Archiv für die 'Schrecklicher Verdacht' Kategorie

Explaining the Politics of Migration…

White man’s burden (to teach the dark-skinned how to overcome racial prejudice)

I find it rather disturbing to see a map about "racial tolerance" shared over Facebook which is so deeply racist that it makes me wanna throw up.

First of all, it's sheer bullshit. You cannot statistically compare reactions to a concept like "race" that operates differently in completely different regional contexts. For instance, in Germany (and perhaps throughout Europe) it's inseparably connected with Nazi race ideology which sent millions of people to the gas chambers, whereas in the U.S. it's kind of a politically neutral term made to denote "skin color." Even funnier, if you go back to the past, race in the French context could denote something like class consciousness, for the aristocracy had invented itself as a "race" apart from the common people. And who knows exactly what race is made to denote in India, Africa or the Arab peninsula? But what we know exactly, especially from the German context, is that "racism" does not cease to exist with the concept of race becoming unutterable and culturally taboo. It can be replaced by terms like "culture" or "place of origin."

So, after all, what is the ideological statement of this ridiculous map? Its assertion is that "fair-skinned" people are the vanguard of tolerance and enlightenment, whereas the dark-skinned are "still racist" to the fullest. Towards whom? We don't know. Traditionally, racism is the ideology of white power over the other in the framework of colonial conquest, imperialism and the historical aftermath of slavery. What this map tries to accomplish then is to turn this power relationship upside down in order to renew the ideology of "white man's burden" to civilize the backward (= darker-skinned) people, although, ironically, this time in the global fight against "racial prejudice."

Grinding at School Dance

Mann-männliches Begehren in der Ming-Dynastie bis zum Einbruch der Barbaren

Der sech­zehnte Ming-Kaiser, Xizong, der 1627 ein­unz­wan­zig­jäh­rig ver­starb, war kon­ven­tio­nel­ler und ver­teilte seine Auf­merk­sam­kei­ten auf zwei getrennte Paläste, einen für seine männ­li­chen, den ande­ren für seine weib­li­chen Gelieb­ten. […] Aber Homo­se­xua­li­tät war nicht auf Kai­ser, Gene­räle und Höf­linge beschränkt. Laut einem Ming-Kommentator wur­den sol­che Bezie­hun­gen manch­mal in die tra­di­tio­nelle kon­fu­zia­ni­sche Fami­li­en­ord­nung inte­griert. Shen Defu (1578–1642) berich­tet davon, wie männ­li­che Paare in der süd­li­chen Pro­vinz Fujian häu­fig in einer Art von gleich­ge­schlecht­li­cher Ehe zusammenlebten:

    „Fujia­ne­si­sche Män­ner sind extrem ver­liebt in männ­li­che Schön­heit. Egal wie reich oder arm, hübsch oder häss­lich, sie alle fin­den einen Gefähr­ten ihres Stan­des. Zwi­schen den bei­den wird der ältere als ‚gebun­de­ner [adop­tier­ter] älte­rer Bru­der‘ (qixiong), der jün­gere als ‚gebun­de­ner jün­ge­rer Bru­der‘ (qidi) bezeich­net. Wenn die­ser ältere Bru­der in das Haus des jün­ge­ren geht, geben die Eltern des letz­te­ren auf ihn acht und lie­ben ihn wie einen Schwie­ger­sohn. Und die Unkos­ten des jün­ge­ren Bru­ders, ein­schließ­lich jene sei­ner Hei­rat, wer­den alle vom älte­ren gedeckt. Sie lie­ben ein­an­der und schla­fen noch im Alter von drei­ßig gemein­sam im sel­ben Bett wie Ehe­mann und –frau.“

Obwohl sol­che Ver­ei­ni­gun­gen manch­mal zwan­zig Jahre dau­ern konn­ten, war es den­noch not­wen­dig, dass die Män­ner hei­ra­te­ten, ihre kon­fu­zia­ni­schen Fami­li­en­pflich­ten erfüll­ten und den Ahnen­kult auf­recht­er­hiel­ten. „In der gan­zen Geschichte“, fragt ein Mann in einer Erzäh­lung über männ­li­che Liebe, „hat es da jemals einen Prä­ze­denz­fall zweier Män­ner gege­ben, die ihr Leben gemein­sam beschlos­sen?“ Nichts­des­to­we­ni­ger war Shen Defu von der Hin­gabe beein­druckt, die sol­che Paare häu­fig zeig­ten. „Diese Pas­sion kann so tief sein, dass es nicht unge­wöhn­lich ist, dass zwei Lie­bende, die es unmög­lich fin­den, ihre Bezie­hung fort­zu­set­zen, sich anein­an­der fest­bin­den und gemein­sam ins Was­ser gehen.“ Diese fujia­ne­si­schen Paar­bil­dun­gen wur­den häu­fig nan­feng (der süd­li­che Brauch) genannt, in einem Kalauer auf das Wort nan, dass sowohl „männ­lich“ als auch „süd­lich“ bedeu­ten kann.

