Archive for März, 2014

Dramatische Reportage über den Euromaidan im russischen Fernsehen

Sonntag, März 30th, 2014

Ziemlich interessant, wenn man die folgende russische Reportage über die Ereignisse in der Ukraine mit den hiesigen Nachrichtenbildern vergleicht, die den vom Westen unterstützten und durch die massive Gewalt von faschistischen Stoßtruppen bewerkstelligten Coup gegen eine gewählte Regierung als „friedliche Revolution“ gegen einen „Diktatoren“ verkaufen wollten. Am Ende wurde unter viel nationalistischem Tamtam lediglich ein von prorussischen Oligarchen gelenktes Regime durch ein von prowestlichen gelenktes ersetzt, das jetzt bereit ist, die Bevölkerung einem rigorosen neoliberalen Spardiktat zu unterwerfen. Massenhaften Hunger inklusive. Man zweifelt dann doch irgendwann am Verstand der Menschen, die sich dafür wochenlang den Arsch abgefroren haben. Such people give revolution a bad name!


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Ukrainische Helden von großdeutschen Gnaden

Samstag, März 29th, 2014

Dass der Westen das Missverständnis [von der Ukraine als einer von Russland zu trennenden Nation] nach Kräften förderte, hat vielleicht mit Ahnungslosigkeit, sicher aber mit der nachwirkenden Logik des Kalten Krieges zu tun. Was Russland schwächte und verkleinerte, konnte hierzulande nur für gut befunden werden. Im Falle der Ukraine hat das Missverständnis allerdings einen Vorlauf von gut hundert Jahren und enthält ein politisches Gift, vor dessen Freisetzung sich die Deutschen fürchten sollten. Die ersten Helden einer ukrainischen Unabhängigkeit, die noch heute von Angehörigen der Orangenen Revolution verehrt werden, waren nämlich Helden von deutschen Gnaden. […] (mehr …)

The Empire Strikes Back

Donnerstag, März 27th, 2014

Nationen sind entweder Sieger- oder Opfergemeinschaften, und sie benötigen Feinde, damit sie sein können, was die Nationalisten sich ausgedacht haben. Die Ukraine wird als Nation von Opfern ausgestellt, die über Jahrhunderte unterdrückt worden und erst nach dem Ende der Sowjetunion aus tiefer Finsternis erwacht sei. In allen postsowjetischen Republiken erzählen Nationalisten solche Erweckungsgeschichten. Sie sollen belegen, dass es immer schon der Wunsch aller Menschen gewesen sei, in einer Nation von Gleichgesinnten zu leben. In der nationalen Mythologie von Separatisten konnten die Vielvölkerimperien der Zaren und Kommunisten nichts anderes als Völkerkerker sein, in denen Despoten unglückliche Menschen unterdrückten. Historiker aber widerlegen den Mythos, sie sind die ärgsten Feinde der Nationalisten. […]

War die poststalinistische Sowjetunion wirklich ein Völkergefängnis? War sie nicht vielmehr ein erfolgreiches Modell interethnischer Konfliktbewältigung? Kann man sich die Ukraine überhaupt als Nation ohne das Imperium vorstellen, und war sie nicht auch ein imperiales Projekt und ein Kind der Sowjetunion? Denn das Ende der Sowjetunion kam nicht, weil Millionen sich gegen sie erhoben, sondern weil seine Eliten entschieden hatten, sie aufzulösen. (mehr …)

… da wächst der Widerstand auch

Montag, März 24th, 2014

Märtyrervideo der ukrainischen Neonazis über ihre „Unterdrückung“ in Charkiw, proletarisches Zentrum, zweitgrößte Stadt der Ukraine und Schwerpunkt der separatistischen Bewegung im Nordosten des Landes. Die Nazis hatten zuvor versucht, das Rathaus zu besetzen. Die Menge prügelt sie unter antifaschistischen Sprechchören aus dem Gebäude.

