Posts Tagged ‘moshe zuckermann’

Von Stiftungen und Anstiftern

Montag, März 1st, 2010

Moshe Zuckermann zur aktuellen Kontroverse über die Ausladung von Norman G. Finkelstein durch die linksparteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung:

Worüber auch immer Norman Finkelstein letzten Monat in Deutschland sprechen wollte, klar war von Anbeginn, daß seine Aussagen kontrovers debattiert würden, und zwar noch bevor ihr Wahrheitsgehalt zur prüfenden Disposition gestellt würde. So ist das, wenn jemand bekannt und provokant ist und Unangenehmes ausspricht, welches man zwar selbst vorbewußt bereits registriert hat, sich aber weigert, sich auch selbst einzugestehen. Norman Finkelstein ist kein unbeschriebenes Blatt: von einer »Holocaust-Industrie« wußte er zu berichten, von »Antisemitismus als politischer Waffe«. Starker Tobak für zarte deutsche Seelen, die weder wollen, daß ihre ehrlich gemeinte »Wiedergutmachung« in Verruf gerate, noch daß der Fetisch »Israel«, den sie sich als Schuttabladeplatz für ihre schuldbeladenen Befindlichkeiten erkoren haben, demontiert werde. Seelen­ökonomisch günstiger, vor allem aber ideologisch lohnenswerter ist es da, Finkelstein gleich als (jüdischen) »Antisemiten« und »Geschichtsrevisionisten« zu apostrophieren, womit sich denn die notwendige Auseinandersetzung mit seinen Aussagen erübrigt. Es ist schon merkwürdig, mit welcher Unbeschwertheit nichtjüdische Deutsche heutzutage Juden als »Antisemiten« zu schmähen sich anmaßen, wenn diese die wackligen Prothesen ihrer über »Juden« und »Israel« gewonnenen Identität ins Wanken bringen.

Zuckermann zur Kontroverse um Finkelstein: hier weiterlesen »

Israel und das linke Bauchgefühl

Mittwoch, September 23rd, 2009

Audioarchiv verweist auf eine der wenigen mir bekannten Non-Bullshit-Analysen des (in den letzten Jahren immer psychotischer werdenden) Verhältnisses zwischen deutscher Linker und Israel. Es ist die einstündige Vertonung eines Textes von Marcus Hawel mit dem Titel „Befindlichkeit im Blick“; und wie die Überschrift schon sagt, geht es dabei – unter Bezug auf die Analysen Moshe Zuckermanns – vor allem um die Ebene politischer Psychologie, wenn auch der Realkonflikt um die militärische Okkupation und die über-40-jährige Kolonialisierung der Palästinenser nicht ganz ausgespart bleibt. Insgesamt also ein sehr hörenswerter und zur politischen Selbstreflexion animierender Radio-Beitrag!

„Befindlichkeit im Blick“ – Israel und die deutsche Linke.