Posts Tagged ‘marxismus’

Buchvorstellung in Berlin: Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Sonntag, Mai 17th, 2015

cover_reitter_marx1 Herausgeber Karl Reitter stellt seinen vor wenigen Wochen erschienenen Sammelband zur Kritik der neuen Marx-Lektüre vor und referiert die wesentlichen Kritikpunkte an dieser Strömung. Nicht nur soll gezeigt werden, dass ihre „monetäre Werttheorie“ sachlich und philologisch unhaltbar ist, sondern auch was mit dem Vorwurf des Naturalismus an die Adresse von Marx eigentlich gemeint ist. Durch die Weigerung, zwischen den historisch übergreifenden Bestimmungen der Arbeit und ihren je spezifischen gesellschaftlichen Formen zu unterscheiden, wird Marx um sein ureigenstes Anliegen gebracht: in der Gesellschaft, wie sie ist, nach den materiellen Bedingungen einer neuen, klassenlosen Gesellschaft zu suchen. So wird Marx von einem Philosophen der Emanzipation auf einen Theoretiker reduziert, der bloß unrichtigen ökonomischen Aussagen seine eigenen korrekten gegenüberstellte.

Veranstalterin: Redaktion trend
Ort: Berlin-Friedrichshain, Cafe Größenwahn, Kinzigstraße 9
Zeit: Dienstag, den 19. Mai 2015, 19:00 Uhr

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Karl Marx. Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Dienstag, Dezember 9th, 2014

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Voraussichtlich im Frühjahr 2015 wird ein Sammelband „zur Kritik der neuen Marx-Lektüre“ (und darüber hinaus) erscheinen:

Der Ausdruck neue Marx-Lektüre wird von ihren ProtagonistInnen als positive Selbstbezeichnung verwendet. Vorgeblich soll es sich dabei um jene Marx Rezeption handeln, die vorhergehende Irrtümer und Unzulänglichkeiten überwindet und den heutigen Standard einer niveauvollen Beschäftigung mit Marx darstellt. In Beträgen wird dieser Anspruch aus den verschiedensten Perspektiven methodisch und inhaltlich in Frage gestellt. Weiterlesen…

Darin wird sich neben Beiträgen von John Holloway, Karl Reitter und vielen anderen auch die Ausarbeitung des hier in der Vergangenheit beworbenen Vortrags „Von der Arbeiterbewegung zur Kritischen Theorie“ finden, einer exemplarisch an Horkheimer und Adorno entwickelten Kritik des „Marxismus ohne Klassen“.

Lenins Völkergefängnis oder: die nationalistische Kritik des sowjetischen „Nationalismus“

Donnerstag, März 20th, 2014

Liebe Jenossen von marx21, man kann nicht, wie ihr, einerseits vorgeben, den Nationalismus überwinden zu wollen, und andererseits die transnationalen Gebilde früherer Zeit, einschließlich der poststalinistischen Sowjetunion, mit Lenin als „Völker-Gefängnisse“ denunzieren.

Heißt ja nicht, dass es in der SU, und zwar auch und gerade unter Lenin, keine kolonialen Praktiken seitens des russischen und ukrainischen Zentrums gegenüber den (vor allem wegen ihrer „homosexuellen“ Praktiken) als „unzivilisiert“ konstruierten muslimischen Sowjetrepubliken gab (während der Islam aber zunächst besser und nicht schlechter behandelt wurde als die russisch-orthodoxe Kirche). Trotzdem ist die Naturalisierung der im 19. Jahrhundert entstandenen Konstrukte von Volk und Nation, die ihr mit eurer Kritik am „stalinistischen Völkergefängnis“ betreibt, eben genau der Ausdruck des Nationalismus, den ihr in eurem Teaser gleichzeitig zu kritisieren beansprucht. Eine ukrainische Identität etwa, wie sie sich heute im Bandera-Faschismus Bahn bricht, hat es vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt nicht gegeben.

Und es ist auch überhaupt kein Fortschritt, wenn sich transnationale Reiche mit der Idee der bürgerlichen Demokratie in ethnische Nationalzoos verwandeln. Nein, es ist eine unaufhörliche Schlächterei, weil man mit dem Auseinanderdividieren der einzelnen Völkerschaften nie zum Ende, nie zu jenem von den Nationalismen erstrebten Zustand kultureller Reinheit kommt. Die Auflösung der Sowjetunion ist deshalb ein Desaster und nicht die Befreiung aus dem „Völkergefängnis“, für die ihr sie haltet.

