Archive for the ‘Gott ist tot’ Category

»Muslime sind die neuen Katholiken«

Dienstag, März 17th, 2015

Ein neuer Beitrag im ak widmet sich dem Verhältnis von »Religionskritik, Marxismus und der Geschichte des antiklerikalen Kulturkampfs in Deutschland«:

Wenn die maßlose Hetze gegen Muslime heute mit Religionskritik gerechtfertigt wird, dann ruft das keine marxistischen Traditionen wach, sondern die schlimmsten Exzesse des deutschen Liberalismus im Umgang mit seinen selbstgeschaffenen »Anderen«. Es ist genau jene Linke, die die Klassenfrage preisgegeben hat, welche sich jetzt ohne Umschweife daran beteiligt, die Folgen sozialer Desintegration durch Hartz IV in einen Ausdruck zivilisierungsbedürftiger Fremdheit, Rückständigkeit und mangelnder Anpassungsbereitschaft umzudeuten. Dafür steht ihr Projekt der »Islamkritik«, das mit dem Bedürfnis nach Kriegslegitimation begann und in einem disziplinären Projekt für die Unterschichten endet.

Video on Youtube shows gay son coming out to evangelical parents

Mittwoch, September 10th, 2014

Das ist dann wohl die berühmte Nächstenliebe, angewandt auf den eigenen Sohn…

Hintergrund- bzw. Folgeinfos im Independent.

Mein Kommentar dazu…

Dem guten Gott geschuldet. Nietzsches Physiognomie des Christentums

Dienstag, Mai 14th, 2013

Gerade eine der ersten intellektuellen Erfahrungen meiner Jugend wieder aufgefrischt: die Lektüre von Nietzsches „Der Antichrist“. Das ist noch immer eine der interessanteren religionsfeindlichen Schriften, weil seine Kritik im Grunde gar nicht entlang einer atheistischen Argumentation verläuft. Dass Gott eine Illusion ist, versteht sich für den Mann sowieso von selbst. Es geht ihm vielmehr um einen religionspsychologischen Vergleich, der die Ambiguität des jüdischen und islamischen Glaubens herausstreicht, um sie in den Dienst einer Kritik am zum Erbrechen „guten Gott“ der Christenheit zu stellen, dem nicht ganz zufällig eine ebenso boshaft lustfeindliche und verfolgungsträchtige Kirche korrespondiert. Die Kritik am Christentum gibt Nietzsche eine für seine Zeit sehr ungewöhnliche Stoßrichtung, was die Zurückweisung des europäischen Ethnozentrismus und seines Überlegenheitsgefühls gegenüber den „Culturen“ der Anderen betrifft, so etwa auch im historischen Vergleich mit den peinlichen Randbemerkungen von Marx über den Islam, die eine ideologisch verkommene Gestalt wie Stephan Grigat unlängst aus den Tiefen der MEW hervorgebuddelt hat, um mit diesem blödsinnigen argumentum ad verecundiam die rassistischen und imperialistischen Ressentiments seiner „anti“deutschen Leser_innen zu befriedigen.

Als solcher Autoritätsbeweis funktioniert Nietzsche glücklicherweise gerade nicht. Der Mann ist völlig zurecht als ein lupenreiner Reaktionär verschrien. Er bietet zwar durchaus Ansatzpunkte für eine emanzipative Lektüre, weil er stringenter als alle marxistischen Ideologiekritiker die Interessenabhängigkeit jeder Form von Wissen bloßlegte. Und ebenso, weil seine Verachtung für die christliche „Sklavenmoral“ auch eine Kritik an der Staatsuntertänigkeit der deutschen Arbeiterschaft impliziert, sofern sie sich von Appellen an das gute Gewissen einer fiktiven Allgemeinheit die Perspektive einer Besserung ihres materiellen Loses erhofft. Diese Möglichkeit, Nietzsche gegen den Strich zu lesen, ändert jedoch wenig daran, dass er selbst vor allem mit einem beschäftigt war: den Protestantismus als überkommene Legitimationsideologie der Eliten des deutschen Kaiserreichs durch ein neues, aggressives und dem Zeitalter des Imperialismus weitaus angemesseneres System zu verdrängen: den bürgerlichen Sozialdarwinismus und seine Idee von Herrschaft als dem natürlichen Vorrecht des Stärkeren. Seine Schrift „Der Antichrist“ lässt sich so zwar leicht als eine Kritik am christlichen Antijudaismus lesen, ist aber zur gleichen Zeit an allen Ecken und Enden bereits mit den substitutiven Formen des modernen Antisemitismus durchsetzt.

