Archive for the ‘Fanatiker der Nation’ Category

Fragwürdige Rekontextualisierung: Der Westen und der Völkermord an den Armeniern

Freitag, April 17th, 2015

In der westlichen Forschung zum Genozid an den Armeniern wird fast durchgehend von jedem historischen Kontext abstrahiert, so vor allem von der Tatsache, dass sich jener nicht nur im Rahmen eines Weltkriegs, sondern auch eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs ereignete. Die ‚Sozialdemokratische Huntschak-Partei‘ (SDHP) und die drei Jahre nach ihr gegründete „Armenische Revolutionäre Föderation“ (ARF) strebten seit den späten 1880er Jahren ein Großarmenien in Russland und den sechs nordöstlichen Provinzen Anatoliens an, obwohl die Armenier in letzteren gerade einmal ein Viertel der tatsächlichen Bevölkerung stellten. Ihr nationales Projekt war daher von Anfang nur durch den Gebrauch extremer Mittel zu erreichen. Der armenische Patriarch Aschikyan, der in einer Predigt davor gewarnt hatte, dass die Provokationen der Nationalisten auf endloses Blutvergießen und das Verderben der Armenier hinauslaufen würden, wurde kurzerhand erschossen. (mehr …)

Wider die Phraseologie vom »Selbstbestimmungsrecht der Völker«!

Donnerstag, April 10th, 2014

Rosa Luxemburg über Lenins Antiimperialismus der dummen Kerle und sein Steckenpferd von der Existenz einer „ukrainischen Nation“:

Die russische Ukraine war zu Beginn des Jahrhunderts, als die Narreteien des „ukrainischen Nationalismus“ […] und das Steckenpferd Lenins von einer „selbständigen Ukraine“ noch nicht erfunden waren, die Hochburg der russischen revolutionären Bewegung gewesen. Von dort aus, aus Rostow, aus Odessa, aus dem Donez-Gebiete flossen die ersten Lavaströme der Revolution (schon um das Jahr 1902–04) und entzündeten ganz Südrußland zu einem Flammenmeer, so den Ausbruch von 1905 vorbereitend; dasselbe wiederholte sich in der jetzigen Revolution, in der das südrussische Proletariat die Elitetruppen der proletarischen Phalanx stellte. Polen und die Baltenländer waren seit 1905 die mächtigsten und zuverlässigsten Herde der Revolution, in denen das sozialistische Proletariat eine hervorragende Rolle spielte.

Wie kommt es, daß in allen diesen Ländern plötzlich die Konterrevolution triumphiert? (mehr …)

Lenins Völkergefängnis oder: die nationalistische Kritik des sowjetischen „Nationalismus“

Donnerstag, März 20th, 2014

Liebe Jenossen von marx21, man kann nicht, wie ihr, einerseits vorgeben, den Nationalismus überwinden zu wollen, und andererseits die transnationalen Gebilde früherer Zeit, einschließlich der poststalinistischen Sowjetunion, mit Lenin als „Völker-Gefängnisse“ denunzieren.

Heißt ja nicht, dass es in der SU, und zwar auch und gerade unter Lenin, keine kolonialen Praktiken seitens des russischen und ukrainischen Zentrums gegenüber den (vor allem wegen ihrer „homosexuellen“ Praktiken) als „unzivilisiert“ konstruierten muslimischen Sowjetrepubliken gab (während der Islam aber zunächst besser und nicht schlechter behandelt wurde als die russisch-orthodoxe Kirche). Trotzdem ist die Naturalisierung der im 19. Jahrhundert entstandenen Konstrukte von Volk und Nation, die ihr mit eurer Kritik am „stalinistischen Völkergefängnis“ betreibt, eben genau der Ausdruck des Nationalismus, den ihr in eurem Teaser gleichzeitig zu kritisieren beansprucht. Eine ukrainische Identität etwa, wie sie sich heute im Bandera-Faschismus Bahn bricht, hat es vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt nicht gegeben.

Und es ist auch überhaupt kein Fortschritt, wenn sich transnationale Reiche mit der Idee der bürgerlichen Demokratie in ethnische Nationalzoos verwandeln. Nein, es ist eine unaufhörliche Schlächterei, weil man mit dem Auseinanderdividieren der einzelnen Völkerschaften nie zum Ende, nie zu jenem von den Nationalismen erstrebten Zustand kultureller Reinheit kommt. Die Auflösung der Sowjetunion ist deshalb ein Desaster und nicht die Befreiung aus dem „Völkergefängnis“, für die ihr sie haltet.

