Archiv für das 'christliche rechte'-tag

Missionaries of Hate: Uganda, „Kill the Gays“ und die christliche US-Rechte

In den nächs­ten 48 Stun­den könnte die Ent­schei­dung über die sog. „Kill the Gays“ Bill fal­len, ein Gesetz­ent­wurf in Uganda, der lebens­lange Haft für ein­fa­che und die Ein­füh­rung der Todes­strafe für „erschwerte“ Homo­se­xua­li­tät vor­sieht. Eine Online-Petition, die bereits 300.000 Men­schen unter­zeich­net haben, for­dert Prä­si­dent Yoweri Muse­veni auf, sein Veto gegen das Gesetz ein­zu­le­gen. (Wäre schön, wenn du das auch unterschreibst!)

Der fol­gende Doku­men­tar­film beleuch­tet auf 45 Minu­ten die Hin­ter­gründe des Geset­zes und die Ver­stri­ckung US-amerikanischer Fun­da­men­ta­lis­ten — jener Mis­sio­na­ries of Hate, die dem Film den Titel gaben — in die Ver­brei­tung einer fana­ti­schen, reli­giös ideo­lo­gi­sier­ten Form von Homo­pho­bie in Afrika.

How Christians disprove Einstein

„Jesus’s hea­ling powers fas­ter than the speed of light“: Con­ser­va­pe­dia dis­pro­ves Ein­stein with John 4:46–54.

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Lunatic Christians for Israel

Ein beson­de­res Kurio­sum der fana­tisch „pro“-israelischen Lobby in den USA, die den Frie­dens­pro­zess durch ihre bedin­gungs­lose Soli­da­ri­tät mit der israe­li­schen Sied­lungs­po­li­tik seit Jahr­zehn­ten tor­pe­diert, ist die Tat­sa­che, dass sie zu nicht unwe­sent­li­chen Tei­len gar nicht von ame­ri­ka­ni­schen Juden (die in ihrer übergro­ßen Mehr­heit libe­rale Obama-Wähler sind), son­dern min­des­tens ebenso sehr von radi­ka­len Anti­se­mi­ten wie dem Magachurch-Pastor John Hagee getra­gen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=IWMmVIAtHAU

Neben sei­ner Rolle als geis­ti­ger Anfüh­rer der Bewe­gung „Chris­ti­ans United for Israel“ (CUFI) ist Hagee einer der best­be­zahl­ten fun­da­men­ta­lis­ti­schen Fern­seh­pre­di­ger in den USA und Vor­stands­vor­sit­zen­der der „Hagee Minis­tries“, die mit ihrem natio­na­len Rund­funk­pro­gramm 160 TV– und 50 Radio-Stationen ver­sor­gen. Angeb­lich ist es sei­nem Kir­chen­kon­zern damit mög­lich, jede Woche bis zu 99 Mil­lio­nen ame­ri­ka­ni­scher Haus­halte zu erreichen.

Obwohl von füh­ren­den ame­ri­ka­ni­schen Poli­ti­kern wie John McCain, Joseph Lie­ber­man und Tom DeLay umwor­ben, ist Hagee nicht gerade leichte Kost, was seine Ansich­ten über Juden und Homo­se­xu­elle angeht — über die man bis­lang aller­dings groß­zü­gig hin­weg­ge­se­hen hat. Ein extre­mes Bei­spiel dafür ist eine kürz­lich bekannt gewor­dene Pre­digt aus dem Jahr 2006, in der er Hit­ler unter Ver­weis auf die Bibel zu einem Teil von Got­tes Plan erklärt mit dem Ziel, die Juden nach Israel zu treiben:

http://www.youtube.com/watch?v=3EFVNrjOpJA

Der Anti-Christ, erklärt Hagee in einer wei­te­ren Pre­digt, werde wenigs­tens zum Teil jüdisch sein — wie Karl Marx und, Hagees Ansicht zufolge: Adolf Hit­ler -, sich dar­über hin­aus aber auch als Got­tes­läs­te­rer und Homo­se­xu­el­ler zu erken­nen geben. Eine Pro­phe­zei­ung, die Hagee aus einer lite­ra­lis­ti­schen Deu­tung von zufäl­li­gen Bruch­stü­cken der Bibel ableitet:

Trotz sei­ner von reli­giö­sem Wahn­sinn geschüt­tel­ten Ansich­ten ver­steht es der homo­phobe Holocaust-Revisionist John Hagee gleich­wohl immer wie­der, sich in einen Man­tel der Hono­rig­keit zu hül­len — etwa indem er sich für eine halbe Mil­lo­nen Dol­lar den jüdi­schen Nobel­preis­trä­ger Elie Wie­sel als öffent­li­chen Red­ner und Gesprächs­part­ner einkauft.

