Archiv für das 'deutschland'-tag

Inflation des Antisemitismus

In einem Kommentar für den Hintergrund analysiert Susann Witt-Stahl die ideologische Funktion des Antisemitismusberichts des Deutschen Bundestags. Obwohl, wie einer der Autor_innen unfreiwillig zugeben muss, über 90% aller antisemitischen Straftaten wie eh und je von Rechten begangen werden, ist das eigentliche Politikum der Studie, dass sie sich von Neokonservativen die phantasmagorische Kategorie des “neuen Antisemitismus” aneignet: ein Anti­semitismus, der seiner sozialen Herkunft nach von “Linksextremisten” und “Menschen mit Migrations­hintergrund” ausgehen soll. Gemeint ist damit allerdings nur die Kritik an Krieg, Besiedlung und rassistischer Entrechtung – also den, so die Expertenkommission, “legitimen Sicherheitsinteressen” Israels in Palästina, die leichtfertig ignoriert oder (man denke nur an Goldstone!) sogar offensiv in Frage gestellt würden. (Continue...)

Phobien der Nation

Micha Brumlik stellt in der Frankfurter Rundschau die Frage, ob Islamophobie der neue Antisemitismus sei – und belegt an Zitaten Heinrich von Treitschkes eine strukturelle Verwandtschaft mit dem antijüdischen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts.

Im Interview mit dem Freitag äußert Jasbir Puar für das deutsche Feuilleton ungewöhnlich scharfsinnige Gedanken über die Schnittstellen von Rassismus, Migration, Homophobie, Klassenfrage und neoliberaler Ökonomie.

David Schwarz wirft im Hinterland-Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrats einen Blick auf Homophobie als identitätsstiftendes Element im postkolonialen Subsahara-Afrika.

Ein Aspekt, der bei Schwarz völlig fehlt, ist der zentrale Aufhänger eines Artikels in der Washington Post: Der wachsende Einfluss evangelikaler US-Prediger generiere in Afrika eine Springflut der Homophobie.

Zwiespalt Muzik – Hallo mein Freund Sarrazin

Muslime im Visier

Zunahme der Islamfeindschaft in Europa: Deutschlandfunk über PI News, Jungle World, Pax Europa & Co. — Plus: Ofenschlot über die Parallelen zum Berliner Antisemitismusstreit.

Schöner Schwuler Westen, oder: Emanzipation mit einem Preisschild

Auf 2500 Zeichen beschränkter “Tweet” für den diesjährigen Antifee-Reader (Göttingen 2010).

Nordwesteuropäische Gesellschaften halten sich einiges darauf zugute, Homophobie vielleicht nicht überwunden, aber doch in ihren giftigsten Formen zurückgedrängt zu haben. Und tatsächlich findet der Ruf nach Unduldsamkeit, Strafverschärfung und Kastration allmählich immer weniger Widerhall. Allein zwischen 1974 und 1991 sank der Anteil derer, die ihm folgen, in der Bundesrepublik von satten 51% auf 39%. Doch trotz dieses Siegeszugs der „Toleranz“ blieb im selben Zeitraum eine zentrale Dimension von Homophobie nahezu unverändert bestehen: der Wunsch von über 60% der Befragten, soziale Kontakte mit homosexuellen Männern zu meiden, und die Auskunft von mehr als 40%, sich in ihrer Gegenwart „körperlich unwohl“ zu fühlen.1

Zweifellos hat die sexuelle Revolution die Einstellungen zu „Homosexuellen“ nachhaltig liberalisiert. Sie stehen heute vermutlich nicht mehr, wie noch 1969, in der sozialen Rangfolge „niedriger als Prostituierte“.2 Entsprechend spielen auch Selbstakzeptanz-Konflikte für die weiterhin massiv erhöhte Rate an Suizidversuchen unter homosexuellen Jugendlichen nur noch eine untergeordnete Rolle. 80% nennen als ihr Hauptmotiv stattdessen „Einsamkeit“.3 Und das hat Gründe.

