Posts Tagged ‘islam’

BBC World: „Gay Pakistan: Where sex is available and relationships are difficult“

Mittwoch, November 13th, 2013

Audioausschnitt aus einem Beitrag der Sendereihe „Crossing Continents“ von BBC Radio 4 mit dem Titel „Inside Gay Pakistan“:

[ Full Audio ]

Aus dem zugehörigen Artikel:

Just occasionally, though, Pakistani parents do reconcile themselves to children entering a long-term gay relationship.

Akbar and Ali are one such couple who have made things work, against the odds.

„Ali’s family was run by a matriarch,“ recalls Akbar.

„His grandmother was the head of the house so I knew that winning her over would mean everything else would fall into place. I took the time to talk to her and convince her that I was a good person. That was first and foremost. It wasn’t about ‚coming out‘ in a formal sense. It’s more important to convince Ali’s family that I’m a good human being.

„She once gave me a hand-embroidered decorative cloth that she had made as a teenager. She said she was giving it to me because she knew I ‚take care of things‘. It was a kind gesture and a very personal kind of acceptance.“

Akbar and Ali have now set up home together with the support of their families. Akbar has a good relationship with Ali’s mother.

„She comes to stay with us and I love watching soaps with her. At the end of the night she goes to her room and Ali and I will retire to our room. Two men sleeping in the same bed? Sure she knows what is going on. We don’t have to have a big discussion about it.“

Stories like this are, however, exceptionally rare. For many gay men in Pakistan, a heterosexual marriage and a life of anonymous groping is the long-term reality.

Männerliebe im Islam

Samstag, August 17th, 2013

„Als Männerliebe im Islam noch kein Tabu war“
Thomas Bauer im Dradio, 16.08., Tag für Tag

Dem guten Gott geschuldet. Nietzsches Physiognomie des Christentums

Dienstag, Mai 14th, 2013

Gerade eine der ersten intellektuellen Erfahrungen meiner Jugend wieder aufgefrischt: die Lektüre von Nietzsches „Der Antichrist“. Das ist noch immer eine der interessanteren religionsfeindlichen Schriften, weil seine Kritik im Grunde gar nicht entlang einer atheistischen Argumentation verläuft. Dass Gott eine Illusion ist, versteht sich für den Mann sowieso von selbst. Es geht ihm vielmehr um einen religionspsychologischen Vergleich, der die Ambiguität des jüdischen und islamischen Glaubens herausstreicht, um sie in den Dienst einer Kritik am zum Erbrechen „guten Gott“ der Christenheit zu stellen, dem nicht ganz zufällig eine ebenso boshaft lustfeindliche und verfolgungsträchtige Kirche korrespondiert. Die Kritik am Christentum gibt Nietzsche eine für seine Zeit sehr ungewöhnliche Stoßrichtung, was die Zurückweisung des europäischen Ethnozentrismus und seines Überlegenheitsgefühls gegenüber den „Culturen“ der Anderen betrifft, so etwa auch im historischen Vergleich mit den peinlichen Randbemerkungen von Marx über den Islam, die eine ideologisch verkommene Gestalt wie Stephan Grigat unlängst aus den Tiefen der MEW hervorgebuddelt hat, um mit diesem blödsinnigen argumentum ad verecundiam die rassistischen und imperialistischen Ressentiments seiner „anti“deutschen Leser_innen zu befriedigen.

Als solcher Autoritätsbeweis funktioniert Nietzsche glücklicherweise gerade nicht. Der Mann ist völlig zurecht als ein lupenreiner Reaktionär verschrien. Er bietet zwar durchaus Ansatzpunkte für eine emanzipative Lektüre, weil er stringenter als alle marxistischen Ideologiekritiker die Interessenabhängigkeit jeder Form von Wissen bloßlegte. Und ebenso, weil seine Verachtung für die christliche „Sklavenmoral“ auch eine Kritik an der Staatsuntertänigkeit der deutschen Arbeiterschaft impliziert, sofern sie sich von Appellen an das gute Gewissen einer fiktiven Allgemeinheit die Perspektive einer Besserung ihres materiellen Loses erhofft. Diese Möglichkeit, Nietzsche gegen den Strich zu lesen, ändert jedoch wenig daran, dass er selbst vor allem mit einem beschäftigt war: den Protestantismus als überkommene Legitimationsideologie der Eliten des deutschen Kaiserreichs durch ein neues, aggressives und dem Zeitalter des Imperialismus weitaus angemesseneres System zu verdrängen: den bürgerlichen Sozialdarwinismus und seine Idee von Herrschaft als dem natürlichen Vorrecht des Stärkeren. Seine Schrift „Der Antichrist“ lässt sich so zwar leicht als eine Kritik am christlichen Antijudaismus lesen, ist aber zur gleichen Zeit an allen Ecken und Enden bereits mit den substitutiven Formen des modernen Antisemitismus durchsetzt.

