Archive for August, 2011

Veranstaltungshinweis Berlin II

Sonntag, August 28th, 2011

Christlicher Fundamentalismus: Sexuelle Normalisierung und christliche Wiedererweckung in den USA

Fr., 02.09.2011 | 19:00 Uhr | K9 | Kinzigstraße 9 | Berlin-Friedrichshain

Anfang des 21. Jahrhunderts: Der amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson, dessen Christian Broadcasting Network in 180 Ländern und 71 Sprachen sendet, macht für den Wirbelsturm Katrina die Legalisierung von Abtreibung und für das schwere Erdbeben in Haiti einen Pakt der haitianischen Bevölkerung mit dem Teufel verantwortlich. 130 Jahre nach dem Tod von Charles Darwin glauben Umfragen zufolge noch immer mehr Amerikaner an Satan als an die Evolution. Und 50 Jahre nach der sexuellen Revolution scheint niemand etwas dabei zu finden, wenn unter US-Soldaten im Kriegseinsatz 20.000 Anti-Onanie-Päckchen mitsamt Bibeln und aufdringlichen Keuschheitswarnungen verteilt werden.

Inmitten des sog. wissenschaftlich-technologischen Zeitalters, in einem der „entwickeltsten“ Länder der Erde, feiert dumpfer Glaubensirrsinn wieder fröhliche Urständ. Und auf den Schwingen staatlicher Abstinenzprogramme unternimmt er es, seine reaktionäre und virulent homophobe Sexualmoral einmal mehr in den globalen Süden zu exportieren.

Anhand von Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung sowie aktuellen religionssoziologischen Befunden wird der Referent Georg Klauda der Frage nachgehen, wie sich die seltsame Renaissance von Fundamentalismus und sexueller Bigotterie im Herzen der westlichen Gesellschaft erklären lässt. Und warum die amerikanische Lesben- und Schwulenbewegung mit ihrer „Biorhetorik“ (R. A. Brookey) auf diese Herausforderung eine ebenso ungeeignete Antwort liefert wie der neoliberale Weltanschauungsdarwinismus von Dawkins‘ „Neuen Atheisten“.

Die Veranstaltung ist Teil der religionskritischen Veranstaltungsreihe „Don’t believe the hype“ und wird durchgeführt in Kooperation von North-East Antifascists [NEA] und VOSIFA.

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Verantaltungshinweis Berlin

Donnerstag, August 25th, 2011

Neue Reden an die deutsche Nation. Über die linke “Türken Raus!”-Ideologie

Veranstaltung zur ideologischen Verstrickung rechter und linker “Islamkritik”

Hat sich eine linke Gruppierung mit ihrer Ahmedinejadsympathie 2009 unmöglich und lächerlich gemacht, folgen ihnen spätestens 2011 die linksnationalen Islamkritiker mit ihrem ewigen Islamkram.

Nicht nur weltgeschichtliche Ereignisse ereignen sich zweimal, zuerst als Tragödie, dann als Farce, auch auf idealistische Wirklichkeits­zugänge trifft das zu. Schwor Fichte noch die deutsche Nation auf den französischen Feind ein, so hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Nation gilt weiterhin [als] das Subjekt der Geschichte und die Menschen [werden] feinsäuberlich in Kollektive einsortiert, woraus auch alles entspringt: die Sitten, die Kultur und schließlich der ökonomische Stand.

Im Vortrag von Attila Steinberger wird es nicht um Fichte und den Hass auf die Franzosen, sondern vielmehr um den linksnationalen Idealismus in seiner islamkritischen Verfallsform und ihrem selbstgesetzten Hass auf Moslems unter dem Deckmantel der “Feindaufklärung” gehen.

Org: North East Antifascists (NEA)
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Mo., 29. August 2011 | 19:00 Uhr | Café Morgenrot | Kastanienallee 85 | Berlin

via zusammen handeln

Ibn Hazm (7): Die Vortrefflichkeit der Keuschheit

Montag, August 15th, 2011

Bevor ich’s ganz vergesse: das letzte Stück aus der Abhandlung von Ibn Hazm über die Liebe. Worauf es mir ankommt – dass das Geschlecht des Begehrten im gesamten Werk von Ibn Hazm keinen wie auch immer gearteten Unterschied konstituiert, die Kategorien von „Homo-“ und „Heterosexualität“ also gänzlich fehlen -, sollte mittlerweile klar geworden sein.

