Ein Buch über Liebe in der “frühmodernen osmanischen und europäischen Kultur und Gesellschaft”, das ich immer ein bisschen ignoriert habe, ist Andrews’ und Kalpaklıs The Age of Beloveds. Der Grund ist die von Fachrezensenten zurecht für ziemlich haarsträubend erachtete These, die osmanische Liebesdichtung bilde in jener Epoche, die man in Europa die “frühe Neuzeit” nennt, ein kulturelles Kontinuum nicht etwa mit der arabischen und persischen Kultur, sondern mit der höfischen Gesellschaft der europäischen Renaissance. Es scheint mir fast, als schlüge die Westbindung der modernen Türkei den beiden ein ideologisches Schnippchen, indem sie die Autoren dazu animiert, die Frankophilie der spätosmanischen Gesellschaft einfach mal um drei Jahrhunderte vorzuverlegen. Dass sich hier und da Ähnlichkeiten zwischen europäischer und osmanischer Dichtung feststellen lassen – wen wundert’s, da die Troubadoure das arabische Konzept mortaler Liebe schon im 12. Jahrhundert aus dem andalusischen Spanien nach Südfrankreich holten, es allerdings zugleich, je weiter es nach Norden vordrang, zunehmend “heterosexuell” rekodierten. Wie in der Philosophie, Theologie und Medizin erwiesen sich die Christen als große Kopisten: Thomas von Aquin – was war er anderes als ein Abklatsch von Muhammad al-Ghazali?
Doch ungeachtet des zweifelhaften Versuchs, die Westlichkeit der historischen “Türkei” anhand von Similaritäten zu belegen, die ihre Ursprünge ganz woanders, nämlich in der kulturellen Ausstrahlungskraft des maurischen Spaniens haben, ist The Age of Beloveds als Quellensammlung für die aufgrund der historischen Sprachbarrieren in der Regel nur wenigen Experten zugängliche osmanischsprachige Literatur allemal von großem Interesse. Eine dieser Quellen hat mich aufgrund ihres morbiden Charakters dabei besonders fasziniert. Es ist die Geschichte von Ferdi, dem Dichter und “Liebhaber-Killer”: (Continue...)
Puars umstrittener Vortrag mit dem Titel “Beware Israeli Pinkwashing” richtete sich gegen den Versuch der Instrumentalisierung palästinenscher “Lesben und Schwuler” mit dem Ziel, Unterstützung für die Kriegs- und Besatzungspolitik des Staates Israel einzuwerben. Hierbei handelt es sich um eine altbekannte Kritik, seit Blair Kuntz im August 2006 seinen Aufsehen erregenden Essay “



Letzte Kommentare
osb, Entdinglichung, negative potential, rhizom, INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG, Momo Rulez [...]
Entdinglichung, Entdinglichung, rhizom, rhizom, Entdinglichung, rhizom [...]
der Klassensprecher von 1984, Entdinglichung, rhizom, Entdinglichung, der Klassensprecher von 1984, Sophie [...]
Entdinglichung, negative potential, rhizom, choooo, rhizom, bigmouth [...]
KHM, KHM, rhizom, rhizom, Neoprene, negative potential [...]