Antimuslimischer (Kultur-)Rassismus wird von Neokonservativen, bürgerlichen Nazigegnern und „Ideologiekritikern” ebenso verbreitet wie von Neuen Rechten und Nazis. Erklären lässt sich dieser gesellschaftliche Hass-Konsens nur, wenn die aggressive Hetze gegen den Islam, Muslime und deren angeblichen „Umma-Sozialismus” nicht allein als eine Form von Fremdenfeindlichkeit, sondern auch als Legitimationsideologie für neoimperialistische Kriege analysiert und ihre Verknüpfung mit dem Antikommunismus in den Fokus genommen wird.
Diskussionsveranstaltung mit:
Prof. Dr. Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)
Susann Witt-Stahl, Journalistin und Autorin, Hamburg
Dr. Sabine Schiffer, Leiterin Institut für Medienverantwortung, Erlangen
Moderation: Markus Bernhardt (junge Welt)
Veranstalter: junge Welt & Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)
17.04.2012, Beginn 19:00 Uhr
jW-Ladengalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin
Archiv für das 'Imperialismus'-tag
Im 2011 veröffentlichten vierten Band seines 1974 begonnenen Hauptwerks Das moderne Weltsystem beschreibt der amerikanische Sozialwissenschaftler Immanuel Wallerstein für den Zeitraum zwischen 1789 und 1914 (das sog. lange 19. Jahrhundert) die Entstehung des liberalen Fortschrittsnarrativs sowie seiner linken und rechten Variante – Radikalismus und Konservatismus – als Prozess der Formierung einer globalen Geokultur für das von ihm als erstem so getaufte “kapitalistische Weltsystem”.
Dessen Ursprünge datieren zwar bis ins lange 16. Jahrhundert zurück. Aber “das 19. Jahrhundert sah”, im Rahmen des liberalen Nationalstaats und des dort ausgefochtenen Kampfs um Bürgerrechte, “die Schaffung unseres gesamten zeitgenössischen Apparats an Identitäten” (S. 217): “Bourgeois und Proletarier, Mann und Frau, Erwachsener und Minderjähriger, Brotverdiener und Hausfrau, Mehrheit und Minderheit, weiß und schwarz, europäisch und nicht-europäisch, gebildet und unwissend, [...] heterosexuell und homosexuell, normal und abnorm, befähigt und behindert und selbstverständlich die Urkategorie, die alle diese anderen impliziert — zivilisiert und barbarisch” (S. 146).
Warum er die letzte aus dieser langen Liste bürgerlicher Antinomien als eine Art ideologische Basis betrachtet, die den anderen mehr oder weniger verborgen zugrundeliegt, erschließt sich mir nicht gleich. Eine Andeutung gibt aber vielleicht die nachfolgende Passage (deren englisches Original sich, samt Kontext, auch online unter “Citizens All? Citizens Some! The Making of the Citizen” findet):
Im 19. Jahrhundert gelangten die sogenannten Mittelschichten in die Lage, die westliche Welt zu dominieren, und Europa in die Position, die Welt zu beherrschen. Wenn man die oberste Spitze erreicht hat, ist das Problem nicht länger, wie man dorthin kommt, sondern wie man dort bleibt. Die Mittelschichten national und Europa global suchten, ihren Vorteil zu erhalten, indem sie sich zur Sicherung ihres Privilegs den Mantel der Natur und der Tugend verschafften. Sie nannten es Zivilisation, und dieses Konzept war ein Hauptbestandteil ihres Strebens. In der westlichen Welt wurde es in Bildung übersetzt, und Bildung wurde zu einem Mittel, die Massen zu kontrollieren. Auf der globalen Bühne, beginnend mit Napoleon (aber später von allen anderen europäischen Mächten übernommen), “wurde aus dem Begriff der Zivilisation als Ideologie … auf schamlose Weise eine Form des kulturellen Imperialismus” (Woolf, 1989, 119). [S. 156]
Im Ganzen eine interessante Verlagerung des monumentalen Hauptwerks von Immanuel Wallerstein auf das Gebiet der Ideologiekritik – eine Verschiebung, die sich in den letzten zehn Jahren bereits abzeichnete. Es entspricht der methodischen Herangehensweise, jedem seiner Bände einen völlig neuen Fokus zu geben, um angesichts des Immergleichen globaler kapitalistischer Ausplünderung und Verarmung endlose theoretische Wiederholungen zu vermeiden.
