Archiv für das 'kapitalismus'-tag

“Corporations are people” (M. Romney)

The Corporation (2003) ist ein zweieinhalbstündiger, mit Preisen über­schütteter Dokumentarfilm von Mark Achbar and Jennifer Abbott, der ausgehend von der Definition der Kapitalgesellschaft als juristischer Person eine schneidende Kritik des gegenwärtigen, “korporativen” Kapitalismus und seiner sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Verheerungen entwickelt. Der Film basiert auf dem Buch The Corporation: the pathological pursuit of profit and power von Joel Bakan. Hier der Trailer:

Der Film ist segensreicher Weise komplett auf Youtube anzusehen (und hier sogar mit deutschen Untertiteln). Es lohnt sich!

Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus

Die Totalität des Kapitalismus stellt sich zunächst so dar, daß alle Dinge und Beziehungen zur Ware werden – und das bietet schon genug Anlaß zur Kritik und Entrüstung über die entfremdeten Verhältnisse. Aber die Warenform erklärt uns nicht, warum die Verhältnisse so sind und wo der Ansatzpunkt ihrer Umwälzung liegen kann. Das Rätselhafte der Warenform besteht eben darin, daß sie die wirklichen Zusammenhänge und Grundlagen des Kapitalismus verdeckt. Sie ist ein Moment von Entfremdung und sie ist zugleich ein dichter Nebel, der uns die Kritik der Verhältnisse und ihre Überwindung verbaut. Es ist daher kein Wunder, daß die »Wertkritik« nur zwei gleichermaßen praxislose Auswege aus diesem Dilemma weiß: entweder überläßt sie die Umwälzung der Verhältnisse einer objektiven Gesetzmäßigkeit des ökonomischen Zusammenbruchs (Krisis), oder sie gefällt sich in kulturellem Pessimismus, der alle Praxis als das »Falsche« denunziert.

Die Warenform ist nicht das Ganze der kapitalistischen Gesellschaft und der Wert ist nicht der Universalschlüssel zu ihrer Kritik. Er ist der falsche Ausdruck für eine historisch besondere und widersprüchliche Weise der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens, und er kann nur im Zusammenhang mit diesen historischen, keineswegs ewigen Formen verstanden werden. Heute fallen uns viele dieser Besonderheiten nicht mehr auf, sie springen nicht ins Auge, sondern sind zu Normalitäten banalisiert worden. Die folgende historische Skizze soll daher keine »historische Herleitung« des Kapitalismus darstellen, sondern die Besonderheiten des Kapitalismus umreißen, die auf den Zusammenhang zwischen Warenform (Wert) und Produktionsweise hinweisen. Daran zeigt sich, daß etwas wie Wert als Kategorie und als wirkliches Verhältnis nur existieren kann unter den Bedingungen einer Produktionsweise, die auf dem Gegensatz der Produzenten zu ihren eigenen Produktionsbedingungen und dem Gegensatz zu ihrer eigenen Gesellschaftlichkeit beruht – auf Verhältnissen, die die Warenform notwendig mit einschließen und die zugleich hinter dieser Warenform verschwinden.

» Weiterlesen im Wildcat-Zirkular Nr. 62

Kapitalismus als Religion: Marx über das “bürgerliche Glücksversprechen”

Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann [...], so sehr er beständig gegenüber den vorhandnen einzelnen Kapitalisten eine unwillkommene Reihe neuer Glücksritter ins Feld führt, befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft. (Das Kapital, Bd. 3 [MEW 25], 614)

“Das Wachstum der Finanzmärkte hat mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun”

Michael Heinrich zu den strukturellen Ursachen der aktuellen Finanzkrise (erschienen als Interview in: analyse & kritik 551, 18.6.2010):

In den letzten 20 bis 30 Jahren spielten bei den Krisen die Finanzmärkte eine besonders wichtige Rolle. Dies hat damit zu tun, dass die Finanzmärkte im “Postfordismus”, der mit der Weltwirtschaftskrise von 1974/75 eingeläutet wurde, immens angewachsen sind. [...] Die Deregulierung verschaffte den Finanzmärkten ihre wahnsinnige Beweglichkeit und die Möglichkeit, immer neue “Finanzprodukte” zu schaffen. Das riesige Wachstum der Finanzmärkte hat aber mit gewaltigen Umverteilungsprozessen, letztlich mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun. Diese Umverteilung fand vor allem auf zwei Ebenen statt. (Continue...)

