Archive for Mai, 2013

What’s the opposite of pinkwashing again?

Samstag, Mai 25th, 2013
972mag.com, which is focused on events in Israel and Palestine, draws attention to a party commercial [here with English subs] in which Student Union members at a large college outside Tel Aviv have used homophobia to engender racial hatred and disgust for the „ugly Arab.“

Explaining the Politics of Migration…

Sonntag, Mai 19th, 2013

White man’s burden (to teach the dark-skinned how to overcome racial prejudice)

Freitag, Mai 17th, 2013
I find it rather disturbing to see a map about „racial tolerance“ shared over Facebook which is so deeply racist that it makes me wanna throw up.

First of all, it’s sheer bullshit. You cannot statistically compare reactions to a concept like „race“ that operates differently in completely different regional contexts. For instance, in Germany (and perhaps throughout Europe) it’s inseparably connected with Nazi race ideology which sent millions of people to the gas chambers, whereas in the U.S. it’s kind of a politically neutral term made to denote „skin color.“ Even funnier, if you go back to the past, race in the French context could denote something like class consciousness, for the aristocracy had invented itself as a „race“ apart from the common people. And who knows exactly what race is made to denote in India, Africa or the Arab peninsula? But what we know exactly, especially from the German context, is that „racism“ does not cease to exist with the concept of race becoming unutterable and culturally taboo. It can be replaced by terms like „culture“ or „place of origin.“

So, after all, what is the ideological statement of this ridiculous map? Its assertion is that „fair-skinned“ people are the vanguard of tolerance and enlightenment, whereas the dark-skinned are „still racist“ to the fullest. Towards whom? We don’t know. Traditionally, racism is the ideology of white power over the other in the framework of colonial conquest, imperialism and the historical aftermath of slavery. What this map tries to accomplish then is to turn this power relationship upside down in order to renew the ideology of „white man’s burden“ to civilize the backward (= darker-skinned) people, although, ironically, this time in the global fight against „racial prejudice.“

Grinding at School Dance

Donnerstag, Mai 16th, 2013

Mann-männliches Begehren in der Ming-Dynastie bis zum Einbruch der Barbaren

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Der sechzehnte Ming-Kaiser, Xizong, der 1627 einunzwanzigjährig verstarb, war konventioneller und verteilte seine Aufmerksamkeiten auf zwei getrennte Paläste, einen für seine männlichen, den anderen für seine weiblichen Geliebten. […] Aber Homosexualität war nicht auf Kaiser, Generäle und Höflinge beschränkt. Laut einem Ming-Kommentator wurden solche Beziehungen manchmal in die traditionelle konfuzianische Familienordnung integriert. Shen Defu (1578–1642) berichtet davon, wie männliche Paare in der südlichen Provinz Fujian häufig in einer Art von gleichgeschlechtlicher Ehe zusammenlebten:

    „Fujianesische Männer sind extrem verliebt in männliche Schönheit. Egal wie reich oder arm, hübsch oder hässlich, sie alle finden einen Gefährten ihres Standes. Zwischen den beiden wird der ältere als ‚gebundener [adoptierter] älterer Bruder‘ (qixiong), der jüngere als ‚gebundener jüngerer Bruder‘ (qidi) bezeichnet. Wenn dieser ältere Bruder in das Haus des jüngeren geht, geben die Eltern des letzteren auf ihn acht und lieben ihn wie einen Schwiegersohn. Und die Unkosten des jüngeren Bruders, einschließlich jene seiner Heirat, werden alle vom älteren gedeckt. Sie lieben einander und schlafen noch im Alter von dreißig gemeinsam im selben Bett wie Ehemann und -frau.“

Obwohl solche Vereinigungen manchmal zwanzig Jahre dauern konnten, war es dennoch notwendig, dass die Männer heirateten, ihre konfuzianischen Familienpflichten erfüllten und den Ahnenkult aufrechterhielten. „In der ganzen Geschichte“, fragt ein Mann in einer Erzählung über männliche Liebe, „hat es da jemals einen Präzedenzfall zweier Männer gegeben, die ihr Leben gemeinsam beschlossen?“ Nichtsdestoweniger war Shen Defu von der Hingabe beeindruckt, die solche Paare häufig zeigten. „Diese Passion kann so tief sein, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass zwei Liebende, die es unmöglich finden, ihre Beziehung fortzusetzen, sich aneinander festbinden und gemeinsam ins Wasser gehen.“ Diese fujianesischen Paarbildungen wurden häufig nanfeng (der südliche Brauch) genannt, in einem Kalauer auf das Wort nan, dass sowohl „männlich“ als auch „südlich“ bedeuten kann.

Unter der Ming-Dynastie entwickelte China seine ersten wichtigen Kontakte mit dem Westen, und zwei Zivilisationen lernten einander mit Erstaunen, Bewunderung und Abscheu kennen. Im Jahr 1557 errichteten portugiesische Händler eine Siedlung in Macao, und westliche Missionare unternahmen ihre ersten systematischen Anstrengungen, China zu bekehren. Diese katholischen Missionare, hauptsächlich spanische, italienische und portugiesische Jesuiten und Dominikaner, kamen aus Ländern, wo Sodomiten immer noch routinemäßig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die chinesische Toleranz versetzte sie in einen tiefen Schockzustand. Für diese andächtigen Priester erschienen die Flammen der Inquisition unendlich wünschenswerter als die Flammen der Lust, ja sogar der Liebe und Zuneigung in einer solch heterodoxen Form. (mehr …)

Jesus, Genie oder Idiot?

