Posts Tagged ‘deutschland’

Ukrainische Helden von großdeutschen Gnaden

Samstag, März 29th, 2014

Dass der Westen das Missverständnis [von der Ukraine als einer von Russland zu trennenden Nation] nach Kräften förderte, hat vielleicht mit Ahnungslosigkeit, sicher aber mit der nachwirkenden Logik des Kalten Krieges zu tun. Was Russland schwächte und verkleinerte, konnte hierzulande nur für gut befunden werden. Im Falle der Ukraine hat das Missverständnis allerdings einen Vorlauf von gut hundert Jahren und enthält ein politisches Gift, vor dessen Freisetzung sich die Deutschen fürchten sollten. Die ersten Helden einer ukrainischen Unabhängigkeit, die noch heute von Angehörigen der Orangenen Revolution verehrt werden, waren nämlich Helden von deutschen Gnaden. […] (mehr …)

Nate57, „Immigranten“

Dienstag, März 26th, 2013

via anthraxit

Allein unter Deutschen: A Study in Self-Righteousness

Montag, Dezember 24th, 2012

Tuvia Tenenbom: I Sleep in Hitler's Room Vor wenigen Wochen hat der Suhrkamp-Verlag, nachdem Rowohlt abgesprungen war, nun endlich Tuvia Tenenboms Reisebericht Allein unter Deutschen (engl. „I Sleep in Hitler’s Room“) veröffentlicht. Die feuilletonistische Aufregung darüber kann man sich nur schwerlich erklären. Dass Tenenbom in einem Land, das in den letzten Jahren einen rassistischen Bestseller nach dem anderen aufgelegt hat, ernsthafte Schwierigkeiten hatte, einen Verleger zu finden, zeugt von eben jener Selbst­gerechtigkeit, die den Deutschen vorzu­werfen man Tenenbom nicht so recht verzeihen will. Meinungsfreiheit für Studien über den ethnischen »Kollektivcharakter« von Leuten: ja bitte, aber nur wenn es um die Kritik des Anderen geht! (mehr …)

Support the Refugee Protest March!

Samstag, November 24th, 2012

Foto: Gabriele Senft

Firoz Safi, Afghanistan, geb. 1993:

Meine Geburtsort ist Laghman, doch aufgewachsen bin ich in Dschalabad.

Durch die schlimmen Zustände in meinem Land konnte ich nie zur Schule gehen. Ich kann weder lesen noch schreiben. Mutter und Vater wurden von den Taliban ermordet. Ob meine älteren Geschwister, ein Bruder und vier Schwestern, noch leben, das weiß ich nicht. Ich kann keinen Kontakt zu ihnen herstellen.

Nach dem Tod der Eltern half ein Onkel, bei dem ich in der Landwirtschaft arbeitete.

Seit 1 1/2 Jahren bin ich auf der Flucht über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich bis nach Deutschland. Das Asylheim in Aub ist nun mein Zuhause. Dort vegetieren wir, bekommen Esspakete und dürfen uns nicht entfernen, nicht arbeiten, nicht lernen. Darum bin ich mit anderen nach Würzburg und nun nach Berlin gekommen.

Ich möchte keine Sozialhilfe, sondern arbeiten, um zu leben wie andere Menschen.

Doch noch wichtiger ist es für mich, das ist mein größter Wunsch und ich hoffe, es bleibt kein Traum: Ich möchte zur Schule gehen.

Ich habe Fragen im Kopf: Warum behandeln sie uns so? Wir wollten unsere Heimat nicht verlassen. Wie lange müssen wir warten, um als Menschen wahrgenommen zu werden, bis wir verrückt werden oder Selbstmord begehen?

Bis wann, bis wann, bis wann?

Phobien der Nation

Montag, Januar 3rd, 2011

Micha Brumlik stellt in der Frankfurter Rundschau die Frage, ob Islamophobie der neue Antisemitismus sei – und belegt an Zitaten Heinrich von Treitschkes eine strukturelle Verwandtschaft mit dem antijüdischen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts.

Im Interview mit dem Freitag äußert Jasbir Puar für das deutsche Feuilleton ungewöhnlich scharfsinnige Gedanken über die Schnittstellen von Rassismus, Migration, Homophobie, Klassenfrage und neoliberaler Ökonomie.

David Schwarz wirft im Hinterland-Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrats einen Blick auf Homophobie als identitätsstiftendes Element im postkolonialen Subsahara-Afrika.

Ein Aspekt, der bei Schwarz völlig fehlt, ist der zentrale Aufhänger eines Artikels in der Washington Post: Der wachsende Einfluss evangelikaler US-Prediger generiere in Afrika eine Springflut der Homophobie.

Zwiespalt Muzik – Hallo mein Freund Sarrazin

Donnerstag, Oktober 21st, 2010

Muslime im Visier

Dienstag, Oktober 19th, 2010

Zunahme der Islamfeindschaft in Europa: Deutschlandfunk über PI News, Jungle World, Pax Europa & Co. — Plus: Ofenschlot über die Parallelen zum Berliner Antisemitismusstreit.

Schöner Schwuler Westen, oder: Emanzipation mit einem Preisschild

Freitag, Juni 18th, 2010

Auf 2500 Zeichen beschränkter „Tweet“ für den diesjährigen Antifee-Reader (Göttingen 2010).