Wer daher im Folgenden die reaktionären Untertöne bemängelt, der möge versichert sein, dass sich hinter meinen Auslassungspunkten die überhaupt erst richtig schlimmen Sudeleien verbergen. Und doch ist das Ganze auf seine Weise ausgesprochen lesenswert: (mehr …)

»Homosexualität« und Islam? Zur Rehistorisierung eines Verhältnisses

Samstag, Februar 2nd, 2013

Turkish Wine Boy Kurzfristige Ersatzveranstaltung am 11. Februar 2013 für den im Januar leider wegen Krankheit ausgefallenen Vortrag »Homophober Moslem, toleranter Westen?« in Frankfurt/M.:

Der westliche Begriff des Homosexuellen definiert einen bestimmten Typus von Person, dem gleichgeschlechtliches Begehren als »Anormalität«, als psychische oder sogar körperliche Besonderheit, eingeschrieben wird. Klassische Texte aus der islamischen Welt kennen diese normalisierende Konstruktion nicht. Selbst ihre ärgsten religiösen Eiferer, namentlich die Hanbaliten, setzten als selbstverständlich voraus, dass trotz aller individuellen Differenzen gleichgeschlechtliches Begehren Teil einer »gesunden seelischen Verfassung« sei. So wundert es nicht, dass ein zwar nicht unbedingt als authentisch geltender, aber in klassischer Zeit dennoch äußerst populärer Hadith auch dem Gesandten Gottes die Sorge zuschreibt, von schönen Burschen in Versuchung geführt zu werden.

Wozu muslimische Geistliche sich äußerten, waren spezifische Handlungen wie Analverkehr oder Tribadie, über deren genauen Sündengehalt in der formativen Zeit kein Konsens erzielt werden konnte. Sie wogen, je nach Richtung, manchmal weniger als das verbotene Trinken von Wein und manchmal mehr als ein »heterosexueller« Ehebruch. Gemäß der islamischen Pflichtenlehre waren Frömmler zur Maßregelung von Sündern mit der Zunge, dem Herzen und seltener auch der Hand verpflichtet. Doch trug ihre Betonung der von jungen Männern ausgehenden Versuchung, die ihrer Ansicht nach so groß war, dass nur übermenschliche Kraft sie bezwingen konnte, narrativ eher zur Anreizung als zur Unterdrückung des Verbotenen bei.

Der restriktive Diskurs der Religionsgelehrten, der selbst noch innerhalb des Glaubens mit dem ganz anders gearteten der Mystik konkurrieren musste, erreichte in der islamischen Welt jedoch nie die Position eines unbestrittenen Platzanweisers. Das hegemoniale Skript der Erotik war nicht das mit Pedanterie gepflegte Genre religiöser Rechtshandbücher, sondern die von frommen Rücksichtnahmen weitgehend ungetrübte arabisch-, persisch-, osmanisch- und urdu-sprachige Liebesdichtung – das Ghasel, in dem die Liebe zu jungen Männern eines der bestimmendsten Motive war. Am Ende des 19. Jahrhunderts durch den westlichen Puritanismus zum Verstummen gebracht, trat im 20. an seine Stelle allmählich die wissenschaftliche Konstruktion des Homosexuellen als einer »Spezies« (Foucault). Die Sprache des Glaubens lässt sich aus diesem historischen Kontext nicht herauspräparieren. Ob liberal, konservativ oder fundamentalistisch: er ist dazu verurteilt, sich mit den gewandelten Vorannahmen über gleichgeschlechtliche Liebe und Lust auf neue Weisen ins Verhältnis zu setzen.