Wie mag es nun aber einem ergehen, der im Herzen etwas geborgen hat, was heißer war als Tamariskenkohle, im Busen etwas gehütet, was schärfer war als ein Schwert, der Bissen geschluckt hat herber als Koloquinte und seine Seele gegen ihren Willen von dem abgekehrt hat, was sie verlangte, was sie überzeugt war zu erreichen, worauf sie eingestellt und was ihr durch nichts verwehrt war? Wahrlich, er verdient, morgen, am Tag der Auferstehung, Freude zu erleben, an der Stätte der Belohnung und in der Welt der Ewigkeit im Kreise der Gottesfreunde zu weilen, vor den Schrecken des Jüngsten Tages und dem Entsetzen der Auferstehung sicher zu sein, und daß Gott ihm am Tage des Weltgerichts für diese Wunde Geborgenheit schenkt.

Der Arzt Abu Mūsā Hārūn ibn Mūsā hat mir folgendes erzählt: (mehr …)

Der Westen und der Orientalismus der Sexualität (Interview)

Montag, August 8th, 2011

Zur Vertiefung siehe den Essay “Re-Orienting Desire: The Gay International and the Arab World”. Eine Kritik des auf diesem Essay basierenden Buchs, Desiring Arabs, findet sich auf den Seiten der Feminist Review. Nachfolgend ein Gespräch mit dem Autor Joseph Massad. Interview: Ernesto Pagano. Unautorisierte Übersetzung: /me.

Homosexuelle in der arabischen Welt? Sie wurden vom Westen „erfunden“. In seinem Buch Desiring Arabs versucht Joseph Massad, ein Jordanier palästinensischer Herkunft und Assoziierter Professor an der Columbia-Universität, dem Prozess nachzugehen, durch den die in den USA entstandene Schwulenbewegung in einer homosexuellen Identität resultierte und sich mühte, sie jenen Arabern aufzudrängen, die Beziehungen mit Personen ihres eigenen Geschlechts unterhalten. Ein Prozess, der laut Massad den Geleisen des westlichen Imperialismus folgt. […] (mehr …)

No Homo

Sonntag, August 7th, 2011

Zu meinen letzten Beiträgen hab ich via E-Mail ein amüsantes Musikvideo zugesandt bekommen, das eigentlich ganz gut in die Debatte passt – und das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte! 😉

Der Westen und der Orientalismus der Sexualität (Einleitung)

Sonntag, August 7th, 2011

Seit einigen Jahren befindet sich eine Reihe neurechter Publizisten auf dem Kreuzzug gegen Joseph Massad, der an der New Yorker Columbia-Universität moderne arabische Politik und Geistesgeschichte lehrt und mit Colonial Effects (2001), The Persistence of the Palestinian Question (2006) und Desiring Arabs (2007) bereits drei Bücher zu postkolonialen Themen veröffentlichte. Der Versuch, seine Festanstellung (tenure) als Assistenzprofessor zu hintertreiben, etwa durch die bellizistische Watchdog-Organisation „Scholars for Peace in the Middle East“ (der u.a. auch Matthias Küntzel angehört), erwies sich am Ende jedoch als folgenlos. Die Universität ließ sich durch den Druck der Neokonservativen nicht korrumpieren.

