Archive for the ‘Gender is not consensual’ Category

Transgender im Süd-Irak (1956)

Dienstag, August 2nd, 2011

Sigrid Westphal-Hellbusch. „Transvestiten : Institutionalisierte Möglichkeiten des Ablehnens üblicher Frauen- und Männerrollen im Süd-Irak“. In: Brigitta Häuser-Schäublin, Hrsg. Ethnologische Frauen-Forschung : Ansätze, Methoden, Resultate. Berlin : Dietrich Reimer Verlag, 1991. S. 176-189. Erstmalig 1956 unter dem Titel: „Transvestiten bei Arabischen Stämmen“. Sociologus, N. F. 6, 1. Berlin.

… ein Beispiel für eine „vorkritische“, nicht-reflexive Ethnologie, in der der eigene koloniale Blick und das patriarchale Geschlechterregime in der Herkunftsgesellschaft der Forschenden niemals mitthematisiert werden. (In der Zeit, in der der Aufsatz entstand, durfte eine Frau in Deutschland ohne die Zustimmung ihres Mannes weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Arbeitsvertrag unterschreiben, was die Autorin nicht daran hindert zu insinuieren, dass die Frauen in der BRD „dem Manne gleich“ seien.) Trotzdem gewährt der Aufsatz ein paar interessante Einblicke in die jüngere Vergangenheit des Südirak…

Während unserer Untersuchung der Ma’dan-Stämme am Unterlauf des Euphrat-Tigris war es möglich, engeren Kontakt zu einer Dichterin lokaler Berühmtheit aufzunehmen. Sie führte ihr Leben als mustergil, d.h. in männlicher Kleidung als Mann. Die Erscheinung der Transvestiten ist z. B. auch von süd- und nordamerikanischen Stämmen berichtet, für die arabische Welt hat sie noch wenig Beachtung gefunden. Da unsere Dichterin kein Einzelfall ist – sie behauptete, daß allein in ihrem eigenen Stamm etwa 50 Frauen als Männer lebten – verdient die Frage nach den Gründen dieser Erscheinung Beachtung. (mehr …)

Christus und die Jungfrau Johannes: Gender Trouble im Mittelalter

Sonntag, Februar 20th, 2011

"Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte." (Joh 13,23)

"Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte."

Nicht dass die De/Konstruktion von Geschlecht zu meinen Arbeits­schwerpunkten zählte. Aber es ist doch unvermeidlich, in der von mir favorisierten „Geschichte der Sexua­lität“ (Foucault) auch über das „Unbehagen der Geschlechter“ (Butler) zu stolpern. So habe ich aus meinem verschwun­denen Journal auf X-berg.de eine ziemlich abge­fahrene Quelle gefischt, die ich hier nach Jahren wieder verfügbar mache: ein Fürgebet aus einem alten englischen Gesangbuch, datie­rend aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Adressat dieses Gebets ist – nein, ausnahmsweise nicht die Jungfrau Maria, sondern die „keusche Maid“ Johannes oder „der Jünger, den Jesus liebte“.1 (mehr …)

  1. Joh 13,23–26; 19,26–27; 20,2–10; 21,7; 21,20. []

Die neuen Männer. Oder: da wächst zusammen, was zusammengehört

Mittwoch, Februar 16th, 2011

So wird den Individuen im „Queerfeminismus“ noch einmal gerade das genommen, was einzig das Moment ihrer Rettung wäre, die Einheit ihrer Individualität, Geschlecht, Lust, Sexualität. Das Subjekt wird theoretisch um seine Substanz gebracht. Voraus­gedacht ist all das natürlich bei der Täterschützerin Judith Butler. —Martin Dornis, 2011

Im wirklichen Leben begegnen wir uns hingegen als die geschlechtslosen Softies, die unsere Politiker schon heute sind: Androgyne Zombies wie Frau Merkel, Frau Nahles oder Frau Künast, die man selbst in seinen wildesten Macho-Phantasien nicht missbrauchen möchte. —Jürgen Elsässer, 2010

Ihr ganzen verschwulten Pazifisten-Veganer, hängt euch auf an euren aus dem Arsch gezogenen Sexismusdebatten, fickt euch alle ins Knie gegenseitig, damit Ihr wieder wisst, ob Ihr Männlein oder Weiblein seid, und geht den Leuten nicht auf den Sack, die wirklich Revolution machen wollen. —MaKss Damage, 2010

The Wanderer

Sonntag, Januar 23rd, 2011

Vielleicht kennt jemand das Gedicht des schwulen Schriftstellers W. H. Auden The Wanderer von 1930:

There head falls forward, fatigued at evening,
And dreams of home,
Waving from window, spread of welcome,
Kissing of wife under single sheet;
But waking sees
Bird-flocks nameless to him.

Die ganze bittere Ironie entfaltet sich allerdings erst, wenn man die gleich­namige literarische Vorlage aus dem 10. Jahrhundert kennt:

Dann binden oft Schlaf und Sorge, beide zusammen,
den armseligen Einsamen:
in Gedanken scheint es ihm, daß er seinen Herrn
umarme und küsse, und auf [dessen] Knie lege
Hände und Kopf, so wie er lange zuvor
in früheren Tagen den Gabenstuhl nutzte.
Dann erwacht wieder der freundlose Mann,
sieht vor sich die fahlen Wogen,
sieht die Wasservögel baden, sieht sie die Federn ausbreiten,
sieht Frost und Schnee fallen, mit Hagel vermengt.

