Archive for März, 2012

vulture* capitalism

Freitag, März 30th, 2012

* aasgeier

Mitt, die Heuschrecke

Mittwoch, März 28th, 2012

„A child of textile mill workers reacts to recent news about a certain would-be president and how he’s earned his millions.“

Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus

Dienstag, März 27th, 2012

Die Totalität des Kapitalismus stellt sich zunächst so dar, daß alle Dinge und Beziehungen zur Ware werden – und das bietet schon genug Anlaß zur Kritik und Entrüstung über die entfremdeten Verhältnisse. Aber die Warenform erklärt uns nicht, warum die Verhältnisse so sind und wo der Ansatzpunkt ihrer Umwälzung liegen kann. Das Rätselhafte der Warenform besteht eben darin, daß sie die wirklichen Zusammenhänge und Grundlagen des Kapitalismus verdeckt. Sie ist ein Moment von Entfremdung und sie ist zugleich ein dichter Nebel, der uns die Kritik der Verhältnisse und ihre Überwindung verbaut. Es ist daher kein Wunder, daß die »Wertkritik« nur zwei gleichermaßen praxislose Auswege aus diesem Dilemma weiß: entweder überläßt sie die Umwälzung der Verhältnisse einer objektiven Gesetzmäßigkeit des ökonomischen Zusammenbruchs (Krisis), oder sie gefällt sich in kulturellem Pessimismus, der alle Praxis als das »Falsche« denunziert.

Die Warenform ist nicht das Ganze der kapitalistischen Gesellschaft und der Wert ist nicht der Universalschlüssel zu ihrer Kritik. Er ist der falsche Ausdruck für eine historisch besondere und widersprüchliche Weise der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens, und er kann nur im Zusammenhang mit diesen historischen, keineswegs ewigen Formen verstanden werden. Heute fallen uns viele dieser Besonderheiten nicht mehr auf, sie springen nicht ins Auge, sondern sind zu Normalitäten banalisiert worden. Die folgende historische Skizze soll daher keine »historische Herleitung« des Kapitalismus darstellen, sondern die Besonderheiten des Kapitalismus umreißen, die auf den Zusammenhang zwischen Warenform (Wert) und Produktionsweise hinweisen. Daran zeigt sich, daß etwas wie Wert als Kategorie und als wirkliches Verhältnis nur existieren kann unter den Bedingungen einer Produktionsweise, die auf dem Gegensatz der Produzenten zu ihren eigenen Produktionsbedingungen und dem Gegensatz zu ihrer eigenen Gesellschaftlichkeit beruht – auf Verhältnissen, die die Warenform notwendig mit einschließen und die zugleich hinter dieser Warenform verschwinden.

» Weiterlesen im Wildcat-Zirkular Nr. 62

Die Eliminierung von „Klasse“ in der Dialektik der Aufklärung

Montag, März 26th, 2012

Im Grunde ist es ein schöner Witz, dass die Dialektik der Aufklärung bei Suhrkamp noch immer ohne editorischen Apparat erscheint. Das ist in den von Fischer verlegten Gesammelten Schriften Horkheimers (Band 5) grundlegend anders. Hier erfährt man in den Fußnoten des Herausgebers Seite für Seite, wie das Werk 1947 akribisch von marxistischem Vokabular gesäubert wurde. Von Monopolen, Kapitalismus und Klassengesellschaft durfte jetzt nicht mehr die Rede sein. Stattdessen hieß es nun unverbindlich „das Bestehende“, „die Ordnung“ oder „die Gesellschaft“. Diese theoretische Selbstverstümmelung setzte sich in den folgenden Jahren immer radikaler fort. Alsbald sprach die Kritische Theorie nur mehr von der Sphäre der Zirkulation, mit deren Kritik man bei niemandem aneckte, weil es dort um nichts ging und auch die Konservativen es nicht mochten, wenn „Kultur“ zur Ware wurde; ersetzte – theoretisch besonders beschämend – Kapitalismus durch „Tauschgesellschaft“ und machte ihren lieben Frieden mit dem bürgerlichen Klassensystem. So wurde eine ganze Generation von vermeintlich kritischen Marxisten in die Bahnen einer albernen, folgenlosen und zunehmend reaktionären Kulturkritik gelotst. Endstation Zirkulations­marxismus, Neokonservativismus, „Ideologie­kritik“.

