Posts Tagged ‘feminismus’

Wie lügt man mit Statistiken

Montag, April 8th, 2013

Statistischen Vergleichen zufolge habe Schweden die zweithöchste Vergewaltigungs­rate der Welt, 30 Mal so hoch wie die von Indien. In den letzten sieben Jahren habe sich diese Rate sogar beinahe verdreifacht. Ein sogenanntes Faktum, das von der US-Feministin Naomi Wolf in der Assange-Affäre auf eine angeblich distinkte schwedische Vergewaltigungskultur zurückgeführt wurde, von der schwedischen Schriftstellerin und „Islamkritikerin“ Ingrid Carlqvist (Triggerwarnung: Breivik-Style-Rassismus) dagegen auf die Zersetzung der schwedischen Volksgemeinschaft durch die Zuwanderung von Muslimen. Ein Artikel der BBC demonstriert, wie in Wahrheit ausgerechnet das gewachsene feministische Bewusstsein, damit einhergehende Gesetzesänderungen mit veränderten Definitionen des Gegenstands und die höhere Bereitschaft, eine Vergewaltigung bei der Polizei auch wirklich anzuzeigen, Schweden binnen Kurzem zum Vergewaltigungsland Nummer 1 in Europa gemacht haben – wenn auch bloß im Spiegel der Statistik.

Burn, u feminists! oder: Der westlich-weiße Mann als Festung der Moderne

Freitag, März 16th, 2012

Das gesamte moderne Verständnis von Mensch und Natur wäre ohne die Hexenverfolgung undenkbar – die Scheiterhaufen der Hexenverfolgung waren das Zündfeuer für die Fackel der Aufklärung. Das spätere bürgerliche Subjekt schmiedete in dieser Zeit seine Freiheit und Autonomie.

— Martin Dornis in der (lacht nicht!) feministischen Zeitschrift outside the box, zit. n. Carsten Weber, „Festung MWW„.

Transgender im Süd-Irak (1956)

Dienstag, August 2nd, 2011

Sigrid Westphal-Hellbusch. „Transvestiten : Institutionalisierte Möglichkeiten des Ablehnens üblicher Frauen- und Männerrollen im Süd-Irak“. In: Brigitta Häuser-Schäublin, Hrsg. Ethnologische Frauen-Forschung : Ansätze, Methoden, Resultate. Berlin : Dietrich Reimer Verlag, 1991. S. 176-189. Erstmalig 1956 unter dem Titel: „Transvestiten bei Arabischen Stämmen“. Sociologus, N. F. 6, 1. Berlin.

… ein Beispiel für eine „vorkritische“, nicht-reflexive Ethnologie, in der der eigene koloniale Blick und das patriarchale Geschlechterregime in der Herkunftsgesellschaft der Forschenden niemals mitthematisiert werden. (In der Zeit, in der der Aufsatz entstand, durfte eine Frau in Deutschland ohne die Zustimmung ihres Mannes weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Arbeitsvertrag unterschreiben, was die Autorin nicht daran hindert zu insinuieren, dass die Frauen in der BRD „dem Manne gleich“ seien.) Trotzdem gewährt der Aufsatz ein paar interessante Einblicke in die jüngere Vergangenheit des Südirak…

Während unserer Untersuchung der Ma’dan-Stämme am Unterlauf des Euphrat-Tigris war es möglich, engeren Kontakt zu einer Dichterin lokaler Berühmtheit aufzunehmen. Sie führte ihr Leben als mustergil, d.h. in männlicher Kleidung als Mann. Die Erscheinung der Transvestiten ist z. B. auch von süd- und nordamerikanischen Stämmen berichtet, für die arabische Welt hat sie noch wenig Beachtung gefunden. Da unsere Dichterin kein Einzelfall ist – sie behauptete, daß allein in ihrem eigenen Stamm etwa 50 Frauen als Männer lebten – verdient die Frage nach den Gründen dieser Erscheinung Beachtung. (mehr …)

Zärtlichkeit und Gewalt: der Männertag

Freitag, Juli 9th, 2010

Deutschland - Fußball - Männer - KotzenÄrgernis mit ein paar gelungenen Überlegungen zum Männertag (aus der Einleitung seines Vortrags „Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes“):

