Posts Tagged ‘queer’

An Archeology of Failure: Early LGBT Activism in the U.S.

Montag, April 15th, 2013

Interessanterweise starten Hagiographien der US-amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung immer mit der 1951 von dem CPUSA-Mitglied Harry Hay gegründeten, aber dann aus Angst vor der Staatsmacht sehr schnell sehr konservativ gewordenen Mattachine Society als dem angeblich ersten politischen Zusammenschluss für die »Rechte von Homosexuellen« in Nordamerika. Von daher ist es ganz interessant, in einem Artikel, der 1980 in Urgent Tasks, einer Zeitschrift der revolutionären Linken in den USA, erschienen ist, folgende historische Episode zu entdecken, die in den zurechtgebügelten Geschichtsnarrativen der amerikanischen LGBT-Bewegung schon aus Grundsatz unterschlagen wird. Nach dem Motto: Was sich dem Kriterium des Erfolgs nicht fügt, das hat in unserem Epos nichts zu suchen. Geschichte dient hier vor allem der Legitimation ihres Resultats: »uns« und der Art, wie wir Politik betreiben. Erfahrungen des Scheiterns stören da nur den Flow der Erzählung. (mehr …)

Offene Worte an die Veranstalter_innen des t*CSD

Donnerstag, Juni 21st, 2012

Der diesjährige transgeniale CSD: Erst ein Werbevideo machen, in dem jemand das Schild «Queer gehört niemandem!» hochhält. Und dann schwulen Antifas einen Antirepressions-Stand verweigern, weil sie angeblich «nicht queer» seien. Irgendwie sehr widersprüchlich, findet ihr nicht auch? Und überhaupt: Ist dieses Queer-Dingens jetzt so etwas wie die neue Orthodoxie? Darf man an eurem CSD nicht mehr teilnehmen, wenn man sich dieses Gummiwort nicht überstülpt und einen entsprechenden Habitus an den Tag legt? Wenn dem so ist, dann soll diese hippe Gender-Szene doch einfach unter sich feiern. Ich geh dann dort auch nicht mehr hin.

Wenigstens muss ich mich so nicht mehr über eure Plakate ärgern – etwa jenes, auf dem, neben einem Execution-Porn-Foto aus dem Iran, «Fighting against Killing Homosexuals in the Middle East» steht. Was soll das aussagen? Dass in eurem orientalistischen Weltbild das Mullah-Regime mit dem gesamten Nahen Osten identisch ist? Dass außerhalb des Nahen Ostens keine LGBTs umgebracht werden? Und als wäre es angesichts des seit Jahren von bürgerlichen Lobbygruppen geschürten Rassismus in der lesbisch-schwulen Szene, wo Leute öffentlich bespuckt werden, die sich aufgrund ihres Klassenbewusstseins gegen kulturelle Essentialismen stellen (so geschehen mit Genossen der DKP queer während des Motzstraßenfests), nicht schon übel genug, für euer Mobilisierungsvideo ein Plakat auszuwählen, das mit homogenisierenden Zuschreibungen an eine sehr heterogene Region arbeitet, untertitelt ihr das Ganze dann auch noch suggestiv mit dem Wort «antifaschistisch»!

Der Antifa-Charakter des transgenialen CSD macht sich für euch also daran fest, dass ihr – in der Terminologie der internationalen Kriegspropaganda – gegen «Islamfaschismus» demonstriert? Na, dann wundert es mich überhaupt nicht mehr, dass ihr schwule Antifas, die wirklich – und nicht nur qua Einfühlung in westliche Bomberpiloten – gegen faschistische Tendenzen vorgehen; die um praktische Solidarität für einen Genossen bitten, der wegen seiner politischen Aktivitäten zurzeit in Untersuchungshaft sitzt; die schon allein deshalb wesentlich plausibler an die Tradition des Aufstands in der Christopher Street anknüpfen, weil sich dieser nicht abstrakt gegen «Homo- und Transphobie», sondern gegen die konkrete Drangsalierung durch die «Bullenschweine» richtete; dass ihr solche Leute bei eurem «Queer»-Spektakel nicht dabei haben wollt.

Sagt’s doch bitte frei heraus, wenn es der Antiimperialismus ist, der euch an unseren Genossen stört. Aber schiebt nicht solche absurden Begründungen vor wie die, dass sie nicht «queer» wären, während ihr gleichzeitig damit hausieren geht, dass dieses Konzept «niemandem gehört». Aber meinetwegen dürft ihr es gerne behalten!

