Posts Tagged ‘kapitalismus’

The Dying Russians

Freitag, September 19th, 2014

The New York Review of Books über den Jelzinschen Demozid an der russischen Bevölkerung:

The deaths kept piling up. People—men and women—were falling, or perhaps jumping, off trains and out of windows; asphyxiating in country houses with faulty wood stoves or in apartments with jammed front-door locks; getting hit by cars that sped through quiet courtyards or plowed down groups of people on a sidewalk; drowning as a result of diving drunk into a lake or ignoring sea-storm warnings or for no apparent reason; poisoning themselves with too much alcohol, counterfeit alcohol, alcohol substitutes, or drugs; and, finally, dropping dead at absurdly early ages from heart attacks and strokes. […]

In the seventeen years between 1992 and 2009, the Russian population declined by almost seven million people, or nearly 5 percent—a rate of loss unheard of in Europe since World War II. Moreover, much of this appears to be caused by rising mortality. By the mid-1990s, the average St. Petersburg man lived for seven fewer years than he did at the end of the Communist period; in Moscow, the dip was even greater, with death coming nearly eight years sooner.

Die Oligarchen: Aufstieg und Fall einer russischen Elite

Mittwoch, März 12th, 2014

Die ursprüngliche Akkumulation in Russland (1990-2000)

Frankreich/Deutschland, 2005, Regie: Alexander Gentelev.

Form ohne Inhalt. Oder wie sich deutsche Linke einen Marxismus ohne Klasse denken

Mittwoch, April 17th, 2013

anthraxit macht in seinem Blog auf einen Text der Basisgruppe Antifaschismus Bremen aufmerksam, der namens des Ums-Ganze-Bündnisses zum tausendsten Mal mit dem „Traditionsmarxismus“ abrechnet und für sich beansprucht, das Rad neu zu erfinden. Selbstverständlich ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, aus den Fehlern des ML zu lernen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Kritik tatsächlich über ihren Gegenstand hinaus ist. Manchmal fällt sie auch einfach dahinter zurück. So schreibt die Basisgruppe:

Der Umkehrschluss aus der angeblichen, proletarischen Welt­anschauung, war der grundsätzlich unkritische und positive Bezugspunkt auf alle Unterdrückten. Dazu ist zu sagen: die marxsche Analyse war formanalytisch. Es ging um die Frage, warum sich diese Gesellschaftsformation in diesen sozialen Formen reproduziert. Wie konnte (und kommt) es zu, der im Kapitalismus existierenden Verselbständigung („Hinter dem Rücken – aber durch die Menschen durch“) der gesellschaftlichen Herrschaft. Marx untersuchte dies zwar durchaus mit politischer Intention – trotz allem ging es vor allem um die Analyse dieser ‘verborgenen’ Mechanismen.

Um das mal etwas vereinfacht auszudrücken: Die Autor*innen behaupten, dass es Marx überhaupt nicht so sehr um den Inhalt der kapitalistischen Gesellschafts­ordnung gegangen wäre – die Ausbeutung fremder Arbeitskraft und das dafür notwendige Maß an Unterdrückung. Denn diesen Inhalt teilt der Kapitalismus ja mit allen vorangegangenen Klassengesellschaften. Nein, zu tun wäre es ihm vor allem um die spezifische Form gewesen: die Warenproduktion und die hieraus resultierende Verselbständigung (nicht vielmehr Versach­lichung?) gesellschaftlicher Herrschaft. Diese Deutung verkauft die Basisgruppe dann unter dem Schlagwort „Formanalyse“ als den neuesten Clou. (mehr …)

„Corporations are people“ (M. Romney)

Montag, April 2nd, 2012

The Corporation (2003) ist ein zweieinhalbstündiger, mit Preisen über­schütteter Dokumentarfilm von Mark Achbar and Jennifer Abbott, der ausgehend von der Definition der Kapitalgesellschaft als juristischer Person eine schneidende Kritik des gegenwärtigen, „korporativen“ Kapitalismus und seiner sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Verheerungen entwickelt. Der Film basiert auf dem Buch The Corporation: the pathological pursuit of profit and power von Joel Bakan. Hier der Trailer:

Der Film ist segensreicher Weise komplett auf Youtube anzusehen (und hier sogar mit deutschen Untertiteln). Es lohnt sich!

Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus

Dienstag, März 27th, 2012

Die Totalität des Kapitalismus stellt sich zunächst so dar, daß alle Dinge und Beziehungen zur Ware werden – und das bietet schon genug Anlaß zur Kritik und Entrüstung über die entfremdeten Verhältnisse. Aber die Warenform erklärt uns nicht, warum die Verhältnisse so sind und wo der Ansatzpunkt ihrer Umwälzung liegen kann. Das Rätselhafte der Warenform besteht eben darin, daß sie die wirklichen Zusammenhänge und Grundlagen des Kapitalismus verdeckt. Sie ist ein Moment von Entfremdung und sie ist zugleich ein dichter Nebel, der uns die Kritik der Verhältnisse und ihre Überwindung verbaut. Es ist daher kein Wunder, daß die »Wertkritik« nur zwei gleichermaßen praxislose Auswege aus diesem Dilemma weiß: entweder überläßt sie die Umwälzung der Verhältnisse einer objektiven Gesetzmäßigkeit des ökonomischen Zusammenbruchs (Krisis), oder sie gefällt sich in kulturellem Pessimismus, der alle Praxis als das »Falsche« denunziert.