Allein unter Deutschen: A Study in Self-Righteousness

Montag, Dezember 24th, 2012

Tuvia Tenenbom: I Sleep in Hitler's Room Vor wenigen Wochen hat der Suhrkamp-Verlag, nachdem Rowohlt abgesprungen war, nun endlich Tuvia Tenenboms Reisebericht Allein unter Deutschen (engl. „I Sleep in Hitler’s Room“) veröffentlicht. Die feuilletonistische Aufregung darüber kann man sich nur schwerlich erklären. Dass Tenenbom in einem Land, das in den letzten Jahren einen rassistischen Bestseller nach dem anderen aufgelegt hat, ernsthafte Schwierigkeiten hatte, einen Verleger zu finden, zeugt von eben jener Selbst­gerechtigkeit, die den Deutschen vorzu­werfen man Tenenbom nicht so recht verzeihen will. Meinungsfreiheit für Studien über den ethnischen »Kollektivcharakter« von Leuten: ja bitte, aber nur wenn es um die Kritik des Anderen geht! (mehr …)

Liberalism, Cultural Imperialism, and The Birth of „Civilisation“

Sonntag, Februar 19th, 2012

Im 2011 veröffentlichten vierten Band seines 1974 begonnenen Hauptwerks Das moderne Weltsystem beschreibt der amerikanische Sozialwissenschaftler Immanuel Wallerstein für den Zeitraum zwischen 1789 und 1914 (das sog. lange 19. Jahrhundert) die Entstehung des liberalen Fortschrittsnarrativs sowie seiner linken und rechten Variante – Radikalismus und Konservatismus – als Prozess der Formierung einer globalen Geokultur für das von ihm als erstem so getaufte „kapitalistische Weltsystem“.

Dessen Ursprünge datieren zwar bis ins lange 16. Jahrhundert zurück. Aber „das 19. Jahrhundert sah“, im Rahmen des liberalen Nationalstaats und des dort ausgefochtenen Kampfs um Bürgerrechte, „die Schaffung unseres gesamten zeitgenössischen Apparats an Identitäten“ (S. 217): „Bourgeois und Proletarier, Mann und Frau, Erwachsener und Minderjähriger, Brotverdiener und Hausfrau, Mehrheit und Minderheit, weiß und schwarz, europäisch und nicht-europäisch, gebildet und unwissend, […] hetero­sexuell und homosexuell, normal und abnorm, befähigt und behindert und selbstverständlich die Urkategorie, die alle diese anderen impliziert — zivilisiert und barbarisch“ (S. 146).

Warum er die letzte aus dieser langen Liste bürgerlicher Antinomien als eine Art ideologische Basis betrachtet, die den anderen mehr oder weniger verborgen zugrundeliegt, erschließt sich mir nicht gleich. Eine Andeutung gibt aber vielleicht die nachfolgende Passage (deren englisches Original sich, samt Kontext, auch online unter „Citizens All? Citizens Some! The Making of the Citizen“ findet):

Im 19. Jahrhundert gelangten die sogenannten Mittelschichten in die Lage, die westliche Welt zu dominieren, und Europa in die Position, die Welt zu beherrschen. Wenn man die oberste Spitze erreicht hat, ist das Problem nicht länger, wie man dorthin kommt, sondern wie man dort bleibt. Die Mittelschichten national und Europa global suchten, ihren Vorteil zu erhalten, indem sie sich zur Sicherung ihres Privilegs den Mantel der Natur und der Tugend verschafften. Sie nannten es Zivilisation, und dieses Konzept war ein Hauptbestandteil ihres Strebens. In der westlichen Welt wurde es in Bildung übersetzt, und Bildung wurde zu einem Mittel, die Massen zu kontrollieren. Auf der globalen Bühne, beginnend mit Napoleon (aber später von allen anderen europäischen Mächten übernommen), „wurde aus dem Begriff der Zivilisation als Ideologie … auf schamlose Weise eine Form des kulturellen Imperialismus“ (Woolf, 1989, 119). [S. 156]

Im Ganzen eine interessante Verlagerung des monumentalen Hauptwerks von Immanuel Wallerstein auf das Gebiet der Ideologiekritik – eine Verschiebung, die sich in den letzten zehn Jahren bereits abzeichnete. Es entspricht der methodischen Herangehensweise, jedem seiner Bände einen völlig neuen Fokus zu geben, um angesichts des Immergleichen globaler kapitalistischer Ausplünderung und Verarmung endlose theoretische Wiederholungen zu vermeiden.

Immanuel Wallerstein, The Modern World-System IV: Centrist Liberalism Triumphant, 1789-1914. Berkeley u.a.: University of California Press, 2011.

Fick die KOKs!

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Bei meinem Blog-Provider nennen sie Polizisten intern nur noch KOKs, weil diese ihre Auskunftsersuchen, zu denen sie ohne richterlichen Beschluss gar nicht berechtigt sind, mit „Ranzlhuber, KOK“ u. ä. unterzeichnen. In der Regel ist man nach einem Fax mit ihnen fertig, weil sie im gehobenen Dienst selber nicht daran interessiert sind, sich zu viel Arbeit aufzuhalsen.

