Posts Tagged ‘islam’

Ibn Hazm (5) – Der Tod

Montag, Juni 27th, 2011

Manchmal kommt es vor, daß die Sache ernster wird, der Verliebte besonders empfindlich und seine Besorgnis ungewöhnlich groß ist. Dies kann zum Tode und zum Abscheiden aus dieser Welt führen. In der religiösen Überlieferung heißt es: ‚Wer sich verliebt, keusch bleibt und stirbt, ist ein Märtyrer.‘

Mein Freund Abuʾs-Sarī ʿAmmār ibn Zijād hat mir nach einem ihm vertrauenswürdig erscheinenden Gewährsmann erzählt, daß der Kanzleibeamte Ibn Kuzmān durch die Liebe zu Aslam ibn ʿAbd al-ʿAziz, dem Bruder des Premierministers Hāschim ibn ʿAbd al-ʿAziz – er war nämlich ein äußerst hübscher Mensch – so hart geprüft worden sei, daß ihn seine Gefühle auf das Krankenlager warfen und ihn in eine Lage versetzten, die zum Tode führen mußte. Ohne zu wissen, daß er der Grund für seine Krankheit war, sprach Aslam häufig bei ihm vor und besuchte ihn oft, bis er aus Schmerz und infolge langen Siechtums starb. Der Gewährsmann fügte hinzu: „Nach seinem Hinscheiden teilte ich Aslam den Grund seiner Krankheit und seines Todes mit. Da grämte er sich und sagte: ,Warum hast du mich nicht davon unterrichtet?‘ Ich erwiderte: ‚Warum sollte ich das tun?‘ – ‚Bei Gott!‘ sprach er, ‚ich hätte ihn noch häufiger besucht und wäre kaum von ihm gewichen; denn mir hätte dies nichts ausgemacht.‘‟ Dieser Aslam war ein besonders fein gebildeter und in geistiger Beziehung vielseitiger Mann mit einer Fülle von Kenntnissen auf rechtswissenschaftlichem Gebiet. […] Sowohl äußerlich wie innerlich war er ein über alle Maßen reizender Mensch. Er war der Vater des Abuʾl-Dschaʿd, der im Westviertel Cordovas wohnte. (mehr …)

Ibn Hazm (1) – Das Wesen der Liebe

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Der Liebe Anfang, mein Freund, ist Scherz, ihr Ende aber ist Ernst. Ihre Erscheinungen sind ob ihrer Erhabenheit zu zart, um beschrieben werden zu können, und so ist ihr tiefstes Wesen nur durch eigenes Erleben zu begreifen. Die Frömmigkeit verdammt die Liebe nicht, und das Gesetz verbietet sie nicht, stehen doch die Herzen in Gottes, des Mächtigen und Erhabenen, Hand.

Viele der rechtgeleiteten Kalifen und der orthodoxen Imame haben sich verliebt. […] Von den bedeutenden Männern ihrer Umgebung und den Trägern ihres Reiches aber haben sich so viele verliebt, daß es unmöglich wäre, sie aufzuzählen. […] Von Ibn ʿAbbas wird eine Rechtsentscheidung überliefert, die alle anderen überflüssig macht und die da lautet: ,Dieser ist ein Märtyrer der Liebe. Für ihn gibt es kein Blutgeld und keine Blutrache.‘ (mehr …)

Ahmad Ghazali (gest. 1126 n.u.Z.) — Aphorismen über die Liebe

Dienstag, Mai 10th, 2011

„O mein Geliebter“, sagte ich, „nun zeige dich,
Enthülle deine Schönheit und beschenke mich!“
Er sprach: „Sei vorsichtig, mein Freund, und hüte dich,
Denn diese Liebe zieht den Dolch und tötet sich.“

***

Die Liebe ist ein Menschenfresser, sie frisst den Menschen mit Haut und Haaren, und wenn sie ihn frisst, wird sie Herr im Lande und übernimmt die Herrschaft. Sie frisst sogar, wenn die Schönheit sich vollendet, die Fremdheit des Geliebten, aber das geschieht erst sehr spät. (mehr …)

Homophober Moslem, toleranter Westen? (Vortrag und Diskussion)

