Archiv für die 'Schrecklicher Verdacht' Kategorie
First of all, it's sheer bullshit. You cannot statistically compare reactions to a concept like "race" that operates differently in completely different regional contexts. For instance, in Germany (and perhaps throughout Europe) it's inseparably connected with Nazi race ideology which sent millions of people to the gas chambers, whereas in the U.S. it's kind of a politically neutral term made to denote "skin color." Even funnier, if you go back to the past, race in the French context could denote something like class consciousness, for the aristocracy had invented itself as a "race" apart from the common people. And who knows exactly what race is made to denote in India, Africa or the Arab peninsula? But what we know exactly, especially from the German context, is that "racism" does not cease to exist with the concept of race becoming unutterable and culturally taboo. It can be replaced by terms like "culture" or "place of origin."
So, after all, what is the ideological statement of this ridiculous map? Its assertion is that "fair-skinned" people are the vanguard of tolerance and enlightenment, whereas the dark-skinned are "still racist" to the fullest. Towards whom? We don't know. Traditionally, racism is the ideology of white power over the other in the framework of colonial conquest, imperialism and the historical aftermath of slavery. What this map tries to accomplish then is to turn this power relationship upside down in order to renew the ideology of "white man's burden" to civilize the backward (= darker-skinned) people, although, ironically, this time in the global fight against "racial prejudice."
Der sechzehnte Ming-Kaiser, Xizong, der 1627 einunzwanzigjährig verstarb, war konventioneller und verteilte seine Aufmerksamkeiten auf zwei getrennte Paläste, einen für seine männlichen, den anderen für seine weiblichen Geliebten. […] Aber Homosexualität war nicht auf Kaiser, Generäle und Höflinge beschränkt. Laut einem Ming-Kommentator wurden solche Beziehungen manchmal in die traditionelle konfuzianische Familienordnung integriert. Shen Defu (1578–1642) berichtet davon, wie männliche Paare in der südlichen Provinz Fujian häufig in einer Art von gleichgeschlechtlicher Ehe zusammenlebten:
„Fujianesische Männer sind extrem verliebt in männliche Schönheit. Egal wie reich oder arm, hübsch oder hässlich, sie alle finden einen Gefährten ihres Standes. Zwischen den beiden wird der ältere als ‚gebundener [adoptierter] älterer Bruder‘ (qixiong), der jüngere als ‚gebundener jüngerer Bruder‘ (qidi) bezeichnet. Wenn dieser ältere Bruder in das Haus des jüngeren geht, geben die Eltern des letzteren auf ihn acht und lieben ihn wie einen Schwiegersohn. Und die Unkosten des jüngeren Bruders, einschließlich jene seiner Heirat, werden alle vom älteren gedeckt. Sie lieben einander und schlafen noch im Alter von dreißig gemeinsam im selben Bett wie Ehemann und –frau.“
Obwohl solche Vereinigungen manchmal zwanzig Jahre dauern konnten, war es dennoch notwendig, dass die Männer heirateten, ihre konfuzianischen Familienpflichten erfüllten und den Ahnenkult aufrechterhielten. „In der ganzen Geschichte“, fragt ein Mann in einer Erzählung über männliche Liebe, „hat es da jemals einen Präzedenzfall zweier Männer gegeben, die ihr Leben gemeinsam beschlossen?“ Nichtsdestoweniger war Shen Defu von der Hingabe beeindruckt, die solche Paare häufig zeigten. „Diese Passion kann so tief sein, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass zwei Liebende, die es unmöglich finden, ihre Beziehung fortzusetzen, sich aneinander festbinden und gemeinsam ins Wasser gehen.“ Diese fujianesischen Paarbildungen wurden häufig nanfeng (der südliche Brauch) genannt, in einem Kalauer auf das Wort nan, dass sowohl „männlich“ als auch „südlich“ bedeuten kann.
