Posts Tagged ‘nationalismus’

Wider die Phraseologie vom »Selbstbestimmungsrecht der Völker«!

Donnerstag, April 10th, 2014

Rosa Luxemburg über Lenins Antiimperialismus der dummen Kerle und sein Steckenpferd von der Existenz einer „ukrainischen Nation“:

Die russische Ukraine war zu Beginn des Jahrhunderts, als die Narreteien des „ukrainischen Nationalismus“ […] und das Steckenpferd Lenins von einer „selbständigen Ukraine“ noch nicht erfunden waren, die Hochburg der russischen revolutionären Bewegung gewesen. Von dort aus, aus Rostow, aus Odessa, aus dem Donez-Gebiete flossen die ersten Lavaströme der Revolution (schon um das Jahr 1902–04) und entzündeten ganz Südrußland zu einem Flammenmeer, so den Ausbruch von 1905 vorbereitend; dasselbe wiederholte sich in der jetzigen Revolution, in der das südrussische Proletariat die Elitetruppen der proletarischen Phalanx stellte. Polen und die Baltenländer waren seit 1905 die mächtigsten und zuverlässigsten Herde der Revolution, in denen das sozialistische Proletariat eine hervorragende Rolle spielte.

Wie kommt es, daß in allen diesen Ländern plötzlich die Konterrevolution triumphiert? (mehr …)

The Empire Strikes Back

Donnerstag, März 27th, 2014

Nationen sind entweder Sieger- oder Opfergemeinschaften, und sie benötigen Feinde, damit sie sein können, was die Nationalisten sich ausgedacht haben. Die Ukraine wird als Nation von Opfern ausgestellt, die über Jahrhunderte unterdrückt worden und erst nach dem Ende der Sowjetunion aus tiefer Finsternis erwacht sei. In allen postsowjetischen Republiken erzählen Nationalisten solche Erweckungsgeschichten. Sie sollen belegen, dass es immer schon der Wunsch aller Menschen gewesen sei, in einer Nation von Gleichgesinnten zu leben. In der nationalen Mythologie von Separatisten konnten die Vielvölkerimperien der Zaren und Kommunisten nichts anderes als Völkerkerker sein, in denen Despoten unglückliche Menschen unterdrückten. Historiker aber widerlegen den Mythos, sie sind die ärgsten Feinde der Nationalisten. […]

War die poststalinistische Sowjetunion wirklich ein Völkergefängnis? War sie nicht vielmehr ein erfolgreiches Modell interethnischer Konfliktbewältigung? Kann man sich die Ukraine überhaupt als Nation ohne das Imperium vorstellen, und war sie nicht auch ein imperiales Projekt und ein Kind der Sowjetunion? Denn das Ende der Sowjetunion kam nicht, weil Millionen sich gegen sie erhoben, sondern weil seine Eliten entschieden hatten, sie aufzulösen. (mehr …)

Lenins Völkergefängnis oder: die nationalistische Kritik des sowjetischen „Nationalismus“

Donnerstag, März 20th, 2014

Liebe Jenossen von marx21, man kann nicht, wie ihr, einerseits vorgeben, den Nationalismus überwinden zu wollen, und andererseits die transnationalen Gebilde früherer Zeit, einschließlich der poststalinistischen Sowjetunion, mit Lenin als „Völker-Gefängnisse“ denunzieren.

Heißt ja nicht, dass es in der SU, und zwar auch und gerade unter Lenin, keine kolonialen Praktiken seitens des russischen und ukrainischen Zentrums gegenüber den (vor allem wegen ihrer „homosexuellen“ Praktiken) als „unzivilisiert“ konstruierten muslimischen Sowjetrepubliken gab (während der Islam aber zunächst besser und nicht schlechter behandelt wurde als die russisch-orthodoxe Kirche). Trotzdem ist die Naturalisierung der im 19. Jahrhundert entstandenen Konstrukte von Volk und Nation, die ihr mit eurer Kritik am „stalinistischen Völkergefängnis“ betreibt, eben genau der Ausdruck des Nationalismus, den ihr in eurem Teaser gleichzeitig zu kritisieren beansprucht. Eine ukrainische Identität etwa, wie sie sich heute im Bandera-Faschismus Bahn bricht, hat es vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt nicht gegeben.