Berlin: Einladung zur Buchvorstellung

Sonntag, September 4th, 2011

Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001

Do., 08.09.2011 · 10:30 – 11:30 | Café Kotti, Adalbertstr. 96 (Empore)

9-11Die Anschläge vom 11. September 2001 und der dann einsetzende «Krieg gegen den Terror» haben die Weltordnung nachhaltig verändert. Sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Diskurs sind «die Muslim_innen» zu einer homogenen Gruppe zusammengefasst und «dem Westen» gegenübergestellt worden. Insbesondere Menschen aus der Türkei, arabischen Ländern, dem Iran und anderen Ländern des Mittleren Ostens sind zur einheitlichen Gemeinschaft ernannt worden.

Die Rechte von Frauen und Homosexuellen haben im gleichen Zeitraum – und durchaus im Zusammenhang damit – eine beachtliche Aufwertung erhalten. Während im «Westen» zumindest einzelne Erfolge der Emanzipations­bewegungen sichtbar wurden, schien es um die sexuelle Selbstbestimmung in mehrheitlich muslimischen Ländern und innerhalb als muslimisch definierter Migrant_innen-Gruppen in Westeuropa schlecht bestellt zu sein. Sexismus und zum Teil auch Homophobie dienten so auch als Legitimation für außenpolitische, zum Teil militärische Interventionen und für rassistische Kampagnen im Inland. Aus einer kritischen Perspektive wurde anfangs von „Islamophobie“ gesprochen, heute warnen selbst amtliche Stellen vor „antimuslimischem Rassismus“.

„Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001“ blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Überlappungen von feministischen und queeren Debatten mit den Entwicklungen in der Mehrheitsgesellschaft. Sie geht der Frage nach, ob/wie die relativen Erfolge von Frauen- und Homosexuellen-Emanzipationsbewegungen unter anderem durch rassistische Rückschritte erkauft wurden. Nicht zuletzt weist sie den Weg für einen Aktivismus, der gesellschaftliche Emanzipation befördert, anstatt benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen.

Die von Koray Yılmaz-Günay herausgegebene Broschüre (in Buchform) enthält unter anderem Beiträge von:

Markus Bernhardt – Zülfukar Çetin – Jin Haritaworn – Andreas Hieronymus – Alexander King – Georg Klauda – Jennifer Petzen – Dirk Ruder – Saideh Saadat-Lendle – Hilal Sezgin – Yasemin Shooman – Salih Alexander Wolter.

» Infos und Bestellung

„Anti“deutsche brüllen palästinensische „Queers“ nieder

Montag, August 1st, 2011

Pixelutopia hat ja in einem sehr dankenswerten Beitrag bereits darauf hingewiesen, wie perfide es sich mit der „anti“deutschen Instrumentalisierung von muslimischen Frauen verhält: „Sie sind höchstens Objekte einer Befreiung von Außen, einer Befreiung, die nur über ihre vorherige Rassifizierung möglich ist und in der ihre eigene Perspektive keine Rolle spielt.“

Ein ähnliches Beispiel lieferte letzten Monat der Berliner transgeniale CSD, wo „palästinensische Queers“ niedergebrüllt und ausgebuht wurden, als sie sich erstmals mit Unterstützung queerer Aktivist_innen aus Israel auf einer deutschen Kundgebung zu Wort meldeten. Als stumme Opfer sind sie scheinbar willkommen, als politische Subjekte werden sie gnadenlos niedergemacht. (mehr …)

Neues zur Schnittstelle zwischen Homophobie und antimuslimischem Rassismus

Mittwoch, Mai 11th, 2011

Vom 17. bis zum 19. Juni 2011 findet im Waldschlösschen bei Göttingen ein Wochenendseminar zum Thema Homosexualität, Islam, Migration statt. Noch sind einige Plätze frei (Übernachtung und Vollverpflegung inklusive). Anmeldung hier!

Der Text Globalizing Homophobia, der vor wenigen Monaten in englischer Übersetzung erschien, ist auf der Seite der Gruppe Terminal*119 aus Thessaloniki jetzt auch auf Griechisch erhältlich: Η Παγκοσμιοποίηση της Ομοφοβίας.

Vom 27. bis zum 29. Mai bin ich auf der Off_Pride, einem alternativen Queer-Fest in Zürich, vom 2. bis 4. Juni auf einem Kongress gegen antimuslimischen Rassismus in Mainz (Infos bald hier) und vom 8. bis zum 10. Juli auf dem Gaymat-Festival in Luxemburg. Vielleicht sehen wir uns!

