Christlicher Fundamentalismus: Sexuelle Normalisierung und christliche Wiedererweckung in den USA

Fr., 02.09.2011 | 19:00 Uhr | K9 | Kinzigstraße 9 | Berlin-Friedrichshain

Anfang des 21. Jahrhunderts: Der amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson, dessen Christian Broadcasting Network in 180 Ländern und 71 Sprachen sendet, macht für den Wirbelsturm Katrina die Legalisierung von Abtreibung und für das schwere Erdbeben in Haiti einen Pakt der haitianischen Bevölkerung mit dem Teufel verantwortlich. 130 Jahre nach dem Tod von Charles Darwin glauben Umfragen zufolge noch immer mehr Amerikaner an Satan als an die Evolution. Und 50 Jahre nach der sexuellen Revolution scheint niemand etwas dabei zu finden, wenn unter US-Soldaten im Kriegseinsatz 20.000 Anti-Onanie-Päckchen mitsamt Bibeln und aufdringlichen Keuschheitswarnungen verteilt werden.

Inmitten des sog. wissenschaftlich-technologischen Zeitalters, in einem der „entwickeltsten“ Länder der Erde, feiert dumpfer Glaubensirrsinn wieder fröhliche Urständ. Und auf den Schwingen staatlicher Abstinenzprogramme unternimmt er es, seine reaktionäre und virulent homophobe Sexualmoral einmal mehr in den globalen Süden zu exportieren.

Anhand von Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung sowie aktuellen religionssoziologischen Befunden wird der Referent Georg Klauda der Frage nachgehen, wie sich die seltsame Renaissance von Fundamentalismus und sexueller Bigotterie im Herzen der westlichen Gesellschaft erklären lässt. Und warum die amerikanische Lesben- und Schwulenbewegung mit ihrer „Biorhetorik“ (R. A. Brookey) auf diese Herausforderung eine ebenso ungeeignete Antwort liefert wie der neoliberale Weltanschauungsdarwinismus von Dawkins‘ „Neuen Atheisten“.

Die Veranstaltung ist Teil der religionskritischen Veranstaltungsreihe „Don’t believe the hype“ und wird durchgeführt in Kooperation von North-East Antifascists [NEA] und VOSIFA.

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