Und es ist auch überhaupt kein Fortschritt, wenn sich transnationale Reiche mit der Idee der bürgerlichen Demokratie in ethnische Nationalzoos verwandeln. Nein, es ist eine unaufhörliche Schlächterei, weil man mit dem Auseinanderdividieren der einzelnen Völkerschaften nie zum Ende, nie zu jenem von den Nationalismen erstrebten Zustand kultureller Reinheit kommt. Die Auflösung der Sowjetunion ist deshalb ein Desaster und nicht die Befreiung aus dem „Völkergefängnis“, für die ihr sie haltet.

Der Nationalismus der Anderen

Sonntag, Januar 6th, 2013

Die Hauptbetroffenen und -leidtragenden dieses staatsbürgerlichen Rassismus, die Juden Europas, haben sich im Zionismus zu einer Antwort von gleichem Kaliber, bekannt. Sie waren nichts als die Opfer der gewalttätigen Fiktion einer nationalen Schicksals­gemeinschaft von Volk und politischer Führung, die jedem anständigen Untertanen als persönlicher Charakterzug mit in die Wiege gelegt sei, ihn vor allen andersartigen Gattungsgenossen auszeichne und zu ihrer Verachtung berechtige. Und doch haben die politisierten Juden Europas sich nie zu einer Kritik des patriotischen Wahns selbst, geschweige denn seines Grundes, der klassenstaatlichen Gewalt, verstanden. Die fatale Stärke der Ideologie des Nationalismus – die ja nachgerade ein Gefühl sein soll und wohl auch ist! – liegt eben darin, daß sie durch die Greuel, die in ihrem Namen angerichtet werden – und kein nennenswerter Greuel der modernen Zeit war nicht durch Vaterlandsliebe inspiriert! -, einfach nicht zu blamieren ist. An den Gesinnungsgenossen fremdländischer Observanz entdeckt noch jeder Patriot die Schädlichkeit und Verlogenheit dieser Ideologie, und daß Menschen durch sie zu Massenmördern werden – mit dem besten Gewissen! Bemerkt und kritisiert, mit Entsetzen und Verachtung bedacht wird da allerdings nie der Nationalismus, sondern der Nationalismus der anderen, gerade so als wäre der der wahre und eigentliche Gegensatz zum eigenen! So dient, was der Fanatismus der einen Nation anrichtet, stets ausgerechnet dem einer anderen als Rechtstitel und Gütesiegel, also als gutes Gewissen seiner Rücksichtslosigkeit. Und mit eben dieser nationalistischen Selbst­gerechtigkeit sind die Zionisten angetreten. Ganz im Sinne des Wahns ihrer Gegner und Verächter haben sie das Opferdasein der Juden als „völkische“ Eigenart interpretiert, als eine kollektive Identität der Betroffenen von der Art eines nationalen Volkstums, die ihren Inhabern ein unwidersprechliches Recht auf kollektive Untertänigkeit unter einer eigenen, und zwar besonders macht­vollen Staatsgewalt verliehe.

Aus: H. L. Fertl, Abweichende Meinungen zu Israel. München: Resultate Verlag, 1982.

Allein unter Deutschen: A Study in Self-Righteousness

Montag, Dezember 24th, 2012

Tuvia Tenenbom: I Sleep in Hitler's Room Vor wenigen Wochen hat der Suhrkamp-Verlag, nachdem Rowohlt abgesprungen war, nun endlich Tuvia Tenenboms Reisebericht Allein unter Deutschen (engl. „I Sleep in Hitler’s Room“) veröffentlicht. Die feuilletonistische Aufregung darüber kann man sich nur schwerlich erklären. Dass Tenenbom in einem Land, das in den letzten Jahren einen rassistischen Bestseller nach dem anderen aufgelegt hat, ernsthafte Schwierigkeiten hatte, einen Verleger zu finden, zeugt von eben jener Selbst­gerechtigkeit, die den Deutschen vorzu­werfen man Tenenbom nicht so recht verzeihen will. Meinungsfreiheit für Studien über den ethnischen »Kollektivcharakter« von Leuten: ja bitte, aber nur wenn es um die Kritik des Anderen geht! (mehr …)

Anti-Muslim Witch-Hunt in Orange County (California)

Dienstag, März 8th, 2011

Islamophobiker wie wir:

Islamistische Kinder-Rekrutierung

Mittwoch, Juni 23rd, 2010

„An Arabic children’s choir has been racking up views all over the world with the new YouTube hit ‚when we die as martyrs, we will go to heaven.'“ (Ha’aretz)

Veranstaltungsreihe Tristeza

Sonntag, März 28th, 2010

Neukölln. Von Lichterketten und anderen Aufständen: Positionen gegen Deutschland in der Diskussion.