Archiv für das 'israel'-tag

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Im Ring: Peter Decker vs. Freunde des imperialistischen Kriegs

Ich schließe meinen Blog-Zyklus zum Thema Krieg, Okkupation und Siedlungspolitik – von dem einige glauben, ich hätte damit das Höllentor zum “neuen Antisemitismus” geöffnet – nicht ab (allgemeines Auftatmen!), ohne noch dieses erheiternde MP3-Audio einer Diskussion zwischen Peter Decker und zwei jungen Antideutschen hinterherzuschieben. Dass auch ich meine Differenzen mit dem GegenStandpunkt habe, dürfte bekannt sein. Aber manche Diskussionen haben einfach Kult-Status, und richtige Argumente sind natürlich auch dabei. Vor allem aber ist es, zumindest in diesem Fall, einfach wahnsinnig unterhaltsam!

Peter Decker vs. antideutsche Kriegsfans

Die 17-minütige Unterdiskussion, die ich für diesen Blog-Eintrag herausgeschnitten habe, schließt an einen Vortrag an, der am 5. Oktober 2006 in Nürnberg anlässlich des Libanon-Kriegs gehalten wurde. Der Vortrag, betitelt: “Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die amerikanische Kontrolle der Welt”, wird als Audio auf Argudiss gehostet und kann dort komplett heruntergeladen werden. Die Argumente habe ich nicht geprüft und übernehme daher keine inhaltliche Verantwortung! ;)

Lunatic Christians for Israel

Ein besonderes Kuriosum der fanatisch “pro”-israelischen Lobby in den USA, die den Friedensprozess durch ihre bedingungslose Solidarität mit der israelischen Siedlungspolitik seit Jahrzehnten torpediert, ist die Tatsache, dass sie zu nicht unwesentlichen Teilen gar nicht von amerikanischen Juden (die in ihrer übergroßen Mehrheit liberale Obama-Wähler sind), sondern mindestens ebenso sehr von radikalen Antisemiten wie dem Magachurch-Pastor John Hagee getragen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=IWMmVIAtHAU

Neben seiner Rolle als geistiger Anführer der Bewegung “Christians United for Israel” (CUFI) ist Hagee einer der bestbezahlten fundamentalistischen Fernsehprediger in den USA und Vorstandsvorsitzender der “Hagee Ministries”, die mit ihrem nationalen Rundfunkprogramm 160 TV- und 50 Radio-Stationen versorgen. Angeblich ist es seinem Kirchenkonzern damit möglich, jede Woche bis zu 99 Millionen amerikanischer Haushalte zu erreichen.

Obwohl von führenden amerikanischen Politikern wie John McCain, Joseph Lieberman und Tom DeLay umworben, ist Hagee nicht gerade leichte Kost, was seine Ansichten über Juden und Homosexuelle angeht – über die man bislang allerdings großzügig hinweggesehen hat. Ein extremes Beispiel dafür ist eine kürzlich bekannt gewordene Predigt aus dem Jahr 2006, in der er Hitler unter Verweis auf die Bibel zu einem Teil von Gottes Plan erklärt mit dem Ziel, die Juden nach Israel zu treiben:

http://www.youtube.com/watch?v=3EFVNrjOpJA

Der Anti-Christ, erklärt Hagee in einer weiteren Predigt, werde wenigstens zum Teil jüdisch sein – wie Karl Marx und, Hagees Ansicht zufolge: Adolf Hitler -, sich darüber hinaus aber auch als Gotteslästerer und Homosexueller zu erkennen geben. Eine Prophezeiung, die Hagee aus einer literalistischen Deutung von zufälligen Bruchstücken der Bibel ableitet:

Trotz seiner von religiösem Wahnsinn geschüttelten Ansichten versteht es der homophobe Holocaust-Revisionist John Hagee gleichwohl immer wieder, sich in einen Mantel der Honorigkeit zu hüllen – etwa indem er sich für eine halbe Millonen Dollar den jüdischen Nobelpreisträger Elie Wiesel als öffentlichen Redner und Gesprächspartner einkauft.

Mit seinen schier unerschöpflichen Geldmitteln beteiligt sich Hagee aber auch direkt an der Finanzierung illegaler Siedlungsprojekte im Westjordanland, wie der amerikanische Journalist Max Blumenthal (Republican Gomorrah) herausgefunden hat. In einem seiner mittlerweile berüchtigten Video-Clips kontrastiert Blumenthal die durch die großzügigen Spenden Hagees ermöglichten luxuriösen Lebensverhältnisse in der jüdischen Siedlung Ariel mit dem Elend der in unmittelbarer Nachbarschaft eingepferchten und durch schießwütige Siedler und IDF-Soldaten in ihrer Sicherheit bedrohten Palästinenser, die sich aufgrund fehlender Baugenehmigungen auf immer kleinerem Raum zusammendrängen müssen:

http://www.youtube.com/watch?v=UMNEKvOAiv4

Das Beispiel John Hagees erscheint zunächst wie eine exotische Blüte in der Geschichte des nicht-jüdischen Prozionismus, setzt aber in Wirklichkeit eine lange Kette der Verschwisterung zionistischer und antisemitischer Positionierungen fort, die von Arthur James Balfour über Richard Nixon bis zu Jean Marie LePen hinaufreicht. Trotz seiner ostentativen Israelfreundlichkeit blieb dieser Prozionismus stets radikal gegen die Juden gerichtet – zu Balfours Zeiten, weil er die englischen Juden als fremdes “Gastvolk” markieren sollte, das die britische Staatsangehörigkeit gleichsam nur unter Vorbehalt genieße. Und schlimmer noch in Hagees religiöser Wahnwelt, welche die Juden zum Kanonenfutter im Endzeitkampf gegen den muslimischen Erzfeind erkürt, wofür jede auf Landzugeständnisse beruhende Friedensinitiative zum Unsinn erklärt und Israel für das bevorstehende “Armageddon” bis oben hin mit Waffen vollgestopft werden muss.