Hier einige Beispiele der Retuschen, die die Autoren 1947 an ihrem eigenen Werk vornahmen und welche zahlreiche Seiten des Buches betrafen:

„… das Bild jener Gesellschaft, in der nicht länger Wut sich reproduziert und nach Eigenschaften sucht, an denen sie sie sich bestätigen kann. Das wäre die klassenlose Gesellschaft. [1947 gestrichen]“

„Die Verfolgung der Juden, wie Verfolgung überhaupt, ist von der Klassengesellschaft [1947: solcher Ordnung] nicht zu trennen.“

„Einstweilen hat es die Technik der Kulturindustrie bloß zur Standardisierung und Serienproduktion gebracht und das geopfert, wodurch die Logik des Werks von der des gesellschaftlichen Systems sich unterschied. Das aber ist keinem Bewegungsgesetz der Technik aufzubürden, sondern ihrer Funktion in der Profitwirtschaft [1947: Wirtschaft heute].“

„Verschwiegen wird dabei, dass der Boden, auf dem die Technik Macht über die Gesellschaft gewinnt, die Macht des Kapitals [1947: des ökonomisch Stärksten] über die Gesellschaft ist.“

Im Grunde kann man niemanden ernst nehmen, der aus der kastrierten Fassung der Dialektik der Aufklärung zitiert, ohne sich des Anti­kommunismus und der Abwehr der Klassenfrage gewahr zu werden, denen sich die beiden nach dem Krieg immer fanatischer und überzeugter unterwarfen – bis aus dem ehemaligen Marxisten Horkheimer der proto-konservative CDU-Wähler wurde, der im Namen des von Linken bedrohten bürgerlichen Konkurrenz­subjekts „den freien Westen“, die Gräuel des Vietnamkriegs und die Pillenenzyklika des Papstes verteidigte.

Die große Einsperrung der Subalternen

Mittwoch, März 21st, 2012

Incarcerated Americans, 1920-2006

Quelle: Wikipedia/The November Coalition.

Dazu eines der wichtigsten Bücher des letzten 10 Jahre:

— Loïc Wacquant, Bestrafen der Armen: Zur neoliberalen Regierung der sozialen Unsicherheit. Opladen: Budrich, 2009.

In the dark zones of the world system: fighting the Naxalite rebellion in India

Dienstag, März 20th, 2012

When the cameras are off and nobody is paying attention, the Indian government goes in and commits the most horrendous and horrific crimes against the Naxal rebel movement to preserve the power and privilege of India’s ruling class.

Kapitalismus als Religion: Marx über das „bürgerliche Glücksversprechen“

Sonntag, März 18th, 2012

Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann […], so sehr er beständig gegenüber den vorhandnen einzelnen Kapitalisten eine unwillkommene Reihe neuer Glücksritter ins Feld führt, befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft. (Das Kapital, Bd. 3 [MEW 25], 614)

Remembering Ronald Reagan

Samstag, März 17th, 2012


From Michael Moore’s Capitalism: A Love Story (2009)

„Das Wachstum der Finanzmärkte hat mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun“

Freitag, März 16th, 2012

Michael Heinrich zu den strukturellen Ursachen der aktuellen Finanzkrise (erschienen als Interview in: analyse & kritik 551, 18.6.2010):

In den letzten 20 bis 30 Jahren spielten bei den Krisen die Finanzmärkte eine besonders wichtige Rolle. Dies hat damit zu tun, dass die Finanzmärkte im „Postfordismus“, der mit der Weltwirtschaftskrise von 1974/75 eingeläutet wurde, immens angewachsen sind. […] Die Deregulierung verschaffte den Finanzmärkten ihre wahnsinnige Beweglichkeit und die Möglichkeit, immer neue „Finanzprodukte“ zu schaffen. Das riesige Wachstum der Finanzmärkte hat aber mit gewaltigen Umverteilungsprozessen, letztlich mit einem enorm erfolgreichen Klassenkampf des besitzenden Bürgertums zu tun. Diese Umverteilung fand vor allem auf zwei Ebenen statt. (mehr …)

Burn, u feminists! oder: Der westlich-weiße Mann als Festung der Moderne

Freitag, März 16th, 2012

Das gesamte moderne Verständnis von Mensch und Natur wäre ohne die Hexenverfolgung undenkbar – die Scheiterhaufen der Hexenverfolgung waren das Zündfeuer für die Fackel der Aufklärung. Das spätere bürgerliche Subjekt schmiedete in dieser Zeit seine Freiheit und Autonomie.

— Martin Dornis in der (lacht nicht!) feministischen Zeitschrift outside the box, zit. n. Carsten Weber, „Festung MWW„.