Ich würde gern mit einer Überlegung zum Männertag einsteigen, den wir vor wenigen Tagen wieder erlebt haben und ich würde mich gern fragen – was passiert eigentlich am Männertag? Ich denke, dass man grundsätzlich sagen kann, dass es dabei irgendwie darum geht, dass sich an einem solchen Tag Männer gegenseitig darin bestätigen, Mann zu sein. Man schließt an so einem Tag bewusst das andere Geschlecht aus und widmet sich zusammen mit anderen Männern explizit männlichen Tätigkeiten. Ich meine, dass der Männertag für ganz viele Männer tatsächlich sehr wichtig ist – gerade weil wir zur Zeit eine Entwicklung erleben, in der das Geschlechterverhältnis überhaupt nicht mehr starr zu bleiben scheint. Es gibt in einem gewissen Sinne ein Verschwimmen der Geschlechtergrenzen – die Homo-Ehe ist anerkannt, viele vormals geschlechtsspezifische Tätigkeiten können inzwischen von beiden Geschlechtern getätigt werden, ohne dass das zu irgend einem Skandal führen würde. Ich denke, dass gerade diese Entwicklung (auf die ich später noch einmal eingehen werde) für viele Männer eine enorme Verunsicherung bedeutet und dass nun solche Anlässe wie der Männertag für viele Männer die Funktion haben, sich in dieser Zeit der Verunsicherung doch ihres Männlichseins zu vergewissern. Sieht man sich solche Sachen wie den Männertag genauer an, dann kann man feststellen, dass da sehr einfache Dinge passieren: Männer rotten sich zu Horden zusammen, gehen Wandern, grölen dabei rum und besaufen sich. Ich würde sagen, dass dieses Rauschhafte, das in den kollektiven Alkoholexszessen liegt, etwas ganz wichtiges für die männlichen Subjekte ist – nämlich aus einem ganz bestimmten Grund; weil dieser Rausch es den männlichen Subjekten erlaubt, sich auf eine körperliche Nähe zu den anderen männlichen Subjekten einzulassen. Es lässt sich immer wieder beobachten – nicht nur beim Männertag, sondern auch bei Fußballspielen, beim Junggesellenabschied, bei Kneipentouren oder bei Rockkonzerten –, dass bei solchen Anlässen ein Rahmen dafür geschaffen wird, dass sich Männer gegenseitig berühren können. Es handelt sich zum Teil um innige, kameradschaftliche Umarmungen oder dass man sich gegenseitig im Arm liegt – auf jeden Fall scheint es bei solchen Anlässen wichtig zu sein, sich gegenseitig zu spüren. Leider ist es so, dass das männliche Subjekt in solchen Momenten eine gewisse Ahnung davon hat, dass es hier um eine verdrängte homosexuelle Neigung geht und das ist eine Ahnung, die das männliche Subjekt nicht zulassen darf. Deshalb gibt es verschiedene Riten, die es verhindern, dass sich die männlichen Subjekte ihrer Homosexualität bewusst werden und diese Riten enden immer wieder in einem Ausbruch von Gewalt. Die Körperlichkeit darf also nur dann zugelassen werden, wenn es sich um eine harte Körperlichkeit handelt. Die Umarmung endet oftmals in einer Kopfnuss, Körperlichkeit auf dem Rockkonzert besteht oftmals im Pogo, der bald vielmehr einer massenhaften Prügelei gleicht. Im letzten Jahr gab es zum Männertag Schlagzeilen, als sich in mehreren Städten aus den Männertagsumzügen Straßenschlachten entwickelt hatten. Letztendlich entlädt sich die nichteingestandene Homosexualität in Übergriffen gegenüber Frauen. Die Gewalt, die sich Männer täglich antun müssen, weil sie nicht passiv, sinnlich und zärtlich sein dürfen und die ganz offenbar wird, wenn tatsächlich eine Nähe zwischen Männern entsteht, wird am Ende den Anderen angetan.

Doppelte Vergesellschaftung von Frauen

Samstag, Juni 19th, 2010

Stéphanie Mercier et al., „Girls suck at video games“ / „Les filles sont nulles aux jeux vidéo“:

via maledei

Women’s resistance in Saudi Arabia

Freitag, Mai 28th, 2010

SAUDI ARABIA: Woman opens fire on religious police officers. „… now they have to pay the price for the humiliation they put people through for years and years,“ she said. „This is just the beginning and there will be more resistance.“ LA Times, 10 May 2010.

Plädoyer für einen konsequenten Antirassismus

Mittwoch, Mai 19th, 2010

Das Antisexismusbündnis Berlin hat in der mittlerweile komplett online verfügbaren letzten Ausgabe der Antifa-Theoriezeitschrift „Phase 2“ einen supertollen Artikel abgeliefert, den man unbedingt gelesen haben sollte:

Dramatisch ist also die Ausbreitung rassistischer Redeweisen, die Enttabuisierung alltäglicher Rassismen quer durch sogenannte linke, antifaschistische und emanzipatorische Projekte und Diskurse: kurz, der Eindruck, fast alles an traditionellen rassistischen Stereotypen ist mittlerweile sagbar, solange es sich in das Mäntelchen der Islamkritik zu kleiden weiß. Und um das noch mal deutlich zu formulieren: Rassismus ist kein Diskriminierungsproblem und Antirassismus kein Konzept von gestern. Es gibt eine gewalttätige rassistische Realität in Deutschland, es gibt einen umfassenden rassistischen Rollback in den Biowissenschaften und »Fortress Europe« findet nun mal nicht irgendwo, sondern genau hier und jetzt statt.

Wir fragen uns: Warum scheint es so unmöglich, die verrückten Mullahs im Iran und anderswo zu kritisieren und gleichzeitig Wiederherstellungsprozesse deutscher (oder weißer) Identität in der rassistischen Abgrenzung zum »Orient« mitzudenken?

Antirassismus und Antisexismus/Feminismus dürfen nicht in ein sich gegenseitig ausschließendes Verhältnis gebracht werden, und eine Kritik an sexistischen Herrschaftsverhältnissen muss immer auch die Reflexion rassistischer Strukturen miteinbeziehen. Wir fordern daher eine konsequente Verknüpfung von Antisexismus/Feminismus und Antirassismus in linker Gesellschaftskritik.

Und die getroffenen Hunde bellen schon! (Aber, ehrlich gesagt, wer diese Scheißer noch debattiert, ist sowieso durch.)

Sei ein Mann. Schick uns dein Bild als Frau.

Montag, Dezember 21st, 2009

„Ein verhafteter Demonstrant [mit Namen Majid] wird in Frauenkleidern fotografiert, um ihn zu verhöhnen. Die Männer der [iranischen] Opposition lassen das nicht auf sich sitzen – und verschleiern sich“ (der Freitag).