Form ohne Inhalt. Oder wie sich deutsche Linke einen Marxismus ohne Klasse denken

Mittwoch, April 17th, 2013

anthraxit macht in seinem Blog auf einen Text der Basisgruppe Antifaschismus Bremen aufmerksam, der namens des Ums-Ganze-Bündnisses zum tausendsten Mal mit dem „Traditionsmarxismus“ abrechnet und für sich beansprucht, das Rad neu zu erfinden. Selbstverständlich ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, aus den Fehlern des ML zu lernen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Kritik tatsächlich über ihren Gegenstand hinaus ist. Manchmal fällt sie auch einfach dahinter zurück. So schreibt die Basisgruppe:

Der Umkehrschluss aus der angeblichen, proletarischen Welt­anschauung, war der grundsätzlich unkritische und positive Bezugspunkt auf alle Unterdrückten. Dazu ist zu sagen: die marxsche Analyse war formanalytisch. Es ging um die Frage, warum sich diese Gesellschaftsformation in diesen sozialen Formen reproduziert. Wie konnte (und kommt) es zu, der im Kapitalismus existierenden Verselbständigung („Hinter dem Rücken – aber durch die Menschen durch“) der gesellschaftlichen Herrschaft. Marx untersuchte dies zwar durchaus mit politischer Intention – trotz allem ging es vor allem um die Analyse dieser ‘verborgenen’ Mechanismen.

Um das mal etwas vereinfacht auszudrücken: Die Autor*innen behaupten, dass es Marx überhaupt nicht so sehr um den Inhalt der kapitalistischen Gesellschafts­ordnung gegangen wäre – die Ausbeutung fremder Arbeitskraft und das dafür notwendige Maß an Unterdrückung. Denn diesen Inhalt teilt der Kapitalismus ja mit allen vorangegangenen Klassengesellschaften. Nein, zu tun wäre es ihm vor allem um die spezifische Form gewesen: die Warenproduktion und die hieraus resultierende Verselbständigung (nicht vielmehr Versach­lichung?) gesellschaftlicher Herrschaft. Diese Deutung verkauft die Basisgruppe dann unter dem Schlagwort „Formanalyse“ als den neuesten Clou. (mehr …)

Adornos Methodologie kritischer Sinnsuche: Zur marxistischen Kritik der „Kritischen Theorie“

Dienstag, März 26th, 2013

Vgl. Peter Decker, Die Methodologie kritischer Sinnsuche: Systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition (Diss., 1982).

Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus

Dienstag, März 27th, 2012

Die Totalität des Kapitalismus stellt sich zunächst so dar, daß alle Dinge und Beziehungen zur Ware werden – und das bietet schon genug Anlaß zur Kritik und Entrüstung über die entfremdeten Verhältnisse. Aber die Warenform erklärt uns nicht, warum die Verhältnisse so sind und wo der Ansatzpunkt ihrer Umwälzung liegen kann. Das Rätselhafte der Warenform besteht eben darin, daß sie die wirklichen Zusammenhänge und Grundlagen des Kapitalismus verdeckt. Sie ist ein Moment von Entfremdung und sie ist zugleich ein dichter Nebel, der uns die Kritik der Verhältnisse und ihre Überwindung verbaut. Es ist daher kein Wunder, daß die »Wertkritik« nur zwei gleichermaßen praxislose Auswege aus diesem Dilemma weiß: entweder überläßt sie die Umwälzung der Verhältnisse einer objektiven Gesetzmäßigkeit des ökonomischen Zusammenbruchs (Krisis), oder sie gefällt sich in kulturellem Pessimismus, der alle Praxis als das »Falsche« denunziert.

Die Warenform ist nicht das Ganze der kapitalistischen Gesellschaft und der Wert ist nicht der Universalschlüssel zu ihrer Kritik. Er ist der falsche Ausdruck für eine historisch besondere und widersprüchliche Weise der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens, und er kann nur im Zusammenhang mit diesen historischen, keineswegs ewigen Formen verstanden werden. Heute fallen uns viele dieser Besonderheiten nicht mehr auf, sie springen nicht ins Auge, sondern sind zu Normalitäten banalisiert worden. Die folgende historische Skizze soll daher keine »historische Herleitung« des Kapitalismus darstellen, sondern die Besonderheiten des Kapitalismus umreißen, die auf den Zusammenhang zwischen Warenform (Wert) und Produktionsweise hinweisen. Daran zeigt sich, daß etwas wie Wert als Kategorie und als wirkliches Verhältnis nur existieren kann unter den Bedingungen einer Produktionsweise, die auf dem Gegensatz der Produzenten zu ihren eigenen Produktionsbedingungen und dem Gegensatz zu ihrer eigenen Gesellschaftlichkeit beruht – auf Verhältnissen, die die Warenform notwendig mit einschließen und die zugleich hinter dieser Warenform verschwinden.