Schockierend ist dabei vor allem, wie wenig Anstoß “pro”-israelische Politiker an dieser sich freudig nach Krieg und nuklearer Vernichtung sehnenden christlich-messianischen Bewegung nehmen, die den Holocaust offen als Gottes List bejaht und in Washington trotzdem als eine ernstzunehmende Lobby gilt. Dass ihre Mitglieder genauso wahnsinnig wie ihre Anführer sind, beweist Blumenthal indes mit einer Reihe von Interviews, die er auf seiner “Christians United for Israel Tour” 2007 in Washington sammelte. Und wie bei allen seinen Videos kann man sich auch hier trotz – oder gerade wegen – all des rechten Irrsinns, den er vorführt, ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen:

Maryla Finkelstein on War, Zionism, Israel & Palestinian Suffering

Da sich die Leute bei Norman Finkelstein die Ohren zuhalten, dachte ich mir, hören sie sich vielleicht seine Mutter an. Denn tatsächlich ist der Apfel nicht besonders weit vom Stamm gefallen:

Did We Learn Anything? (8:58 min.)

Are You Still a Pacifist? (5:19 min.)

It’s not a State, It’s a Garrison! (6:41 min.)

Die drei Audio-Dokumente sind Ausschnitte aus einem mehrstündigen Interview, das Maryla Finkelstein dem öffentlichen Rundfunksender WNYC etwa zwei Jahre vor ihrem Tod gab. Die Überlebende des Warschauer-Ghetto-Aufstands und des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek in Polen starb 1995 in New York – demselben Jahr, in dem Yitzhak Rabin wegen seiner Landofferte an die Palästinenser von einem rechtsextremen Israeli erschossen wurde.

Defamation (2009) by Yoav Shamir

Ein cooler, humorvoller und, wie ich finde, sehr um Differenzierung bemühter Dokumentarfilm von Yoav Shamir zum Thema Antisemitismus heute:

Israeli director Yoav Shamir embarks on a provocative – and at times irreverent – quest to answer the question, “What is anti-Semitism today?” Does it remain a dangerous and immediate threat? Or is it a scare tactic used by right-wing Zionists to discredit their critics? Speaking with an array of people from across the political spectrum (including the head of the Anti-Defamation League and its fiercest critic, author Norman Finkelstein) and traveling to places like Auschwitz (alongside Israeli school kids) and Brooklyn (to explore reports of violence against Jews), Shamir discovers the realities of anti-Semitism today. His findings are shocking, enlightening and – surprisingly – often wryly funny.

You need a browser that supports HTML5. Video Download Link:

http://cdn.videos.wordpress.com/nhUvd4UW/1_true-stories-2010-defamation-ws-pdtv-xvid_std.mp4


Defamation by Yoav Shamir (2009). Runtime: 91 min.

Wenn Täter-Enkel sich empören: Finkelstein, Antisemitismus und Israel

Am 26. Februar soll der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein, unter anderem auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, in Berlin einen Vortrag halten, der den etwas sperrigen Titel trägt: “Ein Jahr nach dem Überfall der israelischen Armee auf Gaza – die Verantwortung der deutschen Regierung an der fortgesetzten Aushungerung der palästinensischen Bevölkerung”. Vermutlich wird der Vortrag vor allem eine Collage seines neuen Buches ‘This Time We Went Too Far’ sein, über dessen Grundthesen man sich in zahlreichen Youtube-Videos informieren kann.

http://www.youtube.com/watch?v=amqp4NzMyrc?fs=1&hl=de_DE

Indessen hat der Landesarbeitskreis (LAK) “Shalom”, der sich vor wenigen Jahren gründete, um die Linkspartei auf einen stramm proisraelischen Kurs einzuschwören, im Verbund mit anderen Gruppen zu einer Kundgebung aufgerufen, um unter dem Motto “Was zu viel ist, ist zu viel” aus diesem Vortrags- und Diskussionsabend, der nunmehr sogar in den Räumen der eigenen Parteistiftung stattfinden soll, eine Art öffentlichen Skandal zu zaubern. (Click here to continue...)

Israel und das linke Bauchgefühl

Audioarchiv verweist auf eine der wenigen mir bekannten Non-Bullshit-Analysen des (in den letzten Jahren immer psychotischer werdenden) Verhältnisses zwischen deutscher Linker und Israel. Es ist die einstündige Vertonung eines Textes von Marcus Hawel mit dem Titel “Befindlichkeit im Blick”; und wie die Überschrift schon sagt, geht es dabei – unter Bezug auf die Analysen Moshe Zuckermanns – vor allem um die Ebene politischer Psychologie, wenn auch der Realkonflikt um die militärische Okkupation und die über-40-jährige Kolonialisierung der Palästinenser nicht ganz ausgespart bleibt. Insgesamt also ein sehr hörenswerter und zur politischen Selbstreflexion animierender Radio-Beitrag!

“Befindlichkeit im Blick” – Israel und die deutsche Linke.


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