Grüne Kriegstrommler

Sonntag, März 23rd, 2014

Der Konfrontationskurs der Bundesregierung gegen Russland wird von allen im Bundestag vertretenen Parteien unterstützt. Doch keine tut dies derart aggressiv und hysterisch wie die Grünen. (wsws.org, 20.03.2014)

Siehe auch: jonasbayer, „Die Grünen, die Ukraine und der neue kalte Krieg“ (trotzalledem, 18.03.2014)

Der antizaristische Affekt

Freitag, März 21st, 2014

Traditionsbestände deutscher Außenpolitik:

In einem Erlass vom 11. August 1914 verkündete der Berliner Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, man strebe – als „Kampfmittel gegen Rußland“ – die „Insurgierung“ unter anderem der Ukraine an. Wenig später bestätigte der Außenminister des Habsburgerreichs, „daß sowohl unser wie Deutschlands Hauptziel die möglichste Schwächung Rußlands ist. Wir hoffen daher, die Befreiung der Ukraine und der anderen durch Rußland unterdrückten Völker an unseren Grenzen zu erwirken.“ Das Vorhaben, Russland zu zerteilen, bot nicht zuletzt erhebliche innenpolitische Chancen. Zum einen konnte man mit ihm traditionelle antirussische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung bündeln; zum anderen gelang es, die militärische Aggression als Kampf gegen den Despotismus des Zarenreichs zu etikettieren und damit auch zurückhaltendere Kreise für den Waffengang zu gewinnen. „Der antizaristische Effekt [Affekt? – rhizom] der Sozialdemokratie“ sei „ein wesentliches Moment gewesen, um ihr das Eintreten für den Krieg zu erleichtern“, hielt 1961 der Historiker Fritz Fischer in seiner bahnbrechenden Studie „Griff nach der Weltmacht“ fest.

Auszug aus: „Die Restauration der Oligarchen“ (german-foreign-policy.com, 07.03.2014, Volltextzugriff)

Lenins Völkergefängnis oder: die nationalistische Kritik des sowjetischen „Nationalismus“

Donnerstag, März 20th, 2014

Liebe Jenossen von marx21, man kann nicht, wie ihr, einerseits vorgeben, den Nationalismus überwinden zu wollen, und andererseits die transnationalen Gebilde früherer Zeit, einschließlich der poststalinistischen Sowjetunion, mit Lenin als „Völker-Gefängnisse“ denunzieren.

Heißt ja nicht, dass es in der SU, und zwar auch und gerade unter Lenin, keine kolonialen Praktiken seitens des russischen und ukrainischen Zentrums gegenüber den (vor allem wegen ihrer „homosexuellen“ Praktiken) als „unzivilisiert“ konstruierten muslimischen Sowjetrepubliken gab (während der Islam aber zunächst besser und nicht schlechter behandelt wurde als die russisch-orthodoxe Kirche). Trotzdem ist die Naturalisierung der im 19. Jahrhundert entstandenen Konstrukte von Volk und Nation, die ihr mit eurer Kritik am „stalinistischen Völkergefängnis“ betreibt, eben genau der Ausdruck des Nationalismus, den ihr in eurem Teaser gleichzeitig zu kritisieren beansprucht. Eine ukrainische Identität etwa, wie sie sich heute im Bandera-Faschismus Bahn bricht, hat es vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt nicht gegeben.

Und es ist auch überhaupt kein Fortschritt, wenn sich transnationale Reiche mit der Idee der bürgerlichen Demokratie in ethnische Nationalzoos verwandeln. Nein, es ist eine unaufhörliche Schlächterei, weil man mit dem Auseinanderdividieren der einzelnen Völkerschaften nie zum Ende, nie zu jenem von den Nationalismen erstrebten Zustand kultureller Reinheit kommt. Die Auflösung der Sowjetunion ist deshalb ein Desaster und nicht die Befreiung aus dem „Völkergefängnis“, für die ihr sie haltet.

Zwischen Russophobie und Rechtfertigung: Zur Kritik des deutschen »Homonationalismus«

Mittwoch, März 19th, 2014

In dem Artikel „Der homophobe Russe steht vor der Tür“ bewegt sich Harm auf einem schmalen Grat. Ich will nur einen Satz kommentieren: „Warum sollte jedes Land dieselben Wege gehen müssen?“ Weil Russland mit dem „Anti-Homopropaganda-Gesetz“ gar keinen anderen Weg geht, sondern nur Margaret Thatchers „No Promotion of Homosexuality“ Law aus den 80er Jahren kopiert.

