Archiv für das 'homophobie'-tag

Les Veilleurs — die heterosexistische Nachtgarde des Herrn

Wenn man schon immer wis­sen wollte, was spe­zi­fisch christ­lich ist, dann das: die Iden­ti­tät als ver­fol­gende Unschuld; sich als Opfer der­je­ni­gen aus­zu­ge­ben, zu deren Unter­drü­ckung man jahr­hun­der­te­lang die ideo­lo­gi­sche Begleit­mu­sik gelie­fert hat und deren Eman­zi­pa­tion man heute als die „kom­mende Dik­ta­tur“ des Rela­ti­vis­mus anpran­gert. Im lacan­schen Drei­eck des Genie­ßens steht dafür der Begriff der Para­noia: die an sich selbst ver­leug­nete Lust kehrt als Beicht­schnüffelei und täti­ger Ver­fol­gungs­wahn gegen­über den­je­ni­gen wie­der, denen man sie — um der Bewah­rung ihres See­len­heils wil­len — am liebs­ten aus dem Leib prü­geln würde. So geht christ­li­che Nächs­ten­liebe. Ihre para­no­ide Struk­tur wird aus­ge­löst durch die mit der Jesus­fi­gur gesetzte Kon­struk­tion eines all­gü­ti­gen Got­tes, der uns die Unter­sa­gun­gen der Schön­hei­ten unse­res Flei­sches, von der Mas­tur­ba­tion über den vor­ehe­li­chen Sexu­al­ver­kehr bis zum gleich­ge­schlecht­li­chen Bei­schlaf, doch in Wahr­heit nur des­halb auf­er­legt, weil er uns „liebt“. Ent­spre­chend wider­wär­tig neh­men sich katho­li­sche Mahn­wa­chen gegen die Ehe für alle aus, die in einem ästhe­ti­schen Stil daher­kom­men, als hätte man es mit einer Sitz­blo­ckade gegen den NATO-Doppelbeschluss zu tun. Man würde kaum glau­ben, dass es sich um den Ver­such ideo­lo­gisch ver­hetz­ter Jugend­li­cher han­delt — sie selbst nen­nen sich übri­gens „die Nacht­wäch­ter“ (les veil­leurs) –, ande­ren Men­schen die bür­ger­li­che Gleich­heit zu bestreiten.

PS: Hier eine gepimpte Ver­sion die­ses Videos, die das katho­li­sche Gejaule durch ein­ge­spiel­ten Chor-Gesang ersetzt. Und hier ein beein­dru­cken­der Blick von außen auf die 5.000 homo­pho­ben „Nacht­wäch­ter“ von Paris.

Hommen oder die homophoben „neuen 68er“

Quelle: stophomophobie.com

Hommen-Demonstrant gegen die „Homo-Ehe“. Quelle: stophomophobie.com

Die per­verse Wirlassen­uns­das­negersagen­nicht­verbieten– alias Frauen­gehtbügeln–Bewe­gung im deut­schen Inter­net mit ihren Tau­sen­den von mastur­batorischen User-Kommentaren und Face­book-Likes, die der kon­ser­va­tive Spiegel-Kolumnist Jan Fleisch­hauer bereits über­schwäng­lich als Aus­druck einer 68er-Bewegung von rechts cha­rak­te­ri­sierte, fin­det jen­seits des Rheins ihre Ent­spre­chung wohl am ehes­ten auf der Straße und dort gleich eine ganze Num­mer grö­ßer in der poli­ti­schen Kam­pa­gne gegen die „Ehe für alle“. Denn genau wie ers­tere bean­sprucht, sich im sprach­li­chen Modus der sexu­el­len Befrei­ung gegen lust­feindliche „Neuro­tiker_innen“ und lin­kes „Bet­schwester­tum“ zu rich­ten, ist auch letz­tere von dem Ver­such gekenn­zeich­net, den ehe­dem als links gel­ten­den Habi­tus der Norm­übertretung und des poli­ti­schen Pro­tests für restau­ra­tive gesell­schaft­li­che Zwe­cke in Beschlag zu neh­men. Hier für die Affir­ma­tion des Ras­sis­mus, dort für das recht­li­che Supre­mat der „Hete­ro­se­xua­li­tät“. Bern­hard Schmid beschreibt die ver­blüf­fen­den Aus­maße des fran­zö­si­schen Früh­lings der Homo­pho­bie und ver­sucht sich an einer gesell­schafts­po­li­ti­schen Erklärung:

Als neun­tes Land in der Euro­päi­schen Union, und als vier­zehn­ter Staat welt­weit, hat Frank­reich — einige Tage nach Neu­see­land — die Ehe nun­mehr auch homo­se­xu­el­len Paa­ren geöff­net. […] Die Demons­tra­tio­nen dage­gen zogen min­des­tens meh­rere hun­dert­tau­sende Teil­neh­mer an, ihre Ver­an­stal­ter behaup­ten sogar: Mil­lio­nen. In jedem Falle erheb­lich mehr als die gewerk­schaft­li­chen und sozia­len Pro­test­de­mons­tra­tio­nen in der­sel­ben Zeit­spanne, obwohl es für Letz­tere Anlässe genug gab. (Click here to continue…)

Homophobe Franzosen, aufgeklärtes Südafrika?

Siehe auch „Pro­test gegen Homo-Ehe in Frank­reich wird radi­ka­ler“ und „‚Es wird Bür­ger­krieg geben‘: Homo-Ehe spal­tet Frank­reich“.

U.S. Evangelicals Crusading for Homophobia in Africa

The Guar­dian, 24. Juli 2012 (Übersetzung):

Christlich-evangelikale Grup­pen in den USA ver­su­chen sich an einer «kul­tu­rel­len Kolo­ni­sie­rung» Afri­kas und eröff­nen Büros in zahl­rei­chen Län­dern, um Angriffe auf Homo­se­xua­li­tät und Abtrei­bung zu beför­dern, so der Unter­su­chungs­be­richt einer libe­ra­len Exper­ten­kom­mis­sion. Ame­ri­ka­ni­sche reli­giöse Organisa­tionen expan­die­ren ihr Ope­ra­ti­ons­ge­biet über den gan­zen Kon­ti­nent, betrei­ben Lobby-Arbeit für kon­ser­va­tive poli­ti­sche Stra­te­gien und Gesetze und fachen Homo­pho­bie an, behaup­ten die Poli­ti­cal Rese­arch Asso­cia­tes (PRA) mit Sitz in Bos­ton. (Click here to continue…)

No Homo

Zu mei­nen letz­ten Bei­trä­gen hab ich via E-Mail ein amü­san­tes Musik­vi­deo zuge­sandt bekom­men, das eigent­lich ganz gut in die Debatte passt — und das ich euch natür­lich nicht vor­ent­hal­ten möchte! ;)

PI-News-Leser diskutieren über Homosexualität

"Das hat nichts mit Intoleranz zu tun" (Click here to continue…)

Divide et impera: Wie die CDU gegen die Emanzipation von Lesben, Schwulen und Migranten kämpft

Aktu­elle Mel­dung auf Queer.de: CDU und FDP wei­gern sich, die von ihnen ver­ant­wor­te­ten Straf­rechts­ur­teile gegen gleich­ge­schlecht­lich lie­bende Män­ner in der Zeit zwi­schen 1945 und 1994 auf­zu­he­ben und die Opfer des § 175 zu ent­schä­di­gen. Die Begrün­dung lie­fert der schwu, par­don: ledige FDP-Politiker Jörg van Essen, in des­sen Zeit als Staats­an­walt und Ober­staats­an­walt in Hamm bun­des­weit 2.156 Ver­ur­tei­lun­gen wegen „homo­se­xu­el­ler Hand­lun­gen“ fal­len. „Mit Stolz schauen wir auf unsere Ver­fas­sung und unsere freiheitlich-demokratische Grund­ord­nung“, lobt van Essen das Rechts­sys­tem, unter des­sen Fit­ti­chen etwa 100.000 rechts­kräf­tige Urteile wegen Unzucht zwi­schen Män­nern aus­ge­spro­chen wur­den. Muss man da nicht ein paar per­sön­li­che Kollateral­schäden in Kauf neh­men? Flan­ken­hilfe erhält der Oberst der Reserve in sei­nem Anschlag auf die Inter­es­sen der Opfer des § 175 von dem CDU-Abgeordneten Ans­gar Heve­ling, der den Grünen-Antrag als den Ver­such brand­markt, „rück­wir­kend die deut­sche Rechts­ord­nung“ auszuhebeln.