Unter der Ming-Dynastie entwickelte China seine ersten wichtigen Kontakte mit dem Westen, und zwei Zivilisationen lernten einander mit Erstaunen, Bewunderung und Abscheu kennen. Im Jahr 1557 errichteten portugiesische Händler eine Siedlung in Macao, und westliche Missionare unternahmen ihre ersten systematischen Anstrengungen, China zu bekehren. Diese katholischen Missionare, hauptsächlich spanische, italienische und portugiesische Jesuiten und Dominikaner, kamen aus Ländern, wo Sodomiten immer noch routinemäßig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die chinesische Toleranz versetzte sie in einen tiefen Schockzustand. Für diese andächtigen Priester erschienen die Flammen der Inquisition unendlich wünschenswerter als die Flammen der Lust, ja sogar der Liebe und Zuneigung in einer solch heterodoxen Form. (Click here to continue…)
Im Artikel „Hysterische FemiNinjas – Lacan und die A,B,C,… N-Wörter“ interveniert die Autorin mit ein paar ungewohnten Gedanken in die unsägliche N-Wort-Debatte und macht folgenden praktischen (Gegen-)Vorschlag:
Wir benennen was wir sehen. Wir erfinden tolle neue Worte, um Dinge auszudrücken, die uns bisher zu unsichtbar waren und die wir in die Sichtbarkeit heben wollen. Und wenn wir einem Wort begegnen, das nichts-sagend geworden ist, oder von dem wir wollen, dass es nichts-sagend wird, dass es in Bälde keine_r mehr kennen soll, dann sagen wir es nicht mehr, ohne von anderen zu fordern, dass sie dies auch tun mögen. Denn Diskursmacht lässt sich nicht über “politische Korrektheit” steuern oder auch nur beeinflussen und genau darin besteht meines Erachtens der Fehlschluss: Ja, Sprache spiegelt Machtstrukturen und veränderte Sprache verändert Machtstrukturen. ABER ich verändere doch keine Machtstrukturen, indem ich Menschen auffordere gewisse Worte nicht mehr zu benutzen. Ich verändere, indem ich sie nicht mehr benutze. Ich wünsche mir von den anderen zwar, dass sie auch damit aufhören und dass sie sich echauffieren, wenn andere es tun. Aber das erreiche ich doch nicht durch Aufforderung. Mit ein bisschen Einsicht in Diskursanalyse sieht man die Homologie zwischen der Aufforderung “Sag doch einfach N-Wort” und “Tritt doch einfach zurück, despotischer Herrscher und let my people go”. Klar kann man das sagen. Meines Erachtens habt ihr auch inhaltlich Recht damit. Aber es nützt nichts. Ich finde es traurig, dass es nichts nützt. Aber es nützt nichts. Was etwas nützt aber ist paradox: Da brüllen rassistische Menschen aberdutzende Male N durch die Massenmedien und – schwupps – werden PoC in Deutschland endlich mal wieder sichtbar. Das finde ich großartig. Und deshalb empfinde ich jedes Mal diese paradoxe un-heim-liche Vorfreude, diese schamesrote Erregung, wenn jemand mal wieder N in die Debatte brüllt, weil dadurch etwas sichtbar wird; denn so funktioniert Diskursmacht; denn sie funktioniert nicht über Appelle, Verbote, Regelungen und Bitten, egal ob freundliche oder angry ones mit oder ohne Ton-argument.
Bei der taz-Kolumne von Deniz fällt mir immer wieder der alte Text von Slavoj Žižek mit dem witzigen Titel ein: „Gibt es ein perverses Genießen in der Politik?“ (in Jahrbuch für klinische Psychoanalyse, Bd. 1: Perversion). Und um gleich ein mögliches Missverständnis auszuräumen: Perversion bezeichnet in der lacanschen Tradition keine „sexuelle Abweichung“, sondern eine von drei fundamentalen Arten des Genießens, konkret die, sich an den entsetzten Blicken von Leuten zu erfreuen, deren Tabugrenzen man gerade übertritt. Etwa indem man ganz oft das N-Wort sagen muss, weil Leute das jetzt problematisieren; oder indem man den Kolonialismus in seinen „positiven“ Aspekten hochleben lässt, wenn Menschen beginnen, der 60 Millionen Verhungerten zu gedenken, die er allein am Ende des 19. Jahrhunderts gefordert hat (siehe Mike Davis: Die Geburt der Dritten Welt).