Einige KOKs sind aber keine gewöhnlichen KOKs, sondern Super-KOKs – echte Nervbolzen aus der Provinz, die ihre brachliegende Kreativität monate- und jahrelang in die Jagd auf jugendliche Antifaschisten investieren können, weil diese es gewagt haben, in ihrem Blog zur Blockade eines fern gelegenen Naziaufmarsches aufzurufen. OK, solche KOKs sind wirklich selten, und sie scheinen alle einer bayerischen Vorhölle zu entstammen, wo auch Richter noch nach Rechts­auffassungen urteilen, die sogar den SPIEGEL einmal von den „Hexenprozessen von Memmingen“ sprechen ließen. (mehr …)

Mit Kommunismus gegen Deutschland (… and every other fucking nation)

Sonntag, Dezember 18th, 2011


ROFL

Berlin: Rechtspopulismus und die Linke

Freitag, Dezember 16th, 2011

Die bisherige Geschichte der BRD ist ohne die Existenz rechtsradikaler Parteien undenkbar. Richtete sich deren Rassismus über viele Jahrzehnte gegen „die Ausländer“ schlechthin, entwickelte sich nach dem 11. September 2001 im rechten Lager eine Strömung, die sich auf den Kampf gegen Muslime spezialisierte. Das Besondere daran sind die ideologischen Schnittstellen zu Strömungen der Linken. Deren offene Flanke ins rechtspopulistische Lager ist das Resultat eines Jahrzehnts „antideutscher“ Debatten. Was als Kritik an der vorgeblichen „Volksnähe“ von klassenkämpferischen Positionen begann, hat sich längst in ein kulturrassistisches Aussteigerprogramm für angebliche Ideologie­kritiker_innen gewandelt. Bislang scheint die Linke nicht fähig oder willens, sich dieser Entwicklung zu stellen und die Flanke ins rechtspopulistische Lager zu schließen. Um eine überfällige Debatte über diesen Zustand zu befördern, laden wir am 17. Dezember 2011 um 19 Uhr zu einem TREND-Teach-in im Mehringhof ein.

Es diskutieren:
Gerhard Hanloser (Sozialwissenschaftler)
Bernhard Schmid (Jurist)
Attila Steinberger (Publizist)

Moderation: Georg Klauda, Karl-Heinz Schubert

Veranstalter_innen:
Trend Onlinezeitung: http://www.trend.infopartisan.net/
North East Antifa (NEA): http://nea.antifa.de/

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Verantaltungshinweis Berlin

Donnerstag, August 25th, 2011

Neue Reden an die deutsche Nation. Über die linke “Türken Raus!”-Ideologie

Veranstaltung zur ideologischen Verstrickung rechter und linker “Islamkritik”

Hat sich eine linke Gruppierung mit ihrer Ahmedinejadsympathie 2009 unmöglich und lächerlich gemacht, folgen ihnen spätestens 2011 die linksnationalen Islamkritiker mit ihrem ewigen Islamkram.

Nicht nur weltgeschichtliche Ereignisse ereignen sich zweimal, zuerst als Tragödie, dann als Farce, auch auf idealistische Wirklichkeits­zugänge trifft das zu. Schwor Fichte noch die deutsche Nation auf den französischen Feind ein, so hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Nation gilt weiterhin [als] das Subjekt der Geschichte und die Menschen [werden] feinsäuberlich in Kollektive einsortiert, woraus auch alles entspringt: die Sitten, die Kultur und schließlich der ökonomische Stand.

Im Vortrag von Attila Steinberger wird es nicht um Fichte und den Hass auf die Franzosen, sondern vielmehr um den linksnationalen Idealismus in seiner islamkritischen Verfallsform und ihrem selbstgesetzten Hass auf Moslems unter dem Deckmantel der “Feindaufklärung” gehen.

Org: North East Antifascists (NEA)
Veranstaltung auf Facebook
Mo., 29. August 2011 | 19:00 Uhr | Café Morgenrot | Kastanienallee 85 | Berlin

via zusammen handeln

„Anti“deutsche brüllen palästinensische „Queers“ nieder

Montag, August 1st, 2011

Pixelutopia hat ja in einem sehr dankenswerten Beitrag bereits darauf hingewiesen, wie perfide es sich mit der „anti“deutschen Instrumentalisierung von muslimischen Frauen verhält: „Sie sind höchstens Objekte einer Befreiung von Außen, einer Befreiung, die nur über ihre vorherige Rassifizierung möglich ist und in der ihre eigene Perspektive keine Rolle spielt.“

Ein ähnliches Beispiel lieferte letzten Monat der Berliner transgeniale CSD, wo „palästinensische Queers“ niedergebrüllt und ausgebuht wurden, als sie sich erstmals mit Unterstützung queerer Aktivist_innen aus Israel auf einer deutschen Kundgebung zu Wort meldeten. Als stumme Opfer sind sie scheinbar willkommen, als politische Subjekte werden sie gnadenlos niedergemacht. (mehr …)