Archiv für das 'antideutsche'-tag

Burn, u feminists! oder: Der westlich-weiße Mann als Festung der Moderne

Das gesamte moderne Verständnis von Mensch und Natur wäre ohne die Hexenverfolgung undenkbar – die Scheiterhaufen der Hexenverfolgung waren das Zündfeuer für die Fackel der Aufklärung. Das spätere bürgerliche Subjekt schmiedete in dieser Zeit seine Freiheit und Autonomie.

— Martin Dornis in der (lacht nicht!) feministischen Zeitschrift outside the box, zit. n. Carsten Weber, “Festung MWW“.

Das Regierungssystem der Antideutschen

Es ist irgendwie ganz lustig, dass jedes Mal, wenn man die Antideutschen kritisieren will, sie sich immer ganz furchtbar differenziert geben. Auf einmal gibt es “die” Antideutschen gar nicht mehr. Komischerweise war von dieser Differenzierung bei den antideutschen Wortmeldungen, die auf der Veranstaltung “Rechtspopulismus und die Linke” am Samstag getätigt wurden, in der Realität überhaupt nichts zu spüren. Der offene Kulturrassismus gegenüber Muslimen, die latente Befürwortung imperialistischer Kriege und die aggressive Apologie der israelischen Besatzungspolitik mit Hinweis auf den Antisemitismus “der Araber” waren der Tenor nahezu aller Beiträge aus dieser Hälfte des Publikums. Ich kann daraus nur eines schließen: Entweder meldet sich in der Öffentlichkeit regelmäßig nur eine Fraktion der Antideutschen zu Wort, während die andere ziemlich konsequent schweigt, oder es ist immer noch so furchtbar einfach, wie es vor sechs Jahren war, als ein kritisches Mitglied der Bewegung (und kaiserkritisch sind sie ja fast alle) dieses schöne Schaubild erstellte:

Das politische System der antideutschen Konferenz

Unter «Antideutschen»

Hintergrund, 22. Nov. 2011:

Auch [...] Silke O. möchte endlich aufräumen mit der „FriedensIslamAntiglobalisierungbewegung“. Daher fordert sie auf ihrer Homepage die Schließung des Fachbereichs Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Marburg („antiamerikanische Israel-Hasser“). Ostermarschierern, die gegen „die Bundeswehr in Afghanistan und die Anti-Terror-Kriege im allgemeinen“ demonstrieren, möchte Silke O. „abwechselnd die Fresse und den Hintern verkloppen“. Und obwohl Ex-Kanzler Gerhard Schröder den Vereinigten Staaten nach 9/11 die „uneingeschränkte Solidarität Deutschlands“ versicherte, zählt Silke O. sogar ihn zu den Feinden der westlichen Zivilisation. Sein Vergehen: „Tatkräftiges Engagement für die islamische Barbarei“ und „Hass auf die Moderne“. Wer immer noch nicht erahnt, für welche politischen Kräfte Silke O. ihr Herz erwärmen kann: Ein Jihad-Watch-Video auf ihrer Homepage mit einem Gespräch zwischen Geert Wilders und Robert Spencer, dem Jetset der internationalen militanten Islam-Hasser-Front, gibt beredt Aufschluss.

Kommunistische Assoziation Hamburg, 15. Dez. 2011:

Den Vorwurf des Verrats [...] schafft man sich mit der Behauptung vom Hals, „weder Antideutsche noch Antiimps tragen zur gesellschaftlichen Emanzipation bei“ (Anarchistische Gruppe Rätekommunisten). Radikal für totalitären Kapitalismus, neoimperialistische Raubzüge, Folter und Massenmord im Namen der Zivilisation zu sein, das ist nicht gut, aber radikal dagegen zu sein, auch nicht – so flüchten die sozialdemokratisierten Linken ab durch die Mitte.

