Marxsche Kategorien wie Verdinglichung und Warenfetisch erfahren bei Adorno und dem frühen Lukács eine einschneidende Umdeutung, die von der romantischen Kultur- und Zivilisationskritik ihrer Zeit inspiriert ist. Während sie bei Marx auf das ideologische Verkennen des Klassenverhältnisses bezogen sind, das den bürgerlichen Akteuren als ein äußeres Verhältnis von Sachen erscheint, werden sie hier, anstelle von Armut und Ausbeutung, zum eigentlichen Skandalon. Dass diese Autoren soziale Ungleichheit in die Peripherie des Marxschen Denkens abdrängen, erweist sich dabei nicht nur als grundlegendes Missverständnis, sondern auch als einer der Hauptgründe für die wiedergewonnene Attraktivität der Kritischen Theorie in den neoliberal geprägten 90ern.

Berlin-Friedrichshain
Donnerstag, 30. Januar 2014, 19 Uhr
Café Größenwahn, Kinzigstr. 9
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Let’s talk about class!