Posts Tagged ‘antisemitismus’

Kampagne gegen Antisemitismusforscher

Montag, April 12th, 2010

Kanon absurder Beschuldigungen: Wie der wissenschaftliche Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zum Auslöser einer maßlosen Hetzkampagne gegen das „Zentrum für Antisemitismusforschung“ wurde.

Lunatic Christians for Israel

Samstag, März 20th, 2010

Ein besonderes Kuriosum der fanatisch „pro“-israelischen Lobby in den USA, die den Friedensprozess durch ihre bedingungslose Solidarität mit der israelischen Siedlungspolitik seit Jahrzehnten torpediert, ist die Tatsache, dass sie zu nicht unwesentlichen Teilen gar nicht von amerikanischen Juden (die in ihrer übergroßen Mehrheit liberale Obama-Wähler sind), sondern mindestens ebenso sehr von radikalen Antisemiten wie dem Magachurch-Pastor John Hagee getragen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=IWMmVIAtHAU

Neben seiner Rolle als geistiger Anführer der Bewegung „Christians United for Israel“ (CUFI) ist Hagee einer der bestbezahlten fundamentalistischen Fernsehprediger in den USA und Vorstandsvorsitzender der „Hagee Ministries“, die mit ihrem nationalen Rundfunkprogramm 160 TV- und 50 Radio-Stationen versorgen. Angeblich ist es seinem Kirchenkonzern damit möglich, jede Woche bis zu 99 Millionen amerikanischer Haushalte zu erreichen.

Obwohl von führenden amerikanischen Politikern wie John McCain, Joseph Lieberman und Tom DeLay umworben, ist Hagee nicht gerade leichte Kost, was seine Ansichten über Juden und Homosexuelle angeht – über die man bislang allerdings großzügig hinweggesehen hat. Ein extremes Beispiel dafür ist eine kürzlich bekannt gewordene Predigt aus dem Jahr 2006, in der er Hitler unter Verweis auf die Bibel zu einem Teil von Gottes Plan erklärt mit dem Ziel, die Juden nach Israel zu treiben:

http://www.youtube.com/watch?v=3EFVNrjOpJA

Der Anti-Christ, erklärt Hagee in einer weiteren Predigt, werde wenigstens zum Teil jüdisch sein – wie Karl Marx und, Hagees Ansicht zufolge: Adolf Hitler -, sich darüber hinaus aber auch als Gotteslästerer und Homosexueller zu erkennen geben. Eine Prophezeiung, die Hagee aus einer literalistischen Deutung von zufälligen Bruchstücken der Bibel ableitet:

Trotz seiner von religiösem Wahnsinn geschüttelten Ansichten versteht es der homophobe Holocaust-Revisionist John Hagee gleichwohl immer wieder, sich in einen Mantel der Honorigkeit zu hüllen – etwa indem er sich für eine halbe Millonen Dollar den jüdischen Nobelpreisträger Elie Wiesel als öffentlichen Redner und Gesprächspartner einkauft.

Mit seinen schier unerschöpflichen Geldmitteln beteiligt sich Hagee aber auch direkt an der Finanzierung illegaler Siedlungsprojekte im Westjordanland, wie der amerikanische Journalist Max Blumenthal (Republican Gomorrah) herausgefunden hat. In einem seiner mittlerweile berüchtigten Video-Clips kontrastiert Blumenthal die durch die großzügigen Spenden Hagees ermöglichten luxuriösen Lebensverhältnisse in der jüdischen Siedlung Ariel mit dem Elend der in unmittelbarer Nachbarschaft eingepferchten und durch schießwütige Siedler und IDF-Soldaten in ihrer Sicherheit bedrohten Palästinenser, die sich aufgrund fehlender Baugenehmigungen auf immer kleinerem Raum zusammendrängen müssen:

http://www.youtube.com/watch?v=UMNEKvOAiv4

Das Beispiel John Hagees erscheint zunächst wie eine exotische Blüte in der Geschichte des nicht-jüdischen Prozionismus, setzt aber in Wirklichkeit eine lange Kette der Verschwisterung zionistischer und antisemitischer Positionierungen fort, die von Arthur James Balfour über Richard Nixon bis zu Jean Marie LePen hinaufreicht. Trotz seiner ostentativen Israelfreundlichkeit blieb dieser Prozionismus stets radikal gegen die Juden gerichtet – zu Balfours Zeiten, weil er die englischen Juden als fremdes „Gastvolk“ markieren sollte, das die britische Staatsangehörigkeit gleichsam nur unter Vorbehalt genieße. Und schlimmer noch in Hagees religiöser Wahnwelt, welche die Juden zum Kanonenfutter im Endzeitkampf gegen den muslimischen Erzfeind erkürt, wofür jede auf Landzugeständnisse beruhende Friedensinitiative zum Unsinn erklärt und Israel für das bevorstehende „Armageddon“ bis oben hin mit Waffen vollgestopft werden muss.

Schockierend ist dabei vor allem, wie wenig Anstoß „pro“-israelische Politiker an dieser sich freudig nach Krieg und nuklearer Vernichtung sehnenden christlich-messianischen Bewegung nehmen, die den Holocaust offen als Gottes List bejaht und in Washington trotzdem als eine ernstzunehmende Lobby gilt. Dass ihre Mitglieder genauso wahnsinnig wie ihre Anführer sind, beweist Blumenthal indes mit einer Reihe von Interviews, die er auf seiner „Christians United for Israel Tour“ 2007 in Washington sammelte. Und wie bei allen seinen Videos kann man sich auch hier trotz – oder gerade wegen – all des rechten Irrsinns, den er vorführt, ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen:

Defamation (2009) by Yoav Shamir

Dienstag, Februar 23rd, 2010

Ein cooler, humorvoller und, wie ich finde, sehr um Differenzierung bemühter Dokumentarfilm von Yoav Shamir zum Thema Antisemitismus heute:

Israeli director Yoav Shamir embarks on a provocative – and at times irreverent – quest to answer the question, “What is anti-Semitism today?” Does it remain a dangerous and immediate threat? Or is it a scare tactic used by right-wing Zionists to discredit their critics? Speaking with an array of people from across the political spectrum (including the head of the Anti-Defamation League and its fiercest critic, author Norman Finkelstein) and traveling to places like Auschwitz (alongside Israeli school kids) and Brooklyn (to explore reports of violence against Jews), Shamir discovers the realities of anti-Semitism today. His findings are shocking, enlightening and – surprisingly – often wryly funny.