via schmok

Berlin: Rechtspopulismus und die Linke

Die bisherige Geschichte der BRD ist ohne die Existenz rechtsradikaler Parteien undenkbar. Richtete sich deren Rassismus über viele Jahrzehnte gegen “die Ausländer” schlechthin, entwickelte sich nach dem 11. September 2001 im rechten Lager eine Strömung, die sich auf den Kampf gegen Muslime spezialisierte. Das Besondere daran sind die ideologischen Schnittstellen zu Strömungen der Linken. Deren offene Flanke ins rechtspopulistische Lager ist das Resultat eines Jahrzehnts “antideutscher” Debatten. Was als Kritik an der vorgeblichen “Volksnähe” von klassenkämpferischen Positionen begann, hat sich längst in ein kulturrassistisches Aussteigerprogramm für angebliche Ideologie­kritiker_innen gewandelt. Bislang scheint die Linke nicht fähig oder willens, sich dieser Entwicklung zu stellen und die Flanke ins rechtspopulistische Lager zu schließen. Um eine überfällige Debatte über diesen Zustand zu befördern, laden wir am 17. Dezember 2011 um 19 Uhr zu einem TREND-Teach-in im Mehringhof ein.

Es diskutieren:
Gerhard Hanloser (Sozialwissenschaftler)
Bernhard Schmid (Jurist)
Attila Steinberger (Publizist)

Moderation: Georg Klauda, Karl-Heinz Schubert

Veranstalter_innen:
Trend Onlinezeitung: http://www.trend.infopartisan.net/
North East Antifa (NEA): http://nea.antifa.de/

» Veranstaltung auf Facebook

Die autoritäre Sehnsucht im deutschen Sprechgesang

Der deutsche Sängerbarde Koljah hat Ende vergangenen Jahres ein Lied mit einem Mordaufruf gegen den Kabarettisten und “Islamversteher” Hagen Rether veröffentlicht. Anders B. lässt grüßen:

Und da mal ein ganz praktischer Aufruf: Wenn ihr seht, dass Koljah in eurem Jugendclub spielen soll, seid doch bitte so freundlich und macht die Veranstalter darauf aufmerksam, dass ihr es – gerade nach Norwegen – nicht besonders cool findet, jemand einzuladen, der sich auf seinem Solo-Album einen Attentäter gegen linke Sozialdemokraten herbeiwünscht, nur weil sie es wagen, sich öffentlich gegen Krieg und Rassismus zu stellen.

via Schreiben für die Welt

Verantaltungshinweis Berlin

Neue Reden an die deutsche Nation. Über die linke “Türken Raus!”-Ideologie

Veranstaltung zur ideologischen Verstrickung rechter und linker “Islamkritik”

Hat sich eine linke Gruppierung mit ihrer Ahmedinejadsympathie 2009 unmöglich und lächerlich gemacht, folgen ihnen spätestens 2011 die linksnationalen Islamkritiker mit ihrem ewigen Islamkram.

Nicht nur weltgeschichtliche Ereignisse ereignen sich zweimal, zuerst als Tragödie, dann als Farce, auch auf idealistische Wirklichkeits­zugänge trifft das zu. Schwor Fichte noch die deutsche Nation auf den französischen Feind ein, so hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Nation gilt weiterhin [als] das Subjekt der Geschichte und die Menschen [werden] feinsäuberlich in Kollektive einsortiert, woraus auch alles entspringt: die Sitten, die Kultur und schließlich der ökonomische Stand.

Im Vortrag von Attila Steinberger wird es nicht um Fichte und den Hass auf die Franzosen, sondern vielmehr um den linksnationalen Idealismus in seiner islamkritischen Verfallsform und ihrem selbstgesetzten Hass auf Moslems unter dem Deckmantel der “Feindaufklärung” gehen.