Workshops zu den Themen Sexismus, Rassismus, Nationalismus, „Islamkritik“ sowie jede Menge progressiver Musik gibt’s auch auf dem Antifee-Festival, das am 10. und 11. Juni in Göttingen stattfindet.

Palästinensische Queers wehren sich gegen „Pinkwashing“ von Kolonialismus und Krieg

Freitag, Dezember 17th, 2010

Am 2. bis 4. Dezember fand an der Humboldt-Universität in Berlin die Konferenz Fundamentalism and Gender statt. Ich gehöre leider nicht zum erlauchten Kreis derjenigen, die von solchen Veranstaltungen schon vorab erfahren. Und meistens auch hinterher nur, wenn es einen handfesten Skandal gegeben hat. So wie auch diesmal anlässlich der Einladung von Jasbir Puar, deren Buch Terrorist Assemblages ich hier zuhause – leider noch ungelesen – herumliegen habe.

Puars umstrittener Vortrag mit dem Titel „Beware Israeli Pinkwashing“ richtete sich gegen den Versuch der Instrumentalisierung palästinenscher „Lesben und Schwuler“ mit dem Ziel, Unterstützung für die Kriegs- und Besatzungspolitik des Staates Israel einzuwerben. Hierbei handelt es sich um eine altbekannte Kritik, seit Blair Kuntz im August 2006 seinen Aufsehen erregenden Essay „Queer as a Tool of Colonial Oppression: The Case of Israel/Palestine“ auf ZNet veröffentlichte. Als besonders degoutant erscheint diese Instrumentali­sierung vor allem deshalb, weil Israel palästinensischen „Queers“ noch in keinem einzigen bekannten Fall Asyl gewährt hat, während es das Thema propagandistisch ausschlachtet, um sich selbst als Leuchtfeuer der Menschrechte zu feiern – und so darüber hinwegzutäuschen, dass es diese Rechte in den palästinensischen Gebieten als Besatzungsmacht regelmäßig mit Füßen tritt. (mehr …)

Class and Identity

Donnerstag, August 12th, 2010

Bemerkenswerte Gedanken des Bloggers Alex Blaze über Judith Butler, queeren (Anti)Rassismus und das Verhältnis von Klassen- und Identitätspolitik.

Judith Butler verweigert Preisannahme

Sonntag, Juni 20th, 2010

CSD-Veranstalter bloßgestellt:

Judith Butler […] hat am Samstagabend einen Zivilcourage-Preis auf der CSD-Bühne am Brandenburger Tor abgelehnt. […] Die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell ausgerichtet und richte sich nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung […]. Ausdrücklich Lob bekamen von Butler Gruppen, die eine Art alternativen Christopher Street Day jedes Jahr in Kreuzberg organisieren. In dieser Berliner Subkultur werde sich noch mit den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft auseinandergesetzt. Der alternative, sogenannte Transgeniale CSD findet in diesem Jahr nicht parallel zum großen CSD statt, sondern am 26. Juni.

Wer nicht weiß, wer Judith Butler ist: Eine ARTE-Dokumentation porträtiert die jüdisch-amerikanische Philosophin, Queer-Theoretikerin und, auch wenn das im Film viel zu kurz kommt: Antimilitaristin auf 52 Minuten:

Judith Butler: Queere Bündnisse und Antikriegspolitik

Donnerstag, Juni 17th, 2010

Keine Ahnung, ob es dafür überhaupt noch Karten gibt:

Judith Butler, die diesjährige Zivilcourage-Preisträgerin des Berliner Christopher Street Day 2010, widmet sich in ihrem Vortrag der Frage, welches Profil eine queere Politik haben muss, die sich als Teil einer Politik gegen den Krieg versteht. Von dieser Frage ausgehend, behandelt die amerikanische Philosophin Aspekte einer queeren Friedenspolitik, die queer nicht als Identitätskonzept, sondern als Bündnisform zu thematisieren sucht. Welche politische Rolle spielt queere Politik in einer Welt, in der Krieg alltäglich erscheint und viele Völker einem ständigen Bedrohungszustand hoffnungslos ausgeliefert sind? Wie muss sich queere Politik angesichts der globalen Herausforderungen der zunehmenden Militarisierung und fortgesetzten Kolonialisierung neu definieren, und ist eine queere Politik denkbar, die nicht zugleich auch eine anti-rassistische Bewegung ist? Wie können wir Bündnissen gegen nationalistische Abschottungspolitik beitreten, wenn diejenigen, für die und mit denen wir kämpfen, unsere Standpunkte nicht immer teilen?

Fr, 18. Juni 2010, 21:00 Uhr, Volksbühne Berlin, Großes Haus.