Posts Tagged ‘Krieg’

Der Kampf um Kobanê

Samstag, Oktober 11th, 2014

Ein ausgezeichneter Artikel von Errol Babacan und Murat Çakır zum Kampf um Kobanê im INFOBRIEF TÜRKEI, der auch die friedenspolitischen Implikationen für die deutsche Linke diskutiert…

Grüne Kriegstrommler

Sonntag, März 23rd, 2014

Der Konfrontationskurs der Bundesregierung gegen Russland wird von allen im Bundestag vertretenen Parteien unterstützt. Doch keine tut dies derart aggressiv und hysterisch wie die Grünen. (wsws.org, 20.03.2014)

Siehe auch: jonasbayer, „Die Grünen, die Ukraine und der neue kalte Krieg“ (trotzalledem, 18.03.2014)

Der antizaristische Affekt

Freitag, März 21st, 2014

Traditionsbestände deutscher Außenpolitik:

In einem Erlass vom 11. August 1914 verkündete der Berliner Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, man strebe – als „Kampfmittel gegen Rußland“ – die „Insurgierung“ unter anderem der Ukraine an. Wenig später bestätigte der Außenminister des Habsburgerreichs, „daß sowohl unser wie Deutschlands Hauptziel die möglichste Schwächung Rußlands ist. Wir hoffen daher, die Befreiung der Ukraine und der anderen durch Rußland unterdrückten Völker an unseren Grenzen zu erwirken.“ Das Vorhaben, Russland zu zerteilen, bot nicht zuletzt erhebliche innenpolitische Chancen. Zum einen konnte man mit ihm traditionelle antirussische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung bündeln; zum anderen gelang es, die militärische Aggression als Kampf gegen den Despotismus des Zarenreichs zu etikettieren und damit auch zurückhaltendere Kreise für den Waffengang zu gewinnen. „Der antizaristische Effekt [Affekt? – rhizom] der Sozialdemokratie“ sei „ein wesentliches Moment gewesen, um ihr das Eintreten für den Krieg zu erleichtern“, hielt 1961 der Historiker Fritz Fischer in seiner bahnbrechenden Studie „Griff nach der Weltmacht“ fest.

Auszug aus: „Die Restauration der Oligarchen“ (german-foreign-policy.com, 07.03.2014, Volltextzugriff)

Die Krise in der Ukraine: Washington und Berlin suchen Streit

Montag, März 10th, 2014

Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland die Krise in der Ukraine angefacht haben, um eine Konfrontation mit Russland zu provozieren. Sie haben ein rechtes nationalistisches Regime an die Macht gebracht, das sich völlig Washington und der Nato unterordnet. […]

Die Kriegshetze der USA ist derart unbesonnen, dass selbst der ehemalige Außenminister Henry Kissinger, ein skrupelloser imperialistischer Machtpolitiker, alarmiert ist. […]

Washingtons strategisches Drehbuch ist unmissverständlich: es nutzte faschistische „Demonstranten”, um den gewählten Präsidenten Wiktor Janukowitsch zu stürzen und die vollständige Kontrolle über die Ukraine zu erlangen. […]

Aber die USA suchen keinen Kompromiss mit Russland. Sie wollen, dass Russland einen erniedrigenden Rückzug antritt, und riskieren dabei den Ausbruch eines Atomkriegs. Die Vereinigten Staaten verlangen nichts weniger, als dass Moskau eine feindliche Ukraine akzeptiert, die als Vorposten für US- und Nato-Streitkräfte und als Operationsbasis für die Zersplitterung Russlands dient. (mehr …)

Who started? Amira Hass über den Gaza-Krieg

Donnerstag, November 22nd, 2012

Am 19. November 2012 veröffentlichte die isra­elische Tageszeitung Ha­aretz einen viel­beachteten Artikel der preisgekrönten linken Journalistin Amira Hass, der die Legitimation des Gaza-Kriegs durch westliche Staatsführer wie Obama, Westerwelle und Merkel zum Thema hatte. Um eine inhaltliche Diskussion zu erleichtern, wurde der Artikel hier erstmals ins Deutsche übersetzt:

Israels ‚Recht auf Selbstverteidigung‘ – ein gewaltiger Propagandasieg

Durch die Unterstützung von Israels Gaza-Offensive haben westliche Staatsführer den Israelis eine Blankovollmacht erteilt, das zu tun, worin sie am besten sind: im Gefühl des eigenen Opferseins zu schwelgen und das palästinensi­sche Leiden zu ignorieren. (mehr …)

Islamika

Sonntag, Februar 5th, 2012

Wolfgang Pohrt bringt ein neues Buch heraus und der Berliner Tagesspiegel einen ersten Vorabdruck. Kapitalismus Forever – Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam, Edition Tiamat, Berlin 2012.

