Archiv für die 'Non-Bullshit-Marxismus' Kategorie

Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus

Die Totalität des Kapitalismus stellt sich zunächst so dar, daß alle Dinge und Beziehungen zur Ware werden – und das bietet schon genug Anlaß zur Kritik und Entrüstung über die entfremdeten Verhältnisse. Aber die Warenform erklärt uns nicht, warum die Verhältnisse so sind und wo der Ansatzpunkt ihrer Umwälzung liegen kann. Das Rätselhafte der Warenform besteht eben darin, daß sie die wirklichen Zusammenhänge und Grundlagen des Kapitalismus verdeckt. Sie ist ein Moment von Entfremdung und sie ist zugleich ein dichter Nebel, der uns die Kritik der Verhältnisse und ihre Überwindung verbaut. Es ist daher kein Wunder, daß die »Wertkritik« nur zwei gleichermaßen praxislose Auswege aus diesem Dilemma weiß: entweder überläßt sie die Umwälzung der Verhältnisse einer objektiven Gesetzmäßigkeit des ökonomischen Zusammenbruchs (Krisis), oder sie gefällt sich in kulturellem Pessimismus, der alle Praxis als das »Falsche« denunziert.

Die Warenform ist nicht das Ganze der kapitalistischen Gesellschaft und der Wert ist nicht der Universalschlüssel zu ihrer Kritik. Er ist der falsche Ausdruck für eine historisch besondere und widersprüchliche Weise der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens, und er kann nur im Zusammenhang mit diesen historischen, keineswegs ewigen Formen verstanden werden. Heute fallen uns viele dieser Besonderheiten nicht mehr auf, sie springen nicht ins Auge, sondern sind zu Normalitäten banalisiert worden. Die folgende historische Skizze soll daher keine »historische Herleitung« des Kapitalismus darstellen, sondern die Besonderheiten des Kapitalismus umreißen, die auf den Zusammenhang zwischen Warenform (Wert) und Produktionsweise hinweisen. Daran zeigt sich, daß etwas wie Wert als Kategorie und als wirkliches Verhältnis nur existieren kann unter den Bedingungen einer Produktionsweise, die auf dem Gegensatz der Produzenten zu ihren eigenen Produktionsbedingungen und dem Gegensatz zu ihrer eigenen Gesellschaftlichkeit beruht – auf Verhältnissen, die die Warenform notwendig mit einschließen und die zugleich hinter dieser Warenform verschwinden.

» Weiterlesen im Wildcat-Zirkular Nr. 62

Karl Reitter – Zur Kritik der Wertkritik

Zur Vertiefung: Karl Reitter, “Das Kapital wieder lesen. Eine Alternative zur wertkritischen Interpretation.”

Michael Heinrich: Kapital, Kredit, Krise

Eine kurze (40 min.) und verständliche Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise:

[Vierteilige Youtube-Playlist des Vortrags von Michael Heinrich auf dem Kongress "Make Capitalism History", veranstaltet von dielinke.SDS am 2.-4. Okt. 2009, FU Berlin]


Abonniere meine Blog-Updates über RSS, Twitter oder Facebook:


RSS Twitter Facebook

Möhrchen?


Zeig mir, wenn du meinen Blog magst! :)

Buchtipp

On Tour/Vorschau

    There are no events.

Blogsport Diskussionen

Blogsport twittert...