Was mich an diesen ganzen von ehemaligen Antifas organisierten Antikap-Demos, die jetzt wieder Hochkunjunktur haben, stört, ist die Abwesenheit jeder Perspektive, die auf den Begriff der Klasse und damit das Verhältnis von “unten und oben” reflektiert. Es ist, als wollten die schönen Eloi endgültig nichts mehr mit den hässlichen Morlocks zu tun haben. Kapitalismus wird von einem abstrakten Außen, dem Standpunkt des “freischwebenden Intellektuellen” (Mannheim), kritisiert, der sich über die “Immanenz” von Klassenkämpfen theoretisch längst erhaben weiß. Und dann stellen sich diese Leute auch noch ernsthaft die Frage, warum sie fast nur Mehrheitsdeutsche anziehen. Ob das denn daran läge, dass sie ihr “Weißsein” nicht genug reflektierten. Schließlich richten sie kritische Lesekreise zu dem Thema ein, schaffen damit noch mehr Bildungshürden und wundern sich, warum sie weiter unter sich bleiben, während die in letzter Zeit überall aus dem Boden schießenden Roten Antifas, die noch nie in ihrem Leben was über “Critical Whiteness” gehört haben, von migrantischen Jugendlichen nur so überrannt werden.