Unter der Ming-Dynastie ent­wi­ckelte China seine ers­ten wich­ti­gen Kon­takte mit dem Wes­ten, und zwei Zivi­li­sa­tio­nen lern­ten ein­an­der mit Erstau­nen, Bewun­de­rung und Abscheu ken­nen. Im Jahr 1557 errich­te­ten por­tu­gie­si­sche Händ­ler eine Sied­lung in Macao, und west­li­che Mis­sio­nare unter­nah­men ihre ers­ten sys­te­ma­ti­schen Anstren­gun­gen, China zu bekeh­ren. Diese katho­li­schen Mis­sio­nare, haupt­säch­lich spa­ni­sche, ita­lie­ni­sche und por­tu­gie­si­sche Jesui­ten und Domi­ni­ka­ner, kamen aus Län­dern, wo Sodo­mi­ten immer noch rou­ti­ne­mä­ßig auf dem Schei­ter­hau­fen ver­brannt wur­den. Die chi­ne­si­sche Tole­ranz ver­setzte sie in einen tie­fen Schock­zu­stand. Für diese andäch­ti­gen Pries­ter erschie­nen die Flam­men der Inqui­si­tion unend­lich wün­schens­wer­ter als die Flam­men der Lust, ja sogar der Liebe und Zunei­gung in einer solch hetero­do­xen Form. (Click here to continue…)

Hysterie-Perversion, Diskursmacht und die N-Wort-Debatte

Im Arti­kel „Hys­te­ri­sche Femi­Nin­jas – Lacan und die A,B,C,… N-Wörter“ inter­ve­niert die Auto­rin mit ein paar unge­wohn­ten Gedan­ken in die unsäg­li­che N-Wort-Debatte und macht fol­gen­den prak­ti­schen (Gegen-)Vorschlag:

Wir benen­nen was wir sehen. Wir erfin­den tolle neue Worte, um Dinge aus­zu­drü­cken, die uns bis­her zu unsicht­bar waren und die wir in die Sicht­bar­keit heben wol­len. Und wenn wir einem Wort begeg­nen, das nichts-sagend gewor­den ist, oder von dem wir wol­len, dass es nichts-sagend wird, dass es in Bälde keine_r mehr ken­nen soll, dann sagen wir es nicht mehr, ohne von ande­ren zu for­dern, dass sie dies auch tun mögen. Denn Dis­kurs­macht lässt sich nicht über “poli­ti­sche Kor­rekt­heit” steu­ern oder auch nur beein­flus­sen und genau darin besteht mei­nes Erach­tens der Fehl­schluss: Ja, Spra­che spie­gelt Macht­struk­tu­ren und ver­än­derte Spra­che ver­än­dert Macht­struk­tu­ren. ABER ich ver­än­dere doch keine Macht­struk­tu­ren, indem ich Men­schen auf­for­dere gewisse Worte nicht mehr zu benut­zen. Ich ver­än­dere, indem ich sie nicht mehr benutze. Ich wün­sche mir von den ande­ren zwar, dass sie auch damit auf­hö­ren und dass sie sich echauf­fie­ren, wenn andere es tun. Aber das errei­che ich doch nicht durch Auf­for­de­rung. Mit ein biss­chen Ein­sicht in Dis­kurs­ana­lyse sieht man die Homo­lo­gie zwi­schen der Auf­for­de­rung “Sag doch ein­fach N-Wort” und “Tritt doch ein­fach zurück, des­po­ti­scher Herr­scher und let my people go”. Klar kann man das sagen. Mei­nes Erach­tens habt ihr auch inhalt­lich Recht damit. Aber es nützt nichts. Ich finde es trau­rig, dass es nichts nützt. Aber es nützt nichts. Was etwas nützt aber ist para­dox: Da brül­len ras­sis­ti­sche Men­schen aber­dut­zende Male N durch die Mas­sen­me­dien und – schwupps – wer­den PoC in Deutsch­land end­lich mal wie­der sicht­bar. Das finde ich groß­ar­tig. Und des­halb emp­finde ich jedes Mal diese para­doxe un-heim-liche Vor­freude, diese scha­mes­rote Erre­gung, wenn jemand mal wie­der N in die Debatte brüllt, weil dadurch etwas sicht­bar wird; denn so funk­tio­niert Dis­kurs­macht; denn sie funk­tio­niert nicht über Appelle, Ver­bote, Rege­lun­gen und Bit­ten, egal ob freund­li­che oder angry ones mit oder ohne Ton-argument.