Perverses Genießen in der Politik ist für Žižek die prototypische Haltung der neuen Rechten, die die „Political Correctness“ verspottet und Herrschaftsverhältnisse affirmiert, nur weil sie es kann. Jeder soll den großen Pimmel bewundern, mit dem sich das in der Rolle des Outlaws gefallende herrschaftliche Subjekt exhibitionistisch über die Grenzen hinwegsetzt, die ihm die Subalternen auf ihrem Weg nach oben ziehen wollen. Es funktioniert aber nur so lange, wie es ein linkes hysterisches Gegenüber gibt, das sich an die Schwanzparade der weißen, männlichen, heterosexuellen und auch sonst recht gut bestückten neoliberalen Rebellen von achgut.com, kreuz.net und wie-sie-alle-heißen noch nicht gewöhnt hat. Ich jedenfalls fand die laue Kopie, die sich die TAZ für diese gähnend langweilige Anti-PC-Tour vor Jahren ins Blatt geholt hat (natürlich mit mindestens einem askriptiven Diskriminierungsmerkmal!), schon immer einfach nur: unspannend.
Statistischen Vergleichen zufolge habe Schweden die zweithöchste Vergewaltigungsrate der Welt, 30 Mal so hoch wie die von Indien. In den letzten sieben Jahren habe sich diese Rate sogar beinahe verdreifacht. Ein sogenanntes Faktum, das von der US-Feministin Naomi Wolf in der Assange-Affäre auf eine angeblich distinkte schwedische Vergewaltigungskultur zurückgeführt wurde, von der schwedischen Schriftstellerin und „Islamkritikerin“ Ingrid Carlqvist (Triggerwarnung: Breivik-Style-Rassismus) dagegen auf die Zersetzung der schwedischen Volksgemeinschaft durch die Zuwanderung von Muslimen. Ein Artikel der BBC demonstriert, wie in Wahrheit ausgerechnet das gewachsene feministische Bewusstsein, damit einhergehende Gesetzesänderungen mit veränderten Definitionen des Gegenstands und die höhere Bereitschaft, eine Vergewaltigung bei der Polizei auch wirklich anzuzeigen, Schweden binnen Kurzem zum Vergewaltigungsland Nummer 1 in Europa gemacht haben — wenn auch bloß im Spiegel der Statistik.
Mal so:
Also hat die studierte Soziologin Kelek “aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland” erzählt. […] Vom Vater, der ihr, der zweiten Tochter, erst die Teilnahme am Turnunterricht verbot und später jeden Schulbesuch. Von sich selbst erzählt sie, wie sie aufbegehrte und wieder zur Schule durfte, wie sie schließlich die Autorität des Vaters in Frage stellte […]
Cathrin Kahlweit, „Warum nur schauen so viele weg?“ (Süddeutsche Zeitung, 19.05.2010)
Mal so:
Das alles hat mit meinem Vater aber nichts zu tun, denn mein Vater war nicht so religiös, nicht so hörig, und gerade deshalb bin ich Vaters Tochter. Er wollte ja, dass ich lerne, er hat mich gezwungen, zur Schule zu gehen, als ich ein Jahr lang als Teenagerin die Schule schwänzte und stattdessen im Bett ‚Vom Winde verweht’ las.
Necla Kelek im Interview mit Alan Posener (Die Welt, 14.03.2011)
«Die Lüge, einmal ein liberales Mittel der Kommunikation, ist heute zu einer der Techniken der Unverschämtheit geworden, mit deren Hilfe jeder Einzelne die Kälte um sich verbreitet, in deren Schutz er gedeihen kann.» (Theodor W. Adorno)
Hat tip to dontyoubelievethehype
Was mich an diesen ganzen von ehemaligen Antifas organisierten Antikap-Demos, die jetzt wieder Hochkunjunktur haben, stört, ist die Abwesenheit jeder Perspektive, die auf den Begriff der Klasse und damit das Verhältnis von „unten und oben“ reflektiert. Es ist, als wollten die schönen Eloi endgültig nichts mehr mit den hässlichen Morlocks zu tun haben. Kapitalismus wird von einem abstrakten Außen, dem Standpunkt des „freischwebenden Intellektuellen“ (Mannheim), kritisiert, der sich über die „Immanenz“ von Klassenkämpfen theoretisch längst erhaben weiß. Und dann stellen sich diese Leute auch noch ernsthaft die Frage, warum sie fast nur Mehrheitsdeutsche anziehen. Ob das denn daran läge, dass sie ihr „Weißsein“ nicht genug reflektierten. Schließlich richten sie kritische Lesekreise zu dem Thema ein, schaffen damit noch mehr Bildungshürden und wundern sich, warum sie weiter unter sich bleiben, während die in letzter Zeit überall aus dem Boden schießenden Roten Antifas, die noch nie in ihrem Leben was über „Critical Whiteness“ gehört haben, von migrantischen Jugendlichen nur so überrannt werden.






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