Org: North East Antifascists (NEA)
Veranstaltung auf Facebook
Mo., 29. August 2011 | 19:00 Uhr | Café Morgenrot | Kastanienallee 85 | Berlin

via zusammen handeln

“Mit Walter Benjamin für die FPÖ und Geert Wilders”

Ein gut recherchierter Artikel von Susann Witt-Stahl ordnet das “anti”deutsche Phänomen in den ideologischen Gesamtkontext der neuen Rechten ein:

Fundamentalist J. Hagee

Fundamentalist J. Hagee

Viele Christen glauben, der in der Bibel prophezeite Endkampf zwischen Gut und Böse habe bereits begonnen. Schauplatz ist Israel. Entschieden wird er zwischen „wahren Juden“ und „teuflischen Arabern“ – durch einen Atomkrieg. Der hat (noch) nicht stattgefunden. Aber ein Propaganda­krieg ist in vollem Gange: Neue Rechte, Rechtskonservative, „anti­deutsche“ und andere Neokonservative eröffnen mithilfe einiger Noch-Linker eine neue politische Front: „Für die Verteidigung Israels und der Juden“, schallt der Schlachtruf aus der FPÖ, von der Achse des Guten und sogar vom rechten Rand der Linkspartei. „Umma-Sozialisten“ (Islamisten) und Antiimperialisten sind für sie die Nazis von heute. Daher verlaufe die Grenze nicht mehr zwischen rechts und links, oben und unten, sondern zwischen „zivilisiertem Westen“ und „barbarischem Islam“. Muslime, Antikapitalisten, linke Israel-Kritiker, besonders jüdische, und die Friedensbewegung sind die neuen Feinde; Antisemitismus-Vorwürfe die neuen Waffen. Die kommen mittlerweile so massiv und willkürlich zum Einsatz, dass die französischen Philosophen Alain Badiou und Eric Hazan in ihrer Streitschrift „L’antisémitisme partout“ von einer „neuen Inquisition“ sprechen. Die politischen Koordinaten sind mittlerweile völlig durcheinandergeraten. Badiou und Hazan erwarten sogar, dass „linke Intellektuelle demnächst vom Front National als Antisemiten behandelt werden“.

(Weiterlesen…)

Über die ideologischen Verstrickungen rechter und linker “Islamkritik”. Teil 1

Es ist nicht wirklich neu, dass sich Vertreter der sog. “anti”deutschen Strömung, einer islamfeindlichen Fraktionierung innerhalb der deutschen Linken, seit geraumer Zeit an rechte Populisten heranschmeißen. Das gemeinsame Feindbild “Moslem” hilft, die ideologischen Gräben zwischen links und rechts zu überbrücken und eine neue Querfront zu begründen. So attestierte, um ein Beispiel zu nennen, das als zentraler Ideologiegeber der “Anti”deutschen fungierende Frontblatt Bahamas dem berüchtigten Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen bereits 2003, im Besitz “vernünftige[r] Einwände gegen die ungebremste Islamisierung“ französischer Vorstädte zu sein.

Konsequenzen hatten diese regelmäßigen Sympathiebekundungen für Faschisten nie: So störte sich das Leipziger Jugendzentrum “Conne Island” bei seiner jüngsten Ausladung eines Bahamas-Redakteurs nicht etwa an der Nähe der Zeitschrift zur Neuen Rechten und deren rassistischer “Islamkritik”, sondern lediglich an dem pöbelnden Ton, mit dem der Oberwirrkopf der “Anti”deutschen gegen Feministinnen und “hässliche Linke” zu Felde zog.