„In der Schule ist Freundschaft eine Passion“, schrieb Benjamin Disraeli einst über die tobenden romantischen Leidenschaften zwischen englischen Schuljungen.4 Was ein Roman des 19. Jahrhunderts aber noch als prägende emotionale Erfahrung einer ganzen Altersstufe behandelte, ist laut einer Wiederholungsbefragung Hamburger Sexualwissenschaftler ausgerechnet in den letzten Jahrzehnten zu einer verschwindenden historischen Realität geworden. So sank die Zahl männlicher Jugendlicher, die angaben, sexuelle Erlebnisse mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben, ausgerechnet zwischen 1970 und 1990, den Hochjahren der bundesdeutschen „Homosexuellen-Emanzipation“, von 18% auf gerade einmal 2%.5

Von daher sollte man die selbst attestierte Vorbildfunktion Westeuropas für eine nicht-homophobe Zukunft einmal gründlich in Zweifel ziehen. Seine „Toleranz“ kommt mit einem Preisschild: Nach wie vor bindet diese Gesellschaft die Möglichkeit der Erfahrung gleichgeschlechtlicher Liebe an die Pflicht zur Übernahme einer „abweichenden“ sozialen Rolle.6 Die Folge ist nicht nur eine beispiellose historische Verknappung aller damit verbundenen Verhaltensweisen, sondern fast notwendig auch die Unterhaltung einer zumindest „defensiven“7 Homophobie.

Der Verfasser ist Soziologe und Autor des Buchs „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ (Hamburg: Männerschwarm, 2008).

  1. M. Bochow, „Einstellungen und Werthaltungen zu homosexuellen Männern in Ost- und Westdeutschland“, in: Gefahr von Rechts, hrsg. v. SVD-NRW (Köln 1993), 50 und 55f. []
  2. C. Schulz, Paragraph 175. (abgewickelt) (Hamburg 1994), 41f. []
  3. L. Lähnemann u.a., Sie liebt sie. Er liebt ihn. (Berlin 1999), 71. []
  4. B. Disraeli, Coningsby (Whitefish 2004), 54. []
  5. G. Schmidt, Hg., Jugendsexualität (Stuttgart 1993), 35. []
  6. M. McIntosh, „The Homosexual Role“, Social Problems 16/2 (1968), 182-192. []
  7. G. M. Herek, „Beyond homophobia“, Journal of Homosexuality 10/1-2 (1984), 10f. []

Die Nacht der lebenden Idioten

Hab mal eben den von Antiterra verlinkten dreigeteilten Kurzfilm zur Fußball-WM, “Die Nacht der lebenden Idioten”, zu einer Playlist zusammengefügt:

Nach dem Verzehr von Gammelfleisch mutieren die Besucher einer Semesterabschluss-Grillparty. Ihnen wachsen Fanschals, Fußballnationaltrikots, Oberlippenbärte, Bierbäuche und sie grölen unaufhörlich Fußballlieder vor sich hin. Und wer mit ihnen in Kontakt kommt, wird einer von ihnen.
Eine kleine, durch Zufall zusammengeführte Gruppe, kann sich in ein Sportlerheim retten und sich dort vor der Horde herannahender Fußballfanzombies verschanzen. So unterschiedlich wie ihre Charaktere sind auch ihre Lösungsansätze.

Dazu ganz passend ein weiterer antinationaler Kurzfilm, gedreht anlässlich der hier angerichteten Fußball-WM 2006 – kick it oder, wie ich ihn betiteln würde: Deutschland zurück ins Klo!

Antisemitischer Übergriff auf 17-jährigen Israeli

Ein Neonaziangriff auf einen jungen Israeli in Sachsen-Anhalt setzt eine Familientragödie fort. Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau berichten.

Rassistische Hetze heute

“Was die denken, die nicht denken”. Cigdem Akyol über antimuslimischen Rassismus in der BRD (via andersdeutsch).

PI-Voyeure

“Ich z.B. lese hin und wieder gerne mal PI, um mich an den dort zur Schau gestellten persönlichen Deformationen in den Kommentarspalten zu ergötzen. Das ist wahrlich ein Zoo der Monstrositäten.” (limited)

Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei

Sofort Parteiausschluss und dann ab nach Sibirien! ;)

Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei

{Antimuslimischer Rassismus in der Linkspartei}


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Buchtipp

Die Vertreibung aus dem Serail

On Tour/Vorschau

  • Do, 17. Mai. : BUKO 34. Fachhochschule Erfurt.

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