Die Hauptbetroffenen und -leidtragenden dieses staatsbürgerlichen Rassismus, die Juden Europas, haben sich im Zionismus zu einer Antwort von gleichem Kaliber, bekannt. Sie waren nichts als die Opfer der gewalttätigen Fiktion einer nationalen Schicksalsgemeinschaft von Volk und politischer Führung, die jedem anständigen Untertanen als persönlicher Charakterzug mit in die Wiege gelegt sei, ihn vor allen andersartigen Gattungsgenossen auszeichne und zu ihrer Verachtung berechtige. Und doch haben die politisierten Juden Europas sich nie zu einer Kritik des patriotischen Wahns selbst, geschweige denn seines Grundes, der klassenstaatlichen Gewalt, verstanden. Die fatale Stärke der Ideologie des Nationalismus - die ja nachgerade ein Gefühl sein soll und wohl auch ist! - liegt eben darin, daß sie durch die Greuel, die in ihrem Namen angerichtet werden - und kein nennenswerter Greuel der modernen Zeit war nicht durch Vaterlandsliebe inspiriert! -, einfach nicht zu blamieren ist. An den Gesinnungsgenossen fremdländischer Observanz entdeckt noch jeder Patriot die Schädlichkeit und Verlogenheit dieser Ideologie, und daß Menschen durch sie zu Massenmördern werden - mit dem besten Gewissen! Bemerkt und kritisiert, mit Entsetzen und Verachtung bedacht wird da allerdings nie der Nationalismus, sondern der Nationalismus der anderen, gerade so als wäre der der wahre und eigentliche Gegensatz zum eigenen! So dient, was der Fanatismus der einen Nation anrichtet, stets ausgerechnet dem einer anderen als Rechtstitel und Gütesiegel, also als gutes Gewissen seiner Rücksichtslosigkeit. Und mit eben dieser nationalistischen Selbstgerechtigkeit sind die Zionisten angetreten. Ganz im Sinne des Wahns ihrer Gegner und Verächter haben sie das Opferdasein der Juden als "völkische" Eigenart interpretiert, als eine kollektive Identität der Betroffenen von der Art eines nationalen Volkstums, die ihren Inhabern ein unwidersprechliches Recht auf kollektive Untertänigkeit unter einer eigenen, und zwar besonders machtvollen Staatsgewalt verliehe.
Vor wenigen Wochen hat der Suhrkamp-Verlag, nachdem Rowohlt abgesprungen war, nun endlich Tuvia Tenenboms Reisebericht Allein unter Deutschen (engl. "I Sleep in Hitler's Room") veröffentlicht. Die feuilletonistische Aufregung darüber kann man sich nur schwerlich erklären. Dass Tenenbom in einem Land, das in den letzten Jahren einen rassistischen Bestseller nach dem anderen aufgelegt hat, ernsthafte Schwierigkeiten hatte, einen Verleger zu finden, zeugt von eben jener Selbstgerechtigkeit, die den Deutschen vorzuwerfen man Tenenbom nicht so recht verzeihen will. Meinungsfreiheit für Studien über den ethnischen »Kollektivcharakter« von Leuten: ja bitte, aber nur wenn es um die Kritik des Anderen geht! (Click here to continue…)
… meint man zumindest in der Bahamas, wo sich der Raddatz-Imitator Thomas Maul, den wirren Gedankengängen seines großen Vorbilds folgend, an einer essentialistischen Reinwaschung des Christentums vom historischen Makel des Antijudaismus versucht. Rüdiger berichtet:
Ja, gelesen habe ich bisher: einen wunderbaren Text von Thomas Maul, in dem er die Grundlage nahezu aller Historiker, die über christlichen Antijudaismus schreiben, als irrsinnig entlarvt: Der Vorwurf des Gottesmordes an die Juden ist nicht christlich, sondern heidnisch. Sehr überzeugend, wobei sich natürlich wieder die Frage stellt, ob nicht das als heidnisch identifizierte im Laufe der Jahrhunderte so sehr im Christentum festgesetzt hat, dass es von ihm gar nicht mehr getrennt werden kann. Auf diese Frage weiß aber Maul die Antwort, dass die Kirche zumindest den Widerspruch zwischen Gottesmord und Selbstopfer nicht los wird. Es gibt also im Christentum selbst etwas, dass dem Antijudaismus zutiefst widerstrebt. Maul führt das auch auf den jüdischen Ursprung des Christentums zurück. Da wäre es vielleicht hilfreich, doch noch mal zwischen jüdischen und griechischen Elementen zu differenzieren, aber Maul schreibt selbst, dass es sich um vorläufige Ergebnisse eines längeren Denkprozesses handelt. Außerdem wäre spannend, wie die protestantische Wende gegen den Ablass (der überzeugend als Reaktion auf das Ausbleiben der Wiederkunft des Messias gedeutet wird) in diesem Fall zu beurteilen ist.
Vielleicht sollte der Mann weniger Rotwein trinken und lieber wieder an seinen billigen Amateur-Pornos schnippeln - falls das mit Jesus und dem "wahren Christentum" nach Maul überhaupt vereinbar ist.
