Posts Tagged ‘Homo-Ehe’

Les Veilleurs – die heterosexistische Nachtgarde des Herrn

Donnerstag, Mai 2nd, 2013

Wenn man schon immer wissen wollte, was spezifisch christlich ist, dann das: die Identität als verfolgende Unschuld; sich als Opfer derjenigen auszugeben, zu deren Unterdrückung man jahrhundertelang die ideologische Begleitmusik geliefert hat und deren Emanzipation man heute als die „kommende Diktatur“ des Relativismus anprangert. Im lacanschen Dreieck des Genießens steht dafür der Begriff der Paranoia: die an sich selbst verleugnete Lust kehrt als Beicht­schnüffelei und tätiger Verfolgungswahn gegenüber denjenigen wieder, denen man sie – um der Bewahrung ihres Seelenheils willen – am liebsten aus dem Leib prügeln würde. So geht christliche Nächstenliebe. Ihre paranoide Struktur wird ausgelöst durch die mit der Jesusfigur gesetzte Konstruktion eines allgütigen Gottes, der uns die Untersagungen der Schönheiten unseres Fleisches, von der Masturbation über den vorehelichen Sexualverkehr bis zum gleichgeschlechtlichen Beischlaf, doch in Wahrheit nur deshalb auferlegt, weil er uns „liebt“. Entsprechend widerwärtig nehmen sich katholische Mahnwachen gegen die Ehe für alle aus, die in einem ästhetischen Stil daherkommen, als hätte man es mit einer Sitzblockade gegen den NATO-Doppelbeschluss zu tun. Man würde kaum glauben, dass es sich um den Versuch ideologisch verhetzter Jugendlicher handelt – sie selbst nennen sich übrigens „die Nachtwächter“ (les veilleurs) –, anderen Menschen die bürgerliche Gleichheit zu bestreiten.

PS: Hier eine gepimpte Version dieses Videos, die das katholische Gejaule durch eingespielten Chor-Gesang ersetzt. Und hier ein beeindruckender Blick von außen auf die 5.000 homophoben „Nachtwächter“ von Paris.

Hommen oder die homophoben „neuen 68er“

Samstag, April 27th, 2013

Quelle: stophomophobie.com

Hommen-Demonstrant gegen die "Homo-Ehe". Quelle: stophomophobie.com

Die perverse Wirlassen­uns­das­negersagen­nicht­verbieten- alias Frauen­gehtbügeln-Bewegung im deutschen Internet mit ihren Tausenden von mastur­batorischen User-Kommentaren und Face­book-Likes, die der konservative Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer bereits überschwänglich als Ausdruck einer 68er-Bewegung von rechts charakterisierte, findet jenseits des Rheins ihre Entsprechung wohl am ehesten auf der Straße und dort gleich eine ganze Nummer größer in der politischen Kampagne gegen die „Ehe für alle“. Denn genau wie erstere beansprucht, sich im sprachlichen Modus der sexuellen Befreiung gegen lust­feindliche „Neuro­tiker_innen“ und linkes „Bet­schwester­tum“ zu richten, ist auch letztere von dem Versuch gekennzeichnet, den ehedem als links geltenden Habitus der Norm­übertretung und des politischen Protests für restaurative gesellschaftliche Zwecke in Beschlag zu nehmen. Hier für die Affirmation des Rassismus, dort für das rechtliche Supremat der „Heterosexualität“. Bernhard Schmid beschreibt die verblüffenden Ausmaße des französischen Frühlings der Homophobie und versucht sich an einer gesellschaftspolitischen Erklärung:

Als neuntes Land in der Europäischen Union, und als vierzehnter Staat weltweit, hat Frankreich – einige Tage nach Neuseeland – die Ehe nunmehr auch homosexuellen Paaren geöffnet. […] Die Demonstrationen dagegen zogen mindestens mehrere hunderttausende Teilnehmer an, ihre Veranstalter behaupten sogar: Millionen. In jedem Falle erheblich mehr als die gewerkschaftlichen und sozialen Protestdemonstrationen in derselben Zeitspanne, obwohl es für Letztere Anlässe genug gab. (mehr …)

Homophobe Franzosen, aufgeklärtes Südafrika?

Montag, April 15th, 2013

Siehe auch „Protest gegen Homo-Ehe in Frankreich wird radikaler“ und „‚Es wird Bürgerkrieg geben‘: Homo-Ehe spaltet Frankreich„.

Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß…

Samstag, April 13th, 2013

Liebe Grüne Jugend Würzburg! Es ist ja klar: Eine Hartz-IV-Partei braucht symbolpolitische Themen wie die »Ehe für Homosexuelle«, um sich noch irgendwie als fortschrittlich vorzukommen. Während sie in den 90er Jahren an einer Politik mitwerkelte, die immer mehr Menschen von immer mehr Gütern des gesellschaftlichen Lebens exkludierte, darf sie sich hier endlich als eine Partei der »Inklusion« fühlen.

»Ehe ist für ALLE da.« Grüne Jugend Würzburg

»Ehe ist für ALLE da.« Grüne Jugend Würzburg, 2013. Quelle: Facebook.

Die Ehe ist also »für alle da« – mit Ausnahme derjenigen natürlich, die aus irgendeinem dummen Grund nicht heiraten wollen. Dass ausgerechnet die Regenbogenfahne, die, auch wenn sie schon immer für ein gerüttelt Maß an Einfalt stand, zugleich so etwas wie eine irreduzible Vielfalt an Lebensformen repräsentieren wollte, welche sich nicht gegeneinander ausbooten lassen würden, euch zu einem geeigneten Symbol gerät, das Monopol einer einzigen, nämlich der staatlich sanktionierten Lebensform der Ehe als ein »für alle« geeignetes Modell zu bewerben, kommt euch nicht irgendwie Spanisch vor? (mehr …)