Die Antwort auf Homonationalismus ist doch nicht die Relativierung von Homophobie in anderen Staaten, sondern der Nachweis, dass der Westen ein irreales und doppelzüngiges Bild über sich selbst kultiviert. Man nehme nur den Einbürgerungstest, der in Baden-Württemberg aufgelegt wurde, um Muslime pauschal als homophob zu diskreditieren, während nur wenige Jahre später dieselben „autochthonen“ CDU-Kreise, die das Thema für ihre xenophobe Politik instrumentalisierten, nun selbst eine der schlimmsten heterosexistischen Kampagnen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte vom Zaun brechen.

Das Prinzip ist immer das gleiche: Der „Andere“ wird gerade dort, wo er es einem gleichtut, als kulturell different konstruiert. So auch in der aktuellen Krimkrise: Da regen sich Deutsche über Russlands Großmachtallüren und „Putins Griff nach Westen“ auf, während sie selber über EU und NATO an der Ausweitung ihrer Einflusszone im Osten arbeiten, völkerrechtswidrige Kriege führen und einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat anstreben. DIE Heuchelei muss bloßgestellt werden, aber nicht indem man irgendwas von der Kritik an der fraktionsübergreifenden und selbst noch die Kommunisten einschließenden neokonservativen Politik der „family values“ in Russland fortnimmt.

Dass nicht schon jede Kritik aus dem Westen mit antirussischer Demagogie operiert, zeigt dabei ein Beispiel aus Schweden, wo 2.000 Menschen ihren Protest gegen das „Anti-Homopropaganda-Gesetz“ der Duma demonstrativ mit der russischen Nationalhymne unterlegten.

Im Übrigen ist es selbst ein antirussisches Klischee, dass man, wie Harm allen Ernstes behauptet, in Russland nicht demonstrieren dürfe.

Als sie die Kommunisten holten…

Montag, März 17th, 2014

Dnipropetrowsk (Ukraine). Eine Gruppe von Männern skandiert: „Kommunist – an den Galgen!“ und verfolgt einen unbekannten Mann, der mit „Bandera – Schw***el“ darauf antwortet. (Der Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera gilt trotz oder wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Lemberg, bei dem noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen 7.000 Juden und Kommunisten erschlagen wurden, in der neuen Ukraine als derzeit meistgefeierter Nationalheld.)

Am Donnerstag beschloss das Parlament, aus diesen rechten „Aktivisten“ eine 60.000-Mann-starke Nationalgarde zu formen, die von Andriy Parubiy (1991 Gründer der ukrainischen Nazi-Bewegung SNPU, dem Vorläufer der heutigen Regierungspartei Swoboda) und Dmytro Yarosh (Rechter Sektor, paramilitärischer Arm der Nazibewegung) befehligt wird.

Siehe auch Pressemitteilung der KPRF: „The secretary of the communist party of Lviv tortured by the fascists in Ukraine

What awaits Ukrainian workers?

Sonntag, März 16th, 2014

Behind incessant rhetorical invocations of a „democratic revolution,“ Ukraine’s newly-installed government of former bankers, fascists and oligarchs is preparing draconian austerity measures.

The plans being drawn up are openly described as the „Greek model,“ i.e., the programme of savage cuts imposed on Greece by the International Monetary Fund (IMF) and European Union (EU) that has caused Greece’s economy to collapse by nearly 25 percent in five years and produced a massive growth in unemployment and poverty.

In the case of Ukraine, however, this social devastation is to be unleashed against a country that has already been subjected to the scorched earth economics of capitalist restoration. Even before the latest events, Ukraine was the 80th poorest country in the world based on gross domestic product per capita, behind Iraq, Tonga and Bosnia-Herzegovina. […]

The former Stalinist bureaucrats and mafia-oligarchs who enriched themselves by stealing former state property have continued all the while to plunder state assets and pile up even greater personal fortunes. […] (mehr …)