Posts Tagged ‘islamophobie’

Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus — Oder: was heißt Lernen aus der Geschichte?

Mittwoch, Januar 5th, 2011

Wolfgang BenzAus der Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Benz, dem Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin:

Die aktuelle Islamkritik, wie sie auch von jüdischer Seite (aus nach­vollziehbaren Gründen angesichts der Bedrohung Israels und offensiv gelebter Judenfeindschaft von Mus­limen) vehement vorgetragen wird, hat kein historisches Gedächtnis und kein Problembewusstsein für die Austauschbarkeit der Stigmatisierung von Gruppen. Fixiert auf ihr Feindbild müssen Populisten gegen differenzierende Betrachtungsweisen wüten und ihre eindimensionale Weltsicht verteidigen. Dass demagogische Islamfeindschaft, die Hass gegen eine fremde Kultur predigt und Intoleranz proklamiert, an anderen Traditionen der Feindseligkeit gegen Menschen wie dem Antisemitismus oder dem Antiziganis­mus zu messen ist, steht wissenschaftlich außer Frage. (mehr …)

Phobien der Nation

Montag, Januar 3rd, 2011

Micha Brumlik stellt in der Frankfurter Rundschau die Frage, ob Islamophobie der neue Antisemitismus sei – und belegt an Zitaten Heinrich von Treitschkes eine strukturelle Verwandtschaft mit dem antijüdischen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts.

Im Interview mit dem Freitag äußert Jasbir Puar für das deutsche Feuilleton ungewöhnlich scharfsinnige Gedanken über die Schnittstellen von Rassismus, Migration, Homophobie, Klassenfrage und neoliberaler Ökonomie.

David Schwarz wirft im Hinterland-Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrats einen Blick auf Homophobie als identitätsstiftendes Element im postkolonialen Subsahara-Afrika.

Ein Aspekt, der bei Schwarz völlig fehlt, ist der zentrale Aufhänger eines Artikels in der Washington Post: Der wachsende Einfluss evangelikaler US-Prediger generiere in Afrika eine Springflut der Homophobie.

Muslime im Visier

Dienstag, Oktober 19th, 2010

Zunahme der Islamfeindschaft in Europa: Deutschlandfunk über PI News, Jungle World, Pax Europa & Co. — Plus: Ofenschlot über die Parallelen zum Berliner Antisemitismusstreit.

Sex, Lügen und Huntington

Donnerstag, August 12th, 2010

Einen Hoax, d.h. Schwindel, aufzudecken, bedarf es manchmal nicht mehr als einer gründlichen Überprüfung der Fußnoten. Der Blogger Abdel Kader hat das kürzlich anhand eines 2002 in der Zeitschrift „Bahamas“ erstveröffentlichten und 2007 im Ça-ira-Verlag nachgedruckten Artikels von Natascha Wilting demonstriert: Für ihre frei erfundene Behauptung, muslimische Jungen würden bis zum achten Lebensjahr an der Brust ihrer Mutter gestillt (weshalb sie „das größte psychopathologische Kollektiv“ formten, „das die Welt bis jetzt gesehen hat“), suchte sich die Autorin, nachdem sie dafür mehrfach öffentlich verspottet worden war, einfach eine falsche Quelle.

Gerhard Scheit und Natascha Wilting

Eine rassistische Lüge macht unter "antideutschen" Autoren die Runde: Natascha Wilting in einer Fußnote von Gerhard Scheits "Suicide Attack".

Ein ähnlicher Hoax lässt sich, neben zahlreichen Plagiaten, aber auch in Thomas Mauls „Ahmadinedschad in New York“ finden – ein Aufsatz, der fast die gleiche Publikationskarriere hinter sich hat wie Wiltings „Psychopathologie des Islam“: erstmals 2008 in der BaHamas erschienen, um zwei Jahre später bei Ça ira als siebtes Kapitel seiner Monographie Sex, Djihad und Despotie ein kleines Comeback zu feiern. Und genau wie Wilting scheut auch Maul nicht davor zurück, seine Quellen zu fälschen, wenn es darum geht, rassistische Vorstellungen über den Anderen zu untermauern. So heißt es an entsprechender Stelle:

Zu dieser prekären Zwangshomosexualität [in islamischen Gesell­schaften] schreibt [der schwule Exiliraner Ali] Mahdjoubi: „Es war die Hölle.“1

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  1. Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie (Freiburg: ça ira, 2010), 165. []

Sex, Djihad und Plagiat

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Nun hab ich mir doch mal das Buch von Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie, besorgt, um die dafür verausgabten Spesen nach einer halben Stunde Lektüre auch schon wieder zu bereuen. Den mit Beleidigungen gegenüber dem Mainstream der Gender-Forschung nur so gespickten pornographischen Rassismus des Autors auch noch inhaltlich zu kommentieren, verbietet wohl der gute Geschmack. Zur Arbeitsweise kann ich mir ein paar persönliche Anmerkungen allerdings nicht verkneifen.

So hat sich Maul nirgends die Mühe gemacht, die von ihm verwendete Sekundärliteratur erst umständlich zu paraphrasieren. Er kopiert sie einfach durch stil- und wortgetreute Übernahme ganzer Absätze selbst dort, wo es sich um Autoren handelt, die er – so dreist war wirklich noch kein Plagiator vor ihm – öffentlich angreift, beleidigt und schließlich sogar als „Abschreiber“ (S. 130) denunziert. Wie bitte?! Schamlosigkeit, sagte einst Freud, ist das erste Anzeichen von Schwachsinn.

Um nicht mit endlosen Beispielen zu langweilen, greife ich hier nur ein einzelnes Belegstück heraus. (mehr …)

Moslemhass im Mehringhof

Montag, Juni 28th, 2010

Pro-Deutschland-Klima auf einer linken Buchmesse.

„Von dieser rassistischen Komplizenschaft muss ich mich distanzieren“

Sonntag, Juni 20th, 2010

Judith Butlers Rede zur Ablehnung des Zivilcourage-Preises auf dem bürgerlichen CSD – mitsamt Gesichtsentgleisung der Veranstalter_innen, die auf die Kritik völlig unsouverän mit Beschimpfung jenes Teils des Publikums reagierten, der es gewagt hatte, dieser bösen Frau öffentlichen Beifall zu spenden:

via SUSPECT/No Homonationalism

The English Defence League uncovered

Samstag, Mai 29th, 2010

Formed less than a year ago, the English Defence League has become the most significant far-right street movement since the National Front. The Guardian spent four months undercover with the movement, and found them growing in strength and planning to target some of the UK’s biggest Muslim communities.

Rassistische Hetze heute

Donnerstag, Mai 27th, 2010

„Was die denken, die nicht denken“. Cigdem Akyol über antimuslimischen Rassismus in der BRD (via andersdeutsch).

PI-Voyeure

Dienstag, Mai 25th, 2010

„Ich z.B. lese hin und wieder gerne mal PI, um mich an den dort zur Schau gestellten persönlichen Deformationen in den Kommentarspalten zu ergötzen. Das ist wahrlich ein Zoo der Monstrositäten.“ (limited)