» Weiterlesen im Wildcat-Zirkular Nr. 62

Die Eliminierung von „Klasse“ in der Dialektik der Aufklärung

Montag, März 26th, 2012

Im Grunde ist es ein schöner Witz, dass die Dialektik der Aufklärung bei Suhrkamp noch immer ohne editorischen Apparat erscheint. Das ist in den von Fischer verlegten Gesammelten Schriften Horkheimers (Band 5) grundlegend anders. Hier erfährt man in den Fußnoten des Herausgebers Seite für Seite, wie das Werk 1947 akribisch von marxistischem Vokabular gesäubert wurde. Von Monopolen, Kapitalismus und Klassengesellschaft durfte jetzt nicht mehr die Rede sein. Stattdessen hieß es nun unverbindlich „das Bestehende“, „die Ordnung“ oder „die Gesellschaft“. Diese theoretische Selbstverstümmelung setzte sich in den folgenden Jahren immer radikaler fort. Alsbald sprach die Kritische Theorie nur mehr von der Sphäre der Zirkulation, mit deren Kritik man bei niemandem aneckte, weil es dort um nichts ging und auch die Konservativen es nicht mochten, wenn „Kultur“ zur Ware wurde; ersetzte – theoretisch besonders beschämend – Kapitalismus durch „Tauschgesellschaft“ und machte ihren lieben Frieden mit dem bürgerlichen Klassensystem. So wurde eine ganze Generation von vermeintlich kritischen Marxisten in die Bahnen einer albernen, folgenlosen und zunehmend reaktionären Kulturkritik gelotst. Endstation Zirkulations­marxismus, Neokonservativismus, „Ideologie­kritik“.

Hier einige Beispiele der Retuschen, die die Autoren 1947 an ihrem eigenen Werk vornahmen und welche zahlreiche Seiten des Buches betrafen:

„… das Bild jener Gesellschaft, in der nicht länger Wut sich reproduziert und nach Eigenschaften sucht, an denen sie sie sich bestätigen kann. Das wäre die klassenlose Gesellschaft. [1947 gestrichen]“

„Die Verfolgung der Juden, wie Verfolgung überhaupt, ist von der Klassengesellschaft [1947: solcher Ordnung] nicht zu trennen.“

„Einstweilen hat es die Technik der Kulturindustrie bloß zur Standardisierung und Serienproduktion gebracht und das geopfert, wodurch die Logik des Werks von der des gesellschaftlichen Systems sich unterschied. Das aber ist keinem Bewegungsgesetz der Technik aufzubürden, sondern ihrer Funktion in der Profitwirtschaft [1947: Wirtschaft heute].“

„Verschwiegen wird dabei, dass der Boden, auf dem die Technik Macht über die Gesellschaft gewinnt, die Macht des Kapitals [1947: des ökonomisch Stärksten] über die Gesellschaft ist.“

Im Grunde kann man niemanden ernst nehmen, der aus der kastrierten Fassung der Dialektik der Aufklärung zitiert, ohne sich des Anti­kommunismus und der Abwehr der Klassenfrage gewahr zu werden, denen sich die beiden nach dem Krieg immer fanatischer und überzeugter unterwarfen – bis aus dem ehemaligen Marxisten Horkheimer der proto-konservative CDU-Wähler wurde, der im Namen des von Linken bedrohten bürgerlichen Konkurrenz­subjekts „den freien Westen“, die Gräuel des Vietnamkriegs und die Pillenenzyklika des Papstes verteidigte.

Karl Reitter – Zur Kritik der Wertkritik

Donnerstag, März 15th, 2012

Zur Vertiefung: Karl Reitter, „Das Kapital wieder lesen. Eine Alternative zur wertkritischen Interpretation.“

Michael Heinrich: Kapital, Kredit, Krise

Montag, August 16th, 2010

Eine kurze (40 min.) und verständliche Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise:

[Vierteilige Youtube-Playlist des Vortrags von Michael Heinrich auf dem Kongress „Make Capitalism History„, veranstaltet von dielinke.SDS am 2.-4. Okt. 2009, FU Berlin]

David Harvey – The Crises of Capitalism

Freitag, Juli 2nd, 2010

http://www.youtube.com/watch?v=qOP2V_np2c0?fs=1&hl=de_DE

In this RSA Animate, radical sociologist David Harvey asks if it is time to look beyond capitalism towards a new social order that would allow us to live within a system that really could be responsible, just, and humane?