Bahamas-Karikatur

Bahamas sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Linken und Muslimen

Eine zentrale Rolle für die massenhafte Verbreitung dieser Ideologie spielt die sich selbst als links betitelnde Wochenzeitung Jungle World. Seit zehn Jahren bietet sie Bahamas-Redakteuren, ungeachtet aller Kritik, eine Plattform zur Verbreitung ihrer rassistischen Ansichten. So hob die Zeitung erst unlängst einen Autoren dieser Zeitschrift in die Position des Leiters ihres Dossiers. Nicht von ungefähr erschien dort kurze Zeit später der Vorabdruck eines Kapitels aus dem kulturrassistischen Machwerk Sex, Djihad und Despotie (Maul 2010) – ein Buch, bei dem es sich um den Versuch des Bahamas-Autors Thomas Maul handelt, sich die Thesen des rechtsradikalen Islamwissenschaftlers Hans-Peter Raddatz und seines Werkes Allahs Schleier (Raddatz 2004) für die postantideutsche Ideologiebildung produktiv anzueignen. (Continue...)

Felix Baum: German Psycho. A Meta Comment

So ein Reinfall: Da startet Felix Baum in seinem Artikel German Psycho, der in der amerikanischen Zeitschrift Platypus Review als Antwort auf ein Manifest der Freiburger ISF erschienen ist, zunächst einmal richtig cool durch, indem er sowohl die ideologischen Fehler der antiimperialistischen Linken als auch den “Wahn” aufs Korn nimmt, den die sog. “Antideutschen” vorstellen – und produziert am Ende, statt Erkenntnis, doch selbst nur einen großen blinden Fleck. Baum, der sich als Repräsentant einer dritten, “kosmoproletarischen” Strömung jenseits der “spiegelbildlichen ideologischen Schemata” von Antiimp und AntiD versteht, hält zunächt ein paar richtige Kritikpunkt an beiden fest:

The idea that anti-colonial movements such as the Vietnamese Stalinists under Ho Chi Minh stood for universal emancipation, rather than being harbingers of the state-capitalist modernization of their societies, was shared by the Left, Old and New, the world over. This was ideology in the strict sense: it had a foundation in reality and could thus be criticized. In contrast, only German leftists could come to the conclusion that Ariel Sharon represents a triumvirate of Lenin, Durruti, and Walter Benjamin, and maintain that Israel is a sort of “dictatorship of the proletariat,” an “armed attempt by the Jews to reach communism while still alive.” [Joachim Bruhn] This is not ideology but delusion, and, as such, it can be analyzed, but no longer criticized. Its psychological driving force is a macabre desire for the “revenge for the dead” attributed to Sharon’s politics—as if the West Bank and the Gaza Strip were a retirement home for the SS.

Nachdem er das “Antideutschtum” nicht als Ideologie, sondern als delusion, nicht als fehlerbehaftet, sondern als den Fehler selbst bestimmt hat, geht Baum auch mit dem rohen Antiimperialismus der 70er Jahre ins Gericht: (Continue...)

Epitaph auf die antideutsche Bewegung

In der Linken macht zurzeit das Buch “Antisemit!” Ein Vorwurf als Herrschafts­instrument des deutsch-israelischen Historikers Moshe Zuckermann die Runde. Die Titelverwandtschaft ließe erwarten, dass der Autor dort ansetzt, wo Norman Finkelsteins Antisemitismus als politische Waffe von 2006 offene Fragen hinterließ. Tatsächlich verzichtet Zuckermann aber auf jeden inhaltlichen Querbezug und setzt völlig neu an. Der Grund dafür scheint, neben einer zehn Jahre alten Kritik an Finkelsteins umstrittenem Werk Die Holocaust-Industrie, vor allem ein methodischer zu sein. Zuckermann, der sein Denken zu Wohl und Wehe der Kritischen Theorie verdankt, stützt sich nicht, wie Finkelstein, auf eine Analyse der der Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs zugrundeliegenden Interessen, sondern sattelt statt­dessen das Pferd der Psychoanalyse, um gegen die ideologische Affirmation von Herrschaft und Gewalt in die Schlacht zu ziehen. Die Erkundung der psychologischen Konstitution politischer Identitäten verhilft dabei zu einigen neuen und unerwarteten Einsichten wie etwa der folgenden (162f.) über die bei Zuckermann an vorderster Front figurierenden “Antideutschen”: (Continue...)


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