The­men­wech­sel. Statt sich wei­ter mit der drol­li­gen For­de­rung von Schwu­len nach his­to­ri­scher Gerech­tig­keit zu befas­sen, möchte sich die CDU in Ber­lin lie­ber einem aktu­el­le­ren Thema zuwen­den. Nach­dem Schwule 1994 im Zuge der Rechts­an­glei­chung mit der ehe­ma­li­gen DDR aus ihrer Rolle als Opfer des CDU-Staats end­lich ent­las­sen wur­den, möch­ten die Kon­ser­va­ti­ven sie nun­mehr für ihr Pro­jekt eines Aus­baus staat­li­cher Gewalt­sys­teme begeis­tern, und zwar beson­ders im Hin­blick auf die Situa­tion eth­nisch Mino­ri­sier­ter. Hierzu soll das „Augen­merk“ ver­stärkt „auf Her­kunft und kul­tu­rel­len Hin­ter­grund der Täter“ homo­pho­ber Überg­riffe gerich­tet wer­den, um in Fort­set­zung der erfolg­rei­chen Inte­gra­ti­ons­po­li­tik der letz­ten Jahre die Quote von Migrant_innen in Ber­li­ner Straf­an­stal­ten wei­ter anzu­he­ben. Für die­sen Zweck bezieht sich die CDU in ihrem Lan­des­par­tei­pro­gramm erst­mals „stolz auf die Viel­falt der Lebens­entwürfe und Lebens­for­men in unse­rer Stadt“, für deren För­de­rung sich die Par­tei in der Ver­gan­gen­heit ja blei­bende Ver­dienste erwor­ben hat (siehe oben!).

Doch das Spiel geht auch anders­herum. So ver­suchte der von der CDU als Gut­ach­ter bestellte Ver­fas­sungs­rich­ter Prof. Dr. Win­fried Kluth (Uni Halle) noch im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res, die Ein­füh­rung eines grund­ge­setz­li­chen Diskriminierungs­schutzes auf­grund der „sexu­el­len Iden­ti­tät“ mit dem Argu­ment zu ver­hin­dern, dass die­ser das Bekennt­nis von Mus­li­men zur deut­schen Ver­fas­sung erschwere. Ein klu­ger Schach­zug: Auf diese Weise muss sich die CDU ihre eigene Homo­pho­bie nicht als sol­che zurech­nen las­sen, son­dern schiebt Mus­lime vor, deren angeb­li­che Rück­stän­dig­keit man an ande­rer Stelle zum Vor­wand für eine restrik­tive Einbürgerungs­politik nimmt. Nur dumm, dass der Zen­tral­rat der Mus­lime gegen die­ses fiese Spiel­chen inter­ve­nierte und sich prompt dafür aus­sprach, den Diskriminierungs­schutz von Schwu­len und Les­ben im Grund­ge­setz zu ver­an­kern. Dass das auf die Blockade-Haltung der CDU kei­ner­lei Ein­fluss hatte, ver­steht sich von selbst…

Staat. Nation. CDU. Scheiße.

Neues zur Schnittstelle zwischen Homophobie und antimuslimischem Rassismus

Vom 17. bis zum 19. Juni 2011 fin­det im Wald­schlöss­chen bei Göt­tin­gen ein Wochen­end­se­mi­nar zum Thema Homo­se­xua­li­tät, Islam, Migra­tion statt. Noch sind einige Plätze frei (Über­nach­tung und Voll­ver­pfle­gung inklu­sive). Anmel­dung hier!

Der Text Glo­ba­li­zing Homo­pho­bia, der vor weni­gen Mona­ten in eng­li­scher Über­set­zung erschien, ist auf der Seite der Gruppe Terminal*119 aus Thes­sa­lo­niki jetzt auch auf Grie­chisch erhält­lich: Η Παγκοσμιοποίηση της Ομοφοβίας.