Wer daher im Folgenden die reaktionären Untertöne bemängelt, der möge versichert sein, dass sich hinter meinen Auslassungspunkten die überhaupt erst richtig schlimmen Sudeleien verbergen. Und doch ist das Ganze auf seine Weise ausgesprochen lesenswert: (mehr …)

U.S. Evangelicals Crusading for Homophobia in Africa

Donnerstag, Juli 26th, 2012

The Guardian, 24. Juli 2012 (Übersetzung):

Christlich-evangelikale Gruppen in den USA versuchen sich an einer «kulturellen Kolonisierung» Afrikas und eröffnen Büros in zahlreichen Ländern, um Angriffe auf Homosexualität und Abtreibung zu befördern, so der Untersuchungsbericht einer liberalen Expertenkommission. Amerikanische religiöse Organisa­tionen expandieren ihr Operationsgebiet über den ganzen Kontinent, betreiben Lobby-Arbeit für konservative politische Strategien und Gesetze und fachen Homophobie an, behaupten die Political Research Associates (PRA) mit Sitz in Boston. (mehr …)

„Christian Europe never existed“

Dienstag, Juli 24th, 2012

Everyone knows that religion has crumbled since medieval times when all Europe walked secure in faith and grace. […] [But] in recent years a number of religious historians have assembled evidence that the medieval masses were, in fact, remarkably irreligious, at least in terms of religious participation […]. Andrew Greeley (forthcoming) has summarized these historical conclusions with characteristic succinctness:

    „There is no reason to believe that the peasant masses of Europe were ever very devout Christians, not in the sense that we usually mean when we use these words. There could be no deChristianization as the term is normally used because there was never any Christianization in the first place. Christian Europe never existed.“

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Fundamentalismus ist überall

Dienstag, Dezember 27th, 2011

Dass Fundamentalismus kein kulturelles Ding ist, sondern zum gegenwärtigen Gesicht eines Zeitalters rechnet, das sich einst stolz „wissenschaftlich-technologisch“ nannte, die Probleme von Armut und sozialer Unsicherheit aber so wenig lösen konnte, dass es seit Ende der 70er Jahre zunehmend in neoreligiöser Spinnerei versumpft, das belegen im Kleinen diese verstörenden Bilder aus Bet Schemesch, einer 80.000 Einwohner zählenden Satellitenstadt 30 Kilometer westlich von Jerusalem. Dort haben Ultra-Orthodoxe sich und ihren säkularen Nachbarn in den letzten Jahren eine Hölle auf Erden bereitet: strikte Geschlechtertrennung und Verbannung von Frauen aus der Öffentlichkeit; achtjährige Mädchen, die aufgrund ihres „schamlosen Aufzugs“ als Flittchen beschimpft und angespuckt werden, sowie die Auskunft, dass hier nur Gottes Gesetze Gültigkeit besäßen. Von „small Iran“, wie es im Film heißt, sollte man allerdings lieber nicht sprechen, wenn man nicht die grenzenlose Wut frommer antideutscher Seelen auf sich ziehen will!