Der Westen hält sich für aufgeklärt und human. Moslems werden in Europa als rückständig gebrandmarkt. Für den Publizisten Wolfgang Pohrt zeugt das von einem Totalausfall realistischer Selbstwahrnehmung.

[….] Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichs­sicher­heitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind.

Breivik hat viele Brüder im Geiste. (Weiterlesen…)

Edit: Hier eine Leseprobe des Verlags.

Edit2: Und hier die erste Reaktion von Michael Stürzenberger (PI-News):

Es wird sich zeigen, ob die geistig gesunden Menschen dieses Landes noch Ehre und Rückgrat haben. Ob Kirchenvertreter den Mut zeigen, offen gegen einen Vertreter des kranken linken Zeitgeistes anzutreten. Ob Christen endlich Flagge zeigen für ihre Religion und die Apolegeten der Gewalt und deren geistige Unterstützer offen demaskieren. Ob sich ein wahrer “Aufstand der Anständigen” entfacht, aller Nicht-Moslems und Nicht-Linken, die sich den Ausverkauf ihrer Werte und Überzeugungen nicht mehr länger gefallen lassen. Wir warten auf einen Proteststurm, der sich über den Tagesspiegel und diesen verblendeten Schreiberling ergießt.

Berlin: Einladung zur Buchvorstellung

Sonntag, September 4th, 2011

Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001

Do., 08.09.2011 · 10:30 – 11:30 | Café Kotti, Adalbertstr. 96 (Empore)

9-11Die Anschläge vom 11. September 2001 und der dann einsetzende «Krieg gegen den Terror» haben die Weltordnung nachhaltig verändert. Sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Diskurs sind «die Muslim_innen» zu einer homogenen Gruppe zusammengefasst und «dem Westen» gegenübergestellt worden. Insbesondere Menschen aus der Türkei, arabischen Ländern, dem Iran und anderen Ländern des Mittleren Ostens sind zur einheitlichen Gemeinschaft ernannt worden.

Die Rechte von Frauen und Homosexuellen haben im gleichen Zeitraum – und durchaus im Zusammenhang damit – eine beachtliche Aufwertung erhalten. Während im «Westen» zumindest einzelne Erfolge der Emanzipations­bewegungen sichtbar wurden, schien es um die sexuelle Selbstbestimmung in mehrheitlich muslimischen Ländern und innerhalb als muslimisch definierter Migrant_innen-Gruppen in Westeuropa schlecht bestellt zu sein. Sexismus und zum Teil auch Homophobie dienten so auch als Legitimation für außenpolitische, zum Teil militärische Interventionen und für rassistische Kampagnen im Inland. Aus einer kritischen Perspektive wurde anfangs von „Islamophobie“ gesprochen, heute warnen selbst amtliche Stellen vor „antimuslimischem Rassismus“.

„Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001“ blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Überlappungen von feministischen und queeren Debatten mit den Entwicklungen in der Mehrheitsgesellschaft. Sie geht der Frage nach, ob/wie die relativen Erfolge von Frauen- und Homosexuellen-Emanzipationsbewegungen unter anderem durch rassistische Rückschritte erkauft wurden. Nicht zuletzt weist sie den Weg für einen Aktivismus, der gesellschaftliche Emanzipation befördert, anstatt benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen.

Die von Koray Yılmaz-Günay herausgegebene Broschüre (in Buchform) enthält unter anderem Beiträge von:

Markus Bernhardt – Zülfukar Çetin – Jin Haritaworn – Andreas Hieronymus – Alexander King – Georg Klauda – Jennifer Petzen – Dirk Ruder – Saideh Saadat-Lendle – Hilal Sezgin – Yasemin Shooman – Salih Alexander Wolter.