Vom 27. bis zum 29. Mai bin ich auf der Off_Pride, einem alter­na­ti­ven Queer-Fest in Zürich, vom 2. bis 4. Juni auf einem Kon­gress gegen anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus in Mainz (Infos bald hier) und vom 8. bis zum 10. Juli auf dem Gaymat-Festival in Luxem­burg. Viel­leicht sehen wir uns!

Work­shops zu den The­men Sexis­mus, Ras­sis­mus, Natio­na­lis­mus, „Islam­kri­tik“ sowie jede Menge pro­gres­si­ver Musik gibt’s auch auf dem Antifee-Festival, das am 10. und 11. Juni in Göt­tin­gen stattfindet.

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Missionaries of Hate: Uganda, „Kill the Gays“ und die christliche US-Rechte

In den nächs­ten 48 Stun­den könnte die Ent­schei­dung über die sog. „Kill the Gays“ Bill fal­len, ein Gesetz­ent­wurf in Uganda, der lebens­lange Haft für ein­fa­che und die Ein­füh­rung der Todes­strafe für „erschwerte“ Homo­se­xua­li­tät vor­sieht. Eine Online-Petition, die bereits 300.000 Men­schen unter­zeich­net haben, for­dert Prä­si­dent Yoweri Muse­veni auf, sein Veto gegen das Gesetz ein­zu­le­gen. (Wäre schön, wenn du das auch unterschreibst!)

Der fol­gende Doku­men­tar­film beleuch­tet auf 45 Minu­ten die Hin­ter­gründe des Geset­zes und die Ver­stri­ckung US-amerikanischer Fun­da­men­ta­lis­ten — jener Mis­sio­na­ries of Hate, die dem Film den Titel gaben — in die Ver­brei­tung einer fana­ti­schen, reli­giös ideo­lo­gi­sier­ten Form von Homo­pho­bie in Afrika.

Homophober Moslem, toleranter Westen? (Vortrag und Diskussion)

Plötz­lich inter­es­sie­ren sich auch Konserva­tive für die Pro­bleme von Homo­se­xu­el­len – näm­lich wenn diese Opfer von Gewalt wer­den, die von „Frem­den“ aus­geht. Diese wer­den von ihnen einer „rück­stän­di­gen“ und „anders­ar­ti­gen“ Kul­tur zuge­ord­net, von der sie sich selbst abhe­ben möch­ten. Selbst Lin­ken gilt „der Wes­ten“ als Quelle sexu­eller Eman­zi­pa­tion schlecht­hin und „der Islam“ wie­derum als mono­kau­sal verant­wortlich für sexu­al­re­pres­sive Zustände und die Ver­fol­gung von „Schwu­len“ im Nahen Osten. Der Refe­rent dekon­stru­iert die­sen kul­tu­ra­lis­ti­schen Mythos. Er umreißt eine Geschichte der Hetero­normalisierung der mus­li­mi­schen Län­der als einen von Europa inspi­rier­ten Moder­ni­sie­rungs­pro­zess, der in der Über­nahme von psych­ia­tri­schen Katego­rien, sexu­el­len Iden­ti­tä­ten und natio­na­lis­ti­schen Prak­ti­ken bestand. Auch wird the­ma­ti­siert, wie das Kon­strukt der „isla­mi­schen Homo­phobie“ als poli­ti­sches Instru­ment Ver­wen­dung findet.

SALZBURG (Face­book)
Mi, 16. März ’11, 19:00 Uhr
Rudolfs­kai 42
Geswi, Hör­saal 381
Ver­an­stal­ter: GRAS Salz­burg

JENA (Face­book)
Mi, 20. April ’11, 19:00 Uhr
Carl-Zeiss-Straße 3
Hör­saal 9
Ver­an­stal­ter: revolta

KASSEL (Face­book)
Do, 28. April ’11, 20:00 Uhr
Nora-Platiel-Straße 5
KUK Raum (0213)
Ver­an­stal­ter: Kri­ti­sche Uni Kassel


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Die Vertreibung aus dem Serail

On Tour/Vorschau

  • Mi, 3. Jul. : Die Seele als Gefängnis des Körpers. Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno. Jena.

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