Posts Tagged ‘gentrifizierung’

Überwachen und Bestrafen: Heinz Buschkowskys Buch „Neukölln ist überall“ (Berlin)

Mittwoch, November 14th, 2012

vorgestellt von Anne Seeck und Karl-Heinz Schubert

Der Neuköllner Bürgermeister, Heinz Buschkowsky, ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den rassistischen Mund nimmt – so auch in seinem Buch „Neukölln ist überall“. Das stört sogar einige seiner sozialdemokratischen Parteifreunde. Was sie nicht stört, sind seine Vorschläge des Überwachens und Bestrafens, die den kapitalistischen Umbau profitträchtiger Stadtteile in Neukölln und anderswo vorbereiten, fördern und absichern sollen.

Anknüpfend an den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung soll zunächst gezeigt werden, welches Ausmaß an sozialen Verwerfungen in den heutigen Zeiten der Krise entstanden ist. Speziell in Nordneukölln, wo es sich für das mit Immobilien spekulierende Kapital von der Lage und der Bausubstanz her lohnt zu investieren, wohnen heute Menschen, die als potentielle Kunden für den zukünftigen Nordneuköllner Immobilienmarkt nicht mehr in Frage kommen.

Wir werden dann anhand des Buches „Neukölln ist überall“ darstellen, dass sozialdemokratische Stadtpolitik in der Lesart von Heinz Buschkowsky bedeutet, eine Wohnbevölkerung so abzurichten, dass sie den kapitalistischen Stadtumbau akzeptiert, ihn mitträgt und die Vertreibung widerständiger und/oder nicht zahlungsfähiger BewohnerInnen begrüßt. Buschkowsky nennt dies „Integration aller in unser Wertesystem“. (mehr …)

Civilizing Mission in Wilhelmsburg

Montag, August 23rd, 2010

Gentrifizierung wird ja, aufgrund der überwiegend migrantischen Zusammensetzung der städtischen Unterschicht, heute vielfach als eine Art Rekolonisierung erlebt. Gleichzeitig ist es häufig die hedonistische oder pop­kulturelle Linke, die sich als Abenteurer, Vorreiter und manchmal sogar bezahlter Akteur dieser Aufwertungsprozesse zur Verfügung stellt. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu ihrem emanzipatorischen Ansinnen, doch lässt sich dieser mit der entsprechenden Gesinnung relativ leicht übertünchen.

Wie, das zeigt unser Informant Roger B., der – finanziert durch die „Internationale Bauausstellung“ (IBA) – gesellschaftskritische Kunst-Projekte und Vernissagen über „Post-Urbanismus“ im Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg organisiert. Die IBA ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der freien Hansestadt und widmet sich im Auftrag des Senats der Aufwertung ärmerer Stadteile, um sie architektonisch und sozial für das Bürgertum wieder attraktiv zu machen. Linke Kritik wird hier durch ihren bürgerlichen Ästhetizismus ganz unverhohlen zum Bestandteil einer Aufwertungs- und Verdrängungs­strategie, was allen Beteiligten, einschließlich der Auftrag­nehmer, völlig durchsichtig ist. Aber, wie Roger B. sagt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Und offenbar gibt es auch keine Rekolonisierung von Wilhelmsburg ohne die rassistische Beschimpfung seiner Anwohner_innen. Sogar dafür gibt sich der von der IBA unterhaltene Stadtsoziologe Roger B. her, was ihm aufgrund seiner „anti“deutschen Gesinnung allerdings auch nicht besonders schwer fällt. „Regressiv“, „patriarchal“ und „tierhaft“ sei die migrantische Bevölkerung von Wilhelmsburg, mithin dringend zivilisationsbedürftig. Insofern stellt sich der – bisweilen selbstkritisch eingeräumte – eigene Beitrag zu ihrer Verdrängung denn auch gar nicht mehr so schlimm dar. Doch hören wir den Salon-Linken Roger B. einfach selbst; gewissermaßen live aus dem „Grand Hotel Abgrund“ …

Roger B. über Wilhelmsburg und „tierhafte“ Migranten

Hat tip to parallaxe.