Archiv für das 'islam'-tag

Islamika

Wolfgang Pohrt bringt ein neues Buch heraus und der Berliner Tagesspiegel einen ersten Vorabdruck. Kapitalismus Forever – Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam, Edition Tiamat, Berlin 2012.

Der Westen hält sich für aufgeklärt und human. Moslems werden in Europa als rückständig gebrandmarkt. Für den Publizisten Wolfgang Pohrt zeugt das von einem Totalausfall realistischer Selbstwahrnehmung.

[....] Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichs­sicher­heitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind.

Breivik hat viele Brüder im Geiste. (Weiterlesen…)

Edit: Hier eine Leseprobe des Verlags.

Edit2: Und hier die erste Reaktion von Michael Stürzenberger (PI-News):

Es wird sich zeigen, ob die geistig gesunden Menschen dieses Landes noch Ehre und Rückgrat haben. Ob Kirchenvertreter den Mut zeigen, offen gegen einen Vertreter des kranken linken Zeitgeistes anzutreten. Ob Christen endlich Flagge zeigen für ihre Religion und die Apolegeten der Gewalt und deren geistige Unterstützer offen demaskieren. Ob sich ein wahrer “Aufstand der Anständigen” entfacht, aller Nicht-Moslems und Nicht-Linken, die sich den Ausverkauf ihrer Werte und Überzeugungen nicht mehr länger gefallen lassen. Wir warten auf einen Proteststurm, der sich über den Tagesspiegel und diesen verblendeten Schreiberling ergießt.

Ibn Hazm (7): Die Vortrefflichkeit der Keuschheit

Bevor ich’s ganz vergesse: das letzte Stück aus der Abhandlung von Ibn Hazm über die Liebe. Worauf es mir ankommt – dass das Geschlecht des Begehrten im gesamten Werk von Ibn Hazm keinen wie auch immer gearteten Unterschied konstituiert, die Kategorien von “Homo-” und “Heterosexualität” also gänzlich fehlen -, sollte mittlerweile klar geworden sein.

Wie mag es nun aber einem ergehen, der im Herzen etwas geborgen hat, was heißer war als Tamariskenkohle, im Busen etwas gehütet, was schärfer war als ein Schwert, der Bissen geschluckt hat herber als Koloquinte und seine Seele gegen ihren Willen von dem abgekehrt hat, was sie verlangte, was sie überzeugt war zu erreichen, worauf sie eingestellt und was ihr durch nichts verwehrt war? Wahrlich, er verdient, morgen, am Tag der Auferstehung, Freude zu erleben, an der Stätte der Belohnung und in der Welt der Ewigkeit im Kreise der Gottesfreunde zu weilen, vor den Schrecken des Jüngsten Tages und dem Entsetzen der Auferstehung sicher zu sein, und daß Gott ihm am Tage des Weltgerichts für diese Wunde Geborgenheit schenkt.

Der Arzt Abu Mūsā Hārūn ibn Mūsā hat mir folgendes erzählt: (Continue...)

Christians project their terror affinity on Muslims

According to the poll, 89% of Muslim Americans say there is never a justification for attacks on civilians, compared to 79% of Mormon Americans, 75% of Jewish Americans, and 71% of Protestant and Catholic Americans. [...] Despite this surprisingly high Muslim opposition to attacks against civilians, most Americans of other faiths, according to the poll, feel Muslim Americans do not speak out often enough against terrorism.

(Ha’aretz, 2 Aug 2011.)

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (Continue...)

A Gay Foreigner in Damascus

Ein Artikel im Spectator nimmt den Fall des von einem Amerikaner gefakten Blogs “A Gay Girl in Damascus” zum Anlass, den orientalistischen westlichen Blick auf “Homosexualität” in arabischen Ländern zu hinterfragen – obwohl er sich ihm selbst nicht ganz entziehen kann. In Anlehnung an den palästinensisch­stämmigen Politikprofessor Joseph Massad kritisiert er dabei am Ende auch das pseudo-emanzipatorische Ansinnen westlicher Lesben- und Schwulen­organisationen, die es nicht lassen können, den arabischen Bevölkerungen ihre eigene identitäre Matrix aufzuzwängen:

I was well aware of Syrians’ reputation for being extraordinarily welcoming and friendly, even by Arab standards; but even I wasn’t quite prepared for the frank opening salvo from the handsome young guy sitting next to me. ‘Are you active or passive?’ he asked me.

