Archive for November, 2013

BBC World: „Gay Pakistan: Where sex is available and relationships are difficult“

Mittwoch, November 13th, 2013

Audioausschnitt aus einem Beitrag der Sendereihe „Crossing Continents“ von BBC Radio 4 mit dem Titel „Inside Gay Pakistan“:

[ Full Audio ]

Aus dem zugehörigen Artikel:

Just occasionally, though, Pakistani parents do reconcile themselves to children entering a long-term gay relationship.

Akbar and Ali are one such couple who have made things work, against the odds.

„Ali’s family was run by a matriarch,“ recalls Akbar.

„His grandmother was the head of the house so I knew that winning her over would mean everything else would fall into place. I took the time to talk to her and convince her that I was a good person. That was first and foremost. It wasn’t about ‚coming out‘ in a formal sense. It’s more important to convince Ali’s family that I’m a good human being.

„She once gave me a hand-embroidered decorative cloth that she had made as a teenager. She said she was giving it to me because she knew I ‚take care of things‘. It was a kind gesture and a very personal kind of acceptance.“

Akbar and Ali have now set up home together with the support of their families. Akbar has a good relationship with Ali’s mother.

„She comes to stay with us and I love watching soaps with her. At the end of the night she goes to her room and Ali and I will retire to our room. Two men sleeping in the same bed? Sure she knows what is going on. We don’t have to have a big discussion about it.“

Stories like this are, however, exceptionally rare. For many gay men in Pakistan, a heterosexual marriage and a life of anonymous groping is the long-term reality.

Transforming Desire: Die Entdeckung des Homosexuellen in der islamischen Welt (Halle, 14.11.)

Montag, November 4th, 2013

HALLE (Saale), 14.11.2013, 19 Uhr, Universitätsstr. 1, Audimax, Hörsaal XXII:

Der westliche Begriff des Homosexuellen definiert einen bestimmten Typus von Person, dem gleichgeschlechtliches Begehren als identitätsstiftende Abweichung eingeschrieben wird. Klassische Texte aus der islamischen Welt kennen diese normalisierende Konstruktion nicht. So schreibt die Überlieferung selbst dem Gesandten Gottes die Sorge vor dem Antlitz schöner Burschen zu.

Wozu traditionelle Geistliche sich äußerten, waren »sündige« Handlungen wie Analverkehr oder Tribadie. Sie wogen, je nach Schule, manchmal weniger als das verbotene Trinken von Wein und manchmal mehr als ein »heterosexueller« Ehebruch. Gemäß islamischer Pflichtenlehre waren Frömmler zur Maßregelung von Sündern mit der Zunge, dem Herzen und bei einer extremen Minderheit (Hanbaliten) auch mit der Hand aufgerufen. Doch trug ihre Betonung der von jungen Männern ausgehenden Versuchung, die ihrer Ansicht nach so groß war, dass nur übermenschliche Kraft sie bezwingen konnte, narrativ eher zur Anreizung als zur Unterdrückung des Verbotenen bei.

Dieser Rechtsdiskurs existierte schiedlich-friedlich neben einer populären, zum Teil religiösen Dichtung, in der die Liebe zu jungen Männern eines der beherrschendsten Motive war. Am Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Eindruck westlicher Werte zum Verstummen gebracht, trat im 20. an seine Stelle allmählich die wissenschaftliche Konstruktion des Homosexuellen als einer devianten »Spezies« (Foucault).

Es ist diese eurozentrische Diskursordnung, die Islamist_innen, Nationalist_innen und Menschenrechts-NGOs als gemeinsame Matrix sexualpolitischer Kämpfe dient, obgleich sie die realen Lebensverhältnisse im Nahen Osten auf tragikomische Weise verfehlt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „que(e)r_einsteigen„.