Die Medien beeilen sich, den Massenmörder von Oslo und Utøya als irrsinnigen Einzelgänger darzustellen. Dabei ist sein 1.500-Seiten-Pamphlet, an dem seine Wahnhaftigkeit diagnostiziert werden soll, kaum mehr als eine Guttenberg-Collage: ein fast schon repräsentativer Querschnitt durch mehrere Jahre publizistischer Schreibtischtäterschaft der sog. islamkritischen Szene. Und obwohl letztere im deutschsprachigen Internet das größte politische Meinungsangebot mit ca. 38 Millionen Seitenzugriffen pro Monat unterhält, heißt es jetzt: „Er kam aus dem Nichts.“ Aber sind 38 Millionen Seitenaufrufe allein in Deutschland etwa nichts?

Selbst PI-News räumt ein, was die meisten Mainstream-Kommentatoren nicht wahrhaben wollen: dass Anders Behring Breivik „großenteils Dinge [schreibt], die auch in diesem Forum stehen könnten“, sich also mitnichten vom ideologischen Durchschnitt der Szene unterscheidet. Aber trotz des mutig wirkenden Eingeständnisses „eigener Verantwortung“ ließ PI-News zwischen der notwendig gewordenen Korrektur an kewils Beitrag „Warum bombt [der] Islam ausgerechnet in Oslo?“ (22.7.) und seiner Hetze gegen arabische „Einwanderung per Asylbetrug“ (24.7.) keinen Tag ungenutzt verstreichen, um Feuer an muslimischen Wohnhäusern zu legen.

Aber siehe da: auf einmal soll die Hetze gegen Islam und Multikulti kewil und Breivik als „Extremisten“ ausweisen – als hätten Politiker der Mitte dieses Register nie gezogen. Vergessen die SPIEGEL-Titel über die „stille Islamisierung“ und Merkels Brandrede über das „Scheitern von Multikulti“: Nein, Breivik ist nur ein irrer Einzelgänger, der in einer fernen „Phantasiewelt“ lebt!