It turned out that the coffee shop — packed with men of all ages and types, from English-speaking teenagers to elderly Bedouins — was a pick-up joint. Two other nearby ramshackle coffee shops served the same function, as did the only (packed) local bar. The city’s public parks, moreover, were 24-hour cruising areas, resembling nothing if not Russell Square in its 1980s heyday. (Continue...)

Ibn Hazm (5) – Der Tod

Manchmal kommt es vor, daß die Sache ernster wird, der Verliebte besonders empfindlich und seine Besorgnis ungewöhnlich groß ist. Dies kann zum Tode und zum Abscheiden aus dieser Welt führen. In der religiösen Überlieferung heißt es: ‚Wer sich verliebt, keusch bleibt und stirbt, ist ein Märtyrer.‘

Mein Freund Abuʾs-Sarī ʿAmmār ibn Zijād hat mir nach einem ihm vertrauenswürdig erscheinenden Gewährsmann erzählt, daß der Kanzleibeamte Ibn Kuzmān durch die Liebe zu Aslam ibn ʿAbd al-ʿAziz, dem Bruder des Premierministers Hāschim ibn ʿAbd al-ʿAziz – er war nämlich ein äußerst hübscher Mensch – so hart geprüft worden sei, daß ihn seine Gefühle auf das Krankenlager warfen und ihn in eine Lage versetzten, die zum Tode führen mußte. Ohne zu wissen, daß er der Grund für seine Krankheit war, sprach Aslam häufig bei ihm vor und besuchte ihn oft, bis er aus Schmerz und infolge langen Siechtums starb. Der Gewährsmann fügte hinzu: „Nach seinem Hinscheiden teilte ich Aslam den Grund seiner Krankheit und seines Todes mit. Da grämte er sich und sagte: ,Warum hast du mich nicht davon unterrichtet?‘ Ich erwiderte: ‚Warum sollte ich das tun?‘ – ‚Bei Gott!‘ sprach er, ‚ich hätte ihn noch häufiger besucht und wäre kaum von ihm gewichen; denn mir hätte dies nichts ausgemacht.‘‟ Dieser Aslam war ein besonders fein gebildeter und in geistiger Beziehung vielseitiger Mann mit einer Fülle von Kenntnissen auf rechtswissenschaftlichem Gebiet. [...] Sowohl äußerlich wie innerlich war er ein über alle Maßen reizender Mensch. Er war der Vater des Abuʾl-Dschaʿd, der im Westviertel Cordovas wohnte. (Continue...)

Ibn Hazm (1) – Das Wesen der Liebe

Der Liebe Anfang, mein Freund, ist Scherz, ihr Ende aber ist Ernst. Ihre Erscheinungen sind ob ihrer Erhabenheit zu zart, um beschrieben werden zu können, und so ist ihr tiefstes Wesen nur durch eigenes Erleben zu begreifen. Die Frömmigkeit verdammt die Liebe nicht, und das Gesetz verbietet sie nicht, stehen doch die Herzen in Gottes, des Mächtigen und Erhabenen, Hand.

Viele der rechtgeleiteten Kalifen und der orthodoxen Imame haben sich verliebt. [...] Von den bedeutenden Männern ihrer Umgebung und den Trägern ihres Reiches aber haben sich so viele verliebt, daß es unmöglich wäre, sie aufzuzählen. [...] Von Ibn ʿAbbas wird eine Rechtsentscheidung überliefert, die alle anderen überflüssig macht und die da lautet: ,Dieser ist ein Märtyrer der Liebe. Für ihn gibt es kein Blutgeld und keine Blutrache.‘ (Continue...)

