Archiv für die 'Feuer und Flamme' Kategorie

Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß…

Liebe Grüne Jugend Würzburg! Es ist ja klar: Eine Hartz-IV-Partei braucht symbolpolitische Themen wie die »Ehe für Homosexuelle«, um sich noch irgendwie als fortschrittlich vorzukommen. Während sie in den 90er Jahren an einer Politik mitwerkelte, die immer mehr Menschen von immer mehr Gütern des gesellschaftlichen Lebens exkludierte, darf sie sich hier endlich als eine Partei der »Inklusion« fühlen.

»Ehe ist für ALLE da.« Grüne Jugend Würzburg

»Ehe ist für ALLE da.« Grüne Jugend Würzburg, 2013. Quelle: Facebook.

Die Ehe ist also »für alle da« – mit Ausnahme derjenigen natürlich, die aus irgendeinem dummen Grund nicht heiraten wollen. Dass ausgerechnet die Regenbogenfahne, die, auch wenn sie schon immer für ein gerüttelt Maß an Einfalt stand, zugleich so etwas wie eine irreduzible Vielfalt an Lebensformen repräsentieren wollte, welche sich nicht gegeneinander ausbooten lassen würden, euch zu einem geeigneten Symbol gerät, das Monopol einer einzigen, nämlich der staatlich sanktionierten Lebensform der Ehe als ein »für alle« geeignetes Modell zu bewerben, kommt euch nicht irgendwie Spanisch vor? (Click here to continue...)

Love and Violence in Ottoman Poetry

Ein Buch über Liebe in der “frühmodernen osmanischen und europäischen Kultur und Gesellschaft”, das ich immer ein bisschen ignoriert habe, ist Andrews’ und Kalpaklıs The Age of Beloveds. Der Grund ist die von Fach­rezensenten zurecht für ziemlich haarsträubend erachtete These, die osmanische Liebesdichtung bilde in jener Epoche, die man in Europa die “frühe Neuzeit” nennt, ein kulturelles Kontinuum nicht etwa mit der arabischen und persischen Kultur, sondern mit der höfischen Gesellschaft der europäischen Renaissance. Es scheint mir fast, als schlüge die Westbindung der modernen Türkei den beiden ein ideologisches Schnippchen, indem sie die Autoren dazu animiert, die Frankophilie der spätosmanischen Gesellschaft einfach mal um drei Jahrhunderte vorzuverlegen. Dass sich hier und da Ähnlichkeiten zwischen europäischer und osmanischer Dichtung fest­stellen lassen – wen wundert’s, da die Troubadoure das arabische Konzept mortaler Liebe schon im 12. Jahr­hundert aus dem andalusischen Spanien nach Südfrankreich holten, es allerdings zugleich, je weiter es nach Norden vordrang, zunehmend “heterosexuell” rekodierten. Wie in der Philosophie, Theologie und Medizin erwiesen sich die Christen als große Kopisten: Thomas von Aquin – was war er anderes als ein Abklatsch von Muhammad al-Ghazali?

Doch ungeachtet des zweifelhaften Versuchs, die Westlichkeit der historischen “Türkei” anhand von Similaritäten zu belegen, die ihre Ursprünge ganz woanders, nämlich in der kulturellen Ausstrahlungs­kraft des maurischen Spaniens haben, ist The Age of Beloveds als Quellen­sammlung für die aufgrund der historischen Sprachbarrieren in der Regel nur wenigen Experten zugängliche osmanisch­sprachige Literatur allemal von großem Interesse. Eine dieser Quellen hat mich aufgrund ihres morbiden Charakters dabei besonders fasziniert. Es ist die Geschichte von Ferdi, dem Dichter und “Liebhaber-Killer”: (Click here to continue...)

Lowkey – Obama Nation (Part 2) ft. Black The Ripper & M-1 (Dead Prez)

With Lyrics On Screen || Part 1 …

Ibn Hazm (7): Die Vortrefflichkeit der Keuschheit

Bevor ich’s ganz vergesse: das letzte Stück aus der Abhandlung von Ibn Hazm über die Liebe. Worauf es mir ankommt – dass das Geschlecht des Begehrten im gesamten Werk von Ibn Hazm keinen wie auch immer gearteten Unterschied konstituiert, die Kategorien von “Homo-” und “Heterosexualität” also gänzlich fehlen -, sollte mittlerweile klar geworden sein.