Karl Reitter – Zur Kritik der Wertkritik

Zur Vertiefung: Karl Reitter, “Das Kapital wieder lesen. Eine Alternative zur wertkritischen Interpretation.”

Antirassistische Arbeiterprotestlieder anno 1972: Albino & Arbeitersache — “Wir sind alle Fremdarbeiter”


via onlyaabutxxx

Das enorme Repertoire an Protestliedern, das die Migrant/innen aus ihren Herkunftsländern mitgebracht hatten, war zudem für die Gruppe Arbeitersache ein entscheidender Ansporn, um deutsche Protestlieder zu schreiben, die sich im Gegensatz zu den alten Arbeitermärschen an der aktuellen Popmusik orientierten. Auf der ersten Schallplatte des Münchner Trikont-Verlags befassten sich beispielsweise zwei Lieder ausschließlich mit der Situation der Migrant/innen und dem Streik bei BMW. „Ans Fließband, ans Fließband, die Bosse ans Fließband gestellt!“ — singt Albino, selbst Aktivist bei Lotta Continua und BMW-Bandarbeiter in dem Lied „Wir sind alle Fremdarbeiter“. Laut im Chor und voller Zukunfts­gewissheit tönt es dagegen im rhythmischen Blues „Bei BMW wird gestreikt“ — „Wir waren zwar wenige, doch den Geldsäcken haben wir, was sie so erwartet, mal gezeigt“. (Materialien 1972)

1980 — das Jahr, als der fordistische Klassenkompromiss gekündigt wurde

New York Times: The State of Working America Infografik der New York Times, 4. Sept. 2011.

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Islamika

Wolfgang Pohrt bringt ein neues Buch heraus und der Berliner Tagesspiegel einen ersten Vorabdruck. Kapitalismus Forever – Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam, Edition Tiamat, Berlin 2012.

Der Westen hält sich für aufgeklärt und human. Moslems werden in Europa als rückständig gebrandmarkt. Für den Publizisten Wolfgang Pohrt zeugt das von einem Totalausfall realistischer Selbstwahrnehmung.

[....] Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichs­sicher­heitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind.

Breivik hat viele Brüder im Geiste. (Weiterlesen…)

Edit: Hier eine Leseprobe des Verlags.

Edit2: Und hier die erste Reaktion von Michael Stürzenberger (PI-News):

Es wird sich zeigen, ob die geistig gesunden Menschen dieses Landes noch Ehre und Rückgrat haben. Ob Kirchenvertreter den Mut zeigen, offen gegen einen Vertreter des kranken linken Zeitgeistes anzutreten. Ob Christen endlich Flagge zeigen für ihre Religion und die Apolegeten der Gewalt und deren geistige Unterstützer offen demaskieren. Ob sich ein wahrer “Aufstand der Anständigen” entfacht, aller Nicht-Moslems und Nicht-Linken, die sich den Ausverkauf ihrer Werte und Überzeugungen nicht mehr länger gefallen lassen. Wir warten auf einen Proteststurm, der sich über den Tagesspiegel und diesen verblendeten Schreiberling ergießt.

Die Hunger-Profiteure

Über deregulierte Märkte, Nahrungsmittel-Spekulation und die kapitalistische Erzeugung von Hungersnöten:

via schockwellenreiter

May Day – International Day of Action against Capitalism!

via fire and flames


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