Das perverse Genießen der politisch Unkorrekten

Bei der taz-Kolumne von Deniz fällt mir immer wie­der der alte Text von Sla­voj Žižek mit dem wit­zi­gen Titel ein: „Gibt es ein per­ver­ses Genie­ßen in der Poli­tik?“ (in Jahr­buch für kli­ni­sche Psy­cho­ana­lyse, Bd. 1: Per­ver­sion). Und um gleich ein mög­li­ches Miss­ver­ständ­nis aus­zu­räu­men: Per­ver­sion bezeich­net in der lacan­schen Tra­di­tion keine „sexu­elle Abwei­chung“, son­dern eine von drei fun­da­men­ta­len Arten des Genie­ßens, kon­kret die, sich an den ent­setz­ten Bli­cken von Leu­ten zu erfreuen, deren Tabu­gren­zen man gerade über­tritt. Etwa indem man ganz oft das N-Wort sagen muss, weil Leute das jetzt pro­ble­ma­ti­sie­ren; oder indem man den Kolo­nia­lis­mus in sei­nen „posi­ti­ven“ Aspek­ten hoch­le­ben lässt, wenn Men­schen begin­nen, der 60 Mil­lio­nen Ver­hun­ger­ten zu geden­ken, die er allein am Ende des 19. Jahr­hun­derts gefor­dert hat (siehe Mike Davis: Die Geburt der Drit­ten Welt).

Per­ver­ses Genie­ßen in der Poli­tik ist für Žižek die pro­to­ty­pi­sche Hal­tung der neuen Rech­ten, die die „Poli­ti­cal Cor­rect­ness“ ver­spot­tet und Herrschafts­verhältnisse affir­miert, nur weil sie es kann. Jeder soll den gro­ßen Pim­mel bewun­dern, mit dem sich das in der Rolle des Out­laws gefal­lende herr­schaft­li­che Sub­jekt exhi­bi­tio­nis­tisch über die Gren­zen hin­weg­setzt, die ihm die Sub­al­ter­nen auf ihrem Weg nach oben zie­hen wol­len. Es funk­tio­niert aber nur so lange, wie es ein lin­kes hys­te­ri­sches Gegen­über gibt, das sich an die Schwanz­pa­rade der wei­ßen, männ­li­chen, hete­ro­se­xu­el­len und auch sonst recht gut bestück­ten neo­li­be­ra­len Rebel­len von achgut.com, kreuz.net und wie-sie-alle-heißen noch nicht gewöhnt hat. Ich jeden­falls fand die laue Kopie, die sich die TAZ für diese gäh­nend lang­wei­lige Anti-PC-Tour vor Jah­ren ins Blatt geholt hat (natür­lich mit min­des­tens einem askrip­ti­ven Diskriminierungs­merkmal!), schon immer ein­fach nur: unspannend.

Wie lügt man mit Statistiken

Sta­tis­ti­schen Ver­glei­chen zufolge habe Schwe­den die zweit­höchste Vergewaltigungs­rate der Welt, 30 Mal so hoch wie die von Indien. In den letz­ten sie­ben Jah­ren habe sich diese Rate sogar bei­nahe ver­drei­facht. Ein soge­nann­tes Fak­tum, das von der US-Feministin Naomi Wolf in der Assange-Affäre auf eine angeb­lich dis­tinkte schwe­di­sche Ver­ge­wal­ti­gungs­kul­tur zurück­ge­führt wurde, von der schwe­di­schen Schrift­stel­le­rin und „Islam­kri­ti­ke­rin“ Ingrid Carl­qvist (Trig­ger­war­nung: Breivik-Style-Rassismus) dage­gen auf die Zer­set­zung der schwe­di­schen Volks­ge­mein­schaft durch die Zuwan­de­rung von Mus­li­men. Ein Arti­kel der BBC demons­triert, wie in Wahr­heit aus­ge­rech­net das gewach­sene femi­nis­ti­sche Bewusst­sein, damit ein­her­ge­hende Geset­zes­än­de­run­gen mit ver­än­der­ten Defi­ni­tio­nen des Gegen­stands und die höhere Bereit­schaft, eine Ver­ge­wal­ti­gung bei der Poli­zei auch wirk­lich anzu­zei­gen, Schwe­den bin­nen Kur­zem zum Ver­ge­wal­ti­gungs­land Num­mer 1 in Europa gemacht haben — wenn auch bloß im Spie­gel der Statistik.

