Posts Tagged ‘islamophobie’

„Was sagt der Islam zu Homosexualität?“ (Köln, 6. Nov.)

Montag, Oktober 29th, 2012

Turkish Wine Boy „Was sagt der Islam zu Homosexualität?“
Zur Dekonstruktion einer Fragestellung

Seit dem 11. September 2001 ist nicht nur der Islam, sondern auch seine angebliche Haltung zu Frauen- und Schwulenrechten ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt. Aber ist der Islam überhaupt ein Subjekt, das eine „Haltung“ formulieren könnte? Und wie soll er etwas zu einer sexualwissenschaftlichen Konstruktion aussagen, die das Produkt biopolitischer Diskurse aus dem Ende des 19. Jahrhunderts ist?

Der Begriff der „Homosexualität“ definiert einen bestimmten Typus von Person, dem gleichgeschlechtliches Begehren als „Anormalität“, als psychische und häufig auch körperliche Besonderheit, eingeschrieben wird. Klassische Texte aus der islamischen Welt kennen diese normalisierende Konstruktion nicht; sie gehen vielmehr davon aus, dass gleichgeschlechtliches Begehren eine universelle Anlage aller Menschen und alles andere als „widernatürlich“ ist. So schreibt die Überlieferung selbst dem Propheten Mohammed ganz selbstverständlich die Sorge zu, von schönen Burschen in Versuchung geführt zu werden.

Wozu sich klassische religiöse Diskurse äußern, sind spezifische Handlungen wie Analverkehr oder Tribadie, die als Ausdruck vor- und außerehelicher Sexualität eine Sünde darstellen und je nach Rechtsschule weniger, gleich und manchmal sogar schwerer als ein „heterosexueller“ Ehebruch wiegen. Interessant ist es, wie die europäisch-neuzeitliche Vorstellung von Homosexuellen als einer „Spezies“ (Foucault) in modernen islamischen Diskursen verarbeitet wird und wie sie eine radikale Reinterpretation der Aussagen traditioneller religiöser Texte erforderlich macht. Stellen wir uns die Frage nach der realen Praxis, sind wir aber nicht mehr bei „dem Islam“, sondern bei konkreten Machtverhältnissen und Akteuren.

So erweist sich am Ende vor allem eines: Genau wie man die essentialistische Konstruktion „des Homosexuellen“ hinterfragen muss, um klassische islamische Texte zu verstehen, ist auch die essentialistische Konstruktion „des Islams“ zurückzuweisen, um zu begreifen, wie sich unterschiedliche politisch-religiöse Kräfte mit der rasanten Modernisierung der gesellschaftlichen Vorannahmen über gleichgeschlechtliche Liebe und Lust arrangieren.

Di., 6. Nov., 19:30 Uhr
Veranstalterin: Autonomes Lesben- und Schwulenreferat
Uni Köln, Universitätsstraße 35, Hörsaal G
Veranstaltung auf Facebook

Islamhass als neoliberale Ideologie

Montag, März 5th, 2012
UT: „Islamfaschismus“ und „muslimisch-bolschewistische Verschwörung“

Antimuslimischer (Kultur-)Rassismus wird von Neokonservativen, bürgerlichen Nazigegnern und „Ideologiekritikern“ ebenso verbreitet wie von Neuen Rechten und Nazis. Erklären lässt sich dieser gesellschaftliche Hass-Konsens nur, wenn die aggressive Hetze gegen den Islam, Muslime und deren angeblichen „Umma-Sozialismus“ nicht allein als eine Form von Fremdenfeindlichkeit, sondern auch als Legitimationsideologie für neoimperialistische Kriege analysiert und ihre Verknüpfung mit dem Anti­kommunismus in den Fokus genommen wird.

