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Fragwürdige Rekontextualisierung: Der Westen und der Völkermord an den Armeniern

Freitag, April 17th, 2015

In der westlichen Forschung zum Genozid an den Armeniern wird fast durchgehend von jedem historischen Kontext abstrahiert, so vor allem von der Tatsache, dass sich jener nicht nur im Rahmen eines Weltkriegs, sondern auch eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs ereignete. Die ‚Sozialdemokratische Huntschak-Partei‘ (SDHP) und die drei Jahre nach ihr gegründete „Armenische Revolutionäre Föderation“ (ARF) strebten seit den späten 1880er Jahren ein Großarmenien in Russland und den sechs nordöstlichen Provinzen Anatoliens an, obwohl die Armenier in letzteren gerade einmal ein Viertel der tatsächlichen Bevölkerung stellten. Ihr nationales Projekt war daher von Anfang nur durch den Gebrauch extremer Mittel zu erreichen. Der armenische Patriarch Aschikyan, der in einer Predigt davor gewarnt hatte, dass die Provokationen der Nationalisten auf endloses Blutvergießen und das Verderben der Armenier hinauslaufen würden, wurde kurzerhand erschossen. (mehr …)