Ahmad Ghazali (gest. 1126 n.u.Z.) — Aphorismen über die Liebe

“O mein Geliebter”, sagte ich, “nun zeige dich,
Enthülle deine Schönheit und beschenke mich!”
Er sprach: “Sei vorsichtig, mein Freund, und hüte dich,
Denn diese Liebe zieht den Dolch und tötet sich.”

***

Die Liebe ist ein Menschenfresser, sie frisst den Menschen mit Haut und Haaren, und wenn sie ihn frisst, wird sie Herr im Lande und übernimmt die Herrschaft. Sie frisst sogar, wenn die Schönheit sich vollendet, die Fremdheit des Geliebten, aber das geschieht erst sehr spät. (Continue...)

Homophober Moslem, toleranter Westen? (Vortrag und Diskussion)

Plötzlich interessieren sich auch Konserva­tive für die Probleme von Homosexuellen – nämlich wenn diese Opfer von Gewalt werden, die von „Fremden“ ausgeht. Diese werden von ihnen einer „rückständigen“ und „andersartigen“ Kultur zugeordnet, von der sie sich selbst abheben möchten. Selbst Linken gilt „der Westen“ als Quelle sexu­eller Emanzipation schlechthin und „der Islam“ wiederum als monokausal verant­wortlich für sexualrepressive Zustände und die Verfolgung von „Schwulen“ im Nahen Osten. Der Referent dekonstruiert diesen kulturalistischen Mythos. Er umreißt eine Geschichte der Hetero­normalisierung der muslimischen Länder als einen von Europa inspirierten Modernisierungsprozess, der in der Übernahme von psychiatrischen Katego­rien, sexuellen Identitäten und nationalistischen Praktiken bestand. Auch wird thematisiert, wie das Konstrukt der „islamischen Homo­phobie“ als politisches Instrument Verwendung findet.

SALZBURG (Facebook)
Mi, 16. März ’11, 19:00 Uhr
Rudolfskai 42
Geswi, Hörsaal 381
Veranstalter: GRAS Salzburg

JENA (Facebook)
Mi, 20. April ’11, 19:00 Uhr
Carl-Zeiss-Straße 3
Hörsaal 9
Veranstalter: revolta

KASSEL (Facebook)
Do, 28. April ’11, 20:00 Uhr
Nora-Platiel-Straße 5
KUK Raum (0213)
Veranstalter: Kritische Uni Kassel

Richard, Christoph und Lollo – «Angst vor dem Islam»

Der rechte konservativ-christlich-abendländische Schriftsteller Richard Wagner stimmt auf der Achse des Guten ein «Kurzes Lob der Islamophobie» an:

Sie wollen wissen, worin der Unterschied zwischen einem Anti­semiten und einem Islamophoben wie mir besteht? [...]

Der Antisemit glaubt, sein gesellschaftlicher Status sei durch die Juden gefährdet, der Islamophobe hingegen sieht die Freiheit, und damit die Grundlagen der offenen Gesellschaft durch den Islam als politische Religion bedroht. [...]

Nun zu den rechten Islamophoben. Diese nennen sich in der Regel selbst nicht rechts, sie werden vielmehr als rechts bezeichnet und bezichtigt. Die meisten rechts und rechtspopulistisch genannten Islamophoben sind nichts weiter als konservativ und abend­ländisch, christlich. Die linken Islamophoben hingegen sind Leute, die die humanistischen Prinzipien durch den Islam und seine Rechts- und Geschlechtervorstellungen gefährdet sehen.

Gemeinsam ist den rechten und linken Islamophoben die Verteidi­gung des Staates Israel ohne Wenn und Aber [...]

Bislang dachte ich immer, der Begriff der Islamophobie sei irreführend, da er den Rassisten «Angst» (statt Chauvinismus und Imperialismus) als treibendes Motiv unterstellt. Da ich mich nun aber von Wagner eines Besseren belehren lassen musste, hier eine kurze Vertonung seiner Argumente:


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