anthraxit macht in seinem Blog auf einen Text der Basisgruppe Antifaschismus Bremen aufmerksam, der namens des Ums-Ganze-Bündnisses zum tausendsten Mal mit dem „Traditionsmarxismus“ abrechnet und für sich beansprucht, das Rad neu zu erfinden. Selbstverständlich ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, aus den Fehlern des ML zu lernen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Kritik tatsächlich über ihren Gegenstand hinaus ist. Manchmal fällt sie auch einfach dahinter zurück. So schreibt die Basisgruppe:
Der Umkehrschluss aus der angeblichen, proletarischen Weltanschauung, war der grundsätzlich unkritische und positive Bezugspunkt auf alle Unterdrückten. Dazu ist zu sagen: die marxsche Analyse war formanalytisch. Es ging um die Frage, warum sich diese Gesellschaftsformation in diesen sozialen Formen reproduziert. Wie konnte (und kommt) es zu, der im Kapitalismus existierenden Verselbständigung („Hinter dem Rücken – aber durch die Menschen durch“) der gesellschaftlichen Herrschaft. Marx untersuchte dies zwar durchaus mit politischer Intention – trotz allem ging es vor allem um die Analyse dieser ‘verborgenen’ Mechanismen.
Um das mal etwas vereinfacht auszudrücken: Die Autor*innen behaupten, dass es Marx überhaupt nicht so sehr um den Inhalt der kapitalistischen Gesellschaftsordnung gegangen wäre — die Ausbeutung fremder Arbeitskraft und das dafür notwendige Maß an Unterdrückung. Denn diesen Inhalt teilt der Kapitalismus ja mit allen vorangegangenen Klassengesellschaften. Nein, zu tun wäre es ihm vor allem um die spezifische Form gewesen: die Warenproduktion und die hieraus resultierende Verselbständigung (nicht vielmehr Versachlichung?) gesellschaftlicher Herrschaft. Diese Deutung verkauft die Basisgruppe dann unter dem Schlagwort „Formanalyse“ als den neuesten Clou. (Click here to continue…)
Die bisherige Geschichte der BRD ist ohne die Existenz rechtsradikaler Parteien undenkbar. Richtete sich deren Rassismus über viele Jahrzehnte gegen „die Ausländer“ schlechthin, entwickelte sich nach dem 11. September 2001 im rechten Lager eine Strömung, die sich auf den Kampf gegen Muslime spezialisierte. Das Besondere daran sind die ideologischen Schnittstellen zu Strömungen der Linken. Deren offene Flanke ins rechtspopulistische Lager ist das Resultat eines Jahrzehnts „antideutscher“ Debatten. Was als Kritik an der vorgeblichen „Volksnähe“ von klassenkämpferischen Positionen begann, hat sich längst in ein kulturrassistisches Aussteigerprogramm für angebliche Ideologiekritiker_innen gewandelt. Bislang scheint die Linke nicht fähig oder willens, sich dieser Entwicklung zu stellen und die Flanke ins rechtspopulistische Lager zu schließen. Um eine überfällige Debatte über diesen Zustand zu befördern, laden wir am 17. Dezember 2011 um 19 Uhr zu einem TREND-Teach-in im Mehringhof ein.





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