Die Legionen Satans erheben sich…

Die Legionen des Satans erheben sich...

gloria.tv via David Ber­ger (Facebook)

Necla Kelek oder Geschichten aus tausendundeiner Nacht

Mal so:

Also hat die stu­dierte Sozio­lo­gin Kelek “aus dem Inne­ren des tür­ki­schen Lebens in Deutsch­land” erzählt. […] Vom Vater, der ihr, der zwei­ten Toch­ter, erst die Teil­nahme am Turn­un­ter­richt ver­bot und spä­ter jeden Schul­be­such. Von sich selbst erzählt sie, wie sie auf­be­gehrte und wie­der zur Schule durfte, wie sie schließ­lich die Auto­ri­tät des Vaters in Frage stellte […]

Cath­rin Kahl­weit, „Warum nur schauen so viele weg?“ (Süd­deut­sche Zei­tung, 19.05.2010)

Mal so:

Das alles hat mit mei­nem Vater aber nichts zu tun, denn mein Vater war nicht so reli­giös, nicht so hörig, und gerade des­halb bin ich Vaters Toch­ter. Er wollte ja, dass ich lerne, er hat mich gezwun­gen, zur Schule zu gehen, als ich ein Jahr lang als Teen­age­rin die Schule schwänzte und statt­des­sen im Bett ‚Vom Winde ver­weht’ las.

Necla Kelek im Inter­view mit Alan Pose­ner (Die Welt, 14.03.2011)


Pinocchio 1940«Die Lüge, ein­mal ein libe­ra­les Mit­tel der Kom­mu­ni­ka­tion, ist heute zu einer der Tech­ni­ken der Unver­schämt­heit gewor­den, mit deren Hilfe jeder Ein­zelne die Kälte um sich ver­brei­tet, in deren Schutz er gedei­hen kann.» (Theo­dor W. Adorno)

Hat tip to don­ty­ou­be­lie­vethe­hype

It’s the class, stupid!

Was mich an die­sen gan­zen von ehe­ma­li­gen Anti­fas orga­ni­sier­ten Antikap-Demos, die jetzt wie­der Hoch­kun­junk­tur haben, stört, ist die Abwe­sen­heit jeder Per­spek­tive, die auf den Begriff der Klasse und damit das Ver­hält­nis von „unten und oben“ reflek­tiert. Es ist, als woll­ten die schö­nen Eloi end­gül­tig nichts mehr mit den häss­li­chen Mor­locks zu tun haben. Kapi­ta­lis­mus wird von einem abs­trak­ten Außen, dem Stand­punkt des „frei­schwe­ben­den Intel­lek­tu­el­len“ (Mann­heim), kri­ti­siert, der sich über die „Imma­nenz“ von Klas­sen­kämp­fen theo­re­tisch längst erha­ben weiß. Und dann stel­len sich diese Leute auch noch ernst­haft die Frage, warum sie fast nur Mehr­heits­deut­sche anzie­hen. Ob das denn daran läge, dass sie ihr „Weiß­sein“ nicht genug reflek­tier­ten. Schließ­lich rich­ten sie kri­ti­sche Lese­kreise zu dem Thema ein, schaf­fen damit noch mehr Bil­dungs­hür­den und wun­dern sich, warum sie wei­ter unter sich blei­ben, wäh­rend die in letz­ter Zeit über­all aus dem Boden schie­ßen­den Roten Anti­fas, die noch nie in ihrem Leben was über „Cri­ti­cal Whi­ten­ess“ gehört haben, von migran­ti­schen Jugend­li­chen nur so über­rannt werden.


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  • Mi, 3. Jul. : Die Seele als Gefängnis des Körpers. Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno. Jena.

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