» Infos und Bestellung

Ideologische Kindersoldaten der NATO

Mittwoch, Mai 25th, 2011

In meiner Kindheit haben wir immer den folgenden Reim gesungen: „Benni, geh doch zur Bundeswehr / Benni, hol dir ein Schießgewehr / Benni, dann schießt du alle tot / Benni, du bist ein Voll…“ Nicht anderes fällt mir dazu ein:

Worüber die jW nicht schreibt ist, dass sämtliche Änderungsanträge aus NRW und Hamburg, die die gegenwärtigen Kriege als “neo-imperialistisch” einschätzen, keine Mehrheit gefunden haben. Die Arbeit des BAK Shalom zeigt Wirkung!

Palästinensische Queers wehren sich gegen „Pinkwashing“ von Kolonialismus und Krieg

Freitag, Dezember 17th, 2010

Am 2. bis 4. Dezember fand an der Humboldt-Universität in Berlin die Konferenz Fundamentalism and Gender statt. Ich gehöre leider nicht zum erlauchten Kreis derjenigen, die von solchen Veranstaltungen schon vorab erfahren. Und meistens auch hinterher nur, wenn es einen handfesten Skandal gegeben hat. So wie auch diesmal anlässlich der Einladung von Jasbir Puar, deren Buch Terrorist Assemblages ich hier zuhause – leider noch ungelesen – herumliegen habe.

Puars umstrittener Vortrag mit dem Titel „Beware Israeli Pinkwashing“ richtete sich gegen den Versuch der Instrumentalisierung palästinenscher „Lesben und Schwuler“ mit dem Ziel, Unterstützung für die Kriegs- und Besatzungspolitik des Staates Israel einzuwerben. Hierbei handelt es sich um eine altbekannte Kritik, seit Blair Kuntz im August 2006 seinen Aufsehen erregenden Essay „Queer as a Tool of Colonial Oppression: The Case of Israel/Palestine“ auf ZNet veröffentlichte. Als besonders degoutant erscheint diese Instrumentali­sierung vor allem deshalb, weil Israel palästinensischen „Queers“ noch in keinem einzigen bekannten Fall Asyl gewährt hat, während es das Thema propagandistisch ausschlachtet, um sich selbst als Leuchtfeuer der Menschrechte zu feiern – und so darüber hinwegzutäuschen, dass es diese Rechte in den palästinensischen Gebieten als Besatzungsmacht regelmäßig mit Füßen tritt. (mehr …)

Wie kann man nur Afghane sein? Eine US-Studie impft Soldaten gegen die paschtunische „Homosexuellen“-Kultur

Dienstag, August 31st, 2010

Eine von Fox News im Januar 2010 vorgestellte Forschungsstudie des US-Militärs thematisiert zum ersten Mal das notorisch homophobe Verhalten amerikanischer Soldaten gegenüber afghanischen Männern. Im Zentrum steht jedoch, wie zu erwarten, nicht die kritischen Reflexion eigener gesellschaft­licher Normen, sondern die Aufforderung an die Soldaten, „eine wichtige soziale Kraft, die der paschtunischen Kultur zugrundeliegt“, richtig zu verstehen und entsprechend exotistisch einzuordnen.

The study, obtained by Fox News, found that Pashtun men commonly have sex with other men, admire other men physically, have sexual relationships with boys and shun women both socially and sexually — yet they completely reject the label of „homo­sexual.“

Nicht dass die US-amerikanischen Soldaten „homo“ und „gay“ als Beleidi­gungen einführen, um die männliche afghanische Bevölkerung nach den Kategorien von „normal“ und „anormal“ durchzusortieren, sondern dass sich paschtunische Männer allen Ernstes weigern, sich mit diesen Beleidigungen positiv zu identifizieren, stellt für die Studie (oder zumindest Fox News) das eigentlich Bemerkenswerte dar. So wird der Schwarze Peter für die homo­phoben Ausflipper amerikanischer Soldaten einfach an die afghanische Gesell­schaft weitergegeben. (mehr …)