Posts Tagged ‘linke’

Bürgerliche Militanzdebatte

Montag, Juli 10th, 2017

Man merkt halt an der aktuellen Debatte, dass es in Deutschland nie eine gelungene bürgerliche Revolution gegeben hat, wenn man jugendliche Steineschmeißer mit «Nazis» gleichsetzt, nur weil sie sich nicht an Recht und Ordnung halten. Diese Hysterie wäre in Frankreich völlig unverständlich. Hier ist allerdings auch die Arbeiterklasse militant. Und das ist es, wovor die Regierenden sich eigentlich fürchten. Denn dann könnten sie solche Schweinereien wie die Rente mit 67 vergessen – Sachen, die in unserem Nachbarland durch (in Deutschland verbotene) politische Streiks und direkte Aktionen bislang erfolgreich blockiert wurden.

Hier wird einfach eine Aktionsform der Arbeiterklasse, die in anderen Ländern eine lange Tradition hat, qua Rechtsfetischismus grundsätzlich delegitimiert. Und natürlich ist das eine Art Klassenkampf von oben, den die Journaille hier führt. Andererseits glaubt die Jugend hier ernsthaft, die fehlende Arbeitermilitanz durch eine Art wurzellosen linksradikalen Aktivismus ersetzen zu können. Und das ist die Ideologie der autonomen Szene, die sich nirgendwo darum bemüht, ihr eigenes Handeln als für andere sinnvoll und verständlich zu gestalten. Sie liefert dem Bürgertum damit die Waffe, um direkte Aktionen in den Augen der Arbeiter generell zu delegitimieren.

Der Kampf um Kobanê

Samstag, Oktober 11th, 2014

Ein ausgezeichneter Artikel von Errol Babacan und Murat Çakır zum Kampf um Kobanê im INFOBRIEF TÜRKEI, der auch die friedenspolitischen Implikationen für die deutsche Linke diskutiert…

Form ohne Inhalt. Oder wie sich deutsche Linke einen Marxismus ohne Klasse denken

Mittwoch, April 17th, 2013

anthraxit macht in seinem Blog auf einen Text der Basisgruppe Antifaschismus Bremen aufmerksam, der namens des Ums-Ganze-Bündnisses zum tausendsten Mal mit dem „Traditionsmarxismus“ abrechnet und für sich beansprucht, das Rad neu zu erfinden. Selbstverständlich ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, aus den Fehlern des ML zu lernen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Kritik tatsächlich über ihren Gegenstand hinaus ist. Manchmal fällt sie auch einfach dahinter zurück. So schreibt die Basisgruppe:

Der Umkehrschluss aus der angeblichen, proletarischen Welt­anschauung, war der grundsätzlich unkritische und positive Bezugspunkt auf alle Unterdrückten. Dazu ist zu sagen: die marxsche Analyse war formanalytisch. Es ging um die Frage, warum sich diese Gesellschaftsformation in diesen sozialen Formen reproduziert. Wie konnte (und kommt) es zu, der im Kapitalismus existierenden Verselbständigung („Hinter dem Rücken – aber durch die Menschen durch“) der gesellschaftlichen Herrschaft. Marx untersuchte dies zwar durchaus mit politischer Intention – trotz allem ging es vor allem um die Analyse dieser ‘verborgenen’ Mechanismen.

Um das mal etwas vereinfacht auszudrücken: Die Autor*innen behaupten, dass es Marx überhaupt nicht so sehr um den Inhalt der kapitalistischen Gesellschafts­ordnung gegangen wäre – die Ausbeutung fremder Arbeitskraft und das dafür notwendige Maß an Unterdrückung. Denn diesen Inhalt teilt der Kapitalismus ja mit allen vorangegangenen Klassengesellschaften. Nein, zu tun wäre es ihm vor allem um die spezifische Form gewesen: die Warenproduktion und die hieraus resultierende Verselbständigung (nicht vielmehr Versach­lichung?) gesellschaftlicher Herrschaft. Diese Deutung verkauft die Basisgruppe dann unter dem Schlagwort „Formanalyse“ als den neuesten Clou. (mehr …)