ðonne sorg ond slæp somod ætgædre
earmne anhogan oft gebindað.
Þinceð him on mode þæt he his mondryhten
clyppe ond cysse, ond on cneo lecge
honda ond heafod, swa he hwilum ær
in geardagum giefstolas breac.
Ðonne onwæcneð eft wineleas guma,
gesihð him biforan fealwe wegas,
baþian brimfuglas, brædan feþra,
hreosan hrim ond snaw, hagle gemenged.

Zärtlichkeit und Gewalt: der Männertag

Freitag, Juli 9th, 2010

Deutschland - Fußball - Männer - KotzenÄrgernis mit ein paar gelungenen Überlegungen zum Männertag (aus der Einleitung seines Vortrags „Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes“):

Ich würde gern mit einer Überlegung zum Männertag einsteigen, den wir vor wenigen Tagen wieder erlebt haben und ich würde mich gern fragen – was passiert eigentlich am Männertag? Ich denke, dass man grundsätzlich sagen kann, dass es dabei irgendwie darum geht, dass sich an einem solchen Tag Männer gegenseitig darin bestätigen, Mann zu sein. Man schließt an so einem Tag bewusst das andere Geschlecht aus und widmet sich zusammen mit anderen Männern explizit männlichen Tätigkeiten. Ich meine, dass der Männertag für ganz viele Männer tatsächlich sehr wichtig ist – gerade weil wir zur Zeit eine Entwicklung erleben, in der das Geschlechterverhältnis überhaupt nicht mehr starr zu bleiben scheint. Es gibt in einem gewissen Sinne ein Verschwimmen der Geschlechtergrenzen – die Homo-Ehe ist anerkannt, viele vormals geschlechtsspezifische Tätigkeiten können inzwischen von beiden Geschlechtern getätigt werden, ohne dass das zu irgend einem Skandal führen würde. Ich denke, dass gerade diese Entwicklung (auf die ich später noch einmal eingehen werde) für viele Männer eine enorme Verunsicherung bedeutet und dass nun solche Anlässe wie der Männertag für viele Männer die Funktion haben, sich in dieser Zeit der Verunsicherung doch ihres Männlichseins zu vergewissern. Sieht man sich solche Sachen wie den Männertag genauer an, dann kann man feststellen, dass da sehr einfache Dinge passieren: Männer rotten sich zu Horden zusammen, gehen Wandern, grölen dabei rum und besaufen sich. Ich würde sagen, dass dieses Rauschhafte, das in den kollektiven Alkoholexszessen liegt, etwas ganz wichtiges für die männlichen Subjekte ist – nämlich aus einem ganz bestimmten Grund; weil dieser Rausch es den männlichen Subjekten erlaubt, sich auf eine körperliche Nähe zu den anderen männlichen Subjekten einzulassen. Es lässt sich immer wieder beobachten – nicht nur beim Männertag, sondern auch bei Fußballspielen, beim Junggesellenabschied, bei Kneipentouren oder bei Rockkonzerten –, dass bei solchen Anlässen ein Rahmen dafür geschaffen wird, dass sich Männer gegenseitig berühren können. Es handelt sich zum Teil um innige, kameradschaftliche Umarmungen oder dass man sich gegenseitig im Arm liegt – auf jeden Fall scheint es bei solchen Anlässen wichtig zu sein, sich gegenseitig zu spüren. Leider ist es so, dass das männliche Subjekt in solchen Momenten eine gewisse Ahnung davon hat, dass es hier um eine verdrängte homosexuelle Neigung geht und das ist eine Ahnung, die das männliche Subjekt nicht zulassen darf. Deshalb gibt es verschiedene Riten, die es verhindern, dass sich die männlichen Subjekte ihrer Homosexualität bewusst werden und diese Riten enden immer wieder in einem Ausbruch von Gewalt. Die Körperlichkeit darf also nur dann zugelassen werden, wenn es sich um eine harte Körperlichkeit handelt. Die Umarmung endet oftmals in einer Kopfnuss, Körperlichkeit auf dem Rockkonzert besteht oftmals im Pogo, der bald vielmehr einer massenhaften Prügelei gleicht. Im letzten Jahr gab es zum Männertag Schlagzeilen, als sich in mehreren Städten aus den Männertagsumzügen Straßenschlachten entwickelt hatten. Letztendlich entlädt sich die nichteingestandene Homosexualität in Übergriffen gegenüber Frauen. Die Gewalt, die sich Männer täglich antun müssen, weil sie nicht passiv, sinnlich und zärtlich sein dürfen und die ganz offenbar wird, wenn tatsächlich eine Nähe zwischen Männern entsteht, wird am Ende den Anderen angetan.

Doppelte Vergesellschaftung von Frauen

Samstag, Juni 19th, 2010

Stéphanie Mercier et al., „Girls suck at video games“ / „Les filles sont nulles aux jeux vidéo“:

via maledei