Dienstag, Mai 14th, 2013

Dem guten Gott geschuldet. Nietzsches Physiognomie des Christentums

Dienstag, Mai 14th, 2013

Gerade eine der ersten intellektuellen Erfahrungen meiner Jugend wieder aufgefrischt: die Lektüre von Nietzsches „Der Antichrist“. Das ist noch immer eine der interessanteren religionsfeindlichen Schriften, weil seine Kritik im Grunde gar nicht entlang einer atheistischen Argumentation verläuft. Dass Gott eine Illusion ist, versteht sich für den Mann sowieso von selbst. Es geht ihm vielmehr um einen religionspsychologischen Vergleich, der die Ambiguität des jüdischen und islamischen Glaubens herausstreicht, um sie in den Dienst einer Kritik am zum Erbrechen „guten Gott“ der Christenheit zu stellen, dem nicht ganz zufällig eine ebenso boshaft lustfeindliche und verfolgungsträchtige Kirche korrespondiert. Die Kritik am Christentum gibt Nietzsche eine für seine Zeit sehr ungewöhnliche Stoßrichtung, was die Zurückweisung des europäischen Ethnozentrismus und seines Überlegenheitsgefühls gegenüber den „Culturen“ der Anderen betrifft, so etwa auch im historischen Vergleich mit den peinlichen Randbemerkungen von Marx über den Islam, die eine ideologisch verkommene Gestalt wie Stephan Grigat unlängst aus den Tiefen der MEW hervorgebuddelt hat, um mit diesem blödsinnigen argumentum ad verecundiam die rassistischen und imperialistischen Ressentiments seiner „anti“deutschen Leser_innen zu befriedigen.

Als solcher Autoritätsbeweis funktioniert Nietzsche glücklicherweise gerade nicht. Der Mann ist völlig zurecht als ein lupenreiner Reaktionär verschrien. Er bietet zwar durchaus Ansatzpunkte für eine emanzipative Lektüre, weil er stringenter als alle marxistischen Ideologiekritiker die Interessenabhängigkeit jeder Form von Wissen bloßlegte. Und ebenso, weil seine Verachtung für die christliche „Sklavenmoral“ auch eine Kritik an der Staatsuntertänigkeit der deutschen Arbeiterschaft impliziert, sofern sie sich von Appellen an das gute Gewissen einer fiktiven Allgemeinheit die Perspektive einer Besserung ihres materiellen Loses erhofft. Diese Möglichkeit, Nietzsche gegen den Strich zu lesen, ändert jedoch wenig daran, dass er selbst vor allem mit einem beschäftigt war: den Protestantismus als überkommene Legitimationsideologie der Eliten des deutschen Kaiserreichs durch ein neues, aggressives und dem Zeitalter des Imperialismus weitaus angemesseneres System zu verdrängen: den bürgerlichen Sozialdarwinismus und seine Idee von Herrschaft als dem natürlichen Vorrecht des Stärkeren. Seine Schrift „Der Antichrist“ lässt sich so zwar leicht als eine Kritik am christlichen Antijudaismus lesen, ist aber zur gleichen Zeit an allen Ecken und Enden bereits mit den substitutiven Formen des modernen Antisemitismus durchsetzt.

Wer daher im Folgenden die reaktionären Untertöne bemängelt, der möge versichert sein, dass sich hinter meinen Auslassungspunkten die überhaupt erst richtig schlimmen Sudeleien verbergen. Und doch ist das Ganze auf seine Weise ausgesprochen lesenswert: (mehr …)

Les Veilleurs – die heterosexistische Nachtgarde des Herrn

Donnerstag, Mai 2nd, 2013

Wenn man schon immer wissen wollte, was spezifisch christlich ist, dann das: die Identität als verfolgende Unschuld; sich als Opfer derjenigen auszugeben, zu deren Unterdrückung man jahrhundertelang die ideologische Begleitmusik geliefert hat und deren Emanzipation man heute als die „kommende Diktatur“ des Relativismus anprangert. Im lacanschen Dreieck des Genießens steht dafür der Begriff der Paranoia: die an sich selbst verleugnete Lust kehrt als Beicht­schnüffelei und tätiger Verfolgungswahn gegenüber denjenigen wieder, denen man sie – um der Bewahrung ihres Seelenheils willen – am liebsten aus dem Leib prügeln würde. So geht christliche Nächstenliebe. Ihre paranoide Struktur wird ausgelöst durch die mit der Jesusfigur gesetzte Konstruktion eines allgütigen Gottes, der uns die Untersagungen der Schönheiten unseres Fleisches, von der Masturbation über den vorehelichen Sexualverkehr bis zum gleichgeschlechtlichen Beischlaf, doch in Wahrheit nur deshalb auferlegt, weil er uns „liebt“. Entsprechend widerwärtig nehmen sich katholische Mahnwachen gegen die Ehe für alle aus, die in einem ästhetischen Stil daherkommen, als hätte man es mit einer Sitzblockade gegen den NATO-Doppelbeschluss zu tun. Man würde kaum glauben, dass es sich um den Versuch ideologisch verhetzter Jugendlicher handelt – sie selbst nennen sich übrigens „die Nachtwächter“ (les veilleurs) –, anderen Menschen die bürgerliche Gleichheit zu bestreiten.

PS: Hier eine gepimpte Version dieses Videos, die das katholische Gejaule durch eingespielten Chor-Gesang ersetzt. Und hier ein beeindruckender Blick von außen auf die 5.000 homophoben „Nachtwächter“ von Paris.