Immanuel Wallerstein, The Modern World-System IV: Centrist Liberalism Triumphant, 1789-1914. Berkeley u.a.: University of California Press, 2011.
Rap, nicht Antilopenscheiße.
In meiner Kindheit haben wir immer den folgenden Reim gesungen: “Benni, geh doch zur Bundeswehr / Benni, hol dir ein Schießgewehr / Benni, dann schießt du alle tot / Benni, du bist ein Voll…” Nicht anderes fällt mir dazu ein:
Worüber die jW nicht schreibt ist, dass sämtliche Änderungsanträge aus NRW und Hamburg, die die gegenwärtigen Kriege als “neo-imperialistisch” einschätzen, keine Mehrheit gefunden haben. Die Arbeit des BAK Shalom zeigt Wirkung!
So ein Reinfall: Da startet Felix Baum in seinem Artikel German Psycho, der in der amerikanischen Zeitschrift Platypus Review als Antwort auf ein Manifest der Freiburger ISF erschienen ist, zunächst einmal richtig cool durch, indem er sowohl die ideologischen Fehler der antiimperialistischen Linken als auch den “Wahn” aufs Korn nimmt, den die sog. “Antideutschen” vorstellen – und produziert am Ende, statt Erkenntnis, doch selbst nur einen großen blinden Fleck. Baum, der sich als Repräsentant einer dritten, “kosmoproletarischen” Strömung jenseits der “spiegelbildlichen ideologischen Schemata” von Antiimp und AntiD versteht, hält zunächt ein paar richtige Kritikpunkt an beiden fest:
The idea that anti-colonial movements such as the Vietnamese Stalinists under Ho Chi Minh stood for universal emancipation, rather than being harbingers of the state-capitalist modernization of their societies, was shared by the Left, Old and New, the world over. This was ideology in the strict sense: it had a foundation in reality and could thus be criticized. In contrast, only German leftists could come to the conclusion that Ariel Sharon represents a triumvirate of Lenin, Durruti, and Walter Benjamin, and maintain that Israel is a sort of “dictatorship of the proletariat,” an “armed attempt by the Jews to reach communism while still alive.” [Joachim Bruhn] This is not ideology but delusion, and, as such, it can be analyzed, but no longer criticized. Its psychological driving force is a macabre desire for the “revenge for the dead” attributed to Sharon’s politics—as if the West Bank and the Gaza Strip were a retirement home for the SS.
Nachdem er das “Antideutschtum” nicht als Ideologie, sondern als delusion, nicht als fehlerbehaftet, sondern als den Fehler selbst bestimmt hat, geht Baum auch mit dem rohen Antiimperialismus der 70er Jahre ins Gericht: (Continue...)
Es ist ja seit zehn Jahren so richtig aus der Mode gekommen, in der “radikalen” deutschen Linken noch von Imperialismus zu sprechen – nur weil Antiimperialisten, zugegebenermaßen, nicht immer alle Tassen im Schrank haben.
Deshalb ein paar simple Fakten, wovon da eigentlich abstrahiert wird – und wofür diese Linke nicht mal mehr ein Lexem besitzen zu müssen glaubt:
“Daß Rassismus die politische Waffe des Imperialismus war, ist so evident, daß es scheint, als hätten manche Forscher es vorgezogen, Theorien zu erfinden, nur um eine solche Binsenwahrheit nicht zu Papier bringen zu müssen.” — Hannah Arendt
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Kleine Anleitung zur kolonialen Inszenierung
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We have recently witnessed the umpteenth attempt to silence voices that denounce paternalistic, neo-imperialist politics and argue against Islamophobic positions and homonationalist activism.
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by Jin Haritaworn, Tamsila Tauqir and Esra Erdem
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Some Theses
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Sarrazin und die Deutschen




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