The Guardian, 24. Juli 2012 (Übersetzung):

Christlich-evangelikale Gruppen in den USA versuchen sich an einer «kulturellen Kolonisierung» Afrikas und eröffnen Büros in zahlreichen Ländern, um Angriffe auf Homosexualität und Abtreibung zu befördern, so der Untersuchungsbericht einer liberalen Expertenkommission. Amerikanische religiöse Organisa­tionen expandieren ihr Operationsgebiet über den ganzen Kontinent, betreiben Lobby-Arbeit für konservative politische Strategien und Gesetze und fachen Homophobie an, behaupten die Political Research Associates (PRA) mit Sitz in Boston.

Unter den Gruppen findet sich das durch den Fernsehprediger Pat Robertson gegründete American Center for Law and Justice (ACLJ), das Niederlassungen in Kenia und Simbabwe errichtet hat. «Die religiöse Rechte behauptet [in der Praxis], dass Menschen­rechtsaktivisten Neokolonialisten sind und darauf aus, Afrika zu zerstören», stellt der Bericht fest. Die angesprochenen Gruppen weisen diese Behauptungen vehement zurück.

Überschrieben mit: «Die Kolonisierung afrikanischer Werte: Wie die christliche US-Rechte die Sexualpolitik in Afrika transformiert», analysierte die Studie Daten aus sieben afrikanischen Ländern und beschäftigte Forscher für mehrere Monate in Kenia, Malawi, Sambia und Simbabwe. Drei Organisationen wurden identifiziert, von denen die Studie annimmt, dass sie den Kontinent aggressiv ins Visier genommen hätten: Robertsons ACLJ, die katholische Gruppe Human Life International und Family Watch International, angeführt durch die Mormonen-Aktivistin Sharon Slater.

Jede einzelne von ihnen «rahmt ihre Agenda als authentisch afrikanisch in der Bemühung, Menschenrechtsanwälte als Gestalt eines neuen Kolonialismus zu brandmarken, der es darauf abgesehen hätte, kulturelle Traditionen und Werte zu zerstören», heißt es in dem Bericht. In den vergangenen fünf Jahren, so der Report weiter, haben alle «mit Anstrengungen begonnen oder sie ausgeweitet, welche dem Ziel gewidmet sind, ihre rechte christliche Weltsicht weltweit zu verbreiten. Ein loses Netwerk von rechten charismatischen Christen, genannt die Transformationsbewegung, reiht sich ein in den Versuch, die Flammen eines Kulturkriegs über Homosexualität und Abtreibung zu entfachen, indem sie prominenten afrikanischen Aktivisten und politischen Führern den Rücken stärken.»

Dr. Kapya Kaoma, ein anglikanischer Priester aus Simbabwe und Autor des Berichts, teilte mit, dass rechte christliche Gruppen Wahrnehmungen ermutigen, wonach gleichgeschlechtliche Beziehungen «unafrikanisch» und vom Westen aufgezwungen seien, eine Sicht, die in Wahrheit eher auf der Bibel beruht, welche mit dem Kolonialismus angekommen ist, als auf traditioneller afrikanischer Kultur. […] Kaoma glaubt, dass die amerikanischen Gruppen in den USA auf dem Rückzug seien und sich deshalb für schnelle Siege nach Afrika wendeten. «Sie scheinen zu wissen, dass sie dabei sind, die Schlacht in den USA zu verlieren, so dass das Beste, was sie tun können, ist, dabei gesehen zu werden, wie sie irgendwo Gewinne erzielen. Das gibt ihnen einen Grund, in den USA weitere Spenden anzuwerben. Afrika ist ein Bauer in der Schlacht, die sie daheim kämpfen.»

Der Bericht wurde von Schwulenrechtsaktivisten begrüßt. Frank Mugisha, Geschäftsführer von Sexual Minorities in Uganda, teilte mit: «Ich bin dankbar für die Dokumentation in dem Bericht, die bestätigt, dass es Homophobie (und nicht Homosexualität) ist, die vom Westen exportiert wird. Ich hoffe, dieser Report dient als Weckruf für die Glaubensgemeinschaften in Uganda ebenso wie im Westen, dass die amerikanischen Kulturkriege, die uns von der christlichen Rechten aufgezwungen werden, nicht nur die afrikanische Kultur bedrohen, sondern das nackte Leben von LGBTI-Afrikanern wie mir.»