Berlin: Rechtspopulismus und die Linke

Freitag, Dezember 16th, 2011

Die bisherige Geschichte der BRD ist ohne die Existenz rechtsradikaler Parteien undenkbar. Richtete sich deren Rassismus über viele Jahrzehnte gegen „die Ausländer“ schlechthin, entwickelte sich nach dem 11. September 2001 im rechten Lager eine Strömung, die sich auf den Kampf gegen Muslime spezialisierte. Das Besondere daran sind die ideologischen Schnittstellen zu Strömungen der Linken. Deren offene Flanke ins rechtspopulistische Lager ist das Resultat eines Jahrzehnts „antideutscher“ Debatten. Was als Kritik an der vorgeblichen „Volksnähe“ von klassenkämpferischen Positionen begann, hat sich längst in ein kulturrassistisches Aussteigerprogramm für angebliche Ideologie­kritiker_innen gewandelt. Bislang scheint die Linke nicht fähig oder willens, sich dieser Entwicklung zu stellen und die Flanke ins rechtspopulistische Lager zu schließen. Um eine überfällige Debatte über diesen Zustand zu befördern, laden wir am 17. Dezember 2011 um 19 Uhr zu einem TREND-Teach-in im Mehringhof ein.

Es diskutieren:
Gerhard Hanloser (Sozialwissenschaftler)
Bernhard Schmid (Jurist)
Attila Steinberger (Publizist)

Moderation: Georg Klauda, Karl-Heinz Schubert

Veranstalter_innen:
Trend Onlinezeitung: http://www.trend.infopartisan.net/
North East Antifa (NEA): http://nea.antifa.de/

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„So funktioniert die linksextreme Mafia“ (Springer/B.Z.)

Montag, April 18th, 2011

Nachdem die B.Z. gestern unter dem Titel: „So funktioniert die linksextreme Mafia“ eine siebenteilige Serie über die autonome Szene in Berlin angekündigt hat, liefert das Springer-Blatt heute ein erstes Schaubild über „Das geheime Netz der linken Chaoten“. Man beachte auch die Box unten links!

B.Z.: "Das geheime Netz der linken Chaoten"

B.Z.: "Das geheime Netz der linken Chaoten"

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Wolfgang Wippermann: Extremismus?

Dienstag, September 21st, 2010

Der Extremismusbegriff ist in aller Munde, doch woher kommt er und was steckt hinter dem Schlagwort? Als Kampfbegriff soll er das Gleichsetzen von Links und Rechts erleichtern – aber wie berechtigt ist die sog. Extremismus­theorie? Das Diskurskombinat im Gespräch mit dem Faschismus-Experten Prof. Wolfgang Wippermann von der FU Berlin:

(via Antifa Stade)

Quo vadis, Leipzig? – oder: „Nie wieder Antira!“

Montag, Mai 24th, 2010

Die Auseinandersetzung mit dem gar nicht einmal so verschwiegenen Rassismus der radikalen Linken hat nun anscheinend auch in Leipzig begonnen, einer Stadt, deren Szene durch eine jahrelang praktisch unbestrittene Vorherrschaft der sog. antideutschen Strömung geprägt ist – die ich persönlich allerdings nicht so differenziert und verdienstvoll wahrnehme wie der folgende, inhaltlich gleichwohl sehr empfehlenswerte Text:

Wie (Anti)Deutsche Rassismus einfach wegdefinieren

So wichtig die antideutsche Kritik für die Leipziger radikale Linke in Bezug auf Antisemitismus war, so fatal hat sich ihr Einfluss auf die Problematisierung von Rassismus ausgewirkt. Die antideutsche Verweisung von Geschlechterherrschaft in andere, vornehmlich muslimisch geprägte Länder unter Ausblenden und Bestreiten von Heterosexismus in Westeuropa und in den eigenen Sozialisationszusammenhängen, wird zumindest von feministischen Gruppen, wie dem afbl kritisiert. Das mit 9/11 einsetzende antideutsche Antira-Bashing hat dagegen weitestgehend zur Verbannung des Themas Rassismus aus linker Kritik und Politik in Leipzig geführt. Mehr noch als Feminismus gilt (Anti)Rassismus heute großen Teilen der Leipziger Linken als Steckenpferd nervender Sprachpolizist_innen oder als Vorwand für sogenannte Kulturrelativist_innen, sich nicht mit Antisemitismus und Islamismus auseinandersetzen zu müssen. Im Zuge der Diskussionen um die Positionen vom AK 2009 und INEX zur Verfasstheit des wiedervereinigten Deutschlands wird die Delegitimierung antirassistischer Kritik nun verkomplettiert durch das Wegdefinieren von Rassismus. Die Beschäftigung mit rassistischen Zuständen in Deutschland und Westeuropa wird als unemanzipatorisch und unnötig gebrandmarkt oder gar als eine der „gefährlichsten Bastionen des Antihumanismus innerhalb der Linken“ denunziert. Solcherart Delegitimierungsrethorik liefert gleichzeitig eine perfekte Entschuldigung für weiße deutsche Linke, sich nicht mit den eigenen rassistischen Privilegien und Projektionen auseinandersetzen zu müssen. Entsprechend wird Rassismus vom größten Teil der Leipziger Linken explizit oder implizit ausschließlich als Problem ostzonaler Nazis behandelt.

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Plädoyer für einen konsequenten Antirassismus

Mittwoch, Mai 19th, 2010

Das Antisexismusbündnis Berlin hat in der mittlerweile komplett online verfügbaren letzten Ausgabe der Antifa-Theoriezeitschrift „Phase 2“ einen supertollen Artikel abgeliefert, den man unbedingt gelesen haben sollte:

Dramatisch ist also die Ausbreitung rassistischer Redeweisen, die Enttabuisierung alltäglicher Rassismen quer durch sogenannte linke, antifaschistische und emanzipatorische Projekte und Diskurse: kurz, der Eindruck, fast alles an traditionellen rassistischen Stereotypen ist mittlerweile sagbar, solange es sich in das Mäntelchen der Islamkritik zu kleiden weiß. Und um das noch mal deutlich zu formulieren: Rassismus ist kein Diskriminierungsproblem und Antirassismus kein Konzept von gestern. Es gibt eine gewalttätige rassistische Realität in Deutschland, es gibt einen umfassenden rassistischen Rollback in den Biowissenschaften und »Fortress Europe« findet nun mal nicht irgendwo, sondern genau hier und jetzt statt.

Wir fragen uns: Warum scheint es so unmöglich, die verrückten Mullahs im Iran und anderswo zu kritisieren und gleichzeitig Wiederherstellungsprozesse deutscher (oder weißer) Identität in der rassistischen Abgrenzung zum »Orient« mitzudenken?

Antirassismus und Antisexismus/Feminismus dürfen nicht in ein sich gegenseitig ausschließendes Verhältnis gebracht werden, und eine Kritik an sexistischen Herrschaftsverhältnissen muss immer auch die Reflexion rassistischer Strukturen miteinbeziehen. Wir fordern daher eine konsequente Verknüpfung von Antisexismus/Feminismus und Antirassismus in linker Gesellschaftskritik.

Und die getroffenen Hunde bellen schon! (Aber, ehrlich gesagt, wer diese Scheißer noch debattiert, ist sowieso durch.)

Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei

Dienstag, Mai 18th, 2010

Sofort Parteiausschluss und dann ab nach Sibirien! 😉

Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei

{Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei}

Samthandschuhe gegen links

Freitag, März 26th, 2010

„Während der Mord an einem Punker in Thüringen hart (Bewährungsstrafe) und vor allem schnell (nach fünf Jahren) bestraft wird, sieht man immer wieder wie die Behörden linke Gewalt verharmlosen: Wer sich vor Polizisten auf den Boden setzt, wird schon nach 24 Stunden Schikane wieder frei gelassen, wobei noch nicht mal die Hälfte der Betroffenen danach ärztlich behandelt werden muss.“ (Infoladen sabotnik)