Diskussionsveranstaltung mit:

Prof. Dr. Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)

Susann Witt-Stahl, Journalistin und Autorin, Hamburg

Dr. Sabine Schiffer, Leiterin Institut für Medienverantwortung, Erlangen

Moderation: Markus Bernhardt (junge Welt)

Veranstalter: junge Welt & Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)

17.04.2012, Beginn 19:00 Uhr
jW-Ladengalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin

Von hier…

Berlin: Einladung zur Buchvorstellung

Sonntag, September 4th, 2011

Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001

Do., 08.09.2011 · 10:30 – 11:30 | Café Kotti, Adalbertstr. 96 (Empore)

9-11Die Anschläge vom 11. September 2001 und der dann einsetzende «Krieg gegen den Terror» haben die Weltordnung nachhaltig verändert. Sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Diskurs sind «die Muslim_innen» zu einer homogenen Gruppe zusammengefasst und «dem Westen» gegenübergestellt worden. Insbesondere Menschen aus der Türkei, arabischen Ländern, dem Iran und anderen Ländern des Mittleren Ostens sind zur einheitlichen Gemeinschaft ernannt worden.

Die Rechte von Frauen und Homosexuellen haben im gleichen Zeitraum – und durchaus im Zusammenhang damit – eine beachtliche Aufwertung erhalten. Während im «Westen» zumindest einzelne Erfolge der Emanzipations­bewegungen sichtbar wurden, schien es um die sexuelle Selbstbestimmung in mehrheitlich muslimischen Ländern und innerhalb als muslimisch definierter Migrant_innen-Gruppen in Westeuropa schlecht bestellt zu sein. Sexismus und zum Teil auch Homophobie dienten so auch als Legitimation für außenpolitische, zum Teil militärische Interventionen und für rassistische Kampagnen im Inland. Aus einer kritischen Perspektive wurde anfangs von „Islamophobie“ gesprochen, heute warnen selbst amtliche Stellen vor „antimuslimischem Rassismus“.

„Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001“ blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Überlappungen von feministischen und queeren Debatten mit den Entwicklungen in der Mehrheitsgesellschaft. Sie geht der Frage nach, ob/wie die relativen Erfolge von Frauen- und Homosexuellen-Emanzipationsbewegungen unter anderem durch rassistische Rückschritte erkauft wurden. Nicht zuletzt weist sie den Weg für einen Aktivismus, der gesellschaftliche Emanzipation befördert, anstatt benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen.

Die von Koray Yılmaz-Günay herausgegebene Broschüre (in Buchform) enthält unter anderem Beiträge von:

Markus Bernhardt – Zülfukar Çetin – Jin Haritaworn – Andreas Hieronymus – Alexander King – Georg Klauda – Jennifer Petzen – Dirk Ruder – Saideh Saadat-Lendle – Hilal Sezgin – Yasemin Shooman – Salih Alexander Wolter.

» Infos und Bestellung

Biedermann und Brandstifter

Montag, Juli 25th, 2011

Die Medien beeilen sich, den Massenmörder von Oslo und Utøya als irrsinnigen Einzelgänger darzustellen. Dabei ist sein 1.500-Seiten-Pamphlet, an dem seine Wahnhaftigkeit diagnostiziert werden soll, kaum mehr als eine Guttenberg-Collage: ein fast schon repräsentativer Querschnitt durch mehrere Jahre publizistischer Schreibtischtäterschaft der sog. islamkritischen Szene. Und obwohl letztere im deutschsprachigen Internet das größte politische Meinungsangebot mit ca. 38 Millionen Seitenzugriffen pro Monat unterhält, heißt es jetzt: „Er kam aus dem Nichts.“ Aber sind 38 Millionen Seitenaufrufe allein in Deutschland etwa nichts?

