Traditionsbestände deutscher Außenpolitik:

In einem Erlass vom 11. August 1914 verkündete der Berliner Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, man strebe – als „Kampfmittel gegen Rußland“ – die „Insurgierung“ unter anderem der Ukraine an. Wenig später bestätigte der Außenminister des Habsburgerreichs, „daß sowohl unser wie Deutschlands Hauptziel die möglichste Schwächung Rußlands ist. Wir hoffen daher, die Befreiung der Ukraine und der anderen durch Rußland unterdrückten Völker an unseren Grenzen zu erwirken.“ Das Vorhaben, Russland zu zerteilen, bot nicht zuletzt erhebliche innenpolitische Chancen. Zum einen konnte man mit ihm traditionelle antirussische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung bündeln; zum anderen gelang es, die militärische Aggression als Kampf gegen den Despotismus des Zarenreichs zu etikettieren und damit auch zurückhaltendere Kreise für den Waffengang zu gewinnen. „Der antizaristische Effekt [Affekt? – rhizom] der Sozialdemokratie“ sei „ein wesentliches Moment gewesen, um ihr das Eintreten für den Krieg zu erleichtern“, hielt 1961 der Historiker Fritz Fischer in seiner bahnbrechenden Studie „Griff nach der Weltmacht“ fest.

Auszug aus: „Die Restauration der Oligarchen“ (german-foreign-policy.com, 07.03.2014, Volltextzugriff)