Die Warenform ist nicht das Ganze der kapitalistischen Gesellschaft und der Wert ist nicht der Universalschlüssel zu ihrer Kritik. Er ist der falsche Ausdruck für eine historisch besondere und widersprüchliche Weise der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens, und er kann nur im Zusammenhang mit diesen historischen, keineswegs ewigen Formen verstanden werden. Heute fallen uns viele dieser Besonderheiten nicht mehr auf, sie springen nicht ins Auge, sondern sind zu Normalitäten banalisiert worden. Die folgende historische Skizze soll daher keine »historische Herleitung« des Kapitalismus darstellen, sondern die Besonderheiten des Kapitalismus umreißen, die auf den Zusammenhang zwischen Warenform (Wert) und Produktionsweise hinweisen. Daran zeigt sich, daß etwas wie Wert als Kategorie und als wirkliches Verhältnis nur existieren kann unter den Bedingungen einer Produktionsweise, die auf dem Gegensatz der Produzenten zu ihren eigenen Produktionsbedingungen und dem Gegensatz zu ihrer eigenen Gesellschaftlichkeit beruht – auf Verhältnissen, die die Warenform notwendig mit einschließen und die zugleich hinter dieser Warenform verschwinden.

» Weiterlesen im Wildcat-Zirkular Nr. 62

Kapitalismus als Religion: Marx über das „bürgerliche Glücksversprechen“

Sonntag, März 18th, 2012

Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann […], so sehr er beständig gegenüber den vorhandnen einzelnen Kapitalisten eine unwillkommene Reihe neuer Glücksritter ins Feld führt, befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft. (Das Kapital, Bd. 3 [MEW 25], 614)

„Das Wachstum der Finanzmärkte hat mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun“

Freitag, März 16th, 2012

Michael Heinrich zu den strukturellen Ursachen der aktuellen Finanzkrise (erschienen als Interview in: analyse & kritik 551, 18.6.2010):

In den letzten 20 bis 30 Jahren spielten bei den Krisen die Finanzmärkte eine besonders wichtige Rolle. Dies hat damit zu tun, dass die Finanzmärkte im „Postfordismus“, der mit der Weltwirtschaftskrise von 1974/75 eingeläutet wurde, immens angewachsen sind. […] Die Deregulierung verschaffte den Finanzmärkten ihre wahnsinnige Beweglichkeit und die Möglichkeit, immer neue „Finanzprodukte“ zu schaffen. Das riesige Wachstum der Finanzmärkte hat aber mit gewaltigen Umverteilungsprozessen, letztlich mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun. Diese Umverteilung fand vor allem auf zwei Ebenen statt. (mehr …)

Karl Reitter – Zur Kritik der Wertkritik

Donnerstag, März 15th, 2012

Zur Vertiefung: Karl Reitter, „Das Kapital wieder lesen. Eine Alternative zur wertkritischen Interpretation.“

Antirassistische Arbeiterprotestlieder anno 1972: Albino & Arbeitersache — „Wir sind alle Fremdarbeiter“

Donnerstag, März 1st, 2012


via onlyaabutxxx

Das enorme Repertoire an Protestliedern, das die Migrant/innen aus ihren Herkunftsländern mitgebracht hatten, war zudem für die Gruppe Arbeitersache ein entscheidender Ansporn, um deutsche Protestlieder zu schreiben, die sich im Gegensatz zu den alten Arbeitermärschen an der aktuellen Popmusik orientierten. Auf der ersten Schallplatte des Münchner Trikont-Verlags befassten sich beispielsweise zwei Lieder ausschließlich mit der Situation der Migrant/innen und dem Streik bei BMW. „Ans Fließband, ans Fließband, die Bosse ans Fließband gestellt!“ — singt Albino, selbst Aktivist bei Lotta Continua und BMW-Bandarbeiter in dem Lied „Wir sind alle Fremdarbeiter“. Laut im Chor und voller Zukunfts­gewissheit tönt es dagegen im rhythmischen Blues „Bei BMW wird gestreikt“ — „Wir waren zwar wenige, doch den Geldsäcken haben wir, was sie so erwartet, mal gezeigt“. (Materialien 1972)

1980 — das Jahr, als der fordistische Klassenkompromiss gekündigt wurde

Sonntag, Februar 19th, 2012

New York Times: The State of Working America Infografik der New York Times, 4. Sept. 2011.

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