Selbst PI-News räumt ein, was die meisten Mainstream-Kommentatoren nicht wahrhaben wollen: dass Anders Behring Breivik „großenteils Dinge [schreibt], die auch in diesem Forum stehen könnten“, sich also mitnichten vom ideologischen Durchschnitt der Szene unterscheidet. Aber trotz des mutig wirkenden Eingeständnisses „eigener Verantwortung“ ließ PI-News zwischen der notwendig gewordenen Korrektur an kewils Beitrag „Warum bombt [der] Islam ausgerechnet in Oslo?“ (22.7.) und seiner Hetze gegen arabische „Einwanderung per Asylbetrug“ (24.7.) keinen Tag ungenutzt verstreichen, um Feuer an muslimischen Wohnhäusern zu legen.

Aber siehe da: auf einmal soll die Hetze gegen Islam und Multikulti kewil und Breivik als „Extremisten“ ausweisen – als hätten Politiker der Mitte dieses Register nie gezogen. Vergessen die SPIEGEL-Titel über die „stille Islamisierung“ und Merkels Brandrede über das „Scheitern von Multikulti“: Nein, Breivik ist nur ein irrer Einzelgänger, der in einer fernen „Phantasiewelt“ lebt!

PI-News-Leser diskutieren über Homosexualität

Donnerstag, Mai 26th, 2011

"Das hat nichts mit Intoleranz zu tun" (mehr …)

Neues zur Schnittstelle zwischen Homophobie und antimuslimischem Rassismus

Mittwoch, Mai 11th, 2011

Vom 17. bis zum 19. Juni 2011 findet im Waldschlösschen bei Göttingen ein Wochenendseminar zum Thema Homosexualität, Islam, Migration statt. Noch sind einige Plätze frei (Übernachtung und Vollverpflegung inklusive). Anmeldung hier!

Der Text Globalizing Homophobia, der vor wenigen Monaten in englischer Übersetzung erschien, ist auf der Seite der Gruppe Terminal*119 aus Thessaloniki jetzt auch auf Griechisch erhältlich: Η Παγκοσμιοποίηση της Ομοφοβίας.

Vom 27. bis zum 29. Mai bin ich auf der Off_Pride, einem alternativen Queer-Fest in Zürich, vom 2. bis 4. Juni auf einem Kongress gegen antimuslimischen Rassismus in Mainz (Infos bald hier) und vom 8. bis zum 10. Juli auf dem Gaymat-Festival in Luxemburg. Vielleicht sehen wir uns!

Workshops zu den Themen Sexismus, Rassismus, Nationalismus, „Islamkritik“ sowie jede Menge progressiver Musik gibt’s auch auf dem Antifee-Festival, das am 10. und 11. Juni in Göttingen stattfindet.

Über die ideologischen Verstrickungen rechter und linker „Islamkritik“. Teil 1

Montag, Mai 2nd, 2011

Es ist nicht wirklich neu, dass sich Vertreter der sog. „anti“deutschen Strömung, einer islamfeindlichen Fraktionierung innerhalb der deutschen Linken, seit geraumer Zeit an rechte Populisten heranschmeißen. Das gemeinsame Feindbild „Moslem“ hilft, die ideologischen Gräben zwischen links und rechts zu überbrücken und eine neue Querfront zu begründen. So attestierte, um ein Beispiel zu nennen, das als zentraler Ideologiegeber der „Anti“deutschen fungierende Frontblatt Bahamas dem berüchtigten Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen bereits 2003, im Besitz „vernünftige[r] Einwände gegen die ungebremste Islamisierung“ französischer Vorstädte zu sein.

Konsequenzen hatten diese regelmäßigen Sympathiebekundungen für Faschisten nie: So störte sich das Leipziger Jugendzentrum „Conne Island“ bei seiner jüngsten Ausladung eines Bahamas-Redakteurs nicht etwa an der Nähe der Zeitschrift zur Neuen Rechten und deren rassistischer „Islamkritik“, sondern lediglich an dem pöbelnden Ton, mit dem der Oberwirrkopf der „Anti“deutschen gegen Feministinnen und „hässliche Linke“ zu Felde zog.