Nordwesteuropäische Gesellschaften halten sich einiges darauf zugute, Homophobie vielleicht nicht überwunden, aber doch in ihren giftigsten Formen zurückgedrängt zu haben. Und tatsächlich findet der Ruf nach Unduldsamkeit, Strafverschärfung und Kastration allmählich immer weniger Widerhall. Allein zwischen 1974 und 1991 sank der Anteil derer, die ihm folgen, in der Bundesrepublik von satten 51% auf 39%. Doch trotz dieses Siegeszugs der „Toleranz“ blieb im selben Zeitraum eine zentrale Dimension von Homophobie nahezu unverändert bestehen: der Wunsch von über 60% der Befragten, soziale Kontakte mit homosexuellen Männern zu meiden, und die Auskunft von mehr als 40%, sich in ihrer Gegenwart „körperlich unwohl“ zu fühlen.1

Zweifellos hat die sexuelle Revolution die Einstellungen zu „Homosexuellen“ nachhaltig liberalisiert. Sie stehen heute vermutlich nicht mehr, wie noch 1969, in der sozialen Rangfolge „niedriger als Prostituierte“.2 Entsprechend spielen auch Selbstakzeptanz-Konflikte für die weiterhin massiv erhöhte Rate an Suizidversuchen unter homosexuellen Jugendlichen nur noch eine untergeordnete Rolle. 80% nennen als ihr Hauptmotiv stattdessen „Einsamkeit“.3 Und das hat Gründe.

„In der Schule ist Freundschaft eine Passion“, schrieb Benjamin Disraeli einst über die tobenden romantischen Leidenschaften zwischen englischen Schuljungen.4 Was ein Roman des 19. Jahrhunderts aber noch als prägende emotionale Erfahrung einer ganzen Altersstufe behandelte, ist laut einer Wiederholungsbefragung Hamburger Sexualwissenschaftler ausgerechnet in den letzten Jahrzehnten zu einer verschwindenden historischen Realität geworden. So sank die Zahl männlicher Jugendlicher, die angaben, sexuelle Erlebnisse mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben, ausgerechnet zwischen 1970 und 1990, den Hochjahren der bundesdeutschen „Homosexuellen-Emanzipation“, von 18% auf gerade einmal 2%.5

Von daher sollte man die selbst attestierte Vorbildfunktion Westeuropas für eine nicht-homophobe Zukunft einmal gründlich in Zweifel ziehen. Seine „Toleranz“ kommt mit einem Preisschild: Nach wie vor bindet diese Gesellschaft die Möglichkeit der Erfahrung gleichgeschlechtlicher Liebe an die Pflicht zur Übernahme einer „abweichenden“ sozialen Rolle.6 Die Folge ist nicht nur eine beispiellose historische Verknappung aller damit verbundenen Verhaltensweisen, sondern fast notwendig auch die Unterhaltung einer zumindest „defensiven“7 Homophobie.

Der Verfasser ist Soziologe und Autor des Buchs „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ (Hamburg: Männerschwarm, 2008).

  1. M. Bochow, „Einstellungen und Werthaltungen zu homosexuellen Männern in Ost- und Westdeutschland“, in: Gefahr von Rechts, hrsg. v. SVD-NRW (Köln 1993), 50 und 55f. []
  2. C. Schulz, Paragraph 175. (abgewickelt) (Hamburg 1994), 41f. []
  3. L. Lähnemann u.a., Sie liebt sie. Er liebt ihn. (Berlin 1999), 71. []
  4. B. Disraeli, Coningsby (Whitefish 2004), 54. []
  5. G. Schmidt, Hg., Jugendsexualität (Stuttgart 1993), 35. []
  6. M. McIntosh, „The Homosexual Role“, Social Problems 16/2 (1968), 182-192. []
  7. G. M. Herek, „Beyond homophobia“, Journal of Homosexuality 10/1-2 (1984), 10f. []

Die Nacht der lebenden Idioten

Mittwoch, Juni 16th, 2010

Hab mal eben den von Antiterra verlinkten dreigeteilten Kurzfilm zur Fußball-WM, „Die Nacht der lebenden Idioten“, zu einer Playlist zusammengefügt:

Nach dem Verzehr von Gammelfleisch mutieren die Besucher einer Semesterabschluss-Grillparty. Ihnen wachsen Fanschals, Fußballnationaltrikots, Oberlippenbärte, Bierbäuche und sie grölen unaufhörlich Fußballlieder vor sich hin. Und wer mit ihnen in Kontakt kommt, wird einer von ihnen.
Eine kleine, durch Zufall zusammengeführte Gruppe, kann sich in ein Sportlerheim retten und sich dort vor der Horde herannahender Fußballfanzombies verschanzen. So unterschiedlich wie ihre Charaktere sind auch ihre Lösungsansätze.

Dazu ganz passend ein weiterer antinationaler Kurzfilm, gedreht anlässlich der hier angerichteten Fußball-WM 2006 – kick it oder, wie ich ihn betiteln würde: Deutschland zurück ins Klo!

Antisemitischer Übergriff auf 17-jährigen Israeli

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Ein Neonaziangriff auf einen jungen Israeli in Sachsen-Anhalt setzt eine Familientragödie fort. Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau berichten.