You need a browser that supports HTML5. Video Download Link:

http://cdn.videos.wordpress.com/nhUvd4UW/1_true-stories-2010-defamation-ws-pdtv-xvid_std.mp4


Defamation by Yoav Shamir (2009). Runtime: 91 min.

Das Gerücht über die Muslime

Samstag, Januar 30th, 2010

Anfang des Jahres ist die Feuilleton-Debatte über „den Islam“ wieder hochgekocht. Allerdings meldeten sich diesmal auch einige kluge Köpfe zu Wort, um der Hetze, die von den deutschen Gazetten ganz im Stil des Berliner Antisemitismusstreits veranstaltet wird, mit einer entwaffnenden Analyse ins Wort zu fallen. Ein Beispiel dafür ist Prof. Achim Bühl, der in analyse & kritik auf ein antimuslimisches Hasspamphlet antwortet, das als bezahlte Beilage zu Jungle World und taz unlängst an zehntausende linksliberale Haushalte geliefert wurde. Die für den Text verantwortlich zeichnende „Aktion 3. Welt Saar“ wird dabei rücksichtslos als der rechtspopulistische Haufen bloßgestellt, der zu sein er öffentlich dementiert:

So landen die AutorInnen genau dort, wo sie zu Beginn ihrer Schrift vorgeben nicht landen zu wollen: beim Kulturalismus als postmodernem Neorassismus, einem Rassismus ohne Rassen, der den Terminus Rasse aufgibt, ohne dass die Exkludierung des Anderen und seine stereotype Abwertung als „anti-aufklärerisch“, „intolerant“, „unmodern“, „gewalttätig“, „anti-emanzipatorisch“, „herrschsüchtig“, „reaktionär“, „extrem patriarchalisch“, „homophob“, „machohaft“ nur einen Hauch an Schärfe verlieren würde. Gut, dass wir ja die besseren Menschen, vor allem Männer sind. Am neodeutschen Wesen soll wohl die Welt genesen …

Wenige Tage zuvor setzte sich auch Birgit Rommelspacher kritisch mit einer Sorte „Islamkritik“ auseinander, die einer ganzen Reihe von feministischen Alt-68erinnen wie Alice Schwarzer, Halina Bendkowski und Julia Onken dazu dient, Anschluss an die neue Rechte zu finden (siehe Mädchenblog).

Allerdings gab es auch schon früher chauvinistische Tendenzen innerhalb der Frauenbewegung, indem andere Gruppierungen mithilfe des Patriarchatsvorwurfs diskreditiert wurden. In den 1970er-Jahren richtet er sich vor allem gegen die Juden. Ihnen wurde vorgeworfen, einem archaisch verwurzelten Patriarchat verhaftet zu sein, und unter anderem auch, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu legitimieren („Das bestgehütete Geheimnis“). Dass Jüdinnen Feministinnen sein konnten, war unvorstellbar. Dem gegenüber war, wie Franz Alt in seinem damaligen Bestseller titelte, „Jesus, der neue Mann“.

Weitere Interventionen umfassen einen Artikel von Hilal Sezgin über die antimuslimische Agenda des Feuilleton-Fastfood-Ladens Perlentaucher sowie ein Interview mit Wolfgang Benz, dem Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA), welcher von „anti“deutschen und anderen Demagogen unaufhörlich diffamiert wird, seit er und seine Mitarbeiter_innen damit begonnen haben, die verblüffenden Parallelen zwischen gegenwärtiger Islamfeindschaft und dem historischen „Gerücht über die Juden“ zu erforschen.

T-Online-Bildkommentar: Muslim mit Hakennase

T-Online-Bildkommentar: Muslim mit Hakennase

So tief wollten sich antimuslimische Hetzer wie Clemens Heni und Magnus Klaue dann aber doch nicht in die Karten schauen lassen und griffen in ihrer Abwehr deshalb zu altbekannten Methoden: politische Verleumdung und persönliche Denunziation. Lesenswert ist das kaum, signifikant für die aggressiv sozialchauvinistische Stimmungslage der bürgerlichen Linken von Freitag bis Jungle World dagegen allemal.

… sich nicht wiederhole

Samstag, Januar 9th, 2010

Antisemiten und Islamfeinde: Hetzer mit Parallelen. Von Wolfgang Benz (via).

Révisionisme à l‘Allemande

Freitag, November 17th, 2006

Halbmond und Hakenkreuz. Das 'Dritte Reich', die Araber und Palästina. Wow, eigentlich war es genau das, worüber ich als nächstes eine Story schreiben wollte: das unsägliche Interview von Klaus-Michael Mallmann, Koautor des Buchs Halbmond und Hakenkreuz, mit der postantideutschen Jungle World. Nun hat das suqong schon sehr viel besser — und mit mehr Faktenwissen — erledigt, als ich das je könnte. Trotzdem möchte ich es mir nicht ganz nehmen lassen, noch etwas bei den Absurditäten dieses Gesprächs zu verweilen. (mehr …)