Bahamas-Karikatur

Bahamas sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Linken und Muslimen

Eine zentrale Rolle für die massenhafte Verbreitung dieser Ideologie spielt die sich selbst als links betitelnde Wochenzeitung Jungle World. Seit zehn Jahren bietet sie Bahamas-Redakteuren, ungeachtet aller Kritik, eine Plattform zur Verbreitung ihrer rassistischen Ansichten. So hob die Zeitung erst unlängst einen Autoren dieser Zeitschrift in die Position des Leiters ihres Dossiers. Nicht von ungefähr erschien dort kurze Zeit später der Vorabdruck eines Kapitels aus dem kulturrassistischen Machwerk Sex, Djihad und Despotie (Maul 2010) – ein Buch, bei dem es sich um den Versuch des Bahamas-Autors Thomas Maul handelt, sich die Thesen des rechtsradikalen Islamwissenschaftlers Hans-Peter Raddatz und seines Werkes Allahs Schleier (Raddatz 2004) für die postantideutsche Ideologiebildung produktiv anzueignen. (mehr …)

Anti-Muslim Witch-Hunt in Orange County (California)

Dienstag, März 8th, 2011

Islamophobiker wie wir:

Richard, Christoph und Lollo – «Angst vor dem Islam»

Mittwoch, März 2nd, 2011

Der rechte konservativ-christlich-abendländische Schriftsteller Richard Wagner stimmt auf der Achse des Guten ein «Kurzes Lob der Islamophobie» an:

Sie wollen wissen, worin der Unterschied zwischen einem Anti­semiten und einem Islamophoben wie mir besteht? […]

Der Antisemit glaubt, sein gesellschaftlicher Status sei durch die Juden gefährdet, der Islamophobe hingegen sieht die Freiheit, und damit die Grundlagen der offenen Gesellschaft durch den Islam als politische Religion bedroht. […]

Nun zu den rechten Islamophoben. Diese nennen sich in der Regel selbst nicht rechts, sie werden vielmehr als rechts bezeichnet und bezichtigt. Die meisten rechts und rechtspopulistisch genannten Islamophoben sind nichts weiter als konservativ und abend­ländisch, christlich. Die linken Islamophoben hingegen sind Leute, die die humanistischen Prinzipien durch den Islam und seine Rechts- und Geschlechtervorstellungen gefährdet sehen.

Gemeinsam ist den rechten und linken Islamophoben die Verteidi­gung des Staates Israel ohne Wenn und Aber […]

Bislang dachte ich immer, der Begriff der Islamophobie sei irreführend, da er den Rassisten «Angst» (statt Chauvinismus und Imperialismus) als treibendes Motiv unterstellt. Da ich mich nun aber von Wagner eines Besseren belehren lassen musste, hier eine kurze Vertonung seiner Argumente:

»Warum Juden nicht das Geschäft der Rassisten besorgen sollten«

Donnerstag, Januar 6th, 2011

Ohne ihn beim Namen zu nennen, rechnet Alan Posener in einer Kolumne mit seinem ehemaligen Kollegen Henryk M. Broder von der Achse des Guten ab…

Auch in Deutschland haben sich die meisten Juden und ihre Organisationen an jene Faustregel des Überlebens in der Diaspora gehalten: Die Toleranz ist unteilbar. Seit einiger Zeit aber haben einige wenige Juden, bemitleidenswerte Geschöpfe, diese Faust­regel vergessen. Als selbst erklärte Richter über das, was als antisemitisch zu gelten habe und was nicht, stellen sie jenen Ariern einen Kaschrut-Schein aus, die heute einen unverblümten eugenischen und kulturellen Rassismus gegen Muslime predigen: Geert Wilders, Thilo Sarrazin, den Befürwortern von Minarett­verboten und Kleidervorschriften für muslimische Frauen.

Wie kommt das?

Die Antwort gibt Posener hier… »