Mit sei­nen schier uner­schöpf­li­chen Geld­mit­teln betei­ligt sich Hagee aber auch direkt an der Finan­zie­rung ille­ga­ler Sied­lungs­pro­jekte im West­jor­dan­land, wie der ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­list Max Blu­men­thal (Repu­bli­can Gomor­rah) her­aus­ge­fun­den hat. In einem sei­ner mitt­ler­weile berüch­tig­ten Video-Clips kon­tras­tiert Blu­men­thal die durch die groß­zü­gi­gen Spen­den Hagees ermög­lich­ten luxu­riö­sen Lebens­ver­hält­nisse in der jüdi­schen Sied­lung Ariel mit dem Elend der in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft ein­ge­pferch­ten und durch schieß­wü­tige Sied­ler und IDF-Soldaten in ihrer Sicher­heit bedroh­ten Paläs­ti­nen­ser, die sich auf­grund feh­len­der Bau­ge­neh­mi­gun­gen auf immer klei­ne­rem Raum zusam­men­drän­gen müssen:

http://www.youtube.com/watch?v=UMNEKvOAiv4

Das Bei­spiel John Hagees erscheint zunächst wie eine exo­ti­sche Blüte in der Geschichte des nicht-jüdischen Pro­zio­nis­mus, setzt aber in Wirk­lich­keit eine lange Kette der Ver­schwis­te­rung zio­nis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Posi­tio­nie­run­gen fort, die von Arthur James Bal­four über Richard Nixon bis zu Jean Marie LePen hin­auf­reicht. Trotz sei­ner osten­ta­ti­ven Israel­freund­lich­keit blieb die­ser Pro­zio­nis­mus stets radi­kal gegen die Juden gerich­tet — zu Bal­fours Zei­ten, weil er die eng­li­schen Juden als frem­des „Gast­volk“ mar­kie­ren sollte, das die bri­ti­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit gleich­sam nur unter Vor­be­halt genieße. Und schlim­mer noch in Hagees reli­giö­ser Wahn­welt, wel­che die Juden zum Kano­nen­fut­ter im End­zeit­kampf gegen den mus­li­mi­schen Erz­feind erkürt, wofür jede auf Land­zu­ge­ständ­nisse beru­hende Frie­dens­in­itia­tive zum Unsinn erklärt und Israel für das bevor­ste­hende „Arma­ged­don“ bis oben hin mit Waf­fen voll­ge­stopft wer­den muss.

Scho­ckie­rend ist dabei vor allem, wie wenig Anstoß „pro“-israelische Poli­ti­ker an die­ser sich freu­dig nach Krieg und nuklea­rer Ver­nich­tung seh­nen­den christlich-messianischen Bewe­gung neh­men, die den Holo­caust offen als Got­tes List bejaht und in Washing­ton trotz­dem als eine ernst­zu­neh­mende Lobby gilt. Dass ihre Mit­glie­der genauso wahn­sin­nig wie ihre Anfüh­rer sind, beweist Blu­men­thal indes mit einer Reihe von Inter­views, die er auf sei­ner „Chris­ti­ans United for Israel Tour“ 2007 in Washing­ton sam­melte. Und wie bei allen sei­nen Videos kann man sich auch hier trotz — oder gerade wegen — all des rech­ten Irr­sinns, den er vor­führt, ein gewis­ses Schmun­zeln nicht verkneifen:

Jesus never hugged!

Immer wie­der ein Fas­zi­no­sum: die evan­ge­li­kale Szene in den USA. Im fol­gen­den Youtube-Video wirbt eine reli­giöse Hiphop-Band für den „Chris­tian side hug“ als Ersatz für die fron­tale Umar­mung (front hug), die man offen­bar als furcht­er­re­gende Gefahr für das Ziel sexu­el­ler Ent­halt­sam­keit betrach­tet. Wobei „wirbt“ viel­leicht das fal­sche Wort ist: wer nicht pariert, dem wird ein Schlag ins Koma angedroht…

Wie schon bei der kon­ser­va­ti­ven Teabag­ger–Bewe­gung ist man sich viel­leicht nicht ganz der Dop­pel­deu­tig­keit von Sät­zen wie „I’m a rough rider“ bewusst … just say­ing. ;)

Gefun­den hab ich das übri­gens bei mei­nem Lieblings-Vlogger Ray Wil­liam John­son, der sich im sel­ben Bei­trag auch den repu­bli­ka­ni­schen Sena­tor Chris But­tars vor­nimmt. (O-Ton But­tars: „I don’t mind gays … but I don’t want them stuf­fing it down my throat all the time … and cer­tainly in my kid’s face!“) :D

Und wer noch nicht genug hat: in der aktu­el­len Folge wid­met sich Ray den Äuße­run­gen einer kon­ser­va­ti­ven Kongress-Abgeordneten, die sich öffent­lich in por­no­gra­phi­schen Phan­ta­sien ver­liert, nur um zu bewei­sen, dass die Prak­tik des Anal­ver­kehrs für sie nicht in Frage komme, daher irgend­wie „nicht nor­mal“ sei und es recht­fer­tige, gleich­ge­schlecht­li­che Paare gegen­über der Heterosexuellen-Ehe zu benach­tei­li­gen. Eine Lücke in der Argu­men­ta­ti­ons­kette? Hey, das ist eine got­tes­fürch­tige Frau, was erwar­tet ihr!

Sexual Hypocrisy and the Religious Right

Max Blu­men­thal on „Repu­bli­can Gomorrha“:

(2)

There’s a Rep for Every Demagogic Need

(via mäd­chen­blog)

The Religious Right — Then and Now (1992)


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  • Mi, 3. Jul. : Die Seele als Gefängnis des Körpers. Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno. Jena.

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