in Deutschland etwa nichts?

Selbst PI-News räumt ein, was die meisten Mainstream-Kommentatoren nicht wahrhaben wollen: dass Anders Behring Breivik “großenteils Dinge [schreibt], die auch in diesem Forum stehen könnten”, sich also mitnichten vom ideologischen Durchschnitt der Szene unterscheidet. Aber trotz des mutig wirkenden Eingeständnisses “eigener Verantwortung” ließ PI-News zwischen der notwendig gewordenen Korrektur an kewils Beitrag “Warum bombt [der] Islam ausgerechnet in Oslo?” (22.7.) und seiner Hetze gegen arabische “Einwanderung per Asylbetrug” (24.7.) keinen Tag ungenutzt verstreichen, um Feuer an muslimischen Wohnhäusern zu legen.

Aber siehe da: auf einmal soll die Hetze gegen Islam und Multikulti kewil und Breivik als “Extremisten” ausweisen – als hätten Politiker der Mitte dieses Register nie gezogen. Vergessen die SPIEGEL-Titel über die “stille Islamisierung” und Merkels Brandrede über das “Scheitern von Multikulti”: Nein, Breivik ist nur ein irrer Einzelgänger, der in einer fernen “Phantasiewelt” lebt!

PI-News-Leser diskutieren über Homosexualität

"Das hat nichts mit Intoleranz zu tun" (Continue...)

Divide et impera: Wie die CDU gegen die Emanzipation von Lesben, Schwulen und Migranten kämpft

Aktuelle Meldung auf Queer.de: CDU und FDP weigern sich, die von ihnen verantworteten Strafrechtsurteile gegen gleichgeschlechtlich liebende Männer in der Zeit zwischen 1945 und 1994 aufzuheben und die Opfer des § 175 zu entschädigen. Die Begründung liefert der schwu, pardon: ledige FDP-Politiker Jörg van Essen, in dessen Zeit als Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt in Hamm bundesweit 2.156 Verurteilungen wegen “homosexueller Handlungen” fallen. “Mit Stolz schauen wir auf unsere Verfassung und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung”, lobt van Essen das Rechtssystem, unter dessen Fittichen etwa 100.000 rechtskräftige Urteile wegen Unzucht zwischen Männern ausgesprochen wurden. Muss man da nicht ein paar persönliche Kollateral­schäden in Kauf nehmen? Flankenhilfe erhält der Oberst der Reserve in seinem Anschlag auf die Interessen der Opfer des § 175 von dem CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling, der den Grünen-Antrag als den Versuch brandmarkt, “rückwirkend die deutsche Rechtsordnung” auszuhebeln.

Themenwechsel. Statt sich weiter mit der drolligen Forderung von Schwulen nach historischer Gerechtigkeit zu befassen, möchte sich die CDU in Berlin lieber einem aktuelleren Thema zuwenden. Nachdem Schwule 1994 im Zuge der Rechtsangleichung mit der ehemaligen DDR aus ihrer Rolle als Opfer des CDU-Staats endlich entlassen wurden, möchten die Konservativen sie nunmehr für ihr Projekt eines Ausbaus staatlicher Gewaltsysteme begeistern, und zwar besonders im Hinblick auf die Situation ethnisch Minorisierter. Hierzu soll das “Augenmerk” verstärkt “auf Herkunft und kulturellen Hintergrund der Täter” homophober Übergriffe gerichtet werden, um in Fortsetzung der erfolgreichen Integrationspolitik der letzten Jahre die Quote von Migrant_innen in Berliner Strafanstalten weiter anzuheben. Für diesen Zweck bezieht sich die CDU in ihrem Landesparteiprogramm erstmals “stolz auf die Vielfalt der Lebens­entwürfe und Lebensformen in unserer Stadt”, für deren Förderung sich die Partei in der Vergangenheit ja bleibende Verdienste erworben hat (siehe oben!).

Doch das Spiel geht auch andersherum. So versuchte der von der CDU als Gutachter bestellte Verfassungsrichter Prof. Dr. Winfried Kluth (Uni Halle) noch im Mai vergangenen Jahres, die Einführung eines grundgesetzlichen Diskriminierungs­schutzes aufgrund der “sexuellen Identität” mit dem Argument zu verhindern, dass dieser das Bekenntnis von Muslimen zur deutschen Verfassung erschwere. Ein kluger Schachzug: Auf diese Weise muss sich die CDU ihre eigene Homophobie nicht als solche zurechnen lassen, sondern schiebt Muslime vor, deren angebliche Rückständigkeit man an anderer Stelle zum Vorwand für eine restriktive Einbürgerungs­politik nimmt. Nur dumm, dass der Zentralrat der Muslime gegen dieses fiese Spielchen intervenierte und sich prompt dafür aussprach, den Diskriminierungs­schutz von Schwulen und Lesben im Grundgesetz zu verankern. Dass das auf die Blockade-Haltung der CDU keinerlei Einfluss hatte, versteht sich von selbst…

Staat. Nation. CDU. Scheiße.

Neues zur Schnittstelle zwischen Homophobie und antimuslimischem Rassismus

Vom 17. bis zum 19. Juni 2011 findet im Waldschlösschen bei Göttingen ein Wochenendseminar zum Thema Homosexualität, Islam, Migration statt. Noch sind einige Plätze frei (Übernachtung und Vollverpflegung inklusive). Anmeldung hier!

Der Text Globalizing Homophobia, der vor wenigen Monaten in englischer Übersetzung erschien, ist auf der Seite der Gruppe Terminal*119 aus Thessaloniki jetzt auch auf Griechisch erhältlich: Η Παγκοσμιοποίηση της Ομοφοβίας.

Vom 27. bis zum 29. Mai bin ich auf der Off_Pride, einem alternativen Queer-Fest in Zürich, vom 2. bis 4. Juni auf einem Kongress gegen antimuslimischen Rassismus in Mainz (Infos bald hier) und vom 8. bis zum 10. Juli auf dem Gaymat-Festival in Luxemburg. Vielleicht sehen wir uns!

Workshops zu den Themen Sexismus, Rassismus, Nationalismus, “Islamkritik” sowie jede Menge progressiver Musik gibt’s auch auf dem Antifee-Festival, das am 10. und 11. Juni in Göttingen stattfindet.


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Die Vertreibung aus dem Serail

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  • Do, 17. Mai. : BUKO 34. Fachhochschule Erfurt.

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