Mo., 11. Feb., 16:00 Uhr
Veranstalterin: Autonomes Lesben- und Schwulenreferat
Goethe-Universität Frankfurt/M., Mertonstr. 26-28
Campus Bockenheim, Raum B102
Veranstaltung auf Facebook

„Was sagt der Islam zu Homosexualität?“ (Köln, 6. Nov.)

Montag, Oktober 29th, 2012

Turkish Wine Boy „Was sagt der Islam zu Homosexualität?“
Zur Dekonstruktion einer Fragestellung

Seit dem 11. September 2001 ist nicht nur der Islam, sondern auch seine angebliche Haltung zu Frauen- und Schwulenrechten ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt. Aber ist der Islam überhaupt ein Subjekt, das eine „Haltung“ formulieren könnte? Und wie soll er etwas zu einer sexualwissenschaftlichen Konstruktion aussagen, die das Produkt biopolitischer Diskurse aus dem Ende des 19. Jahrhunderts ist?

Der Begriff der „Homosexualität“ definiert einen bestimmten Typus von Person, dem gleichgeschlechtliches Begehren als „Anormalität“, als psychische und häufig auch körperliche Besonderheit, eingeschrieben wird. Klassische Texte aus der islamischen Welt kennen diese normalisierende Konstruktion nicht; sie gehen vielmehr davon aus, dass gleichgeschlechtliches Begehren eine universelle Anlage aller Menschen und alles andere als „widernatürlich“ ist. So schreibt die Überlieferung selbst dem Propheten Mohammed ganz selbstverständlich die Sorge zu, von schönen Burschen in Versuchung geführt zu werden.

Wozu sich klassische religiöse Diskurse äußern, sind spezifische Handlungen wie Analverkehr oder Tribadie, die als Ausdruck vor- und außerehelicher Sexualität eine Sünde darstellen und je nach Rechtsschule weniger, gleich und manchmal sogar schwerer als ein „heterosexueller“ Ehebruch wiegen. Interessant ist es, wie die europäisch-neuzeitliche Vorstellung von Homosexuellen als einer „Spezies“ (Foucault) in modernen islamischen Diskursen verarbeitet wird und wie sie eine radikale Reinterpretation der Aussagen traditioneller religiöser Texte erforderlich macht. Stellen wir uns die Frage nach der realen Praxis, sind wir aber nicht mehr bei „dem Islam“, sondern bei konkreten Machtverhältnissen und Akteuren.

So erweist sich am Ende vor allem eines: Genau wie man die essentialistische Konstruktion „des Homosexuellen“ hinterfragen muss, um klassische islamische Texte zu verstehen, ist auch die essentialistische Konstruktion „des Islams“ zurückzuweisen, um zu begreifen, wie sich unterschiedliche politisch-religiöse Kräfte mit der rasanten Modernisierung der gesellschaftlichen Vorannahmen über gleichgeschlechtliche Liebe und Lust arrangieren.

Di., 6. Nov., 19:30 Uhr
Veranstalterin: Autonomes Lesben- und Schwulenreferat
Uni Köln, Universitätsstraße 35, Hörsaal G
Veranstaltung auf Facebook

Islamika

Sonntag, Februar 5th, 2012

Wolfgang Pohrt bringt ein neues Buch heraus und der Berliner Tagesspiegel einen ersten Vorabdruck. Kapitalismus Forever – Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam, Edition Tiamat, Berlin 2012.

Der Westen hält sich für aufgeklärt und human. Moslems werden in Europa als rückständig gebrandmarkt. Für den Publizisten Wolfgang Pohrt zeugt das von einem Totalausfall realistischer Selbstwahrnehmung.

[….] Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichs­sicher­heitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind.

Breivik hat viele Brüder im Geiste. (Weiterlesen…)

Edit: Hier eine Leseprobe des Verlags.