Samstag, März 12th, 2011

Plötzlich interessieren sich auch Konserva­tive für die Probleme von Homosexuellen – nämlich wenn diese Opfer von Gewalt werden, die von „Fremden“ ausgeht. Diese werden von ihnen einer „rückständigen“ und „andersartigen“ Kultur zugeordnet, von der sie sich selbst abheben möchten. Selbst Linken gilt „der Westen“ als Quelle sexu­eller Emanzipation schlechthin und „der Islam“ wiederum als monokausal verant­wortlich für sexualrepressive Zustände und die Verfolgung von „Schwulen“ im Nahen Osten. Der Referent dekonstruiert diesen kulturalistischen Mythos. Er umreißt eine Geschichte der Hetero­normalisierung der muslimischen Länder als einen von Europa inspirierten Modernisierungsprozess, der in der Übernahme von psychiatrischen Katego­rien, sexuellen Identitäten und nationalistischen Praktiken bestand. Auch wird thematisiert, wie das Konstrukt der „islamischen Homo­phobie“ als politisches Instrument Verwendung findet.

SALZBURG (Facebook)
Mi, 16. März ’11, 19:00 Uhr
Rudolfskai 42
Geswi, Hörsaal 381
Veranstalter: GRAS Salzburg

JENA (Facebook)
Mi, 20. April ’11, 19:00 Uhr
Carl-Zeiss-Straße 3
Hörsaal 9
Veranstalter: revolta

KASSEL (Facebook)
Do, 28. April ’11, 20:00 Uhr
Nora-Platiel-Straße 5
KUK Raum (0213)
Veranstalter: Kritische Uni Kassel

Richard, Christoph und Lollo – «Angst vor dem Islam»

Mittwoch, März 2nd, 2011

Der rechte konservativ-christlich-abendländische Schriftsteller Richard Wagner stimmt auf der Achse des Guten ein «Kurzes Lob der Islamophobie» an:

Sie wollen wissen, worin der Unterschied zwischen einem Anti­semiten und einem Islamophoben wie mir besteht? […]

Der Antisemit glaubt, sein gesellschaftlicher Status sei durch die Juden gefährdet, der Islamophobe hingegen sieht die Freiheit, und damit die Grundlagen der offenen Gesellschaft durch den Islam als politische Religion bedroht. […]

Nun zu den rechten Islamophoben. Diese nennen sich in der Regel selbst nicht rechts, sie werden vielmehr als rechts bezeichnet und bezichtigt. Die meisten rechts und rechtspopulistisch genannten Islamophoben sind nichts weiter als konservativ und abend­ländisch, christlich. Die linken Islamophoben hingegen sind Leute, die die humanistischen Prinzipien durch den Islam und seine Rechts- und Geschlechtervorstellungen gefährdet sehen.

Gemeinsam ist den rechten und linken Islamophoben die Verteidi­gung des Staates Israel ohne Wenn und Aber […]

Bislang dachte ich immer, der Begriff der Islamophobie sei irreführend, da er den Rassisten «Angst» (statt Chauvinismus und Imperialismus) als treibendes Motiv unterstellt. Da ich mich nun aber von Wagner eines Besseren belehren lassen musste, hier eine kurze Vertonung seiner Argumente:

From Hermann to Hosni With Love

Dienstag, März 1st, 2011

Karikatur der Frankfurter Rundschau zur deutschen Debatte um den arabischen Aufstand

Karikatur der Frankfurter Rundschau zur deutschen Debatte um den arabischen Aufstand

Der Blog al-Samidoun hat sich das Magazin des „antideutschen“ Fernfuchtlers Hermann L. Grem­liza angeschaut, der bereits 2003 ein paar Zehntausend tote Iraker zu einem fairen Preis für die (mal wieder) vermeintlich in Gefahr geratene „Sicherheit Israels“ erklärte. Während es zu jener Zeit aber noch um den Sturz eines Diktators ging, der den USA lästig geworden war, stellen sich die Hunde der KONKRET-Redaktion in ihrer neue­sten Ausgabe nunmehr offen hinter die blutigen Kompradorenregime Nordafrikas und anderer Länder der sog. arabischen Welt. Man braucht sich hierbei nur an Mubaraks Rolle bei der Belagerung des Gaza-Streifens zu erinnern und sich den Enthusiasmus der ägyptischen Massen für die Sache der Palästinenser zu vergegenwärtigen, damit man versteht, warum der gute Hermann dem Tyrannen von Kairo ein Meer von Tränen nachweint. Der Höhepunkt seiner für Bonmots gehaltenen rhetorischen Dummheiten dürfte allerdings der folgende Satz sein:

Eine Demokratie, deren Regierung die Vox populi exekutiert, ist eine democracia falsa.