Wie mag es nun aber einem ergehen, der im Herzen etwas geborgen hat, was heißer war als Tamariskenkohle, im Busen etwas gehütet, was schärfer war als ein Schwert, der Bissen geschluckt hat herber als Koloquinte und seine Seele gegen ihren Willen von dem abgekehrt hat, was sie verlangte, was sie überzeugt war zu erreichen, worauf sie eingestellt und was ihr durch nichts verwehrt war? Wahrlich, er verdient, morgen, am Tag der Auferstehung, Freude zu erleben, an der Stätte der Belohnung und in der Welt der Ewigkeit im Kreise der Gottesfreunde zu weilen, vor den Schrecken des Jüngsten Tages und dem Entsetzen der Auferstehung sicher zu sein, und daß Gott ihm am Tage des Weltgerichts für diese Wunde Geborgenheit schenkt.

Der Arzt Abu Mūsā Hārūn ibn Mūsā hat mir folgendes erzählt: (Click here to continue...)

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (Click here to continue...)

Ibn Hazm (5) – Der Tod

Manchmal kommt es vor, daß die Sache ernster wird, der Verliebte besonders empfindlich und seine Besorgnis ungewöhnlich groß ist. Dies kann zum Tode und zum Abscheiden aus dieser Welt führen. In der religiösen Überlieferung heißt es: ‚Wer sich verliebt, keusch bleibt und stirbt, ist ein Märtyrer.‘

Mein Freund Abuʾs-Sarī ʿAmmār ibn Zijād hat mir nach einem ihm vertrauenswürdig erscheinenden Gewährsmann erzählt, daß der Kanzleibeamte Ibn Kuzmān durch die Liebe zu Aslam ibn ʿAbd al-ʿAziz, dem Bruder des Premierministers Hāschim ibn ʿAbd al-ʿAziz – er war nämlich ein äußerst hübscher Mensch – so hart geprüft worden sei, daß ihn seine Gefühle auf das Krankenlager warfen und ihn in eine Lage versetzten, die zum Tode führen mußte. Ohne zu wissen, daß er der Grund für seine Krankheit war, sprach Aslam häufig bei ihm vor und besuchte ihn oft, bis er aus Schmerz und infolge langen Siechtums starb. Der Gewährsmann fügte hinzu: „Nach seinem Hinscheiden teilte ich Aslam den Grund seiner Krankheit und seines Todes mit. Da grämte er sich und sagte: ,Warum hast du mich nicht davon unterrichtet?‘ Ich erwiderte: ‚Warum sollte ich das tun?‘ – ‚Bei Gott!‘ sprach er, ‚ich hätte ihn noch häufiger besucht und wäre kaum von ihm gewichen; denn mir hätte dies nichts ausgemacht.‘‟ Dieser Aslam war ein besonders fein gebildeter und in geistiger Beziehung vielseitiger Mann mit einer Fülle von Kenntnissen auf rechtswissenschaftlichem Gebiet. [...] Sowohl äußerlich wie innerlich war er ein über alle Maßen reizender Mensch. Er war der Vater des Abuʾl-Dschaʿd, der im Westviertel Cordovas wohnte. (Click here to continue...)

Ibn Hazm (4) – Die Unterwürfigkeit

Zu dem Wunderbaren, was sich in der Liebe zuträgt, gehört die Unterwürfigkeit des Liebenden seinem Geliebten gegenüber und die gewaltsame Anpassung seines eigenen Charakters an den des Geliebten. Bei Menschen mit zänkischem Wesen und schwierigem Charakter, Menschen, die sich der Leitung anderer widersetzen, ihre eigenen Entschlüsse durchführen, auf ihre Ehre bedacht und empfindlich für Demütigungen sind, kann man erleben, daß in dem Augenblick, in dem sie den Odem der Liebe verspüren, in ihren Wassern versinken und im Meer der Liebe schwimmen, sich ihre Unverträglichkeit in Sanftmut, ihre Schwierigkeit in Glätte, ihr Zielbewußtsein in Mattheit und ihre Empfindlichkeit in stille Ergebung verwandelt.

Der Geliebte hat oft eine Abneigung gegen die Äußerung von Klagen und einen Ekel davor, die Liebesseufzer seines Verehrers anzuhören. In solchen Fällen sieht man den Verliebten seine Traurigkeit verbergen, seinen Schmerz unterdrücken und seine Krankheit still für sich tragen. [...]