Ohne ihn beim Namen zu nennen, rechnet Alan Posener in einer Kolumne mit seinem ehemaligen Kollegen Henryk M. Broder von der Achse des Guten ab…
Auch in Deutschland haben sich die meisten Juden und ihre Organisationen an jene Faustregel des Überlebens in der Diaspora gehalten: Die Toleranz ist unteilbar. Seit einiger Zeit aber haben einige wenige Juden, bemitleidenswerte Geschöpfe, diese Faustregel vergessen. Als selbst erklärte Richter über das, was als antisemitisch zu gelten habe und was nicht, stellen sie jenen Ariern einen Kaschrut-Schein aus, die heute einen unverblümten eugenischen und kulturellen Rassismus gegen Muslime predigen: Geert Wilders, Thilo Sarrazin, den Befürwortern von Minarettverboten und Kleidervorschriften für muslimische Frauen.
Aus der Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Benz, dem Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin:
Die aktuelle Islamkritik, wie sie auch von jüdischer Seite (aus nachvollziehbaren Gründen angesichts der Bedrohung Israels und offensiv gelebter Judenfeindschaft von Muslimen) vehement vorgetragen wird, hat kein historisches Gedächtnis und kein Problembewusstsein für die Austauschbarkeit der Stigmatisierung von Gruppen. Fixiert auf ihr Feindbild müssen Populisten gegen differenzierende Betrachtungsweisen wüten und ihre eindimensionale Weltsicht verteidigen. Dass demagogische Islamfeindschaft, die Hass gegen eine fremde Kultur predigt und Intoleranz proklamiert, an anderen Traditionen der Feindseligkeit gegen Menschen wie dem Antisemitismus oder dem Antiziganismus zu messen ist, steht wissenschaftlich außer Frage. (Click here to continue…)
Micha Brumlik stellt in der Frankfurter Rundschau die Frage, ob Islamophobie der neue Antisemitismus sei - und belegt an Zitaten Heinrich von Treitschkes eine strukturelle Verwandtschaft mit dem antijüdischen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts.
Im Interview mit dem Freitag äußert Jasbir Puar für das deutsche Feuilleton ungewöhnlich scharfsinnige Gedanken über die Schnittstellen von Rassismus, Migration, Homophobie, Klassenfrage und neoliberaler Ökonomie.
David Schwarz wirft im Hinterland-Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrats einen Blick auf Homophobie als identitätsstiftendes Element im postkolonialen Subsahara-Afrika.
Ein Aspekt, der bei Schwarz völlig fehlt, ist der zentrale Aufhänger eines Artikels in der Washington Post: Der wachsende Einfluss evangelikaler US-Prediger generiere in Afrika eine Springflut der Homophobie.
Ein Neonaziangriff auf einen jungen Israeli in Sachsen-Anhalt setzt eine Familientragödie fort. Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau berichten.
Auf lange Sicht haben fast alle Gelehrten [Hannah] Arendts These übernommen, der typische Holocausttäter sei "erschreckend normal" und keinweswegs ein überzeugter Antisemit. Der Holocausthistoriker Yehuda Bauer schreibt: "Die Deutschen mußten die Juden nicht hassen, um sie zu töten … Man vermutet, daß, wenn sie die Anweisungen erhalten hätten, alle Polen oder Franzosen zu töten, sie sie genauso effizient ausgeführt hätten." Aus diesen und anderen Gründen haben Holocaustexperten Daniel Jonah Goldhagens Argument abgelehnt, daß eine Generationen umspannende systematische Sozialisierung im mörderischen Haß auf Juden eine notwendige Bedingung für den Holocaust war. (Es ist ein beruhigendes Argument: Wenn ein so tiefer und lange bestehender Haß eine notwendige Bedingung für einen Massenmord ist, sind wir sehr viel sicherer, als viele von uns denken.) Aber der Wunsch, die Täter in der traditionellen Weise zu beschreiben, bleibt stark - deshalb war Goldhagens Buch ein Langzeitbestseller.
Peter Novick, Nach dem Holocaust: Der Umgang mit dem Massenmord (Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 2001), 184 f.
Kanon absurder Beschuldigungen: Wie der wissenschaftliche Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zum Auslöser einer maßlosen Hetzkampagne gegen das "Zentrum für Antisemitismusforschung" wurde.
Ein besonderes Kuriosum der fanatisch "pro"-israelischen Lobby in den USA, die den Friedensprozess durch ihre bedingungslose Solidarität mit der israelischen Siedlungspolitik seit Jahrzehnten torpediert, ist die Tatsache, dass sie zu nicht unwesentlichen Teilen gar nicht von amerikanischen Juden (die in ihrer übergroßen Mehrheit liberale Obama-Wähler sind), sondern mindestens ebenso sehr von radikalen Antisemiten wie dem Magachurch-Pastor John Hagee getragen wird.