Edit2: Und hier die erste Reaktion von Michael Stürzenberger (PI-News):

Es wird sich zeigen, ob die geistig gesunden Menschen dieses Landes noch Ehre und Rückgrat haben. Ob Kirchenvertreter den Mut zeigen, offen gegen einen Vertreter des kranken linken Zeitgeistes anzutreten. Ob Christen endlich Flagge zeigen für ihre Religion und die Apolegeten der Gewalt und deren geistige Unterstützer offen demaskieren. Ob sich ein wahrer “Aufstand der Anständigen” entfacht, aller Nicht-Moslems und Nicht-Linken, die sich den Ausverkauf ihrer Werte und Überzeugungen nicht mehr länger gefallen lassen. Wir warten auf einen Proteststurm, der sich über den Tagesspiegel und diesen verblendeten Schreiberling ergießt.

Ibn Hazm (7): Die Vortrefflichkeit der Keuschheit

Montag, August 15th, 2011

Bevor ich’s ganz vergesse: das letzte Stück aus der Abhandlung von Ibn Hazm über die Liebe. Worauf es mir ankommt – dass das Geschlecht des Begehrten im gesamten Werk von Ibn Hazm keinen wie auch immer gearteten Unterschied konstituiert, die Kategorien von „Homo-“ und „Heterosexualität“ also gänzlich fehlen -, sollte mittlerweile klar geworden sein.

Wie mag es nun aber einem ergehen, der im Herzen etwas geborgen hat, was heißer war als Tamariskenkohle, im Busen etwas gehütet, was schärfer war als ein Schwert, der Bissen geschluckt hat herber als Koloquinte und seine Seele gegen ihren Willen von dem abgekehrt hat, was sie verlangte, was sie überzeugt war zu erreichen, worauf sie eingestellt und was ihr durch nichts verwehrt war? Wahrlich, er verdient, morgen, am Tag der Auferstehung, Freude zu erleben, an der Stätte der Belohnung und in der Welt der Ewigkeit im Kreise der Gottesfreunde zu weilen, vor den Schrecken des Jüngsten Tages und dem Entsetzen der Auferstehung sicher zu sein, und daß Gott ihm am Tage des Weltgerichts für diese Wunde Geborgenheit schenkt.

Der Arzt Abu Mūsā Hārūn ibn Mūsā hat mir folgendes erzählt: (mehr …)

Christians project their terror affinity on Muslims

Donnerstag, August 4th, 2011

According to the poll, 89% of Muslim Americans say there is never a justification for attacks on civilians, compared to 79% of Mormon Americans, 75% of Jewish Americans, and 71% of Protestant and Catholic Americans. […] Despite this surprisingly high Muslim opposition to attacks against civilians, most Americans of other faiths, according to the poll, feel Muslim Americans do not speak out often enough against terrorism.

(Ha’aretz, 2 Aug 2011.)

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Samstag, Juli 16th, 2011

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (mehr …)

A Gay Foreigner in Damascus

Dienstag, Juni 28th, 2011

Ein Artikel im Spectator nimmt den Fall des von einem Amerikaner gefakten Blogs „A Gay Girl in Damascus“ zum Anlass, den orientalistischen westlichen Blick auf „Homosexualität“ in arabischen Ländern zu hinterfragen – obwohl er sich ihm selbst nicht ganz entziehen kann. In Anlehnung an den palästinensisch­stämmigen Politikprofessor Joseph Massad kritisiert er dabei am Ende auch das pseudo-emanzipatorische Ansinnen westlicher Lesben- und Schwulen­organisationen, die es nicht lassen können, den arabischen Bevölkerungen ihre eigene identitäre Matrix aufzuzwängen:

I was well aware of Syrians’ reputation for being extraordinarily welcoming and friendly, even by Arab standards; but even I wasn’t quite prepared for the frank opening salvo from the handsome young guy sitting next to me. ‘Are you active or passive?’ he asked me.

It turned out that the coffee shop — packed with men of all ages and types, from English-speaking teenagers to elderly Bedouins — was a pick-up joint. Two other nearby ramshackle coffee shops served the same function, as did the only (packed) local bar. The city’s public parks, moreover, were 24-hour cruising areas, resembling nothing if not Russell Square in its 1980s heyday. (mehr …)