Was mich an diesen ganzen von ehemaligen Antifas organisierten Antikap-Demos, die jetzt wieder Hochkunjunktur haben, stört, ist die Abwesenheit jeder Perspektive, die auf den Begriff der Klasse und damit das Verhältnis von “unten und oben” reflektiert. Es ist, als wollten die schönen Eloi endgültig nichts mehr mit den hässlichen Morlocks zu tun haben. Kapitalismus wird von einem abstrakten Außen, dem Standpunkt des “freischwebenden Intellektuellen” (Mannheim), kritisiert, der sich über die “Immanenz” von Klassenkämpfen theoretisch längst erhaben weiß. Und dann stellen sich diese Leute auch noch ernsthaft die Frage, warum sie fast nur Mehrheitsdeutsche anziehen. Ob das denn daran läge, dass sie ihr “Weißsein” nicht genug reflektierten. Schließlich richten sie kritische Lesekreise zu dem Thema ein, schaffen damit noch mehr Bildungshürden und wundern sich, warum sie weiter unter sich bleiben, während die in letzter Zeit überall aus dem Boden schießenden Roten Antifas, die noch nie in ihrem Leben was über “Critical Whiteness” gehört haben, von migrantischen Jugendlichen nur so überrannt werden.
Archiv für die 'Schrecklicher Verdacht' Kategorie
The Corporation (2003) ist ein zweieinhalbstündiger, mit Preisen überschütteter Dokumentarfilm von Mark Achbar and Jennifer Abbott, der ausgehend von der Definition der Kapitalgesellschaft als juristischer Person eine schneidende Kritik des gegenwärtigen, “korporativen” Kapitalismus und seiner sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Verheerungen entwickelt. Der Film basiert auf dem Buch The Corporation: the pathological pursuit of profit and power von Joel Bakan. Hier der Trailer:
Der Film ist segensreicher Weise komplett auf Youtube anzusehen (und hier sogar mit deutschen Untertiteln). Es lohnt sich!
“A child of textile mill workers reacts to recent news about a certain would-be president and how he’s earned his millions.”
Antimuslimischer (Kultur-)Rassismus wird von Neokonservativen, bürgerlichen Nazigegnern und „Ideologiekritikern” ebenso verbreitet wie von Neuen Rechten und Nazis. Erklären lässt sich dieser gesellschaftliche Hass-Konsens nur, wenn die aggressive Hetze gegen den Islam, Muslime und deren angeblichen „Umma-Sozialismus” nicht allein als eine Form von Fremdenfeindlichkeit, sondern auch als Legitimationsideologie für neoimperialistische Kriege analysiert und ihre Verknüpfung mit dem Antikommunismus in den Fokus genommen wird.
Diskussionsveranstaltung mit:
Prof. Dr. Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)
Susann Witt-Stahl, Journalistin und Autorin, Hamburg
Dr. Sabine Schiffer, Leiterin Institut für Medienverantwortung, Erlangen
Moderation: Markus Bernhardt (junge Welt)
Veranstalter: junge Welt & Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)
17.04.2012, Beginn 19:00 Uhr
jW-Ladengalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin
Aus der Debatte um den republikanischen Antikriegskandidaten Ron Paul und die von ihm zwar nicht selbst verfassten, aber mit seinem Namen versehenen Newsletter aus der Zeit zwischen 1989 und 1994 hebt sich vor allem ein Text der liberalen Zeitschrift reason positiv hervor. Im Unterschied zu den interessierten Skandalartikeln von Neokonservativen und jenes kleinen Kreises linker Bellizisten, den es bedauerlicherweise auch in den USA gibt, spricht er nämlich ehrlich aus, wie nicht nur Dr. Pauls Ghostwriter vor 20 Jahren, sondern ein Großteil der gesamten Republikanischen Partei bis heute tickt. Um es gleich vorwegzunehmen: es geht darum, dass Rassismus in den letzten Jahrzehnten für einen systematischen Angriff auf den Sozialstaat instrumentalisiert wurde, indem man stets aufs Neue das Ressentiment der “Rednecks” – der sich über ihre Hautfarbe identifizierenden Mitglieder der weißen Arbeiterschaft des Südens – gegen die afroamerikanische Unterschicht mobilisierte. “Die Ordnung”, ließ sich etwa einer der Newsletter von Ron Paul & Associates im Jahr nach den Rodney King Riots von 1992 vernehmen, “wurde in L.A. erst wiederhergestellt, als es für die Schwarzen Zeit wurde, ihre Wohlfahrtsschecks abzuholen.” Die Autoren Julian Sanchez und David Weigel von reason situieren diesen Rassismus in einem größeren strategischen Kontext: (Continue...)
Mmh, was passiert eigentlich, wenn ein Präsidentschaftskandidat in den amerikanischen Vorwahlen Stellung gegen Krieg, Folter und Imperialismus bezieht und damit erstaunlich großen Zuspruch von den registrierten Wähler_innen seiner Partei erhält? Mmh, mal überlegen… Das hier?
Die Vorratsdatenspeicherung, hier gerade groß in der Diskussion, ist bei amerikanischen Blog-Providern wie WordPress.com schon seit Jahren Realität. Und das obwohl es sich gar nicht um ein Unternehmen der TK-Branche handelt (Telefon, E-Mail, Internet-Zugang), sondern um einen Anbieter von Web-Hosting-Diensten, den die Verbindungsdaten seiner Nutzer_innen gar nichts angehen. Die Speicherung solcher Informationen wäre nach deutschem Recht sogar strafbar, sofern für ihre Erfassung keine abrechnungstechnische Notwendigkeit besteht. (Und die gibt es bei einem Host-Provider praktisch nie.) (Continue...)
According to the poll, 89% of Muslim Americans say there is never a justification for attacks on civilians, compared to 79% of Mormon Americans, 75% of Jewish Americans, and 71% of Protestant and Catholic Americans. [...] Despite this surprisingly high Muslim opposition to attacks against civilians, most Americans of other faiths, according to the poll, feel Muslim Americans do not speak out often enough against terrorism.
(Ha’aretz, 2 Aug 2011.)
Der rechte konservativ-christlich-abendländische Schriftsteller Richard Wagner stimmt auf der Achse des Guten ein «Kurzes Lob der Islamophobie» an:
Sie wollen wissen, worin der Unterschied zwischen einem Antisemiten und einem Islamophoben wie mir besteht? [...]
Der Antisemit glaubt, sein gesellschaftlicher Status sei durch die Juden gefährdet, der Islamophobe hingegen sieht die Freiheit, und damit die Grundlagen der offenen Gesellschaft durch den Islam als politische Religion bedroht. [...]
Nun zu den rechten Islamophoben. Diese nennen sich in der Regel selbst nicht rechts, sie werden vielmehr als rechts bezeichnet und bezichtigt. Die meisten rechts und rechtspopulistisch genannten Islamophoben sind nichts weiter als konservativ und abendländisch, christlich. Die linken Islamophoben hingegen sind Leute, die die humanistischen Prinzipien durch den Islam und seine Rechts- und Geschlechtervorstellungen gefährdet sehen.
Gemeinsam ist den rechten und linken Islamophoben die Verteidigung des Staates Israel ohne Wenn und Aber [...]
Bislang dachte ich immer, der Begriff der Islamophobie sei irreführend, da er den Rassisten «Angst» (statt Chauvinismus und Imperialismus) als treibendes Motiv unterstellt. Da ich mich nun aber von Wagner eines Besseren belehren lassen musste, hier eine kurze Vertonung seiner Argumente:




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