Neben seiner Rolle als geistiger Anführer der Bewegung "Christians United for Israel" (CUFI) ist Hagee einer der bestbezahlten fundamentalistischen Fernsehprediger in den USA und Vorstandsvorsitzender der "Hagee Ministries", die mit ihrem nationalen Rundfunkprogramm 160 TV- und 50 Radio-Stationen versorgen. Angeblich ist es seinem Kirchenkonzern damit möglich, jede Woche bis zu 99 Millionen amerikanischer Haushalte zu erreichen.
Obwohl von führenden amerikanischen Politikern wie John McCain, Joseph Lieberman und Tom DeLay umworben, ist Hagee nicht gerade leichte Kost, was seine Ansichten über Juden und Homosexuelle angeht - über die man bislang allerdings großzügig hinweggesehen hat. Ein extremes Beispiel dafür ist eine kürzlich bekannt gewordene Predigt aus dem Jahr 2006, in der er Hitler unter Verweis auf die Bibel zu einem Teil von Gottes Plan erklärt mit dem Ziel, die Juden nach Israel zu treiben:
Der Anti-Christ, erklärt Hagee in einer weiteren Predigt, werde wenigstens zum Teil jüdisch sein - wie Karl Marx und, Hagees Ansicht zufolge: Adolf Hitler -, sich darüber hinaus aber auch als Gotteslästerer und Homosexueller zu erkennen geben. Eine Prophezeiung, die Hagee aus einer literalistischen Deutung von zufälligen Bruchstücken der Bibel ableitet:
Trotz seiner von religiösem Wahnsinn geschüttelten Ansichten versteht es der homophobe Holocaust-Revisionist John Hagee gleichwohl immer wieder, sich in einen Mantel der Honorigkeit zu hüllen - etwa indem er sich für eine halbe Millonen Dollar den jüdischen Nobelpreisträger Elie Wiesel als öffentlichen Redner und Gesprächspartner einkauft.
Mit seinen schier unerschöpflichen Geldmitteln beteiligt sich Hagee aber auch direkt an der Finanzierung illegaler Siedlungsprojekte im Westjordanland, wie der amerikanische Journalist Max Blumenthal (Republican Gomorrah) herausgefunden hat. In einem seiner mittlerweile berüchtigten Video-Clips kontrastiert Blumenthal die durch die großzügigen Spenden Hagees ermöglichten luxuriösen Lebensverhältnisse in der jüdischen Siedlung Ariel mit dem Elend der in unmittelbarer Nachbarschaft eingepferchten und durch schießwütige Siedler und IDF-Soldaten in ihrer Sicherheit bedrohten Palästinenser, die sich aufgrund fehlender Baugenehmigungen auf immer kleinerem Raum zusammendrängen müssen:
Das Beispiel John Hagees erscheint zunächst wie eine exotische Blüte in der Geschichte des nicht-jüdischen Prozionismus, setzt aber in Wirklichkeit eine lange Kette der Verschwisterung zionistischer und antisemitischer Positionierungen fort, die von Arthur James Balfour über Richard Nixon bis zu Jean Marie LePen hinaufreicht. Trotz seiner ostentativen Israelfreundlichkeit blieb dieser Prozionismus stets radikal gegen die Juden gerichtet - zu Balfours Zeiten, weil er die englischen Juden als fremdes "Gastvolk" markieren sollte, das die britische Staatsangehörigkeit gleichsam nur unter Vorbehalt genieße. Und schlimmer noch in Hagees religiöser Wahnwelt, welche die Juden zum Kanonenfutter im Endzeitkampf gegen den muslimischen Erzfeind erkürt, wofür jede auf Landzugeständnisse beruhende Friedensinitiative zum Unsinn erklärt und Israel für das bevorstehende "Armageddon" bis oben hin mit Waffen vollgestopft werden muss.
Schockierend ist dabei vor allem, wie wenig Anstoß "pro"-israelische Politiker an dieser sich freudig nach Krieg und nuklearer Vernichtung sehnenden christlich-messianischen Bewegung nehmen, die den Holocaust offen als Gottes List bejaht und in Washington trotzdem als eine ernstzunehmende Lobby gilt. Dass ihre Mitglieder genauso wahnsinnig wie ihre Anführer sind, beweist Blumenthal indes mit einer Reihe von Interviews, die er auf seiner "Christians United for Israel Tour" 2007 in Washington sammelte. Und wie bei allen seinen Videos kann man sich auch hier trotz - oder gerade wegen - all des rechten Irrsinns, den er vorführt, ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen:
Wir haben für blogsport.eu jetzt eine Captcha-Lösung installiert, die die Login-Seite nach drei vergebl. Versuchen für den restl. Tag sperrtabout 1 week agofrom TweetDeck
Letzte Kommentare
rhizom, rhizom, Nörgler, rhizom, alkohol, alkohol [...]
alkohol, Camille Brennan, rhizom, alkohol, alkohol, rhizom [...]
alkohol, ceilidh, rhizom, ceilidh, rhizom, Alice [...]
rhizom, Ben
Aisha England, Gulliver, rhizom, Gulliver, earendil, Herr Knecht [...]