Ralf König: Götterspeise

Montag, September 5th, 2011

Bin ja eigentlich nicht so ein Ralf-König-Fan. Aber wo jetzt bald der Papst kommt… Und das ist wirklich gut gemacht! 🙂

Jesus war’s nicht, die Heiden sind es gewesen!

Sonntag, Juli 17th, 2011

… meint man zumindest in der Bahamas, wo sich der Raddatz-Imitator Thomas Maul, den wirren Gedankengängen seines großen Vorbilds folgend, an einer essentialistischen Reinwaschung des Christentums vom historischen Makel des Antijudaismus versucht. Rüdiger berichtet:

Ja, gelesen habe ich bisher: einen wunderbaren Text von Thomas Maul, in dem er die Grundlage nahezu aller Historiker, die über christlichen Antijudaismus schreiben, als irrsinnig entlarvt: Der Vorwurf des Gottesmordes an die Juden ist nicht christlich, sondern heidnisch. Sehr überzeugend, wobei sich natürlich wieder die Frage stellt, ob nicht das als heidnisch identifizierte im Laufe der Jahrhunderte so sehr im Christentum festgesetzt hat, dass es von ihm gar nicht mehr getrennt werden kann. Auf diese Frage weiß aber Maul die Antwort, dass die Kirche zumindest den Widerspruch zwischen Gottesmord und Selbstopfer nicht los wird. Es gibt also im Christentum selbst etwas, dass dem Antijudaismus zutiefst widerstrebt. Maul führt das auch auf den jüdischen Ursprung des Christentums zurück. Da wäre es vielleicht hilfreich, doch noch mal zwischen jüdischen und griechischen Elementen zu differenzieren, aber Maul schreibt selbst, dass es sich um vorläufige Ergebnisse eines längeren Denkprozesses handelt. Außerdem wäre spannend, wie die protestantische Wende gegen den Ablass (der überzeugend als Reaktion auf das Ausbleiben der Wiederkunft des Messias gedeutet wird) in diesem Fall zu beurteilen ist.

Vielleicht sollte der Mann weniger Rotwein trinken und lieber wieder an seinen billigen Amateur-Pornos schnippeln – falls das mit Jesus und dem „wahren Christentum“ nach Maul überhaupt vereinbar ist. 😉

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Samstag, Juli 16th, 2011

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (mehr …)

Jesus never hugged!

Donnerstag, Februar 25th, 2010

Immer wieder ein Faszinosum: die evangelikale Szene in den USA. Im folgenden Youtube-Video wirbt eine religiöse Hiphop-Band für den „Christian side hug“ als Ersatz für die frontale Umarmung (front hug), die man offenbar als furchterregende Gefahr für das Ziel sexueller Enthaltsamkeit betrachtet. Wobei „wirbt“ vielleicht das falsche Wort ist: wer nicht pariert, dem wird ein Schlag ins Koma angedroht…

Wie schon bei der konservativen Teabagger-Bewegung ist man sich vielleicht nicht ganz der Doppeldeutigkeit von Sätzen wie „I’m a rough rider“ bewusst … just saying. 😉

Gefunden hab ich das übrigens bei meinem Lieblings-Vlogger Ray William Johnson, der sich im selben Beitrag auch den republikanischen Senator Chris Buttars vornimmt. (O-Ton Buttars: „I don’t mind gays … but I don’t want them stuffing it down my throat all the time … and certainly in my kid’s face!“) 😀

Und wer noch nicht genug hat: in der aktuellen Folge widmet sich Ray den Äußerungen einer konservativen Kongress-Abgeordneten, die sich öffentlich in pornographischen Phantasien verliert, nur um zu beweisen, dass die Praktik des Analverkehrs für sie nicht in Frage komme, daher irgendwie „nicht normal“ sei und es rechtfertige, gleichgeschlechtliche Paare gegenüber der Heterosexuellen-Ehe zu benachteiligen. Eine Lücke in der Argumentationskette? Hey, das ist eine gottesfürchtige Frau, was erwartet ihr!