Mukaddam ibn al-Asfar hielt sich in den Tagen seiner Jugend ständig in der Moschee östlich des Koreischitenfriedhofs in Cordova und gegenüber dem Hause des Wesirs Abū ʿUthmān Ahmad ibn Muhammad ibn Hudair auf, weil er in ʿAdschīb, den Diener des Wesirs Abū ʿUmar verliebt war. Er betete nicht mehr in der Masrūr-Moschee, in deren Nähe er wohnte, sondern suchte ʿAdschībs wegen Tag und Nacht diese Moschee auf, so daß ihn die Wache mehr als einmal bei Nacht aufgriff, wenn er nach dem letzten Abendgebet den Heimweg antrat. Er pflegte nämlich dort zu sitzen und von dort Ausschau zu halten, bis schließlich der Diener in Zorn und Unruhe geriet, auf ihn zutrat, ihn verprügelte und auf Wangen und Augen schlug. Mukaddam aber freute sich darüber und sprach: “Bei Gott! Das ist mein höchster Wunsch, und jetzt bin ich beruhigt.” Und er schritt freudig eine Weile neben ihm her.

Ibn Hazm al-Andalusi; Max Weisweiler, Übers. Das Halsband der Taube : Von der Liebe und den Liebenden. Leipzig : Philipp Reclam jun., 1961.

Ibn Hazm (3) – Das Liebesgeheimnis

Eine Eigenart der Liebe ist es, daß die Zunge die Liebe verschweigt und der Verliebte sie auf Befragen leugnet, daß er nach außen hin Selbstbeherrschung zur Schau trägt, sich als weiberfeindlichen Einspänner gibt und das verborgene Geheimnis und das im Busen lodernde Feuer der Liebe verschließt, soweit es nicht schon aus seinen Bewegungen und seinen Augen spricht und wie das Feuer in der Kohle und das Wasser auf trockenem Erdreich weiterschleicht. Am Anfang kann man wohl bisweilen einen Menschen mit mangelndem Scharfblick täuschen; ist die Liebe aber voll entwickelt, dann ist dies unmöglich.

Der Grund für die Verheimlichung liegt manchmal in dem Bestreben des Verliebten, bei den Leuten nicht als solcher zu gelten, weil er die Liebe als eine Eigenart leichtsinniger Menschen betrachtet und sie darum flieht und meidet. Dies ist aber eine falsche Einstellung; denn es genügt, wenn sich der Muslim dessen enthält, was Gott, der Mächtige und Erhabene, zwar verboten hat, was er aber an und für sich nach seinem Willen tun kann und dann am Jüngsten Tag verantworten muß. Das Gefallen am Schönen und die Herrschaft der Liebe aber ist etwas Natürliches, das weder befohlen noch verboten ist, weil die Herzen in Gottes Hand stehen, der sie wendet, und weil sie nur zur Erkenntnis und Prüfung des Unterschiedes zwischen Recht und Unrecht verpflichtet sind sowie zum Glauben an das, was unzweifelhaft wahr ist. Die Liebe aber ist etwas Angeborenes, und der Mensch hat nur über die Bewegungen seiner Glieder Gewalt, die er aus freien Stücken annimmt. (Click here to continue...)

Ibn Hazm (2) – Kennzeichen der Liebe

Es gibt gewisse Kennzeichen für die Liebe, die scharfsinnige Leute entdecken und kluge Menschen finden können. Das erste davon ist das beständige Anschauen des geliebten Wesens. Das Auge ist die offene Pforte der Seele. Es erforscht ihre Geheimnisse, verleiht ihren Gedanken Ausdruck und kündet ihr Innenleben. Man sieht darum den Betrachter nicht mit der Wimper zucken, während er gleichzeitig mit dem Geliebten von der Stelle geht, mit ihm beiseite tritt und sich in der gleichen Richtung wendet wie er, so wie das Chamäleon immer mit der Sonne geht.

    Mein Auge ruht auf dir allein,
    Als wärest du ihm ein Magnet,
    Folgt deinen Schritten überall,
    Wie Beiwort stets mit Hauptwort geht.

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Ibn Hazm (1) – Das Wesen der Liebe

Der Liebe Anfang, mein Freund, ist Scherz, ihr Ende aber ist Ernst. Ihre Erscheinungen sind ob ihrer Erhabenheit zu zart, um beschrieben werden zu können, und so ist ihr tiefstes Wesen nur durch eigenes Erleben zu begreifen. Die Frömmigkeit verdammt die Liebe nicht, und das Gesetz verbietet sie nicht, stehen doch die Herzen in Gottes, des Mächtigen und Erhabenen, Hand.

Viele der rechtgeleiteten Kalifen und der orthodoxen Imame haben sich verliebt. [...] Von den bedeutenden Männern ihrer Umgebung und den Trägern ihres Reiches aber haben sich so viele verliebt, daß es unmöglich wäre, sie aufzuzählen. [...] Von Ibn ʿAbbas wird eine Rechtsentscheidung überliefert, die alle anderen überflüssig macht und die da lautet: ,Dieser ist ein Märtyrer der Liebe. Für ihn gibt es kein Blutgeld und keine Blutrache.‘ (Click here to continue...)


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