Der Hauptgrund für die Opposition gegen den in Jordanien geborenen Politikwissenschaftler ist recht unzweifelhaft seine christlich-palästinensische Herkunft und seine damit in Verbindung stehende Kritik am Zionismus, die ihm – wie üblich – den Vorwurf des „neuen Antisemitismus“ eingetragen hat. Als letzter Auslöser der Kampagne gegen Massad erwies sich jedoch sein Aufsehen erregender Essay „Re-Orienting Desire: The Gay International and the Arab World“ (Public Culture, 14/2002), der dem Autor sogar ein eigenes Dossier auf Daniel Pipes berüchtigter Denunzianten-Seite Campus Watch bescherte. Und eine kleine Gruppe beflissener Neocon-Imitatoren aus Österreich trug Massads Ruf als schlimmer Postkolonialist und Feind des „freien Westens“ sogar bis in (anti)deutsche Gefilde – obwohl er ins Deutsche noch überhaupt nicht übersetzt worden war. (mehr …)

Christians project their terror affinity on Muslims

Donnerstag, August 4th, 2011

According to the poll, 89% of Muslim Americans say there is never a justification for attacks on civilians, compared to 79% of Mormon Americans, 75% of Jewish Americans, and 71% of Protestant and Catholic Americans. […] Despite this surprisingly high Muslim opposition to attacks against civilians, most Americans of other faiths, according to the poll, feel Muslim Americans do not speak out often enough against terrorism.

(Ha’aretz, 2 Aug 2011.)

Die Hunger-Profiteure

Mittwoch, August 3rd, 2011

Über deregulierte Märkte, Nahrungsmittel-Spekulation und die kapitalistische Erzeugung von Hungersnöten:

via schockwellenreiter

Transgender im Süd-Irak (1956)

Dienstag, August 2nd, 2011

Sigrid Westphal-Hellbusch. „Transvestiten : Institutionalisierte Möglichkeiten des Ablehnens üblicher Frauen- und Männerrollen im Süd-Irak“. In: Brigitta Häuser-Schäublin, Hrsg. Ethnologische Frauen-Forschung : Ansätze, Methoden, Resultate. Berlin : Dietrich Reimer Verlag, 1991. S. 176-189. Erstmalig 1956 unter dem Titel: „Transvestiten bei Arabischen Stämmen“. Sociologus, N. F. 6, 1. Berlin.

… ein Beispiel für eine „vorkritische“, nicht-reflexive Ethnologie, in der der eigene koloniale Blick und das patriarchale Geschlechterregime in der Herkunftsgesellschaft der Forschenden niemals mitthematisiert werden. (In der Zeit, in der der Aufsatz entstand, durfte eine Frau in Deutschland ohne die Zustimmung ihres Mannes weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Arbeitsvertrag unterschreiben, was die Autorin nicht daran hindert zu insinuieren, dass die Frauen in der BRD „dem Manne gleich“ seien.) Trotzdem gewährt der Aufsatz ein paar interessante Einblicke in die jüngere Vergangenheit des Südirak…

Während unserer Untersuchung der Ma’dan-Stämme am Unterlauf des Euphrat-Tigris war es möglich, engeren Kontakt zu einer Dichterin lokaler Berühmtheit aufzunehmen. Sie führte ihr Leben als mustergil, d.h. in männlicher Kleidung als Mann. Die Erscheinung der Transvestiten ist z. B. auch von süd- und nordamerikanischen Stämmen berichtet, für die arabische Welt hat sie noch wenig Beachtung gefunden. Da unsere Dichterin kein Einzelfall ist – sie behauptete, daß allein in ihrem eigenen Stamm etwa 50 Frauen als Männer lebten – verdient die Frage nach den Gründen dieser Erscheinung Beachtung. (mehr …)

„Anti“deutsche brüllen palästinensische „Queers“ nieder

Montag, August 1st, 2011

Pixelutopia hat ja in einem sehr dankenswerten Beitrag bereits darauf hingewiesen, wie perfide es sich mit der „anti“deutschen Instrumentalisierung von muslimischen Frauen verhält: „Sie sind höchstens Objekte einer Befreiung von Außen, einer Befreiung, die nur über ihre vorherige Rassifizierung möglich ist und in der ihre eigene Perspektive keine Rolle spielt.“

Ein ähnliches Beispiel lieferte letzten Monat der Berliner transgeniale CSD, wo „palästinensische Queers“ niedergebrüllt und ausgebuht wurden, als sie sich erstmals mit Unterstützung queerer Aktivist_innen aus Israel auf einer deutschen Kundgebung zu Wort meldeten. Als stumme Opfer sind sie scheinbar willkommen, als politische Subjekte werden sie gnadenlos niedergemacht. (mehr …)