Skurril!

Neokonservative Homophobie

Sonntag, Januar 16th, 2011

Zwei Kommentare aus dem transatlantischen Kriegsblog „Fact – Fiction“.

Saudi Arabia: Kingdom in the Closet

Montag, Januar 10th, 2011

Wie lebt es sich als – in unseren Begriffen – „Schwuler“ in Saudiarabien? Die Journalistin Nadya Labi hat das für einen außergewöhnlichen Artikel in der Zeitschrift The Atlantic etwas genauer recherchiert:

The Kingdom in the Closet

SODOMY IS PUNISHABLE BY DEATH IN SAUDI ARABIA, BUT GAY LIFE FLOURISHES THERE. WHY IT IS “EASIER TO BE GAY THAN STRAIGHT” IN A SOCIETY WHERE EVERYONE, HOMOSEXUAL AND OTHERWISE, LIVES IN THE CLOSET

[…] When Yasser hit puberty, he grew attracted to his male cousins. Like many gay and lesbian teenagers everywhere, he felt isolated. “I used to have the feeling that I was the queerest in the country,” he recalled. “But then I went to high school and discovered there are others like me. Then I find out, it’s a whole society.” (mehr …)

Globalizing Homophobia

Sonntag, Dezember 12th, 2010

An English translation of the first chapter of Die Vertreibung aus dem Serail („The Eviction from the Seraglio“) has become available on MRZine:

After September 11th, 2001, one of the liberal justifications for the military intervention against Afghanistan was the oppression of women, but also of gays, by the Taliban. People in Europe and the USA received with shock the news that same-sex couples were publicly executed in the Kabul Stadium by bringing down a wall upon them that was constructed solely for this purpose. Others, however, pointed out that not only in the countries comprising the „Axis of Evil,“ but also among a few allies of the USA, the persecution of homosexuals has been elevated to a raison d’état. Horror reports from Saudi Arabia and Egypt tell of draconian measures against men who are suspected of same-sex activities. […]

Given this crude example, are we not obligated to concede the unmistakable superiority of the „imperialist“ West in matters concerning individual rights and sexual tolerance? Is it not simply true that the USA and Europe are the guarantors of civil freedom worldwide? In the following, I want to provide a few arguments as to why this view, at least from a long-term perspective, is fundamentally problematic. For, historically, it was the West itself that inspired by its own example these heteronormative relations of violence.

Vote for it on reddit!

Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 – 1780 A.D.

Donnerstag, August 26th, 2010

Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 - 1780 A.DÜber die Geschichte weib-weiblicher Liebe in der islamischen Welt gibt es bislang einen eklatanten Mangel an Forschung und ent­sprechender Sekundärliteratur. 2009 ist die Australierin Samar Habib angetreten, dieses Manko mit ihrer nun als Taschenbuch erschienenen Monographie sowie einer ein­schlägigen Quellensammlung endlich zu be­heben. Zu letzterer hier der Klappentext:

Increasingly in mainstream dis­course and rhetoric, there only seems to be one very serious and conservative face to Islam, Muslim communities, and their govern­ments. Mainstream modern Islamic hermeneutics condemn homosexual orientations, sometimes with punishments as severe as death. Nevertheless, there were also instances in Muslim history, culture, and society where religiosity was playful not punitive, where the sexual body was inscribed with markers of pleasure not those of perdition. Exploring instances within the Arabian Islamic Empire that negate impressions about Muslim cultures as eternally monolithic, conservative, and orthodox, we can come to a better and more nuanced understanding of the complexities of former and contemporary Muslim civilizations. The question of gay and lesbian human rights in the Muslim world is a topical and pressing one, and the need now for alternative ways of approaching Islam in the modern world is more important than ever. The answers to today’s modern crisis in human rights for LGBTIQ people lies in looking at the past and highlighting elements that can assist in the creation of a more equitable future. This publication discovers and brings to the English reader an array of surviving texts penned by Muslim scholars discussing female samesex desire. From the tolerant days of the Abbasid caliphate to the celebratory text of Yusuf Tifashi in the thirteenth century and onwards toward growing strictures and greater intolerance, Arabo-Islamic Texts reveals a dynamic and lively discourse on sexuality in the Arabo-Islamic empire. The English translation of a lecture delivered in Arabic in Haifa by Samar Habib is also included in this book.