Archive for November, 2012

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Samstag, November 24th, 2012

Foto: Gabriele Senft

Firoz Safi, Afghanistan, geb. 1993:

Meine Geburtsort ist Laghman, doch aufgewachsen bin ich in Dschalabad.

Durch die schlimmen Zustände in meinem Land konnte ich nie zur Schule gehen. Ich kann weder lesen noch schreiben. Mutter und Vater wurden von den Taliban ermordet. Ob meine älteren Geschwister, ein Bruder und vier Schwestern, noch leben, das weiß ich nicht. Ich kann keinen Kontakt zu ihnen herstellen.

Nach dem Tod der Eltern half ein Onkel, bei dem ich in der Landwirtschaft arbeitete.

Seit 1 1/2 Jahren bin ich auf der Flucht über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich bis nach Deutschland. Das Asylheim in Aub ist nun mein Zuhause. Dort vegetieren wir, bekommen Esspakete und dürfen uns nicht entfernen, nicht arbeiten, nicht lernen. Darum bin ich mit anderen nach Würzburg und nun nach Berlin gekommen.

Ich möchte keine Sozialhilfe, sondern arbeiten, um zu leben wie andere Menschen.

Doch noch wichtiger ist es für mich, das ist mein größter Wunsch und ich hoffe, es bleibt kein Traum: Ich möchte zur Schule gehen.

Ich habe Fragen im Kopf: Warum behandeln sie uns so? Wir wollten unsere Heimat nicht verlassen. Wie lange müssen wir warten, um als Menschen wahrgenommen zu werden, bis wir verrückt werden oder Selbstmord begehen?

Bis wann, bis wann, bis wann?

Who started? Amira Hass über den Gaza-Krieg

Donnerstag, November 22nd, 2012

Am 19. November 2012 veröffentlichte die isra­elische Tageszeitung Ha­aretz einen viel­beachteten Artikel der preisgekrönten linken Journalistin Amira Hass, der die Legitimation des Gaza-Kriegs durch westliche Staatsführer wie Obama, Westerwelle und Merkel zum Thema hatte. Um eine inhaltliche Diskussion zu erleichtern, wurde der Artikel hier erstmals ins Deutsche übersetzt:

Israels ‚Recht auf Selbstverteidigung‘ – ein gewaltiger Propagandasieg

Durch die Unterstützung von Israels Gaza-Offensive haben westliche Staatsführer den Israelis eine Blankovollmacht erteilt, das zu tun, worin sie am besten sind: im Gefühl des eigenen Opferseins zu schwelgen und das palästinensi­sche Leiden zu ignorieren. (mehr …)

Überwachen und Bestrafen: Heinz Buschkowskys Buch „Neukölln ist überall“ (Berlin)

Mittwoch, November 14th, 2012

vorgestellt von Anne Seeck und Karl-Heinz Schubert

Der Neuköllner Bürgermeister, Heinz Buschkowsky, ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den rassistischen Mund nimmt – so auch in seinem Buch „Neukölln ist überall“. Das stört sogar einige seiner sozialdemokratischen Parteifreunde. Was sie nicht stört, sind seine Vorschläge des Überwachens und Bestrafens, die den kapitalistischen Umbau profitträchtiger Stadtteile in Neukölln und anderswo vorbereiten, fördern und absichern sollen.

Anknüpfend an den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung soll zunächst gezeigt werden, welches Ausmaß an sozialen Verwerfungen in den heutigen Zeiten der Krise entstanden ist. Speziell in Nordneukölln, wo es sich für das mit Immobilien spekulierende Kapital von der Lage und der Bausubstanz her lohnt zu investieren, wohnen heute Menschen, die als potentielle Kunden für den zukünftigen Nordneuköllner Immobilienmarkt nicht mehr in Frage kommen.

Wir werden dann anhand des Buches „Neukölln ist überall“ darstellen, dass sozialdemokratische Stadtpolitik in der Lesart von Heinz Buschkowsky bedeutet, eine Wohnbevölkerung so abzurichten, dass sie den kapitalistischen Stadtumbau akzeptiert, ihn mitträgt und die Vertreibung widerständiger und/oder nicht zahlungsfähiger BewohnerInnen begrüßt. Buschkowsky nennt dies „Integration aller in unser Wertesystem“. (mehr …)

Necla Kelek oder Geschichten aus tausendundeiner Nacht

Sonntag, November 11th, 2012

Mal so:

Also hat die studierte Soziologin Kelek “aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland” erzählt. […] Vom Vater, der ihr, der zweiten Tochter, erst die Teilnahme am Turnunterricht verbot und später jeden Schulbesuch. Von sich selbst erzählt sie, wie sie aufbegehrte und wieder zur Schule durfte, wie sie schließlich die Autorität des Vaters in Frage stellte […]

Cathrin Kahlweit, „Warum nur schauen so viele weg?“ (Süddeutsche Zeitung, 19.05.2010)

Mal so:

Das alles hat mit meinem Vater aber nichts zu tun, denn mein Vater war nicht so religiös, nicht so hörig, und gerade deshalb bin ich Vaters Tochter. Er wollte ja, dass ich lerne, er hat mich gezwungen, zur Schule zu gehen, als ich ein Jahr lang als Teenagerin die Schule schwänzte und stattdessen im Bett ‚Vom Winde verweht’ las.

Necla Kelek im Interview mit Alan Posener (Die Welt, 14.03.2011)

Pinocchio 1940«Die Lüge, einmal ein liberales Mittel der Kommunikation, ist heute zu einer der Techniken der Unverschämtheit geworden, mit deren Hilfe jeder Einzelne die Kälte um sich verbreitet, in deren Schutz er gedeihen kann.» (Theodor W. Adorno)

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